mini|Andrea Mantegna, Darstellung Christi im Tempel, um 1454, Tempera auf Holz, Gemäldegalerie Berlin mini| Andrea Mantegna, Beweinung Christi, um 1480, Tempera auf Leinwand, Pinacoteca di Brera, Mailand hochkant|mini|Judith und Holofernes (um 1495) Andrea Mantegna (* 1431 oder kurz davor auf der Isola Mantegna, früher Isola di Carturo, bei Piazzola sul Brenta; † 13. September 1506 in Mantua) war ein vor allem in Padua und Mantua aktiver Maler und Kupferstecher des 15. und frühen 16. Jahrhunderts.
Leben Die Datierung von Mantegnas Geburtsjahr auf 1431 fußt auf einer Inschrift seines 1448 ausgeführten und heute verlorenen Altarbildes für die paduanische Kirche Santa Sophia. Sowohl Bernardino Scardeone (1460) als auch der frühe Künstlerbiograph Giorgio Vasari berichten von dieser Signatur.Keith V. Shaw, Theresa M. Boccia-Shaw: Mantegna’s Pre-1448 Years Reexamined: The S. Sofia Inscription. The Art Bulletin, März 1989, Vol. 71, Nr. 1.Ronald Lightbown: Mantegna. Phaidon, Oxford 1986, ISBN 0-7148-8031-0. Mantegna habe die Inschrift, in der er das Bild als sein eigenes im Alter von 17 Jahren geschaffenes Werk bezeichnete, eigenhändig ausgeführt. Die Authentizität der Inschrift ist bisweilen infragegestellt worden. Als Argument dient unter anderem ihre Erwähnung durch den Maler Giovanni Maganza von 1583, wonach man „zwischen den Füßen der Jungfrau“ lesen könne, dass Mantegna das Bild zwanzigjährig gemalt habe. Dem wird entgegengehalten, dass es sich bei Maganzas Angabe wohl um eine gerundete Zahl handelte. In der Forschung herrscht weitgehender Konsens über die Ablehnung der These einer deutlich früheren Datierung der Geburt Mantegnas, wenngleich vereinzelte Gegenstimmen existieren.Laura Cavazzini, Aldo Galli: Padoue, carrefour artistique. In: Giovanni Agosti, Dominique Thiébaut (Hrsg.): Mantegna 1431 – 1506. Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 26. September 2008 bis 5. Januar 2009 im Pariser Louvre. Hazan, Paris 2008, ISBN 978-2-7541-0310-7, S. 59f, Fn. 1.
Andrea war Sohn eines Tischlers und stammte aus einfachen ländlichen Verhältnissen. Er musste in seiner frühen Jugend als Viehhirte arbeiten, wurde aber schon 1441/1442 als WaiseW. Lübke, M. Semran: Die Kunst der Renaissance in Italien und im Norden. 1. Auflage, Nachdruck des Originals, Salzwasser Verlag, Paderborn 1911. wegen seines Zeichentalents in die Malerschule von Francesco Squarcione in Padua aufgenommen, wo er sieben Jahre lang lernte, unter anderem das Zeichnen von antiken Statuen aus der Sammlung seines Lehrers. Francesco Squarcione machte den talentierten jungen Mann zu seinem Adoptivsohn, wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen. Mantegnas erstes bekanntes Werk war die oben erwähnte große Altartafel in der Kirche der heiligen Sophia. Nach einem Zerwürfnis, das in einem Gerichtsprozess mündete, trennte sich Andrea im Jahr 1447 von Francesco Squarcione.
Bedeutend für seinen späteren Werdegang war die Zusammenarbeit mit Nicolò Pizzolo (um 1420–1453), einem Mitarbeiter Donatellos während dessen Zeit in Padua, an den Fresken der Cappella Ovetari in der Kirche der Eremitani in Padua (1448–1457). Überhaupt zeigen Andreas Werke eine intensive Auseinandersetzung mit den Werken des Florentiner Bildhauers Donatello. 1449 war er am Hof von Ferrara, wo er Werke Rogier van der Weydens und Piero della Francescas kennenlernte. 1452 kehrte er nach Padua zurück, um seine Arbeiten an der Lünette in der Basilika des Heiligen Antonius in Padua zu beenden. 1453 heiratete er Nicolosia Bellini, die Schwester des venezianischen Malers Giovanni Bellini.
Ab 1456 bemühte sich Markgraf Luigi III. Gonzaga, Andrea in seine Residenzstadt Mantua zu holen. 1456 ernannte er ihn zu seinem Hofmaler. Mantegna blieb danach in den Diensten der Markgrafen von Mantua, ungeachtet seiner Tätigkeiten in Florenz, Pisa und 1488/89 in Rom. Nach Rom wurde Mantegna von Papst Innozenz VIII. berufen, um im Belvedere zu malen.
Mantegnas Werk hatte erheblichen Anteil daran, dass die eher unbedeutende Stadt Mantua zu einem Zentrum der bildenden Kunst wurde. Für den Palazzo Ducale malte er den Großen Triumph des Julius Cäsar (1484–1492), neun großformatige Gemälde, die ab 1506 im Palast San Sebastiano in Mantua untergebracht waren.Norbert Schneider: Historienmalerei. Vom Spätmittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Köln u. a. 2010. S. 93. 1629 gelangten sie in den Besitz von König Karl I. von England;Norbert Schneider: Historienmalerei. Vom Spätmittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Köln u. a. 2010. S. 93. seitdem befinden sie sich im Hampton Court Palace.Norbert Schneider: Historienmalerei. Vom Spätmittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Köln u. a. 2010. S. 93.
Mantegna hatte drei Söhne, die ebenfalls Maler wurden; sie gestalteten unter anderem die Kapelle in der Basilika Sant’Andrea in Mantua, in der ihr Vater begraben wurde.
Merkmale des künstlerischen Schaffens Mantegnas Figuren sind oft monumental, streng, voller Ernst und Würde; die Gegenstände und Raumbegrenzungen sind in scharfer Zeichnung und mit gelegentlich bewusst zugespitzten perspektivischen Mitteln dargestellt. Die Farben sind oft hart aneinandergesetzt, das Körperliche stark herausgearbeitet, wobei besonders die Anatomie des nackten Körpers prononciert gezeichnet wird. Seine intensive Auseinandersetzung mit der römischen Antike zeigt sich unter anderem in der präzisen Darstellung von Rüstungen und Architekturteilen.
Außer den Fresken in der Eremitani-Kirche in Padua mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen Jakobus und der Himmelfahrt Mariä gehört der Hochaltar von San Zeno in Verona (1456–1459) zu seinen besonders berühmten Arbeiten. Im Hochaltar von San Zeno ist zum ersten Mal in der oberitalienischen Kunst der Bildtypus der eingesetzt. Während seiner Zeit in Mantua entstand die Ausmalung der Camera degli Sposi im herzoglichen Palast zu Mantua (Castello di San Giorgio, 1465–1474). Schon zu Lebzeiten Mantegnas erfuhren seine Kupferstiche eine gewisse Verbreitung.
Das in Berlin aufbewahrte Gemälde mit der Darstellung Christi im Tempel zeigt im Hintergrund vermutlich den Maler gemeinsam mit seiner Frau Nicolosia. Es gilt deshalb als „die früheste erhaltene Darstellung eines Malerehepaares“.S. Partsch: Schau mir in die Augen, Dürer! Die Kunst der Alten Meister. München 2018. S. 113.
Werke (Auswahl) mini|hochkant=1.4|Andrea Mantegna, San-Zeno-Altar, 1456–1459, Tempera auf Holz, San Zeno Maggiore, Verona mini|Andrea Mantegna, Die heilige Familie, 1495–1500, Tempera auf Holz, Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden Lukas-Retabel (1453/55, Pinacoteca di Brera in Mailand). Christus am Ölberg (Mitte der 1450er Jahre), ein eher kleinformatiges Tafelbild in der National Gallery in London San-Zeno-Altar (1457/60): zunächst nach Paris verkauft, später nach Italien zurückgekommen und nun in der San Zeno Maggiore in Verona ausgestellt. Maria mit dem Kind: Tempera auf Leinwand, 43 × 32 cm, um 1465–1470, Gemäldegalerie in Berlin.Werner Schmalenbach: Über die Liebe zur Kunst und die Wahrheit der Bilder. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2004, ISBN 3-7757-1463-4 Hl. Bernhardin von Siena und Engel (1469, Pinacoteca di Brera in Mailand) Die Heilige Familie: Leinwand, 75 × 61,5 cm, um 1485–1490, Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden.Harald Marx, Gregor J. M. Weber: Gemäldegalerie Alte Meister Dresden. Deutscher Kunstverlag, München 1994, ISBN 3-422-06103-7 Die Beweinung Christi (um 1483, Pinacoteca di Brera in Mailand) ist ein ungewöhnlich kühnes Werk hinsichtlich der Verkürzung und der Anatomie sowie in Farbgebung und Reliefwirkung.Bei Fotos des toten Che Guevara wurde eine frappierende Ähnlichkeit zu Mantegnas Darstellung des toten Christus festgestellt, was zu der Inszenierung des Revolutionärs als „Heiliger“ zu passen scheint. Vgl. Che Guevara: modern saint and sinner. In: The Economist, 11. Oktober 2007. Madonna mit Kind und Engelschor (um 1485, Pinacoteca di Brera in Mailand). Ein Werk seiner Spätzeit ist die Madonna della Vittoria (1495/96, Louvre in Paris) mit Francesco Gonzaga als Stifter. Es zeigt die Schutzheiligen von Mantua zusammen mit Marchese Lodovico Gonzaga. Umstritten ist die Datierung des Christus als Schmerzensmann im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen; das Museum datiert das Werk auf das letzte Jahrfünft des 15. Jahrhunderts, schließt aber auch eine Entstehung bis zu zehn Jahre früher nicht aus. Der Parnass (1496/1497) und Minerva vertreibt die Laster aus dem Garten der Tugend (wahrscheinlich 1502) für das Studiolo der Isabella d’Este in Mantua, beide jetzt im Louvre in Paris Reliefs auf Zwei Brauttruhen für Paola Gonzaga, die später im Grazer Dom als Reliquienschreine aufgestellt wurden, werden Andrea Mantegna zugeschrieben. Zwei maskierte Putten erschrecken zwei Kinder, um 1495, Zeichnung in Feder und brauner Tinte
Literatur Caroline Campbell u. a. (Hrsg.): Mantegna + Bellini: Meister der Renaissance. Katalog zu den Ausstellungen in National Gallery of Art, London, 2018 und Gemäldegalerie, Berlin, 2019. Hirmer, München 2018. Giorgio Vasari: Das Leben der Bellini und des Mantegna. herausgegeben von Alessandro Nova zusammen mit Matteo Burioni, Katja Burzer, Sabine Feser und Hana Gründler, bearbeitet von Rebecca Müller, deutsch von Victoria Lorini, Klaus Wagenbach, Berlin 2010, ISBN 978-3-8031-5050-9.
Andreas Henning (Hrsg.): Andrea Mantegna. Die Heilige Familie. Sandstein Verlag, Dresden 2006, ISBN 978-3-937602-72-1. Thomas Arlt: Andrea Mantegna – „Triumph Caesars“. Ein Meisterwerk der Renaissance in neuem Licht. Wien 2005, ISBN 3-205-77298-9. Ortrun Rehm: Er-lesene Bilder. Untersuchungen zum Text-Bild-Bezug zwischen Inger Christensens ›Det malede værelse‹ und Andrea Mantegnas ›Camera Picta‹. Rombach, Freiburg im Breisgau 2005, ISBN 3-7930-9384-0. Alberta de Nicolò Salmazo: Andrea Mantegna. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2004, ISBN 3-8321-7230-0. Jan Lauts: Die Madonna della Vittoria. Andrea Mantegna. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 57, Stuttgart 1960. Renata Cipriani: Andrea Mantegna. 1956.
Wilhelm Boeck: Heimbücher der Kunst: Andrea Mantegna. Der Meister der oberitalienischen Frührenaissance. August Hopfer, Burg 1942, .
Weblinks
Bilder von Andrea Mantegna in der Web Gallery of Art
Einzelnachweise
Kategorie:Maler der italienischen Renaissance Kategorie:Buchmaler Kategorie:Hofmaler (Mantua) Kategorie:Kupferstecher (Italien) Kategorie:Freskant Kategorie:Ritter vom güldenen Sporn Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1431 Kategorie:Gestorben 1506 Kategorie:Mann