Ruth Leuwerik (* 23. April 1924 als Ruth Leeuwerik in Essen; † 12. Januar 2016 in München) war eine deutsche Schauspielerin. Sie war einer der großen deutschen Kinostars der 1950er Jahre und bildete mit Dieter Borsche ein populäres Leinwandpaar.

Leben Ruth Leeuwerik kam als Tochter des Kaufmanns Julius Martin Leeuwerik und dessen Frau Luise Leeuwerik, geborene Sokolowski, in Essen zur Welt und besuchte dort die Viktoriaschule,Ruth Leuwerik, Die Geschichte des deutschen Films von 1947 bis 1973 damals ein Lyzeum, und in Münster die Handelsschule. Während des Zweiten Weltkriegs war sie dienstverpflichtet als Fräserin in der Rüstungsindustrie tätig.Leuwerik, Ruth. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 760. Später arbeitete sie als Stenotypistin und nahm privaten Schauspielunterricht.

Ihre ersten Engagements erhielt sie am Westfälischen Landestheater Paderborn und an den Städtischen Bühnen Münster. Für 1943 sind bereits auswärtige Gastspiele – überwiegend in der Verwundetenbetreuung – mit dem Ensemble des Westdeutschen Landestheaters Bochum nachweisbar.Siehe NS-Volksblatt für Westfalen, Ausgabe Höxter, vom 18.02., 07.08., 07.10. und 11.11.1943. Von 1947 bis 1949 war sie Darstellerin am Theater Bremen und am Theater Lübeck, von 1949 bis 1953 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. In der Spielzeit 1950/51 trat sie im Stück Intermezzo von Jean Giraudoux auch am Hebbel-Theater in Berlin auf. Ihre letzte Bühnenrolle spielte sie 1955 als Eurydike in dem gleichnamigen Stück von Jean Anouilh am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Ihr Leinwanddebüt gab Leeuwerik 1950 in der Filmkomödie Dreizehn unter einem Hut, in der sie an der Seite von Volker von Collande und Inge Landgut eine der Hauptrollen spielte. Sie war für eine erkrankte Kollegin eingesprungen.Interview mit Ruth Leuwerik von 1984 bei dw.de, abgerufen am 17. März 2014. (Audio des Interviews nicht mehr verfügbar) 1951 synchronisierte Ruth Leuwerik Maureen O’Hara in Riff-Piraten. Durch die Vermittlung eines Bekannten wurde sie Dieter Borsche vorgestellt, der ihr 1952 zu ihrer ersten großen Rolle als Filmpartnerin in der Komödie Vater braucht eine Frau verhalf. Aufgrund des Erfolgs an den Kinokassen drehten beide im Anschluss den Film Die große Versuchung, der auf einem populären Fortsetzungsroman einer deutschen Illustrierten basierte. Dank des Erfolgs beider Filme wurden Ruth Leuwerik, wie sie sich nun schrieb, und Dieter Borsche, die später auch in Königliche Hoheit und Königin Luise gemeinsam vor der Kamera standen, neben Sonja Ziemann/Rudolf Prack und Maria Schell/O. W. Fischer zu einem der Leinwandpaare der 1950er Jahre.

Ihren Durchbruch hatte Leuwerik 1953, als sie in vier Produktionen im Kino präsent war. Neben dem Melodrama Ein Herz spielt falsch, in dem sie erstmals mit O. W. Fischer zu sehen war, spielte sie die Hauptrolle in der Komödie Muß man sich gleich scheiden lassen?, der Literaturverfilmung Königliche Hoheit nach dem gleichnamigen Roman Königliche Hoheit von Thomas Mann und der Familiensaga Geliebtes Leben, die die Entwicklung einer Frau über verschiedene Dekaden hinweg schildert. Für ihre darstellerische Leistung in diesem Film wurde sie 1954 mit dem Filmband in Silber als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Die Schauspielerin wirkte zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere so oft in Kostümfilmen wie Geliebtes Leben und Ludwig II. mit O. W. Fischer mit, dass ihre Auftritte in Krinoline und Reifrock bald zu einer Art Markenzeichen wurden. Häufig stand sie auch für Adaptionen literarischer Stoffe wie Theodor Fontanes Effi Briest, der unter dem Titel Rosen im Herbst mit Leuwerik in der Hauptrolle verfilmt wurde, sowie in der Titelrolle von Dorothea Angermann nach dem gleichnamigen Schauspiel von Gerhart Hauptmann vor der Kamera.

Ruth Leuweriks Karriere, die Mitte der 1950er Jahre etwas an Schwung verloren hatte, erhielt dank der äußerst populären Filme Die Trapp-Familie und Die Trapp-Familie in Amerika von Wolfgang Liebeneiner um die Baronin Maria Augusta von Trapp neuen Auftrieb. Ebenfalls unter der Regie von Liebeneiner entstand das Kriegsgefangenendrama Taiga, in dem sie eine couragierte Ärztin in einem Kriegsgefangenenlager in Sibirien spielt. Ein Teil ihrer Beliebtheit gerade bei weiblichen Kinobesuchern lag wohl auch darin begründet, dass Leuwerik häufig unabhängige, beruflich erfolgreiche Frauen mit eigenen Ideen und Vorstellungen vom Leben darstellte, wie in der Komödie Die ideale Frau aus dem Jahr 1959.

Mit Beginn der 1960er Jahre begann ihre Popularität jedoch zu schwinden: In Liebling der Götter über das Leben des UFA-Stars Renate Müller wusste Leuwerik zwar schauspielerisch zu überzeugen; die ambitionierte Filmbiographie blieb jedoch, was die Einspielergebnisse anbelangt, hinter den Erwartungen zurück. Die Käutner-Verfilmung Die Rote von 1962 nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Andersch vermochte hingegen weder Kritiker noch Publikum zu begeistern. Nach der Neuverfilmung Das Haus in Montevideo an der Seite von Heinz Rühmann zog sich Leuwerik 1963 für mehrere Jahre von der Leinwand zurück. Sie trat jedoch gelegentlich in Fernsehproduktionen auf, etwa in Franz Peter Wirths Fernsehmehrteiler Die Buddenbrooks, in dem sie die Konsulin Betsy Buddenbrook verkörperte. 1978 wurde sie für ihr langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film mit dem Filmband in Gold geehrt.

Anlässlich ihres 80. Geburtstags im Jahr 2004 widmete ihr das Filmmuseum Berlin eine große Werkschau unter dem Titel Die ideale Frau – Ruth Leuwerik und das Kino der fünfziger Jahre. Ihr Werk wurde dabei folgendermaßen gewürdigt:

1949 war Ruth Leuwerik kurze Zeit mit dem Schauspieler Herbert Fleischmann verheiratet und von 1965 bis 1967 mit dem Sänger Dietrich Fischer-Dieskau. Bis zu ihrem Tod lebte sie mit ihrem dritten Ehemann, dem Augenarzt Heinz Purper (1920–2016), den sie 1969 geheiratet hatte, zurückgezogen in München-Nymphenburg (Zuccalistraße).

mini|Grab Ruth Leuwerik und Ehemann Heinz Purper, Friedhof Nymphenburg, München Dort starb sie am 12. Januar 2016 im Alter von 91 Jahren. An der Trauerfeier in der evangelischen Stephanus-Kirche in Nymphenburg nahmen neben der Familie auch der Schauspieler Rolf Kuhsiek, der Kulturreferent Hans-Georg Küppers und Thomas Goppel teil. Sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Nymphenburger Friedhof im Münchener Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg.knerger.de: Das Grab von Ruth Leuwerik

Filmografie

Fernsehen

Auftritte als Schauspielerin 1963: Hedda Gabler 1965: Ninotschka 1970: Das weite Land 1974: Der Kommissar (Krimiserie, Folge Der Segelbootmord) 1976: Meine beste Freundin 1978: Derrick (Krimiserie, Folge Ein Hinterhalt) 1979: Die Buddenbrooks (11-teilige Fernsehserie) 1980: Kaninchen im Hut und andere Geschichten mit Martin Held 1983: Derrick (Folge Der Täter schickte Blumen) Weitere Fernseharbeiten 1955: Was bin ich? (Fernsehserie, als Ehrengast) 1965: Ruth Leuwerik (Dokumentation) 1969: Stars in der Manege (Mitwirkende im Zirkus Krone) 1975: Der große Preis (Fernsehspielshow – als Losfee) 1976: Dalli Dalli (Fernsehspielshow – als Kandidatin) 1981: Bitte umblättern (Dokumentation innerhalb des Magazins) 1997: Denk ich an Deutschland … – Das Wispern im Berg der Dinge (Dokumentation) 2005: Filmlegenden. Deutsch (Dokumentation) 2008: Heimat – Deine Filme: Der Traum vom Paradies (Dokumentation) 2009: Ruth Leuwerik erzählt (Kurzdokumentation)

Theaterauftritte

Hörspiele Quelle:

Synchronisationen (Quelle: )

1950 Der Mann in Schwarz, Natasha Perry als Molly Lester 1951 Wer zuletzt lacht, Eleanor Summerfield als Sheila Wilcott 1951 Mit Küchenbenutzung, Joan Greenwood als Sabina Pennent 1951 Riff-Piraten, Maureen O'Hara als Mary Yelland (2. Synchronisation)

Auszeichnungen und Ehrungen mini|Stern von Ruth Leuwerik auf dem Boulevard der Stars in Berlin 1953: Bambi der Film-Revue – Schauspielerin deutsch (gemeinsam mit Maria Schell) 1954: Bundesfilmpreis/Filmband in Silber (Beste Hauptdarstellerin) für Geliebtes Leben 1956: Mitgliedschaft der Akademie der Darstellenden Künste Hamburg 1958: Golden Gate Award der Internationalen Filmfestspiele San Francisco für Taiga 1958: Preis des Bundes der Heimatvertriebenen für Taiga 1958: Bravo Otto in Gold und in Bronze 1959: Bravo Otto in Gold 1959–1962: Bambi – Schauspielerin deutsch 1960: Bravo Otto in Silber 1961: Blue Ribbon Award für Die Trapp Familie 1961/62: Bravo Otto in Gold 1963: Bravo Otto in Silber 1966: Preis des Deutschen Fernsehens in Bronze 1974: Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1978: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film 1978: Bayerischer Verdienstorden 1980: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 1991: Bayerischer Filmpreis (Ehrenpreis) 2000: DIVA-Award 2004: Medaille München leuchtet in Gold 2010: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin 2020: Im September 2020 hat der Münchner Stadtrat, zu Ehren Leuweriks, die Benennung einer Ruth-Leuwerik-Straße in München beschlossen.

Literatur Klaus Belli: Ruth Leuwerik (= Film-Porträts Band 2). Olzog, München/Köln 1957, . Walter Grieder: Ruth Leuwerik. Große Karriere mit kleinen Hindernissen. Landschäftler / Böhringer, Liestal / Wunsiedel 1962, . Leuwerik, Ruth. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 760. Peter Mänz, Nils Warnecke (Hrsg.): Die ideale Frau. Ruth Leuwerik und das Kino der fünfziger Jahre. Anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Filmmuseum Berlin, 29. April bis 15. August 2004. Henschel, Berlin 2004., ISBN 3-89487-482-1. Christoph Dompke: Ruth Leuwerik in: „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ (1971), S. 131, in: Alte Frauen in schlechten Filmen: vom Ende großer Filmkarrieren. Erweiterte und vollständig überarbeitete Neuausgabe, Männerschwarm, Hamburg 2012 (frühere Ausgabe: Weil doch was blieb, 1998), ISBN 978-3-86300-114-8. Jonathan Schilling: Noch einmal Preußen im Film. Zu Preußenbildern in Filmen mit Ruth Leuwerik, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, N. F., 29. Bd., 2019, H. 1–2, S. 201–221. Jonathan Schilling: Mehr als Heimatfilm. Ruth Leuwerik, „Die Trapp-Familie“ und der Publikumsgeschmack der Adenauer-Zeit. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 71 (2023), S. 75–109. Jonathan Schilling: Zum Umgang mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung im Film der Nachkriegszeit. Die Auseinandersetzungen um Liebling der Götter (1960) als Beispiel, in: Historisches Jahrbuch, 143. Jg., 2023, S. 330–353.

Michael Wenk: Ruth Leuwerik – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 24, 1994.

Weblinks

Filmmuseum Berlin: Die ideale Frau. Ruth Leuwerik und das Kino der fünfziger Jahre Eine Frau fürs ganze Leben. Zum Tod von Ruth Leuwerik von Michael Wenk, Neue Zürcher Zeitung vom 12. Januar 2016

ZeitZeichen: 23.04.1924 - Geburtstag von Ruth Leuwerik

Einzelnachweise

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