Das 1st Special Forces Operational Detachment-Delta (Airborne), kurz auch 1st SFOD-D (A) oder Delta Force genannt, ist eine Spezialeinheit der US Army mit den Einsatzschwerpunkten Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung. Obwohl in der Öffentlichkeit weiterhin von Delta Force gesprochen wird, hieß sie Pentagon-intern geraume Zeit offiziell 1st Combat Applications Group (Airborne) („Kampf-Einsatz[-fall]-Gruppe“) oder abgekürzt CAG. Diese Bezeichnung wechselte 2010 zu Army Compartmented Element (ACE).

Auftrag Über die Delta Force ist wenig bekannt, da die Einheit der Geheimhaltung unterliegt. Als Bestandteil des Joint Special Operations Command (JSOC) ist sie dem US Special Operations Command (USSOCOM) unterstellt, als einem der zehn höchsten Kommandostäbe der US-Streitkräfte. Teile der Einheit sind in ständiger Gefechtsbereitschaft. Ihre offizielle Aufgabenbeschreibung ist vage gehalten und umfasst schnelle, punktgenaue Operationen mit weit gefächerten Fähigkeiten. Dabei soll die Delta Force in der Lage sein, so unauffällig vorzugehen wie keine andere US-Einheit.

Der ausgebildete Delta-Force-Soldat bekleidet mindestens den Rang eines Unteroffiziers und wird einheitsintern Operator genannt (deutsch etwa: „Einsatzkraft“ oder „Ausführender“). Der Begriff wurde gewählt, um die an Einsätzen teilnehmenden Soldaten von den Mitgliedern des unterstützenden Personals begrifflich abzugrenzen. Die auch in Frage gekommene Bezeichnung Operative konnte nicht verwendet werden, da so schon die Einsatzoffiziere der CIA betitelt werden. Das Wort Agent hätte juristische Schwierigkeiten aufgeworfen.

Vergleichbare Einheiten und Kooperationen Die Delta Force ist, zusammen mit der Naval Special Warfare Development Group (DEVGRU, auch bekannt unter dem ehemaligen Namen SEAL-Team 6), der einzige Verband der US-amerikanischen Streitkräfte, der primär auf den Kampf gegen Terroristen (speziell in Flugzeugen und in urbaner Umgebung) ausgerichtet ist. Zu ihren stets geheimen Einsätzen gehören auch Operationen hinter feindlichen Linien, nachrichtendienstliche Aufklärung, asymmetrische und unkonventionelle Kriegführung und direkte Kampfeinsätze sowie das gezielte Töten einzelner Personen.

Bei ihren Einsätzen arbeitet sie oft mit der Special Activities Division zusammen, einer paramilitärischen Einsatzgruppe des US-Nachrichtendienstes Central Intelligence Agency.

Einsatzplanung Eine Besonderheit stellt der Umstand dar, dass die Operators ihre Einsätze selbst planen. Kommandeure und Stäbe geben lediglich die Missionsziele vor, wogegen die taktische Planung den Einsatzkräften selbst obliegt. Dieses Prinzip der Auftragstaktik wurde vom britischen Special Air Service übernommen. Die Absicht ist die Ausschaltung des sogenannten „Rambo-Syndroms“, das heißt die Planung unnötig verlustreicher, zu komplizierter oder nicht realisierbarer Einsätze. Dadurch sollen Besonnenheit und Professionalität gefördert und unnötige Profilierungsbestrebungen vermieden werden.

Einsätze im Inland Delta-Kräfte wurden anfänglich, in Ermangelung geeigneter US-Antiterror-Einheiten, auch im Inland eingesetzt, was zu diesem Zeitpunkt durch einen Präsidentenerlass genehmigt wurde. Auf Intervention des US-Justizministeriums wurde diese Praxis aufgrund des Posse Comitatus Act, einem US-Gesetz, das den Einsatz von Militär im Inland verbietet, als rechtlich fragwürdig eingestuft. Daraufhin veranlasste die Regierung 1983 die Aufstellung des Hostage Rescue Teams (deutsch: „Geiselrettungsgruppe“) durch das FBI, bei dessen Ausbildung Delta-Force-Kräfte Pate standen.

Organisation Gemäß der Table of OrderTO, vergleichbar mit dem STAN („Stärke- und Ausrüstungsnachweis“) bei der Bundeswehr oder OTF („Organisation der Truppen und Formationen“) bei der Schweizer Armee besteht die Delta Force aus drei Einsatzschwadronen, einer Unterstützungsschwadron, einer Fernmeldeschwadron, einem eigenen Heeresfliegerzug (Aviation Platoon) und möglicherweise dem sogenannten Funny Platoon. Dieser Einsatzzug aus Soldatinnen (einzigartig beim Joint Special Operations Command) ist nicht primär auf Kampf-, sondern auf Aufklärungseinsätze ausgerichtet. Seine Existenz, Struktur sowie sein Auftrag sind allerdings umstritten.

Die Einsatzkräfte setzen sich aus der A-, B- und seit 1990 zusätzlich der C-Schwadron (Sabre Squadrons, deutsch: „Säbelschwadronen“) zusammen, die sich in je zwei Gruppen (troops) aufgliedern, einer Angriffs- (short gunner) und einer Scharfschützen-(Beobachter-)gruppe (long gunner) und von einer Schwadronsführungsgruppe geführt werden.

Ein troop besteht aus mindestens fünf Vier-Mann-Teams, die jeweils in besonderen Fertigkeiten ausgebildet sind, so im Military Freefall als Fallschirmsprungverfahren aus großer Höhe im high altitude, high opening für Gleiteinsätze, als Kampfschwimmer, im Gebirgskampf oder nach amphibischer Landungsoperation. Unterstützt werden die Einsatzschwadronen durch Logistik- und Ausbildungseinheiten (Support Personnel and Selection Cadre und Asymmetric Warfare Group).

Wegen des geltenden Geheimhaltungsstatus, der in den Jahren nach den Anschlägen vom 11. September noch verstärkt wurde, gibt es keine offiziellen Angaben über die Personalstärke. Ehemalige Mitglieder schätzen sie insgesamt auf nicht mehr als 2500 Soldaten, davon 1000 bis 1200 bei den Operational Squadrons. Aus diesem Grund ist auch nicht klar, welche Personalstärke die einzelnen operativen Einheiten und Teileinheiten haben (squadrons und troops).

Bei Eintritt in die Delta Force wird die Personalakte des Soldaten aus dem Personalarchiv der Army entfernt, er existiert somit offiziell nicht mehr. Seine Stammdaten werden nur noch im Department of the Army Security Roster gelistet, der Sicherheitsstammrolle des Department of the Army.

Führungsstab Der Führungsstab der Delta Force ist in Fort Bragg (North Carolina), genannt The Home of the Airborne and Special Operations. Dort befindet sich außerdem noch das John F. Kennedy Special Warfare Center, die Akademie für unkonventionelle Kriegführung.

Den Lufttransport der Delta Force stellt hauptsächlich das 160th Special Operations Aviation Regiment sicher, das zwar auch Fort Bragg als Basis nutzt, dessen Hauptquartier sich aber in Fort Campbell (Kentucky) befindet.

Ein Haupttransportmittel für den Verband ist der mittelschwere Transporthubschrauber MH-47 Chinook, von dem insgesamt 36 Stück der Varianten MH-47D und MH-47E in Fort Bragg für „Special Operations“-Missionen bereitgehalten werden.

Das Hauptquartier des JSOC befindet sich zum Großteil auf dem nahegelegenen Pope Pope Army Airfield, ist allerdings teilweise auch in Fort Bragg angesiedelt.

Der gesamte von der Delta Force genutzte Stützpunktbereich in Fort Bragg ist besonders gesichert und für Einheitsfremde nur mit Sondererlaubnis zugänglich. Das Trainingsgelände der Einheit, Range 19 genannt, wurde Anfang der 1980er Jahre für 80 Millionen US-Dollar modernisiert und wird auch vom Hostage Rescue Team des FBI für gemeinsame Übungen genutzt.

Rekrutierung und Ausbildung Auswahlverfahren Die US-Army hat nie offizielle Richtlinien für die Rekrutierung dieser Einheit veröffentlicht, allerdings gehen Experten davon aus, dass sich das 1990 in der Publikation Mountaineer veröffentlichte fact sheet auf die Delta Force bezieht. In einer Ausgabe der in Fort Bragg erscheinenden Zeitung Paraglide wird diese Bestimmung namentlich auf die Delta Force bezogen.…the Department of Defense’s highest priority unit… Dort wurden als Voraussetzungen für Anwärter ein Mindestalter von 22 Jahren, Dienstgrad mindestens Sergeant (E-5) und viereinhalb Jahre Dienstzeit genannt.

Dieses System wurde Anfang der 1990er Jahre durch einen aktiven Sichtungsprozess der Personaloffiziere der Delta Force ersetzt, die zweimal jährlich die Personalakten nach besonders herausragenden Offizieren und Unteroffizieren durchgehen. Die ausgewählten Soldaten werden daraufhin schriftlich benachrichtigt. Falls sie das Interesse erwidern, können sie ein Bewerbungsgespräch vereinbaren, das in Fort Bragg stattfindet. Wenn sich ein Kandidat dabei als möglicherweise geeignet erweist, durchläuft er einen extrem harten Fitnesstest und einen rund vier Wochen langen Auswahlprozess (Selection Course).

Das Auswahlverfahren bei der Delta Force soll im Vergleich zu anderen Spezialeinheiten das anspruchsvollste der US-Streitkräfte sein. Zum Abschluss des Einstellungstests ist ein 70 Kilometer langer Orientierungs-Querfeldein-Marsch (Forty Miler) mit rund 40 Kilogramm Ausrüstung zu absolvieren. Die Durchfallquote beträgt rund 70 Prozent – bei bereits weit überdurchschnittlich ausgebildeten Bewerbern. Von etwa tausend Bewerbern schaffen in der Regel 100 Kandidaten den Einstellungstest, von denen wiederum nur fünf die Ausbildung überstehen und als Operator in die Einheit aufgenommen werden.

Ausbildung und Integration Nach Bestätigung durch den Bewertungsausschuss des Kommandeurs (Commander’s Evaluation Board) absolviert der Bewerber anschließend, zusätzlich zu seiner bereits vorhandenen Special-Forces-, Ranger- oder Airborne-Ausbildung, ein sechsmonatiges Basistraining, den sogenannten Operator’s Training Course (OTC).

Nach dem OTC erfolgt eine erweiterte Spezialausbildung, die weitere sechs Monate dauert. Dort wird der künftige Delta-Force-Soldat unter anderem in fortgeschrittenen Infanterietechniken, Angriffs- und Rettungsoperationen, In- und Exfiltration, Seiltechniken und der Infiltration per Helikopter sowie Fernmeldetechnik und Sanitätsdienst ausgebildet. Im Anschluss nimmt er erstmals zusammen mit der CIA an echten Einsätzen im Bereich Personenschutz und kriminologischer Ermittlungsarbeit teil.

mini|Operator mit vollständiger Uniform und M4

Hat der Bewerber diese Ausbildungsabschnitte absolviert, wird er von nun an als Operator bezeichnet. Seine Ausbildung ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Um für Einsätze zugelassen zu werden, wird der Neuling für ein Jahr einer aktiven Delta-Schwadron zur Probe unterstellt, in der die bisher erlangten Kenntnisse und Fertigkeiten vertieft und durch weitere Kurse und Lehrgänge ergänzt werden. Dazu gehören Lehrgänge in Personenschutz, Guerillakriegführung, verdeckte Operationen, Fernaufklärung, Fahren von Fahrzeugen und Motorrädern aller Art, Sanitätswesen mit Schwerpunkt Traumamedizin (einer im Vergleich zu einem zivilen Rettungssanitäter deutlich umfangreicheren Ausbildung), Pionierwesen, nachrichtendienstliche Tätigkeiten, Gerätetauchen mit Kampfschwimmerausbildung, maritime Operationen, Military Freefall, im Umgang mit Sprengmitteln und Waffen. Ferner werden das Kämpfen und Überleben in verschiedenen Klimazonen trainiert. Darüber hinaus muss der Operator mindestens eine fremde Sprache erlernen, die dem potentiellen Einsatzgebiet der Delta Force entspricht. Die Kurse und Lehrgänge werden dabei auf jeden Operator individuell abgestimmt, da alle Kandidaten bereits eine umfangreiche und vielseitige Ausbildung in den Reihen der Green Berets oder Ranger erhalten und somit zahlreiche Kurse bereits erfolgreich absolviert haben.

Der letzte Ausbildungsabschnitt dauert ein weiteres Jahr, in dem der neue „Troop“ (Vier-Mann-Team) zusammengestellt wird, bisher erlerntes Können und Taktiken auf den Troop übertragen werden und das reibungslose Zusammenspiel unter realen Einsatzbedingungen trainiert wird. Die Trainingsmissionen sind sehr hart und körperlich erschöpfend, wobei diese von echten Einsätzen nicht zu unterscheiden sind. Trainiert wird ausschließlich mit scharfer Munition, wodurch es in der Vergangenheit schon zu Unfällen mit Todesfolge gekommen ist. Übungs- und Trainingsmissionen finden auch im Ausland mit Einheiten verbündeter Streitkräfte wie dem britischen Special Air Service oder dem deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK) statt.