Bad Schlema (bis 2005 Schlema) ist seit dem 1. Januar 2019 einer von vier Ortsteilen der fusionierten Stadt Aue-Bad Schlema. Er liegt im Erzgebirgskreis in Sachsen und gehört zum Städtebund Silberberg. Bis Ende 2018 war Bad Schlema eine selbstständige Gemeinde. Der Ortsteil besteht aus den Gemarkungen Oberschlema und Niederschlema. Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft. Durch Bad Schlema führt die Silberstraße. Der Tourismus ist für den Ort insbesondere im Erholungs- und Gesundheitsbereich von Bedeutung. Bad Schlema ist seit 2021 als Heilbad ein „staatlich anerkannter Kurort“.

Geografie Gliederung der ehemaligen Gemeinde und der neuen Stadt Ortsgebiete des Kurbades sind Oberschlema und Niederschlema. Des Weiteren gehörte das Dorf Wildbach seit 1994 zur Gemeinde Bad Schlema. Seit der Fusion mit der Großen Kreisstadt Aue bilden Bad Schlema und Wildbach zusammen mit Aue und Alberoda die vier Ortsteile der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema.Pressemitteilung aus dem Rathaus Aue: Fusion Bad Schlema mit der Großen Kreisstadt Aue, 20. Dezember 2018.

Geografische Lage und Nachbargemeinden Ober- und Niederschlema liegen im Tal des Schlemabaches, welcher am Bahnhof in Niederschlema in die Zwickauer Mulde mündet. Oberschlema erstreckt sich von der Ortsgrenze zu Schneeberg am Hang des Gleesbergs bis zum Hammerberg. Unterhalb des ehemaligen Bahnhofes Oberschlema verläuft Niederschlema bis zur Zwickauer Mulde. Wildbach liegt im Tal des Wildbachs, welcher ebenfalls in die Zwickauer Mulde mündet.

Nachbargemeinden der ehemaligen Gemeinde Bad Schlema waren Schneeberg und Aue im Erzgebirgskreis sowie Hartenstein und Langenweißbach im Landkreis Zwickau.

Geschichte Überblick Das heutige Bad Schlema setzt sich aus den vormals selbstständigen Gemeinden Niederschlema und Oberschlema zusammen. Deren Zusammenlegung erfolgte 1958. Die nach der deutschen Wiedereinigung, 1994 in die damalige Gemeinde Schlema eingemeindete Ortschaft Wildbach wurde zum 1. Januar 2019 ein offizieller eigener Ortsteil der fusionierten Stadt Aue-Bad Schlema.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert mini|Blaufarbenwerk zu Ober­schlema, Lithographie 1841

Die beiden etwa 800 Jahre alten Schlematalgemeinden wurden durch den jahrhundertelangen Bergbau auf Eisen, Kupfer (besonders auf der Grube König David am Gleesberg), Silber und Uran bekannt. In unmittelbarer Nachbarschaft der Bergstadt Schneeberg entstanden im Schlematal Hammerwerke und Schmelzhütten zur Verarbeitung des Erzes. 2016 entdeckten Montanarchäologen des ArchaeoMontan-Projektes beim Landesamt für Archäologie Sachsen in einer untertägigen Radstube unter Bad Schlema ein einzigartiges Zeugnis des Bergbaus im späten 15. und im frühen 16. Jahrhunderts: die Überreste eines Kehrrades mit einem Durchmesser von 11,5 Metern.Archäologie in Sachsen: Riesige Antriebswelle einer der größten Bergbaumaschinen des 15. Jahrhunderts in Bad Schlema geborgen, abgerufen am 23. Juni 2023.

Um das Jahr 1500 wurde zur Entwässerung der Schneeberger und Neustädtler Gruben mit dem Bau des über 40 km langen Marx-Semler-Stollns begonnen. Zur Beschaffung des Grubenholzes für die damals fast baumlose Schneeberger Region legte man zwischen 1556 und 1559 den 16 km langen Schneeberger Floßgraben an, dessen historisches Ende der Zechenplatz in Oberschlema war.

1572 entstand in Oberschlema eine Papiermühle, die sehr hochwertiges Büttenpapier herstellte. Johann Sebastian Bach verfasste Teile seiner Werke auf Schlemaer Papier. Johann Burkhardt gründete 1644 das Blaufarbenwerk Oberschlema, mit später 42 Gebäuden.

Ab dem 19. Jahrhundert: Industrialisierung In der Zeit der Industrialisierung waren die Niederschlemaer Fabriken von Gustav Toelle, Ehrler, Leonhardt, Rostosky und Philipp und die Oberschlemaer Unternehmen von Wilisch, Leonhardt, Kenzler (ebenfalls Papierwerk) und Müller deutschlandweit ein Begriff. Blaufarbenwerke wurden nach der Entdeckung der Herstellung der blauen Farbe aus Cobalt errichtet. Das größte Blaufarbenwerk der Welt entstand hier. Während in Oberschlema die Buntpapierindustrie, das Stickereiwesen und ein Emaillierwerk vorherrschten, siedelten sich in Niederschlema der Maschinenbau, die Papier- und die Textilindustrie an. Niederschlema erhielt 1858 einen Bahnhof an der Bahnstrecke Zwickau–Schwarzenberg. Ein Jahr später zweigte hier die Schlematalbahn in Richtung Schneeberg-Neustädtel ab, wodurch auch Oberschlema Bahnanschluss erhielt. Im Jahr 1909 wurden 2522 Einwohner in Niederschlema und 2563 Einwohner in Oberschlema registriert.Schlema in Meyers Lexikon, 1909.

Ab dem 20. Jahrhundert: Kurbetrieb mini|Historisches Kurhaus von Radiumbad Oberschlema (1936)

Als in den Jahren 1908 bis 1912 im Oberschlemaer Marx-Semler-Stolln starke Radonquellen erschlossen werden konnten, entwickelte sich nach 1918 rasch das stärkste Radiumbad der Welt. Die Badverwaltung warb mit Bade-, Trink- und Einatmungskuren (Emanation) und dem Versand radioaktiver Wässer zu Trinkkuren. Nur zehn Jahre nach seiner Gründung gehörte es zu den bedeutendsten deutschen Kurorten (über 17.000 Kurgästen im Jahr 1943). Ab dem 31. Oktober 1924 durfte die Gemeinde Oberschlema, mit Zustimmung des Innenministeriums, den Titel „Radiumbad Oberschlema“ führen.

Vom Beginn des Uranbergbaus 1946 bis zur politischen Wende 1990 Mit der im Jahr 1946 erfolgten Aufnahme des Uranerzbergbaues durch das Objekt 02 der späteren Wismut AG wurde der Kurort Radiumbad Oberschlema zu seinem frühen Bergbauzentrum im Westerzgebirge. Infolge des oberflächennahen Abbaues des begehrten Urans begann ab 1949 die großflächige Absenkung des Oberschlemaer Talbereiches. So mussten ab Mai 1952 alle Gebäude des Ortskerns mit Kirche, Gemeinde- und Kurzentrum abgebrochen werden. Die Flächen wurden der Natur überlassen bzw. als Hilfsflächen für den Uranbergbau genutzt. Die Stilllegung der Bahnlinie erfolgte am 1. August 1952. Alle erschlossenen Radonquellen waren nun zerstört und versiegten.

Am 16. Juli 1955 kam es unter Tage zu einem schweren Unglück, bei dem 33 Menschen starben, darunter auch viele Rettungskräfte, und über 100 Personen verletzt wurden.

Der Uranerzbergbau führte dazu, dass am 17. Dezember 1951 der Stadtkreis Schneeberg entstand; das Radiumbad Oberschlema und der Ort Niederschlema wurden Ortsteile. Mit der Auflösung des Stadtkreises am 23. November 1958 wurden beide Orte als Gemeinde Schlema wieder unabhängig und gehörten fortan zum Kreis Aue. Bis 1990 förderte die SDAG Wismut fast 80.000 t reines Uran aus dem Schlema-, Silberbach- und angrenzenden Muldetal.

Im Jahr 1950 begann die damalige Landesregierung in Oberschlema mit dem Bau der Frauenklinik des Klinikums Aue. Drei Jahre später erfolgte die Inbetriebnahme. 1972 wurde die Außenstelle durch die Aufnahme der HNO- und Augenklinik erweitert.

In Schlema befanden sich die Werkstätten der Abteilung Textilgestaltung der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg.

Ab der deutschen Wiedervereinigung 1990: Revitalisierung des Kurortes mini|links|Bad Schlema, Segel im Kurpark mini|Rathaus Bad Schlema in der Joliot-Curie-Straße 13 mini|links|Gleesbergquelle in Oberschlema mini|Baumfällung während der Sanierung der Halde 65

Nach dem Ende des Bergbaus 1991 organisierte der ehemalige Schlemaer Bürgermeister Konrad Barth die Wiederbelebung als Kurort, die 1998 mit der Eröffnung des neuen Kurhauses Wirklichkeit werden konnte. Die neu erschlossenen Radonquellen am Gleesberg ermöglichen einen großzügigen Badebetrieb, den täglich bis zu 1000 Gäste im Gesundheitsbad Actinon nutzen.

1994 wurde die Gemeinde Wildbach eingemeindet, Ende 2018 wieder ausgemeindet.

Am 18. Januar 2005 verlieh die sächsische Staatsregierung dem Kurort Schlema das Prädikat Bad,Sächsische Staatskanzlei Gesetz und Verordnungsblatt nachdem er bereits seit dem 29. Oktober 2004 anerkanntes Radonheilbad war. Der Ort ist der erste, dem diese Bezeichnung nach 1990 zuerkannt wurde. Bad Schlema ist seit 2021 als Heilbad ein „staatlich anerkannter Kurort“.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Absatz 5 des Sächsischen Kurortegesetzes (SächsKurG) vom 14. Dezember 2021 (SächsABl. S. 1720) auf: revosax.sachsen.de

Die durch den intensiven Uranerzabbau am Rande des Ortes entstandenen Halden konnten schrittweise saniert werden, vor allem abgedeckt und neu bepflanzt. Über Bad Schlema hinaus bekannt ist die Halde 65. Deren Sanierung begann 2018 und dauerte zwei Jahre; am 2. Juli 2020 wurde sie mit einer symbolischen letzten Lkw-Fahrt vor Ort beendet.Pressemitteilung aus dem Rathaus Aue-Bad Schlema vom 30. 6. 2020: Meilenstein bei der Sanierung der Halde 65 in Aue-Bad Schlema erreicht.

Zum 1. Januar 2019 fusionierten Aue und Bad Schlema zur Stadt Aue-Bad Schlema. Bad Schlema und sein bisheriger Ortsteil Wildbach erhielten jeweils den Status eines offiziellen Ortsteils der neu gegründeten Großen Kreisstadt. Sämtliche Bürgerangelegenheiten können sowohl im Rathaus von Bad Schlema als auch im Rathaus Aue erledigt werden. Zusätzlich ist die Ortsverwaltung Wildbach einmal in der Woche besetzt. Am 1. Oktober 2023 wechselte die Postleitzahl von Bad Schlema und Wildbach im Zuge der Einführung einer einheitlichen Postleitzahl für Aue-Bad Schlema von 08301 zu 08280.Meldung zur Änderung von Straßennamen und Postleitzahl im Gebiet der Stadt Aue-Bad Schlema zum 1. Oktober 2023 Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und damit gemäß seiner Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.

Im Jahr 2022 erhielt die Stadt Aue-Bad Schlema unter dem Motto „Vom Wismutschacht zur Blütenpracht“ den Zuschlag zur Ausrichtung der 10. Sächsischen Landesgartenschau.

Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des jeweiligen Jahres mit Gebietsstand Januar 2007: 1982 bis 1988 1982: 7921 1983: 7779 1984: 7617 1985: 7568 1986: 7466 1987: 7428 1988: 73091989 bis 1995 1989: 6959 1990: 6605 1991: 6460 1992: 6365 1993: 6343 1994: 6340 1995: 62341996 bis 2002 1996: 6189 1997: 6249 1998: 6227 1999: 6088 2000: 5849 2001: 5737 2002: 56492003 bis 2009 2003: 5595 2004: 5549 2005: 5493 2006: 5451 2007: 5363 2008: 5299 2009: 52292012 bis 2017 2012: 4991 2013: 4940 2014: 4866 2015: 4848 2016: 4863 2017: 4777 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Frauenklinik Schlema Von 1953 bis 2000 wurden in der Frauenklinik Schlema 57.479 Kinder geboren. Im Jahre 2000 zogen die Frauen-, Augen- und HNO-Klinik in den Neubau des Helios-Klinikums auf dem Zeller Berg in Aue um. Die Gebäude in Schlema wurden 2009 abgerissen.

Religionen Jeder der drei ehemaligen Bad Schlemaer Ortsteile besitzt eine eigene evangelisch-lutherische Kirche, welche zum Kirchspiel Bad Schlema gehört:

Die Pfarrkirche im Ortsteil Wildbach wurde zwischen 1804 und 1806 gebaut und war lange Zeit die Hauptkirche der ehemals schönburgischen Orte Wildbach und Langenbach.

Die Martin-Luther-Kirche in Niederschlema wurde 1898–1899 erbaut und bildete bis ins 20. Jahrhundert ein Kirchspiel mit den Kirchgemeinden Oberschlema und Klösterlein Zelle (inzwischen Ortsteil von Aue).