mini|400px|Lage der Britischen Überseegebiete mini|Flaggen der Britischen Überseegebiete am Londoner Parliament Square

Die Britischen Überseegebiete () sind 14 (Stand: 2024) Territorien, die nicht Teil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland sind, aber unter dessen Souveränität stehen. Sie liegen zum größten Teil außerhalb Europas.

Der Name „Britische Überseegebiete“ wurde durch den British Overseas Territories Act 2002 eingeführt und löste „Britische abhängige Gebiete“ (British Dependent Territories) ab, der mit dem British Nationality Act 1981 festgelegt worden war. Vor diesem hießen die Gebiete Kolonien oder Kronkolonien.

Die Kanalinseln (mit den Vogteien Jersey und Guernsey) sowie die Isle of Man sind kein Teil der britischen Überseegebiete, sondern haben den speziellen Status des Kronbesitzes. Als solcher haben sie den britischen Monarchen als Oberhaupt, unterstehen jedoch nicht dem Vereinigten Königreich.

Im historischen Zusammenhang sind Kronkolonien zu unterscheiden von Protektoraten, die zwar unter britischer Kontrolle standen, formal aber unabhängige Staaten waren (siehe den Artikel Britische Kolonien und Protektorate).

Geschichte

mini|Denkmal zu Ehren Victorias im Victoria Park in Hongkong

Die ursprünglichen englischen Besitzungen in der Neuen Welt waren Kolonien im herkömmlichen Sinne, das heißt, sie waren Ansiedlungen englischer Untertanen in Staaten, die bis dahin außerhalb des Herrschaftsbereichs der Krone standen. Die erste dieser Ansiedlungen war Neufundland, wo englische Fischer im 16. Jahrhundert regelmäßig jahreszeitliche Lager aufschlugen.

Mit der ersten erfolgreichen dauerhaften Kolonie in „Virginia“ (ein Name, der damals für ganz Nordamerika galt) begann die Geschichte des später sogenannten „alten Empires“. 1609 entstand eine zweite Kolonie in Bermuda, oder die „Somers Isles“ (ursprünglich als Teil von Virginia, bis die „Somers Isles Company“ 1615 als „Untergesellschaft“ der Virginia Company gegründet wurde, um Bermuda separat zu verwalten), die heute – nach dem Verlust der amerikanischen Kolonien 1783 – die älteste noch bestehende britische Kolonie ist.

Im Laufe des Wachstums des Britischen Reiches vom frühen 18. Jahrhundert bis zu seinem Höhepunkt in den 1920er-Jahren kolonisierte Großbritannien ein Viertel der Landfläche der Erde, darunter Gebiete mit großer einheimischer Bevölkerung in Asien und Afrika, die aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen und nicht zum Zwecke der Besiedlung gehalten wurden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert erlangten die größeren Siedlerkolonien – Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika – ein größeres Maß an Unabhängigkeit. In den 1920er-Jahren erhielten sie den Status von Dominions und durch das Statut von Westminster (1931) fast vollständige gesetzgeberische Unabhängigkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Reich allmählich in den Commonwealth of Nations um, und die meisten britischen Kolonien in Afrika, Asien und der Karibik erlangten die Unabhängigkeit. Einige Kolonien wurden Commonwealth Realms mit dem britischen Monarchen als Staatsoberhaupt, andere wurden Republiken, erkannten den britischen Monarchen aber als Oberhaupt des Commonwealth an.

In den 1980er-Jahren verlor das Vereinigte Königreich seine letzten Festlandkolonien, als 1980 in Afrika Südrhodesien (heute Simbabwe) und 1981 in Mittelamerika Britisch-Honduras (heute Belize) unabhängig wurden. Die letzte verbleibende wichtige Kolonie war danach Hongkong mit über 5 Millionen Einwohnern. Im Unterschied zu den anderen Gebieten war der Großteil von Hongkong von China auf 99 Jahre an das Vereinigte Königreich verpachtet. Der Pachtvertrag lief 1997 aus. Das Vereinigte Königreich handelte die Chinesisch-Britische Gemeinsame Erklärung aus, wonach ganz Hongkong 1997 eine Sonderverwaltungszone mit Garantie der Fortdauer des kapitalistischen Wirtschaftssystems und der von der britischen Herrschaft gewohnten Lebensart wurde.

Nach der Rückgabe Hongkongs sind die übriggebliebenen kolonialen Besitztümer meist kleine Inselgebiete mit niedriger Bevölkerungszahl sowie das unbewohnte Britische Antarktis-Territorium. Zu den Gründen, weshalb diese Gebiete nicht ebenfalls die Unabhängigkeit erlangt haben, zählen:

der fehlende Wunsch in der Bevölkerung nach Unabhängigkeit, die geringe Bevölkerung, die einen Erfolg als souveräner Staat stark erschwert, die Abhängigkeit von britischer Wirtschaftshilfe, das Fehlen von permanenter Bevölkerung in dem Gebiet, das jedoch zu wissenschaftlichen oder militärischen Zwecken genutzt wird, die Notwendigkeit britischer Militärpräsenz zum Schutz gegen feindselige Nachbarn, das Fehlen einer wirtschaftlichen oder politischen Rechtfertigung für Unabhängigkeit.

Der in dieser Auflistung an vierter Stelle aufgeführte Grund trifft auf das Britische Territorium im Indischen Ozean jedoch nur bedingt zu, da die dortige Bevölkerung durch die Britische Regierung ab 1966 zwangsumgesiedelt wurde. Siehe hierzu Chagossianer.

2002 verabschiedete das Parlament des Vereinigten Königreiches den British Overseas Territories Act 2002, worin die von Großbritannien abhängigen Gebiete als „Überseegebiete“ benannt wurden und ihren Bürgern die volle britische Staatsangehörigkeit wiedergegeben wurde, mit Ausnahme derjenigen Personen, die einzig mit den souveränen Militärbasen auf Zypern verbunden sind.

Der Ausdruck Kolonie impliziert die Landnahme eines größeren Staates durch Besiedlung, gleichgültig, ob es auf dem Territorium eine einheimische Bevölkerung gibt oder es zuvor unbewohnt war. Nach und nach wurden die meisten Besitzungen des Britischen Reiches so genannt, auch diejenigen, deren Bevölkerung in der großen Mehrheit aus (für gewöhnlich eroberten) einheimischen Völkern bestand. Als die größeren Siedlerkolonien im Weltreich den Status von Dominions und damit zumindest vorgeblich Gleichberechtigung mit dem Vereinigten Königreich erlangten (oder im Falle der Dreizehn Kolonien Nordamerikas die völlige Unabhängigkeit), wurde der Ausdruck im 20. Jahrhundert immer mehr auf die Gebiete mit eroberten Bevölkerungen angewandt statt auf diejenigen mit hauptsächlich europäischen Siedlern, wie es das Wort eigentlich implizierte.

Die meisten der noch bestehenden Überseegebiete sind Erbe des Britischen Weltreiches (im Englischen: Old (British) Empire). Die meisten liegen deshalb in der Neuen Welt oder im Atlantik. Es sind allesamt (Ausnahme: Diego Garcia auf dem Chagos-Archipel. Dieses steht nach geltendem Völkerrecht Mauritius zu.) Kolonien im eigentlichen Sinne des Wortes, das heißt, ihre Bevölkerungen sind das Ergebnis von Besiedlung, und die Gebiete waren entweder zuvor unbewohnt (Bermuda) oder die einheimische Bevölkerung wurde von europäischen Eindringlingen ausgerottet (Turks & Caicos). Einige erlebten zudem beträchtliche Zuwanderung, meist ungewollt, aus anderen Gegenden der Welt außer Großbritannien (in erster Linie Afrika, Nordamerika und Irland).

Gegenwärtige Überseegebiete Flagge Gebiet Lage Hauptstadt Gouverneur, Administratoroder Kommissar Parlament Bevölkerung Fläche (km²) 50px Anguilla Karibik() The Valley Gouverneur von Anguilla House of Assembly 15.423 96 50px Bermuda Nordatlantik / Nordamerika() Hamilton Gouverneur von Bermuda Parliament of Bermuda(House of Assembly, Senat) 64.689 53,1 50px|rand Britisches Antarktis-Territorium(Gebietsanspruch aufgrund Antarktisvertrag international nicht anerkannt; Überlappungen mit Gebietsansprüchen Chiles und Argentiniens) Antarktis() Rothera (Hauptstation) Kommissar für das Britische Antarktis-Territorium – 200(Personal) 1.709.400 50px Britische Jungferninseln Karibik() Road Town Gouverneur der Britischen Jungferninseln House of Assembly 31.148 153 50px Britisches Territorium im Indischen Ozean (Chagos-Archipel) Indischer Ozean() Diego Garcia Kommissar für das Britische Territorium im Indischen Ozean – 3.700(Militär und Personal) 60 50px Falklandinseln Südatlantik / Südamerika() Stanley Gouverneur der Falklandinseln Legislative Assembly 2.967 12.173 50px|rand Gibraltar Iberische Halbinsel() Gibraltar Gouverneur von Gibraltar Gibraltar Parliament 28.750 6,5 50px Cayman Islands Karibik() George Town Gouverneur der Cayman Islands Parliament of the Cayman Islands 41.934 264 50px Montserrat Karibik() Plymouth (verlassen; übergangsweise Brades) Gouverneur von Montserrat Legislative Assembly 4.922 102 50px Pitcairninseln Südpazifik() Adamstown Gouverneur der Pitcairninseln Island Council 50 4950px St. Helena,Ascension undTristan da Cunha 50px|Flagge St. Helenas St. Helena Südatlantik() Jamestown Gouverneur von St. Helena Legislative Council 5.633 391 50px|Flagge Ascensions Ascension Georgetown Administrator von Ascension Island Council 50px|Flagge Tristan da Cunhas Tristan da Cunha Edinburgh of the Seven Seas Administrator von Tristan da Cunha Island Council 50px Souveräne Militärbasen Akrotiri und Dekelia Zypern() Episkopi Cantonment Administrator der Souveränen Stützpunktgebiete Akrotiri und Dekelia – 15.500(Militär und Personal) 254 50px Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln Südatlantik() King Edward Point/Grytviken Kommissar von Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln – 11–26(Personal) 4.066 50px Turks- und Caicosinseln Karibik() Cockburn Town Gouverneur der Turks- und Caicosinseln House of Assembly 41.000 497

Regierung mini|hochkant|König Charles III., Staatsoberhaupt

Staatsoberhaupt Das Staatsoberhaupt der Überseegebiete ist der britische Monarch, zurzeit König Charles III. Er übt seine Funktion als König des Vereinigten Königreiches und nicht im Recht des jeweiligen Gebietes aus. Der König ernennt einen Repräsentanten in jedem Gebiet, der seine exekutive Gewalt ausübt. In Gebieten mit permanenter Bevölkerung ernennt er auf Vorschlag der Britischen Regierung einen Gouverneur (normalerweise ein ranghoher Offizier im Ruhestand oder ein Staatsbeamter). In Territorien ohne ständige Bevölkerung vertritt in der Regel ein Bevollmächtigter (Commissioner) den König. In Überseegebieten mit Außenbesitzungen kann der Gouverneur einen Verwalter (Administrator) ernennen, der ihn in dieser Außenbesitzung vertritt.

Der Gouverneur ist das faktische Staatsoberhaupt und normalerweise verantwortlich für die Ernennung des Regierungschefs und die Besetzung wichtiger politischer Ämter in dem Gebiet. Zu den Pflichten des Gouverneurs zählt neben zeremoniellen Aufgaben auch die Pflege der Beziehungen zur Regierung des Vereinigten Königreiches. Ein Bevollmächtigter hat die gleiche Amtsgewalt wie ein Gouverneur, ist aber darüber hinaus auch Regierungschef.

Regierung Jedes der Überseegebiete hat seine eigene Regierungsform und an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Gesetze. Die Regierungsstruktur hängt von der Größe des Gebietes ab.

GebieteRegierungsform 24px|rand Britisches Antarktis-Territorium 24px Britisches Territorium im Indischen Ozean 24px Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln Keine dauernde einheimische Bevölkerung und daher keine gewählte Regierung. Ein Bevollmächtigter regelt, unterstützt von einem Verwalter, die Angelegenheiten des Gebietes. 24px Souveräne Militärbasen Akrotiri und Dekelia Es gibt keine gewählte Regierung. Die britischen Militärbehörden versuchen jedoch, soweit möglich, eine Übereinstimmung des Rechts mit dem der Republik Zypern zu gewährleisten. 24px Falklandinseln 24px Pitcairninseln 24px St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha Die Regierung besteht aus einem Gesetzgebenden Rat mit einem Ersten Minister (Chief Minister) an der Spitze. Ein Gouverneur vertritt das Staatsoberhaupt und führt den Exekutivrat an, der aus ernannten Mitgliedern aus den Rängen des Gesetzgebenden Rat und zwei Mitgliedern von Amts wegen besteht. 24px Anguilla 24px Britische Jungferninseln 24px Cayman Islands 24px Gibraltar 24px Montserrat