Malente (plattdeutsch: Lent)Schleswig-Holsteinischer Heimatbund: ist eine Gemeinde im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein und ein anerkannter Kur- und Erholungsort.

Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Malente erstreckt sich im Zentrum der Holsteinischen Schweiz im Bereich des Diek- und Kellersees an den nordwestlichen Ausläufern des Bungsbergs. Die Seen bilden im Kern den östlichen Bereich der sogenannten Holsteinischen Seenplatte und liegen in Quellnähe des Flusslaufs der Schwentine. Diese fließt direkt durch den zentralen Siedlungsbereich des Ortes Bad Malente-Gremsmühlen.

Gemeindegliederung Malente besteht aus drei Ortsteilen (Bad Malente-Gremsmühlen, Neversfelde, Rachut) und neun Dorfschaften (Benz, Kreuzfeld, Krummsee, Malkwitz, Neukirchen, Nüchel, Sieversdorf, Söhren und Timmdorf).

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeindegebiete von Malente sind:

Geschichte Die Gegend um Malente war ursprünglich von Wenden besiedelt und gehörte vor dem 20. Jahrhundert nicht zu Schleswig-Holstein. Ab dem 10. Jahrhundert zählte das Territorium zum Hochstift Lübeck. Im Zuge der Gründung des Bistums Oldenburg (in Holstein) durch den Sachsenherzog Heinrich der Löwe wurde um 1150 in der Gegend des heutigen Malente ein Hufendorf errichtet. Urkundliche Erwähnung fand der Ort erstmals im Jahr 1215. Ab 1227 begann die Errichtung der Maria-Magdalenen-Kirche. Nach der Säkularisation des Hochstiftes Lübeck kam das Gebiet 1803 zum Fürstentum Lübeck, das wiederum ein Landesteil des Herzogtums Oldenburg beziehungsweise ab 1815 des Großherzogtums Oldenburg war. Als Landesteil Lübeck ging es 1918 in den Freistaat Oldenburg und 1934 in das Land Oldenburg über. Mit Wirkung vom 1. April 1937 wurde der oldenburgische Landesteil durch das Groß-Hamburg-Gesetz als Kreis Eutin in die Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert, aus der 1946 das Land Schleswig-Holstein entstand. 1970 folgte die Eingliederung von Malente in den neu entstandenen Kreis Ostholstein.Hans Joachim Bartels: Chronik von Malente-Gremsmühlen. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 2008, S. 20–399.

Durch die Errichtung eines Sanatoriums mit Kurhaus erhielt Malente 1905 größere Bedeutung. 1934 erfolgte die Zusammenlegung der Gemeinden Malente und Neukirchen. Durch die Anerkennung als Kneippheilbad bekam der Fremdenverkehr 1955 Impulse. Seit 1996 trägt der Ortsteil Malente-Gremsmühlen den Titel Heilklimatischer Kurort und kann den Titel Bad vor dem Ortsnamen führen. Die Einheits-Eiche wurde am 3. Oktober 1990 aus Freude über die deutsche Wiedervereinigung von Jürgen Skop im Ortsteil Timmdorf, Inselweg 10, gepflanzt.(bsh): Einheitsbaum ist prächtig gewachsen. In: Ostholsteiner Anzeiger (bei SH:Z.de) 4. Oktober 2019, S. 7; abgerufen am 6. Dezember 2023.

NS-Zeit Die NSDAP des Gau Schleswig-Holstein, Provinz Lübeck, Eutin, gründete auch in Malente relativ früh eine vollständige Ortsgruppe, die 80 Mann umfasste.Lawrence D. Stokes: Kleinstadt und Nationalsozialismus: Ausgewählte Dokumente zur Geschichte von Eutin 1918–1945 (= Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Band 82). Wachholtz, Neumünster 1988, S. 150, ISBN 3-529-02182-2. Bei den Wahlkämpfen zur oldenburgischen Landtagswahl fanden auch in Malente Veranstaltungen statt, z. B. am 15. Mai 1931, mit Carl Röver als Gastredner. Röver war NSDAP-Leiter des Gaus Weser-Ems, der im Wesentlichen die Stadt Bremen und den Freistaat Oldenburg umfasste. In Personalunion war er „Reichsstatthalter“ für Oldenburg und Bremen.Lawrence D. Stokes: 1988, S. 173.

Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 am 13. März 1932 erzielte Adolf Hitler in Malente-Gremsmühlen bereits die absolute Mehrheit.Lawrence D. Stokes: 1988, S. 280. Zum Sommeranfang 1932 weihte die Hitlerjugend ein von einem NS-Architekten entworfenes HJ-Heim am Kellersee ein. Das NS-Regime unterhielt außerdem spätestens ab 1934 eine soldatisch ausgerichtete HJ-Gebietsführerschule „Otto Blöcker“ in Malente.Heinz Eduard Tödt (1918-1991), Geschichte der Bekennenden Kirche Schleswig-Holstein.

Im Januar 1933 wurde eine BDM-Gruppe mit anfangs 13 Mitgliedern in Malente gegründet, die u. a. Reigen- und Märchenspiele aufführte.Lawrence D. Stokes: 1988, S. 364. Der Eutiner Ratsherr Dr. Wolfgang Saalfeldt, ab 1930 Ortsgruppenleiter (OGL) und Kreisleiter der NSDAP in Eutin, wandte sich 1933 in einer Rede vor der NS-Frauenschaftsgruppe in Malente gegen die „politischen Machtgelüste von Frauen“ und Frauenrechtlerinnen, Frauen sollten vor allem Hausfrau und Mutter sein.Lawrence D. Stokes: 1988, S. 409.

Auch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin blieb von dem Rechtsruck nicht verschont. Mit dem Tod des Landesprobstes Rathgens und der Wahl des Malenter Pfarrers Wilhelm Kieckbusch, der wegen seiner stark deutschnationalen und antisemitischen Einstellung als „Stahlhelmpastor“ und als „nationalen Hetzer“ galt, als dessen Nachfolger 1930 wurde der Rechtsdrall noch ausgeprägter. Als erste Ortsgruppe innerhalb der evangelischen Landeskirche meldete Ende Juli 1933 der Gemeindekirchenrat von Malente, dass er sich zu 100 % aus den rassistischen und antisemitischen Deutschchristen zusammensetzte, die den deutschen Protestantismus an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollten.Lawrence D. Stokes: "Meine kleine Stadt steht für tausend andere ..." - Studien zur Geschichte von Eutin in Holstein, 1918-1945. Eutin: Struve's Buchdruckerei und Verlag, 2004, S. 147, ISBN 3-923457-72-3

Bereits im Dezember 1929 gründete der Landesteil Oldenburg der SA im NSDAP Gau Schleswig-Holstein eine Ortsgruppe der SA in Malente.Lawrence D. Stokes: 1988, S. 94. Die SA-Standarte 214 nahm u. a. auch an den Reitertagen von Malente 1933 teil.Lawrence D. Stokes: 1988, S. 423. Im Juli 1934 sammelte die SS wegen eines angeblich bevorstehenden Putschversuches der SA deren Waffen ein, nur die bei den SA-Führerschulen in Malente und Middelburg vorhandenen Waffen wurden diesen zunächst belassen.Lawrence D. Stokes: 1988, S. 507.

Politik Gemeindevertretung Die letzte Wahl fand am 14. Mai 2023 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,9 % und führte zu folgendem Ergebnis:

Wappen Blasonierung: „Von Silber und Rot schräg geteilt. Vorn fünf blaue Wellen, hinten ein perspektivisch gezeichnetes, aus der Teilung hervorkommendes schwarzes oberschlächtiges Mühlrad.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Das Wappen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Ermangelung von Dienstsiegeln, die frei von nationalsozialistischen und kaiserlichen Symbolen sind, von der Gemeinde gewählt und von der britischen Militärregierung genehmigt.

Partnergemeinde Barwice, Polen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Immenhof-Museum: In Erinnerung an die Immenhof-Filme, die u. a. im nahe gelegenen Gut Rothensande gedreht wurden, zeigt das Museum Kostüme, Bilder, Plakate und Requisiten aus der Filmproduktion. Ein Highlight der Ausstellung ist die original erhaltene Kutsche aus dem ersten Teil der Filmreihe (Die Mädels vom Immenhof). Es werden auch Filmtouren angeboten. Tews-Kate: Das Heimatmuseum zeigt historisches Mobiliar sowie haus- und landwirtschaftliche Geräte. mini|Gut Rothensande, Herrenhaus

Bauwerke Gut Rothensande Diekseepromenade Kellerseepromenade Maria-Magdalenen-Kirche Gremsmühle Wasserturm Malente an der Ringstraße Die Thomsen-Kate ist ein Reetdach­haus aus dem 18. Jahrhundert. Hier ist im Erdgeschoss das Trauzimmer des Standesamts Malente untergebracht. Tews-Kate – die älteste Räucherkate in Ostholstein Großsteingrab Grabkammer Malente

Eiche als Gedenkbaum für die Deutsche Einheit Ein echter Einheitsbaum ist die Einheits-Eiche in Timmdorf, Inselweg 10. Sie wurde von Jürgen Skop am 3. Oktober 1990 aus Freude über die deutsche Wiedervereinigung, gepflanzt.

Naherholung mini|Am Dieksee Im zentralen Bereich der Gemeinde in Nähe der Anlegestelle der Freizeitschifffahrt Fünf-Seen-Fahrt besteht das öffentlich zugängliche Wildgehege Bad Malente (auch Malenter Wildpark & Arboretum genannt). Hier werden im öffentlichen Raum die einheimischem Hochwildarten und sonstige Tiere präsentiert. Im benachbarten Arboretum erhält der Besucher viele Informationen über heimische Gehölze (Eiche, Ulme, Kirsche, Eschen, Linden, Weiden, Ahorn und weitere). 5-Seen-Fahrt: Rundfahrten über die Seen Dieksee, Behler See, Langensee, Höftsee und Edebergsee in der Saison von Ostern bis Oktober Im Findlingsgarten bei der Ortschaft Kreuzfeld befindet sich der Wandhoff-Findling. Mit einem Gewicht von etwa 126 Tonnen und einer Größe von 3,5 × 4 × 4,2 Meter (B × H × T) zählt er zu den größten Findlingen in Schleswig-Holstein. mini|An den Auewiesen Das WunderWeltWasser ist ein Naturlehrpfad entlang der Malenter Au am Kellersee. Der 1962 bis 1966 von Karl Plomin (Planten un Blomen) gestaltete Kurpark Malente im Zentrum des Ortes gilt als herausragendes Beispiel für die Landschaftsarchitektur der 1960er Jahre und wurde 2003 als jüngstes Gartendenkmal Schleswig-Holsteins eingetragen. Im Nordwesten befindet sich ein Teil des NATURA 2000-Schutzgebietes FFH-Gebiet Dannauer See und Hohensasel und Umgebung im Gemeindegebiet. Westlich des Ortsteils Timmdorf liegt östlich des Fließgewässers Schmarkau ein Teil des NATURA 2000-Schutzgebietes FFH-Gebiet Grebiner See, Schluensee und Schmarkau im Gemeindegebiet.

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen mini|Sportschule des SHFV (Uwe-Seeler-Fußball-Park) In Malente ist die Sportschule Malente des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes beheimatet. Die Sportschule errang nationale Bekanntheit als der Ort, in welchem die deutsche Fußballnationalmannschaft zwischen 1966 und 1994 traditionell ihr letztes Trainingslager vor Fußball-Weltmeisterschaften abhielt. Durch das finale Trainingslager der Nationalmannschaft im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, bei der die deutsche Mannschaft den Titel errang, wurde der hier begründete „Geist von Malente“ ein fester Begriff für die deutsche Fußballkultur. Das Areal der Sportschule ist mittlerweile modernisiert und wurde 2013 als Uwe-Seeler-Fußballpark (USFP) wieder eröffnet.

Der Landessportverband Schleswig-Holstein betreibt am Ort das Sport- und Bildungszentrum Malente, eine Akademieeinrichtung. Bei Errichtung als erstes Sportinternat im Gebiet der damaligen Bundesrepublik sollten in dieser Einrichtung ab 1968 junge Talente auf internationale Sportwettkämpfe vorbereitet werden; hierzu gehörten u. a. Kurt Bendlin und Dirk Lange. Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1972 trainierten hier zahlreiche afrikanische Athleten, u. a. John Akii-Bua.Der Spiegel 41/1968 - Kampf im Hochland.

Verkehr mini|Bahnhofsgleise Bad Malente-Gremsmühlen (2021) mini|Bahnhof (1983) Das Gemeindegebiet wird im Süden auf einem kurzen Teilstück von der Bundesstraße 76 im Abschnitt Plön–Eutin tangiert. Das Zentrum der Gemeinde, der Kurort Bad Malente-Gremsmühlen, wird über die Landesstraßen 56 (aus westlicher/nördlicher Richtung kommend) und 174 (südlich/östlich) angebunden.

Malente befindet sich an der Bahnstrecke Kiel–Lübeck. Vom Bahnhof Bad Malente-Gremsmühlen aus besteht im Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein ein Halbstundentakt in die Oberzentren Kiel und Lübeck. Am Ort zweigt die Bahnstrecke Malente-Gremsmühlen–Lütjenburg ab. Diese Strecke ist stillgelegt; es ist allerdings in der Diskussion, sie für den Schienenpersonennahverkehr zu reaktivieren. Des Weiteren sollen im Zuge der Planungen für eine Regio-S-Bahn die Züge von Lübeck kommend, über Malente-Zentrum, bis zum neuen Haltepunkt Malente-Nord an der Strecke nach Lütjenburg verlängert werden, um den Ortskern besser an den Schienennahverkehr anzubinden.

Das Gemeindegebiet ist darüber hinaus über die Buslinie 3 in das Stadtbusnetz von Eutin eingebunden. Die Regionalbuslinien 543, 544 und 545 ergänzen die vom Kreis Ostholstein regelmäßig geplante und in regionalen Nahverkehrsplänen beauftragte Businfrastruktur. Die letztgenannte Linien binden ebenfalls die weiteren Ortsteile von Malente an.

Schulen