Naltschik (, kabardinisch Налшык, balkarisch Налчыкъ) ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien im Nordkaukasus mit 246.000 Einwohnern (Stand: 2025).
Geographie Die Stadt liegt auf einer Höhe von bis zu etwa 600 m über NN im nördlichen Vorland des Kaukasus, rund 100 km nordöstlich des Berges Elbrus.
Geschichte miniatur|links|Monument Für immer mit Russland im Zentrum Naltschiks mini|links|Büste des balkarischen Nationaldichters Kjasim Metschijew im Mahnmal für die Opfer der stalinistischen Deportation aller Balkaren in Naltschik Die russische Besiedlung Naltschiks geht bis ins Jahr 1743 zurück. Naltschik ging aus einer 1817 gegründeten Festung hervor. Im Jahre 1822 wurde die Stadt gegründet. Weitere militärische Posten kamen im Jahre 1838 hinzu. Der Status einer Stadt wurde im Jahre 1921 gewährt, als es am 1. September zum administrativen Zentrum der Kabardinischen Autonomen Oblast wurde (bereits am 16. Januar 1922 erweitert zur Kabardino-Balkarischen Autonomen Oblast, am 5. Dezember 1936 umgebildet in die Kabardino-Balkarische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik).
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt vom 28. Oktober 1942 bis zum 3. Januar 1943 von deutschen und rumänischen Truppen besetzt und stark beschädigt. Bei deren Rückzug kam es unter Leitung oder Beteiligung von Eduard Jedamzik zur Ermordung von Gefangenen (mindestens 40 Männer, Frauen und Kinder).
In Naltschik bestand das Kriegsgefangenenlager 424 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Das Lager wurde nach Melitopol verlegt.
Am 25. Juni 1998 stürzte in der Stadt ein überfüllter Zuschauerbereich eines Stadions während eines Ringertuniers ein. Bei dem Unglück verloren 23 Zuschauer ihr Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.
Die Stadt wurde nach dem Fluss Naltschik benannt, an dem sie liegt. Das Wort Naltschik bedeutet kleines Hufeisen in der Sprachen der Balkaren.
Heute ist die Stadt Verwaltungs- und Industriestadt. Auch der Tourismus, insbesondere als Verbindung zu Europas höchstem Berg – je nach Grenzziehung – dem Elbrus, hat Bedeutung. Obwohl Naltschik nicht zu den nordkaukasischen Mineralwasser-Kurorten gehört, befindet sich im Ort doch ein großes balneologisches Zentrum mit dem Schwerpunkt Peloidtherapie.
Überfall von Rebellen im Oktober 2005 Am 13. Oktober 2005 überfielen über 200 tschetschenische Rebellen mehrere Polizeireviere, ein Gefängnis, das örtliche Hauptquartier des Inlandsgeheimdienstes FSB und den Flughafen. In russischen Medienberichten wurde von Schüssen, Granatexplosionen und Opfern unter der Zivilbevölkerung gesprochen. Eventuell wurde auch ein Kindergarten oder eine Schule überfallen. Es wurden 63 Todesopfer gemeldet, nach inoffiziellen Angaben gab es jedoch mindestens 124 Opfer. Die Verantwortung für den Überfall übernahm Schamil Bassajew.tagesschau.de: Mehrere Geiseln in Naltschik befreit (tagesschau.de-Archiv)
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 4.809 1926 12.893 1939 47.970 1959 87.617 1970 145.690 1979 207.406 1989 234.547 2002 274.974 2010 240.203 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Verkehr Naltschik verfügt über einen nationalen Flughafen, der aber von keiner westeuropäischen Fluglinie angeflogen wird. Gut zu erreichen ist Naltschik auch über den Flughafen von Mineralnyje Wody. Dieser wird von Moskau durch Aeroflot und Rossija, von Sankt Petersburg (Flughafen Pulkowo) durch Pulkovo Airlines und ehemals von München durch KMV angeflogen.
Über die Fernstraße R217 Kawkas ist die Stadt an das russische Fernstraßennetz angebunden; eine Bahnlinie führt nach Maiski (Station Kotljarewskaja), wo Anschluss an die Strecken von Rostow am Don nach Wladikawkas besteht.
Der innerstädtische öffentliche Nahverkehr wird von Linienbussen, Marschrutkas sowie einem Netz von Trolleybuslinien bewältigt.
Sport Im Fußball wird die Stadt durch den Verein FK Spartak Naltschik vertreten, der von 2006 bis 2011 am Spielbetrieb der höchsten russischen Liga, Premjer-Liga, teilgenommen hatte.
Im September 2012 fanden die dritten Kaukasus-Spiele, ein Sport- und Kulturfestival, mit rund 1500 teilnehmenden Sportlern aus den kaukasischen Republiken in Naltschik statt.
Söhne und Töchter der Stadt mini|hochkant|Grab Kosmiadi, Hamburg
Georg Kosmiadi (1886–1967), KunstmalerBiographie Georg Kosmiadi Ljalja Tschornaja (1909–1982), Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin und Romni Wladimir Beljajew (1933–2001), Fußballspieler Juri Temirkanow (1938–2023), Dirigent Wiktor Belenko (1947–2023), US-amerikanischer Flugzeugingenieur und sowjetischer Pilot Sergei Rogoschin (1956–1983), Vielseitigkeitsreiter Anas Pschichatschew (1967–2010), muslimischer Geistlicher Dmitry Badiarov (* 1969), Geiger und Geigenbauer Michail Fomin (* 1969), klassischer Pianist Murat Kardanow (* 1971), Ringer und Olympiasieger 2000 Heinrich Trumheller (* 1972), deutscher Radrennfahrer Katja Lel (* 1974), Pop-Sängerin Chassanbi Taow (* 1977), Judoka Alim Gadanow (* 1983), Judoka Biljal Machow (* 1987), Ringer Chysyr Appajew (* 1990), Fußballspieler Kantemir Balagow (* 1991), Filmregisseur und Drehbuchautor Alichan Schawajew (* 1993), Fußballspieler Ruslan Apekow (* 2000), Fußballspieler Marat Apschazew (* 2001), Fußballspieler Imran Asnaurow (* 2004), Fußballspieler
Weiterführende Bildungseinrichtungen Staatliche Universität Kabardino-Balkariens Filiale der Staatlichen Ökonomischen Akademie Rostow am Don Filiale der Staatlichen Universität für Nachrichtentechnik Taganrog Filiale Naltschik der Hochschule des Innenministeriums Russlands in Rostow am Don Staatliche Landwirtschaftliche Akademie Kabardino-Balkariens Staatliches Kunstinstitut des Nordkaukasus
Partnerstädte Naltschik listet folgende Partnerstädte auf: Kayseri (Türkei)
Klimatabelle
Einzelnachweise
Weblinks
Mojgorod.ru: Naltschik (russisch) Flughafen Naltschik (russisch)
Kategorie:Ort in Kabardino-Balkarien Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1921