mini|hochkant=1.5|Der Marktplatz von Dippoldiswalde mini|hochkant=1.5|Luftbild von Dippoldiswalde vom 6. August 2003 Dippoldiswalde ([], umgangssprachlich Dipps) ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen. Die Stadt ist zentral im Osterzgebirge gelegen und befindet sich etwa 20 Kilometer südlich von Dresden auf halbem Weg zwischen der Grenze zu Tschechien und der Landeshauptstadt. Im Landkreis bildet Dippoldiswalde mit seinen etwa 14.000 Einwohnern eines der drei Mittelzentren.

Die erste urkundliche Erwähnung von Dippoldiswalde datiert auf das Jahr 1218, seitdem war die Stadt Verwaltungszentrum mehrerer historischer Territorien, wie im Mittelalter dem Amt Dippoldiswalde und später einer Amtshauptmannschaft. Zuletzt war Dippoldiswalde bis 2008 Kreisstadt des Weißeritzkreises (Kfz-Kennzeichen DW). Seit der Kreissitz nach Pirna verlegt wurde, ist Dippoldiswalde Große Kreisstadt. Neben dem Kernort gehören zur Stadt Dippoldiswalde mittlerweile zwanzig Ortsteile, die aus früher eigenständigen Gemeinden aus dem Umland gebildet wurden. Die Gemeindeteile Malter, Paulsdorf und Seifersdorf sind staatlich anerkannte Erholungsorte.

Geographie Die Stadt liegt im nördlichen Erzgebirge an der Roten Weißeritz.

Stadtgliederung Die Stadt Dippoldiswalde besteht aus dem Kernort Dippoldiswalde und zwanzig Ortsteilen, die zwischen 1973 und 2014 eingemeindet wurden. Alle Ortsteile bilden gleichzeitig ihre eigene Gemarkung. Die Grenzen von Ortsteilen und Gemarkungen sind in der Regel deckungsgleich. Auf einigen Gemarkungen liegen mehrere Orte, die dann zum selben Ortsteil zählen. Der Kernort vereint den größten Anteil an der Einwohnerzahl der Stadt Dippoldiswalde auf sich, gefolgt von Schmiedeberg und Reichstädt, die ebenfalls über 1000 Einwohner haben.Stadt Dippoldiswalde: Zahlen und Fakten – Einwohnerzahlen für Dippoldiswalde und Ortsteile, abgerufen am 18. April 2018 Ortsteil Eingemeindung Einwohnerzahl Ammelsdorf 2014 135 Berreuth 1973 146 Dippoldiswalde (Kernort) – 4813 Dönschten 2014 161 Elend 1973 81 Hennersdorf 2014 429 Malter 2003 669 Naundorf 2014 541 Niederpöbel 2014 – Obercarsdorf 2014 775 Oberhäslich 1994 324 Oberpöbel 2014 19 Paulsdorf mit Seifen 2003 659 Reichstädt 1995 1331 Reinberg 1994 114 Reinholdshain 1994 500 Sadisdorf 2014 348 Schmiedeberg 2014 1582 Schönfeld 2014 224 Seifersdorf 2003 975 Ulberndorf 1973 481 Stand: 31. Dezember 2020

Geschichte Mittelalter mini|Karte von Dippoldiswalde um 1750 mini|hochkant=1.5|Stadtansicht Mitte des 19. Jahrhunderts mini|hochkant|Stadtkirche, Chor mit Holzfelderdecke Der Legende zufolge geht Dippoldiswalde auf einen Einsiedler namens Dippold zurück, der um 800 in der Dippoldiswalder Heide am Einsiedlerfelsen gelebt haben soll. Dieser soll den Ort gegründet haben. Hinter dieser Legende steht lediglich die Tatsache, dass der Lokator eine ansonsten nicht nachweisbare Person namens Diepold gewesen ist. Der Name des Ortes wird auf diesen Personennamen zurückgeführt, der das althochdeutsche Wort diot (Volk) und bald (kühn) oder walt im Sinne von Walten in sich trägt.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 52f.

Dippoldiswalde wurde nach Ansicht vieler Historiker als Waldhufendorf wahrscheinlich unter Oberleitung der Burggrafen von Dohna um 1160/70 gegründet. Gerhard Billig sieht eine Möglichkeit, dass diese Burggrafen vor 1206 vom sogenannten Burgwartsberg in Pesterwitz aus kolonisierten, die Burgen Rabenau und Dippoldiswalde anlegten und Dörfer roden ließen.Gerhard Billig: Die Burgwardorganisation im obersächsisch-meissnischen Raum. Archäologisch-archivalisch vergleichende Untersuchungen (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden. Bd. 20). Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin (Ost) 1989, ISBN 3-326-00489-3, S. 74. Da ein deutscher Burgward Dohna im Gau Nisan nicht belegt ist und auch eine Burggrafschaft Dohna nicht vor 1156, dürfte diese Möglichkeit eher unwahrscheinlich sein. Angesichts neuer dendrologischer Funde im Altbergbau von Dippoldiswalde aus dem Jahre 1160Vergessene Unterwelt: Ist der Bergbau älter als vermutet? In: Freie Presse vom 19. März 2018. wird sogar die Gründung direkt von Dohna aus fraglich. Da Dippoldiswalde ausweislich der neuesten montanarchäologischen Forschungen eine sehr frühe Bergbausiedlung ist, muss die Gründung auch nicht zwingend als Waldhufendorf erfolgt sein. Dies wäre dann eher unwahrscheinlich.

Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte am 11. Juni 1218, als ein Johannes sacerdos de Dipoldiswale (Priester Johannes von Dippoldiswalde) in einer Urkunde des Meißner Bischofs genannt wurde. Eine Dorfkirche muss also da bereits existiert haben.Hoffmann 2011 – siehe Literaturliste Im Jahre 1266 ist Dippoldiswalde als Besitzung des wettinischen Markgrafen Heinrich des Erlauchten bezeugt, als die Bürger von Dippoldiswalde mit den Bürgern von Freiberg wegen Belieferung von Bergwerken in Streit geraten waren. In dem Diplom wird allerdings nicht mitgeteilt, wo die betreffenden Bergwerke gelegen haben, so dass diese Schriftquelle keinen Beleg für Dippoldiswalder Silberbergbau um 1266 darstellt.

mini|links|Nikolaikirche von 1230/1240 Zu diesem Zeitpunkt gab es in Dippoldiswalde bereits zwei repräsentative steinerne Kirchen – die wohl um 1200 erbaute Marienkirche in der Nähe des Marktes und die etwas jüngere Nikolaikirche in der Weißeritzaue. Von der Marienkirche (das mit aufgeführte Lorenzpatrozinium ist im Mittelalter nicht bezeugt) ist lediglich der um 1220 erbaute spätromanisch-frühgotische Westturm vorhanden. Hingegen ist die um 1230/40 als turmlose Kurzbasilika errichtete Nikolaikirche vollständig erhalten geblieben. Diese entstand als Neubau nach dem Abbruch der ursprünglichen Dorfkirche, bei der es sich um eine kleinere, aus Holz oder aus Stein bestehende Saalkirche gehandelt haben muss.

Im Rahmen von Sanierungs- und Sicherungsarbeiten an Altbergbauanlagen wurden im Bereich des Obertores und an der Dresdner Straße verfüllte hochmittelalterliche Silberbergwerke entdeckt, die nachweislich im 12. Jahrhundert in Betrieb waren. Die ältesten datierten Grubenhölzer stammen von 1158Läuft Dipps Freiberg den Rang ab?, Sächsische Zeitung (Lokalausgabe Pirna) vom 23. Oktober 2012. und, allerdings sekundär verwendet, 1170Dipps ist mindestens so alt wie Freiberg, Sächsische Zeitung (Lokalausgabe Dippoldiswalde) vom 2. Februar 2011., zahlreiche weitere Hölzer aus der Zeit ab 1183/84.Sensationeller Fund in Dipps: Bergbau ist viel älter, Sächsische Zeitung (Lokalausgabe Dippoldiswalde) vom 29. Mai 2009.Bergbau-Sensation in Dippoldiswalde, Sächsische Zeitung (Lokalausgabe Dresden-Neustadt) vom 21. Oktober 2009. Darüber hinaus wurden hölzerne Schachtausbauten, gedrechselte Schalen, Seilreste, Keramikscherben und Knochen aus dem 13. Jahrhundert gefunden.Eckart Granitza: Die Unterwelt des Mittelalters. Die im sächsischen Dippoldiswalde entdeckten mehr als 800 Jahre alten Bergwerke vermitteln einen Eindruck von der mühsamen Arbeit unter Tage. In: Frankfurter Rundschau vom 24. Dezember 2015, S. 30–31 Die bislang entdeckten Schächte waren bereits kurz nach der Mitte des 13. Jahrhunderts wieder verfüllt worden. Eine zweite Bergbauphase, in der die zuvor verfüllten Grubenbaue durchfahren wurden, konnte dendrochronologisch in die Zeit um 1280 datiert werden. Im Jahr 1300 wurden erstmals ausdrücklich Silbergruben in Dippoldiswalde genannt, als Friedrich Clem (der illegitime Sohn Markgraf Heinrichs des Erlauchten) den Silberzehnten an das Kloster Nimbschen bei Grimma überwies.

Im Jahr 1401 besetzte Markgraf Wilhelm I. in der Dohnaischen Fehde Dippoldiswalde, das seit 1366 von den Wettinern an die Burggrafen von Dohna verlehnt war. Zu diesem Zeitpunkt gab es bei Dippoldiswalde noch in sehr geringem Umfang Bergbau, der keinen Ertrag mehr brachte, wie aus Münzmeisterrechnungen 1401–1405 ersichtlich wird. Erst in den 1470er Jahren nahm der Bergbau in der zweiten Bergbauperiode einen erneuten Aufschwung.

1429 zerstörten eindringende Hussiten Dippoldiswalde. Sie vernichteten auch die drei Vorwerke Wolframsdorf (im mittleren Schwarzbachtal), Schwarzdorf (im oberen Schwarzbachtal) und Ziegenrück (am westlichen Talhang zwischen Ulberndorf und Obercarsdorf), die danach nicht wieder aufgebaut wurden.

Neuzeit Im Jahr 1541 erreichte die Lutherische Reformation den Ort. 1632 erlitt die Stadt schwere Schäden im Dreißigjährigen Krieg. Als Standort einer Markgrafenburg nahm Dippoldiswalde bereits frühzeitig Funktionen als Herrschafts-, Verwaltungs- und Handels- bzw. Marktzentrum für die umliegenden Orte wahr (Amt). Folgerichtig wurde die Stadt 1874 Sitz der neuen Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde.

Im Amtsgerichtsgefängnis am Kirchplatz 8 befand sich von Anfang März 1933 bis April 1933 eine Haftanstalt für politische Gegner des NS-Regimes. Der Dippoldiswalder KPD-Vorsitzende Clemens Holzschuh wurde am 28. März 1933 hier ermordet.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs, am 17. April 1945 schossen Flugabwehrkanonen der Wehrmacht zwei amerikanische Flugzeuge ab, die bei der Teichmühle abstürzten. Am 9. Mai nachts hisste ein Vortrupp der Roten Armee die Siegesfahne auf dem Kirchturm.

Der erste Ortskommandant war Major Datschin. Gemäß dem Beschluss der Alliierten und der neuen Landesverwaltung wurden Kriegsverbrecher und aktive NSDAP-Mitglieder im Rahmen der Bodenreform enteignet. Die vom 30. November bis 24. Dezember 1946 veranstaltete Ausstellung Heimat und Arbeit war eine der ersten großen regionalen Ausstellungen für Malerei, Grafik, Architektur und Kunstgewerbe in der Sowjetischen Besatzungszone.

Neue, kleinere volkseigene Betriebe entstanden in der DDR-Zeit, darunter ein Armaturenwerk, ein Behälterbaubetrieb, eine Nährmittelfabrik. Hinzu kam eine Ingenieurschule für LebensmittelindustrieMeyers Neues Lexikon in acht Bänden. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1964/65; Band 2: Dippoldiswalde. und ein Volkseigenes Gut. Dippoldiswalde wurde in den Bezirksverwaltungsstrukturen jener Zeit zu einer Kreisstadt. Nach der Wende, mit der Wiedereinrichtung der Bundesländer, blieb die Stadt bis 2008 weiterhin Kreisstadt, bei der zweiten sächsischen Kreisreform verlor Dippoldiswalde diesen Status, als der Weißeritzkreis am 1. August 2008 im neu geschaffenen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aufging.

Entwicklung der Einwohnerzahl

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1998 Stand jeweils zum 31.12.)

Zu dem Sprung der Einwohnerzahl 2013/2014 siehe auch Abschnitt Entwicklung der Einwohnerzahl im Artikel Schmiedeberg (Dippoldiswalde).

Politik

Im Zuge der Kreisreform 2008 verlor Dippoldiswalde den Status des Kreissitzes des Weißeritzkreises. Deswegen wurde Dippoldiswalde zum Ausgleich am 1. August 2008 zur Großen Kreisstadt ernannt. Die Zuständigkeiten der Großen Kreisstädte sind gemäß § 3 Abs. 1 der Sächsischen Gemeindeordnung durch die Verordnung der Sächsischen Staatsregierung über die Zuständigkeit der Großen Kreisstädte vom 30. Juni 2011 (SächsGVBl. S. 202) veröffentlicht. Übertragen sind damit Aufgaben aus dem Gewerberecht und nach der Straßenverkehrsordnung.

Mit der Ernennung zur Großen Kreisstadt 2008 konnte Dippoldiswalde einen Oberbürgermeister besetzen.

Stadtrat Der Stadtrat wurde zuletzt am 9. Juni 2024 gewählt. Die insgesamt 22 Sitze verteilen sich auf die einzelnen Parteien und Listen wie folgt: Freie Wähler: 3 Mitglieder CDU: 5 Mitglieder AfD: 7 Mitglieder Linke: 1 Mitglied SPD: 1 Mitglied BSW: 2 Mitglieder UB: 2 Mitglieder +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD730,2523,0––CDU524,0624,2932,7Unabhängige Bürger314,6––––Freie Wähler312,8731,21136,8BSW210,1––––Linke13,227,9310,4SPD13,017,528,4Grüne–2,114,8–3,0NPD–––1,416,2FDP–––––2,6Wahlbeteiligung70,1 %68,3 %59,9 %

Stadtoberhäupter Durch die Kreisreform 2008 und den Aufstieg von Dippoldiswalde zur Großen Kreisstadt hat Dippoldiswalde seit 2008 einen Oberbürgermeister.