mini|Christian Ludwig Attersee, 2020 Christian Ludwig Attersee, eigentlich Christian Ludwig (* 28. August 1940 in Bratislava, Slowakischer Staat) ist ein österreichischer Maler der Pop Art, Bühnenbildner, Musiker, Schriftsteller und Segelsportler (3-facher österreichischer Staatsmeister).

Leben Der in Wiens östlicher Nachbarstadt Bratislava, Slowakei, geborene Christian Ludwig kam 1944 als Kleinkind nach Österreich. Sein Vater Christian Ludwig (1901 in Pressburg – 1967) war Baumeister und Architekt; 1936 wurde in Pressburg nach seinem Entwurf das Manderla-Hochhaus, das erste Hochhaus Bratislavas, errichtet (siehe Námestie SNP (Bratislava)).https://karpatenblatt.sk/der-beruehmte-pressburger-architekt-christian-ludwig/

Seine Jugend verbrachte Christian jr. in Aschach bei Linz, in Linz und am Attersee in Oberösterreich. Als erfolgreicher österreichischer SegelsportlerBiographie, Website von Christian Ludwig Attersee. Abgerufen am 28. August 2010. gewann er zahlreiche internationale Regatten. In den Jahren 1957 bis 1962 war er dreimal österreichischer Staatsmeister. abgerufen am 7. November 2011.

Ab 1951 begann er Kurzromane zu schreiben, Lieder zu texten, Comics zu zeichnen und Bühnenbilder zu entwerfen. Vom Wunsch, Opernsänger zu werden, musste er sich rasch lossagen, denn aufgrund einer Erkrankung verlor er schon in der Kindheit einen Großteil seines Gehörs.Information aus dem "Journal 21" (allgemeine Information über das Journal 21) anlässlich der dortigen Attersee-Ausstellung Anfang 2019: https://www.belvedere.at/attersee. In dem von Thomas Mießgang verfassten Artikel wird der Maler wie folgt zitiert (S. 31): "Ein Ohr funktioniert mit Hörhilfe, das andere ist aus." Ab 1957 studierte Ludwig an der Akademie für angewandte Kunst Wien Bühnenarchitektur und schloss im Jahr 1959 das Studium der Malerei bei Eduard Bäumer an, das er 1963 erfolgreich beendete.Website Christian Ludwig Attersee von Art Directory. Informationsportal für Kunst und Kultur. Abgerufen am 28. August 2010.

Es entstanden zwischen 1963 und 1965 seine ersten Bilderzyklen „Wetterbilder“ und „Regenbogenanomalien“. Seit Mitte der 1960er Jahre ist er mit Protagonisten der Gruppe des Wiener Aktionismus befreundet, mit denen er zeitweise auch zusammenarbeitet. Darunter insbesondere Günter Brus, Hermann Nitsch und Gerhard Rühm, an deren Aktionen er sich auch beteiligte. Mit seinen ersten sogenannten „Gegenstandserfindungen“ im Bereich der Erotik und des Alltags machte er sich zwischen 1964 und 1966 einen Namen in der europäischen Pop Art. Es entstanden die für ihn typischen Objekterfindungen wie „Speisekugel“, „Speiseblau“ oder das „Attersteck“.

1965 übersiedelte er nach Berlin und zeigte dort seine erste Ausstellung. Ab 1966 nahm Ludwig, in Anspielung an seine Zeit am Attersee, den Künstlernamen Christian Ludwig Attersee an.

1971/72 verbrachte er mit einem DAAD-Stipendium in West-Berlin. auf der Website des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Abgerufen am 23. Jänner 2010. Dort entstand der Zyklus „Segelsport“, Attersee zählte zwischenzeitlich zu den vielfältigsten Künstlern Österreichs.

Künstlerische Entwicklung Anfangs der Objekt- und Aktionskunst nahestehend, bemühte er sich unter Einbindung von Musik, Sprache, Fotografie, Film etc. eine neue Form des Gesamtkunstwerks zu entwickeln (Beispiele der Objekterfindungen sind „Speisekugel“ und „Speiseblau“, das „Objekt Vagina“, „Prothesenalphabet“, „Attersteck“ und „Speicheltönung“). Später werden für ihn Zeichnungen und Tafelbilder (meist in Acrylmalerei) über die Themen Sexualität und Naturerfahrung charakteristisch. Ein Beispiel ist das provokante „Kinderzimmertriptychon“ aus dem Jahr 1971, zu dem ihn eine Bilderbuchillustration Fedor Flinzers inspirierte.Siehe Er selbst sieht sich als „der große Einzelgänger der österreichischen Kunst der 60er Jahre, [als] Gegenpol zum Wiener Aktionismus [und in] der zweiten Hälfte der 70er Jahre [… als …] Gründerfigur der ‚Neuen österreichischen Malerei‘.“

Seine Werke sind durch figural-symbolischen Stil, leuchtende Farben und dynamischen Pinselstrich gekennzeichnet. Vielfach doppelbödige Assoziationen und Phantasien einer – ebenso individualistischen wie doch auch sehr österreichischen – Sicht der Dinge mit Hang zu sexueller Persiflage. Häufig wird auch der Rahmen in das Werk einbezogen oder finden sich Textelemente in die Darstellung eingebettet.

mini|Glasmosaik-Fassade (1996) in Wien 7., Mariahilfer Straße 78–80

Seine Ausstellungen sind meist als Inszenierungen mit Musik und Literatur, teilweise gemeinsam mit Künstlerfreunden, gestaltet. Im Jahr 1984 vertrat er Österreich bei der Biennale in Venedig. 1985 publizierte Attersee seine LP „Lieder von Wetter und Liebe“.„Lieder von Wetter und Liebe“, Attersee-Archiv Wien, September 1985. Design, Text, Musik, Gesang und Klavier von Attersee. Im Jahr 1986 folgte die Gestaltung von Wiens erstem Champagnerball im Konzerthaus und 1987 eine Schiffsschaukel für André Hellers „Luna-Luna-Rummelplatz“. Mit der von ihm gestalteten Fassade des 1996 eröffneten Attersee-Hauses auf der Wiener Mariahilfer Straße, eines Geschäftshauses einer internationalen Textilkette, entwarf er das 210 Quadratmeter große Mosaik „Wetterhändler“, das größte Glasmosaik Europas, umgesetzt vom Mosaikbildner Elio Macoritto. Im Jahr 2006 hüllte er für sechs Wochen den Wiener Ringturm in Folie. Im November 2007 wurde das 220 Quadratmeter große Innenraummosaik „Reichtum Erde“ in der Geologischen Bundesanstalt in Wien fertiggestellt. Attersee gehört zu den international meistbeachteten österreichischen Künstlern.

Im Jahr 1990 wurde Attersee als außerordentlicher Professor an die Universität für angewandte Kunst Wien für „Meisterklasse für experimentelles Gestalten“ berufen. Ab 1992 wurde ihm als ordentlicher Professor die „Meisterklasse Malerei, Animationsfilm und Tapisserie“ übertragen. Er lehrte an der Angewandten bis 2009. Weiters lehrte er an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg.

Mitgliedschaften hält Attersee an der IG Bildende Kunst (Wien) und am Künstlerhaus Wien in der Sektion Maler.

Privates Christian Ludwig Attersee ist mit der Leiterin des Bank Austria Kunstforums, Ingried Brugger (* 1960), verheiratet. Er lebt und arbeitet in Wien und am Semmering, in Sankt Martin an der Raab im Burgenland sowie auf Mallorca.Christian Ludwig Attersee – Die Hotspots von Mallorca (11. Oktober 2015) Er spendet seit 1996 traditionell das Plakatmotiv für die FIS-Damenskirennen an seinem Wirkungsort, dem Semmering. Das Plakatmotiv für 2018 sorgte für einen Eklat, da es die künstlerische Darstellung einer nackten Skiläuferin zeigt und sexistisch sei,Aufregung um Plakat für Semmering-Rennen, ORF-Online vom 16. Dezember 2018 und wurde in der Folge vom Veranstalter WSV Semmering zurückgezogen.

Auszeichnungen

1983: Österreichischer Kunstpreis für Bildende Kunst 1989: Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst 1998: Ehrenring der Stadt Linz 1998: Großer Österreichischer Staatspreis für Bildende Kunst (Mai 1998) 2004: Lovis-Corinth-Preis der Künstlergilde Esslingen, Baden-Württemberg (Sommer 2004) 2005: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (September 2005) 2007: Silbernes Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich 2019: Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ÖsterreichChristian Ludwig Attersee: Mops-BH, Hundepelzhocker und Ehrenzeichen. Artikel vom 1. Februar 2019, abgerufen am 1. Februar 2019. 2026: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

Ausstellungen 1965: Berlin (erste Ausstellung) 1968: Galerie im Centre, Göttingen 1977: documenta 6 in Kassel Anfang der 1980er Jahre: Werkschau „Attersee Werksquer“ in verschiedenen Museen und Kunsthäusern in Österreichs und Deutschland 1984: Biennale in Venedig, Gestaltung des „österreichischen und ersten internationalen Pavillon“ 1987: Österreichische Künstler der Gegenwart: Arbeiten auf Papier; Sammlung Kermer, Stuttgart, Galerie im Taxispalais, InnsbruckÖsterreichische Künstler der Gegenwart: Arbeiten auf Papier; Sammlung Kermer, Stuttgart. Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 19. Mai bis 13. Juni 1987. (Vorwort: Magdalena Hörmann; Katalogbearb.: Wolfgang Kermer) Innsbruck: Galerie im Taxispalais, 1987, S. 6–7 m. Abb. 1993: Retrospektive Einzelausstellungen im Gemeentemuseum in Den Haag 1996: Realismus als Methode, Essl Museum – Kunst der Gegenwart in Klosterneuburg/Wien 1997: Große Retrospektive in der Grafischen Sammlung der Albertina in Wien 1997: Utopie und Weltschmerz – Arbeiten auf Papier, Essl Museum – Kunst der Gegenwart in Klosterneuburg/Wien 2002: Umfangreiche Retrospektive im Stedelijk Museum in Amsterdam 2005: Christian Ludwig Attersee. Große Retrospektive mit Werken der letzten 5 Jahre im Bank Austria Kunstforum in Wien auf der Website Kunstforum Wien. Abgerufen am 11. Juni 2014. 2005: Figur und Wirklichkeit. Wie österreichische Maler die Welt verwandeln. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck / Österreich 2006: Superstars. Kunstforum Wien und Kunsthalle Wien 2006: Attersee: Die Liebe – Das Haus – Der Ring. Museum Würth, Künzelsau. (Erweiterte Ausstellung der Retrospektive von 2005 im Bank Austria Kunstforum.) 2011: Festival der Tiere. Essl Museum, Klosterneuburg/Wien 2023: Erwartung des Vollmonds. Galerie bei der Albertina, Zetter (Einzelausstellung), Wien. 2024: Schön wie seine Bilder. Galerie Gmurzynska, Zürich

Bühnenbildnerische Tätigkeiten (Auswahl) Frühjahr 2005: Bühnenbildausstattung für Ballett „Petruschka“ von Igor Strawinsky an der Wiener Staatsoper Mai 2006: Bühnenbildausstattung für das Ballett „Amadé“ am Belgrader Madlenianum 2007: Ausstattung des 1. Liederballs des Wiener Männergesangsvereins im Kursalon Wien 2008: „Gesamtkunstwerk“ (Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme): Richard Strauss’ „Salome“ am Theater Bremen

Werkverzeichnis Peter Gorsen: Attersee – Werkverzeichnis 1963–1994. Residenz, Salzburg 1994.

Literatur Christian Ludwig Attersee. Das Draufhausen – Internationale Kunstmesse Basel 1977, Galerie Krinzinger (Hrsg.), Innsbruck 1977. Christian Ludwig Attersee. Junges Wasser – Werkauswahl 1986, Galerie Krinzinger und Galerie Curtze, Düsseldorf (Hrsg.), Wien 1986. Alfred Weidinger: Attersee – Biographische Sätze zum Segelsport. In: Christian Ludwig Attersee – Segelsport, 1951–2006. Edition Anteros, Wien 2006, ISBN 3-85340-022-1, S. 7–21.

Weblinks

Offizielle Website von Christian Ludwig Attersee Christian Ludwig Attersee im O-Ton und Bild im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Österreich) Kategorie:Zeitgenössischer Künstler Kategorie:Maler der Pop Art Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Teilnehmer einer Biennale di Venezia Kategorie:Hochschullehrer (Universität für angewandte Kunst Wien) Kategorie:Regattasegler (Österreich) Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Träger des Großen Österreichischen Staatspreises für Bildende Kunst Kategorie:Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Träger des Silbernen Komturkreuzes des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich Kategorie:Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien Kategorie:Ehrenringträger der Stadt Linz Kategorie:Träger des Lovis-Corinth-Preises Kategorie:Theodor-Körner-Preisträger Kategorie:Person (Bratislava) Kategorie:Person (Aschach an der Donau) Kategorie:Sankt Martin an der Raab Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1940 Kategorie:Mann