Schönheide ist eine Gemeinde im sächsischen Erzgebirgskreis und liegt im Westerzgebirge.
Als Siedlung im frühen 16. Jahrhundert entstanden, war Schönheide bis ins ausgehende 20. Jahrhundert stark von Industrie geprägt. Bis 1900 wuchs die Gemeinde allmählich auf über 9.000 Einwohner an, seither ging die Einwohnerzahl deutlich zurück. 2024 lebten noch 4.017 Einwohner im Ort, seine Wirtschaft wird bestimmt von einer Mischung aus gewerblichen Arbeitsplätzen und solchen im Dienstleistungsbereich.
Geografie mini|hochkant|Stadtähnliche Bebauung an der Hauptstraße mini|Dorfzentrum: Marktplatz mit Wappeneiche und Martin-Luther-Kirche
Geografische Lage Das mehr als fünf Kilometer lange Schönheide liegt mit seinen Ortsteilen Schönheiderhammer und dem flussaufwärts befindlichen Wilzschhaus im Tal der Zwickauer Mulde, welche die südliche Grenze der Gemeinde bildet. Von dort erstreckt sich der Ort im Tal des Schönheider Baches und des Dorfbaches Richtung Westen. Dabei steigt das Gelände beständig an von Schönheiderhammer mit 542 m bis zum höchsten Punkt im Gemeindegebiet, dem Laubberg mit . Der weitgehend unbewaldete „Knock“ ist mit der höchste Punkt im Bereich der Dorfmitte. Die Grenze nach Tschechien ist in südöstlicher Richtung etwa 11 Kilometer entfernt.
Klima Die Niederschlagsmittelwerte für Schönheide betrugen im Zeitraum von 1935 bis 1964 jährlich 1046 Millimeter und im Zeitraum von 1900 bis 1950 1038 Millimeter im Jahr.(„Werte für die angrenzende wenig außerhalb gelegene Station“) Für den im starken Luvbereich des Erzgebirges gelegenen Ort wurden zwischen 1901 und 1950 an der in 650 Meter hoch gelegenen Messstation diese monatlichen Mittelwerte gemessen (Januar bis Dezember): 77, 64, 69, 82, 100,107, 128, 112, 80, 79, 69, und 71.(„Werte für die angrenzende wenig außerhalb gelegene Station“) Die mittlere Summe des Jahresniederschlags macht im Schönheider Kuppengebiet 940 bis 995 Millimeter aus, die Jahresmitteltemperaturen bewegen sich um 6,3 °C bis 6,4 °C.Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Bereich Landschaftsökologie, Flächennaturschutz, Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Naturraum und Landnutzung – Steckbrief o. J, S. 4. In den von Hängen geprägten Rändern der Hochflächen sammelt sich die Kaltluft und fließt in die Haupttäler ab. Dadurch ergibt sich eine besondere Gefährdung durch Frost. Im Schönheider Kuppengebiet entsteht und sammelt sich oft Kaltluft. Hohlformen in Form von Senken stellen Kaltluftsammelgebiete dar mit der Folge einer besonderen Frostgefährdung. Dies gilt auch für das Schönheider Kuppengebiet.Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Bereich Landschaftsökologie, Flächennaturschutz, Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Naturraum und Landnutzung – Steckbrief o. J, S. 5.
Nachbarorte
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den vier Ortsteilen Schönheide, Schönheiderhammer mit Altes Wiesenhaus, Neuheide und Wilzschhaus. Aufgrund der Größe des Ortsteiles Schönheide wird dieser unterteilt in Ascherwinkel, Anger, Baumannsberg, Oberdorf, Fuchswinkel, Heinzwinkel, Mitteldorf, Schädlichsberg, Schwarzwinkel und Webersberg.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide. Schönheide o. J. (1909), S. 22 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Die Rote Mühle war bis in die 1930er Jahre ein Gemeindeteil von Schönheiderhammer, obwohl sie von Schönheider Gebiet umgeben war. Der bis 1973Infotafel in Bad Reiboldsgrün zu Schönheide gehörende südwestlich im Wald gelegene Ortsteil Carolagrün war von 1899 bis 1965 eine Volksheilstätte für Lungenkranke, insbesondere zur Tuberkulose-Behandlung. Carolagrün ist seit der Eingemeindung Schnarrtannes 1995 ein Ortsteil von Auerbach/Vogtl.
Naturräumliche Lage mini|Landwirtschaft vor dem Muldental und nach Süden aufsteigenden Wäldern
Schönheide gehört nach der Definition der naturräumlichen Einheiten zur Naturregion Sächsisches Bergland und Mittelgebirge im Bereich der Makrogeochore Westerzgebirge, das für den hier relevanten Bereich aufgeteilt ist in die Mesogeochoren „Eibenstocker Bergrücken“ mit unter anderem „Rautenkranz-Schönheider Mulde-Tal“ und „Schönheider Hochflächen“ mit den Mikrogeochoren „Silberbach-Tal“, „Schönheider Kuppengebiet“ und „Schnarrtanner Hochfläche“., abgerufen am 28. Juli 2013. Das Sächsische Landesumweltamt beschreibt den naturräumlichen Charakter des oberen Westerzgebirges um Eibenstock: Bestimmende morphogenetische Einheiten sind Riedel-Tal-Gebiete, Bergrücken und Hochflächen aus metamorphen Gesteinen unterschiedlicher Härte sowie kuppige Granit-Hochflächen und führt das Schönheider Kuppengebiet mit einer Höhe von 590 bis 686 Metern an.Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie: Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Naturraum und Landnutzung – Steckbrief S. 1. Der „Eibenstocker Granit“ ist als Gestein prägend.S. auch Geologische Übersicht des Erzgebirges
Das Bundesamt für Naturschutz stuft das Gebiet „Obere Lagen auf der Nordabdachung des West- und Mittelerzgebirges“,, abgerufen am 28. Juli 2013. zu dem Schönheide gehört, als „Schutzwürdige Landschaft“ einLandschaftstypen nach dem Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 28. Juli 2013. und ordnet es dem Landschaftstyp „Reine Waldlandschaft“ zu, also mit einem Waldanteil von über 70 %.Definition des Bundesamts für Naturschutz, abgerufen am 28. Juli 2013.
Schönheide liegt im Naturpark Erzgebirge/Vogtland und ist von Wiesen, Weiden und Wäldern umgeben. Das Bundesamt für Naturschutz stellt in seiner Beschreibung des Westerzgebirges heraus, dass sich eine der wenigen Hochflächen dieses Gebietes in Schönheide befindet., abgerufen am 2. September 2017. Ackerbau findet sich nur noch wenig. Die Wälder sind überwiegend Fichtenwälder, Mischwald hat einen sehr geringen Anteil. Vom Knock und von der Allee – zwei weitgehend unbewaldeten Erhebungen in Dorfnähe – hat man einen freien Blick über das Dorf und seine Umgebung bis zu den großen Wäldern südlich der Zwickauer Mulde und weiter bis zum Auersberg. mini|links|Bergwiesen am Knock im Herbst
Naturgebiete mini|Naturschutzgebiet „Moore südlich von Schönheide“ beim Bundesamt für Naturschutz mini|Die Herrenwiese als Teil des Natura 2000-Gebietes „Oberes Zwickauer Muldetal“ – eine „wertvolle Bergwiese“Landschaftspflegeverband Westerzgebirge, Themenweg 8 Internetseite des Landschaftspflegeverbandes, abgerufen am 5. Januar 2016.
Bergwiesen am Südabhang des Knock als Natura-2000-Gebiet Bergwiesen um Schönheide und Stützengrün von zusammen 135,5 Hektar, davon Schönheider Anteil mit 93,2 Hektar 69 %.Liste der Fauna-Flora-Habitat-Gebiete in Sachsen (EU-Melde-Nr. DE 5441303)Managementplan für das FFH-Gebiet 5441-303 - Landesmeldenummer 286 „Bergwiesen um Schönheide und Stützengrün“, Büro für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung Uwe Fischer, Schwarzenberg 2012, S. 11. Die Beschreibung des Bundesamts für Naturschutz fasst zusammen: „Komplex aus Grünlandbereichen mit Frisch-, Nass- und Bergwiesen sowie kleinflächigem Buchenmischwald, Moorwald und Zwischenmoor“. Zehn Lebensraumtypen (LRT) aus dem FFH-Regelwerk der Europäischen Union werden genannt, darunter Bergwiesen (LRT 6520) und Artenreiche Borstgrasrasen (LRT 6230), aber auch Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation (LRT 8220), Silikatfelsen mit Pionierrasen (LRT 8230) und Trockene Heiden (LRT 4030). Für die Bergwiesen sind Goldhaferwiese und Bärwurz–Rot-Schwingel-Wiese charakteristisch. Letztere ist in den sächsischen Mittelgebirgen die häufigste Gesellschaft.Biotoptypen. Rote Liste Sachsens Hrsg. vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden 2010, S. 87. Tal der Zwickauer Mulde vom Ortsteil Wilzschhaus bis zum Beginn der ehemaligen Faserplattenfabrik als Schönheider Anteil am Teilgebiet 7 „Muldetal unterhalb Morgenröthe-Rautenkranz“ des Natura 2000-Gebietes „Oberes Zwickauer Muldetal“, und der Verordnung der Landesdirektion Chemnitz zur Bestimmung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Oberes Zwickauer Muldetal“ in der kontinentalen Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung der Europäischen Kommission mit EU-Melde-Nummer 5540-302,. geschützt durch Verordnung der Landesdirektion Chemnitz vom 26. Januar 2011, Erhaltungsziele in der Anlage der Verordnung. Der nicht veröffentlichte Managementplan für dieses Gebiet enthält die Maßnahmen, die zur Erreichung der Erhaltungsziele geeignet sind. Naturschutzgebiet Moore südlich von Schönheide in einer Größe von 27,83 Hektar.Friedemann Klenke: Schutzgebiete in Sachsen 2013. In: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hrsg.): Naturschutzarbeit in Sachsen. 2014. 56. Jahrgang, Dresden 2015, S. 78 f. Der Erzgebirgskreis gab die öffentliche Auslegung des Verordnungsentwurfs im Februar 2013 bekannt.Öffentliche Auslegung des Verordnungs-Entwurfs, Bekanntmachung vom 26. Februar 2013, Landkreiskurier Erzgebirgskreis, Nr. 2/2013, S. 13. und erließ Ende 2013 die Schutzverordnung.Verordnung des Landratsamtes Erzgebirgskreis zur Festsetzung des Naturschutzgebietes „Moore südlich von Schönheide“ vom 25. November 2013, Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 2/2014 vom 31. Januar 2014, Information des Landschaftspflegeverbandes Westerzgebirge natur-im-erzgebirge.de, abgerufen am 28. August 2013. Basis der Unterschutzstellung ist die 100-seitige naturschutzfachliche Würdigung vom Januar 2012 durch ein Hallesches Fachbüro für Ökologie und Naturschutz.moor.naturpark-erzgebirge-vogtland.de Wortlaut des Gutachtens, veröffentlicht vom Naturpark Erzgebirge Vogtland, abgerufen am 16. September 2013. In das Naturschutzgebiet wurden eingeschlossen: zwei Flächennaturdenkmale südlich des Knock, festgesetzt im Jahr 1979: „Wiese an den Baumgärtelskiefern“ mit einer Größe von einem Hektar und „Keilberg-Moor“ (0,18 Hektar) Das „Schönheider Hochmoor“ (sog. Baumgärtels Kiefern) war von 1967Naturschutzgebiete der Bezirke Leipzig, Karl-Marx-Stadt und Dresden. (= Handbuch der Naturschutzgebiete der Deutschen Demokratischen Republik. Band 5). Urania-Verlag, Leipzig / Jena / Berlin 1974, S. 101. bis 1983 NaturschutzgebietListe der Naturschutzgebiete in Sachsen (C 19) und wurde dann gelöscht, weil trotz der Schutzregelungen ortsfremde Murray-Kiefern im Moor angepflanzt, Torfwiesen mit Fichten bestockt, Resttorfhügel abgetorft und die Mooraustrocknung durch Gräben betrieben wurden. Inzwischen wurden seit über zwanzig Jahren Renaturierungsaktivitäten entfaltet. Feuchtwiese neben dem „Pimpergarten“ am Fichtigweg.moor.naturpark-erzgebirge-vogtland.de, S. 12, veröffentlicht vom Naturpark Erzgebirge Vogtland, abgerufen am 16. September 2013. Die Stieleiche auf dem Marktplatz neben dem Rathaus ist als Schönheider Wappeneiche seit 1958 ein Naturdenkmal.Informationstafel des Landkreises Aue-Schwarzenberg von 1999 an diesem Baum Das seit 1999 geschützte Flächennaturdenkmal HeinzwinkelVerordnung des Landkreises Aue-Schwarzenberg zur Festsetzung des Flächennaturdenkmals Heinzwinkel in Schönheide vom 19. November 1999 mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 10.000 und einer Flurstückskarte im Maßstab 1 : 2.000, verkündet unter Amtliche Bekanntmachungen im Landkreisjournal. entspricht weitgehend dem Teilgebiet 1 „Heinzwinkel“ des Natura-2000-Gebietes „Bergwiesen um Schönheide und Stützengrün“.
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