miniatur|hochkant|George R. R. Martin (2016) Das Lied von Eis und Feuer, im Englischen A Song of Ice and Fire, ist eine Fantasy-Saga des US-amerikanischen Autors George R. R. Martin. Zwischen 1996 und 2011 sind fünf Romane in der englischen Originalfassung erschienen, zwei weitere sind zum Abschluss der Saga vorgesehen. Die Bücher wurden weltweit 85 Millionen Mal verkauft und in 47 Sprachen übersetzt.Charles Yu: George R. R. Martin, Fantasy’s Reigning King in The New York Times Style Magazine. Artikel vom 15. Oktober 2018. Abgerufen am 19. August 2020

In Deutschland existieren verschiedene Ausgaben. Neben einer bisher fünf Bände umfassenden 1:1-Übersetzung ist vor allem die Fassung verbreitet, in der die ursprünglichen fünf Werke in jeweils zwei Bände aufgeteilt wurden, so dass die deutsche Ausgabe in diesem Fall zehn Bände umfasst. Hinzu kommen bislang fünf Novellen, die ca. 100 Jahre vor der Romanhandlung spielen. 2014 erschien ein Handbuch zur Geschichte von Martins Welt.

Das fiktive Universum der Saga ähnelt dem europäischen Mittelalter, gemischt mit Fantasy-Elementen.Tobias Steiner: (PDF) In: Journal of Serial Narration on Television, Number 4, Winter 2013. Martin legt einen Fokus auf die „dunklere Seite“ von Menschen und Gesellschaft und die moralischen Schattierungen der Charaktere, im Gegensatz zur – in der Fantasyliteratur traditionell deutlichen – Zuschreibung von Gut und Böse.Elio M. Garcia und Linda Antonson: Vorwort zu Game of Thrones and Philosophy: Logic Cuts Deeper Than Swords (englisch)

Die auf den Büchern beruhende Serienverfilmung, welche von 2011 bis 2019 lief, trägt den Titel Game of Thrones. Als Spin-off bzw. Prequel zu Game of Thrones ging im August 2022 die Serie House of the Dragon auf Sendung. Außerdem wird die englischsprachige Graphic-Novel-Serie seit 2012 unter dem Titel A Game of Thrones: The Graphic Novel veröffentlicht.

Handlung Grundzüge Die Handlung spielt in einer Welt, in der sich Jahreszeiten über mehrere Jahre hinziehen können und die Dauer von Sommer und Winter nicht vorhersehbar ist, während die Übergänge im Frühling und Herbst verhältnismäßig kurz sind. Mit Beginn der Handlung neigt sich gerade ein ungewöhnlich langer Sommer seinem Ende entgegen.

Der hauptsächliche Handlungsort ist der Kontinent Westeros. Über den Großteil von Westeros erstrecken sich die Sieben Königslande, die seit beinahe 300 Jahren ein Königreich bilden. Das Königreich ist stark feudalistisch geprägt. Die einzelnen Teile des Reiches unterscheiden sich teilweise deutlich in ihrer Kultur, Religion, ihren klimatischen Bedingungen und ihrer Gesellschaftsordnung. Viele der ausgearbeiteten Details in Westeros und auch in Essos (z. B. der „Titan von Braavos“) sind der europäischen und asiatischen Geschichte entliehen.

Eine zentrale Rolle spielen die großen Adelshäuser, die je eines der sieben Königslande relativ autonom beherrschen. Das Reich wurde seit seiner Gründung durch das Haus Targaryen regiert, bis durch einen Krieg 14 Jahre vor Beginn der Romanhandlung die Macht auf das Haus Baratheon unter Führung von Robert Baratheon überging.

Die Handlung setzt in Robert Baratheons letztem Regierungsjahr ein. Zwischen den mächtigsten Adelshäusern bauen sich zunehmend Spannungen auf, die nach Roberts Tod zum offenen Thronkampf führen. Insbesondere die ehemaligen Berater des Königs, die Brüder des verstorbenen Herrschers und die einflussreichen Häuser Lannister (in der neueren deutschen Übersetzung „Lennister“) und Stark spielen eine tragende Rolle in dem folgenden jahrelangen und von zahlreichen Intrigen geprägten Konflikt: dem sogenannten „Krieg der fünf Könige“. Der Thronkampf ist in den ersten drei Originalbänden ein zentrales Leitthema der Handlung in den Sieben Königslanden, während die Folgen des Krieges im vierten und fünften Band noch eine wichtige Rolle spielen.

Die Haupthandlung wird durch zwei zusätzliche Handlungsstränge erweitert und ergänzt: Die Nachtwache, Bewacher der Mauer an der abgelegenen Nordgrenze des Reiches, sieht sich der Bedrohung durch Wildlinge und Untote gegenüber; zudem wird laut Prophezeiungen mit dem Einbruch des bevorstehenden, mehrjährigen Winters eine Invasion der im Norden lebenden mysteriösen „Anderen“ befürchtet. Währenddessen versuchen auf dem Nachbarkontinent Essos die überlebenden Mitglieder des abgesetzten Herrschergeschlechts Targaryen und deren Gefolgsleute, einen Weg zu finden, den Thron von Westeros zurückzuerobern.

Aufbau und Stil Bisher hat jedes Kapitel eine zentrale Hauptfigur, aus deren Sichtweise die Handlung des Kapitels beschrieben wird. Der erste Band begann mit neun zentralen Figuren, doch nach Abschluss des fünften Bandes gibt es 31 Personae. Neue Reflektorfiguren sind dem Leser meist bereits aus vorangegangenen Kapiteln bekannt, sodass sich die Meinung des Lesers über den Charakter wiederholt ändern kann. Die Geschichte gewinnt zunehmend an Komplexität: Die Gesamtzahl der in den Büchern namentlich erwähnten Figuren beträgt mittlerweile über tausend Personen, darunter dutzende Hauptcharaktere.

Martin legt großen Wert auf die detaillierte Charakterzeichnung seiner Figuren, dementsprechend findet man im Lied von Eis und Feuer kaum stereotype Bösewichte oder Helden. Eine weitere Besonderheit der Serie ist, dass Martin sich nicht an gängige Klischees hält und daher nicht davor zurückschreckt, auch bedeutende Hauptcharaktere seiner Geschichte unerwartet sterben zu lassen. Dadurch gelingt es Martin, ein hohes Maß an Spannung aufzubauen, da keiner der Charaktere sicher ist. In einem TV-Interview mit Conan O’Brien sagte Martin dazu:George R.R. Martin Talks About Why He Kills Off Popular Characters And The Status Of His Next Book. Entertainment-Webseite starpulse.com. Abgerufen am 28. Juni 2013. (übersetzt)

Einflüsse Martin hat wiederholt geäußert, dass für ihn das Leitthema jeder Erzählung das „menschliche Herz im Konflikt mit sich selbst“ sei (the human heart in conflict with itself); nur darüber lohne es sich zu schreiben,Ian Irvine: George R R Martin: Tolkien for the 21st century. In: Independent, 23. Juli 2011. Abgerufen am 13. August 2016. wie es William Faulkner bei der Verleihung des Nobelpreises für Literatur ausgedrückt habe.Rede Faulkners Ansonsten spiele das Genre der Erzählung keine Rolle.Karolina Webb: George R.R. Martin on Sex, Fantasy, and 'A Dance With Dragons'. In: The Atlantic. Abgerufen am 13. August 2016. Martin nennt als wichtigsten künstlerischen Einfluss die Bücher seiner Kindheit, insbesondere Der Herr der Ringe.Interview: George Martin. In: Deep Magic, 41, 2005, S. 19–21 Sein größter Kritikpunkt an Imitatoren von J. R. R. Tolkiens Werk war, dass deren Handlung häufig in einer Art utopischem „Disneyland-Mittelalter“ stattfinde. Um diesen Mangel an Ernsthaftigkeit und Realismus zu vermeiden, ließ er sich zusätzlich von historischen Romanen sowie von Begebenheiten des europäischen Mittelalters beeinflussen. Auf: entertainment.time.com, 18. April 2011. Abgerufen am 13. August 2016. Dazu zählen die Rosenkriege, die Kreuzzüge, der Kampf Wilhelms des Eroberers um den englischen Thron sowie der Hundertjährige Krieg.So spake Martin bei Westeros.org Aus diesem Grund werden auch Magie und fantastische Kreaturen lediglich sporadisch und sehr subtil eingesetzt. Den Schwerpunkt der Handlung bilden die Intrigen und Machtkämpfe der herrschenden Klasse.

Das Lied von Eis und Feuer soll unter anderem von der siebenbändigen französischen Buchreihe Les Rois Maudits (englischer Titel The Accursed Kings) des französischen Romanautors Maurice Druon inspiriert worden sein, die den Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich thematisiert.Schreib, george! Schreib! In: Süddeutsche Zeitung, 27. Januar 2015.

Rezeption und Rezension Die breite Rezeption beim zeitgenössischen Publikum und die Aufforderung an den Autor, weiterzuschreiben („Schreib, George! Schreib!“),Schreib, george! Schreib! In: Süddeutsche Zeitung, 27. Januar 2015. Abgerufen am 4. Juli 2017 sind einige der zentralen Themen in den deutschsprachigen Rezensionen des Liedes von Eis und Feuer.

Die Neue Zürcher Zeitung verortet das Epos im Februar 2015 abseits „von einem abgehobenen Kostümschinken“ und attestiert Qualität: „Das Panoptikum in Raum und Zeit bedient sich phantastischer Elemente, um die mannigfachen kulturellen Aspekte subtil in die Gegenwart zu holen. Die Frage etwa, wie die Staatsräson auf Bedrohung antworten soll, könnte aktueller nicht sein.“Macht und Gefühl. NZZ 8. Februar 2015, abgerufen am 4. Juli 2017.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb im Juli 2012:

Bände Ursprünglich sollte die Saga drei Bände umfassen. Da die Geschichte während des Schreibprozesses anwuchs, stieg die Zahl der geplanten Nachfolgewerke sukzessive an. Mittlerweile plant Martin, die Handlung in sieben Bänden abzuschließen.

Nachdem die ersten drei Bände der Serie in kürzeren Abständen erschienen waren, benötigte Martin für den vierten Band, A Feast for Crows, ungefähr fünf Jahre. Trotz seiner Versicherung im Jahr 2005, der fünfte Band der Buchreihe sei schon fast fertiggestellt, erschien A Dance with Dragons erst am 12. Juli 2011. Martin erklärte die lange Verzögerung mit Komplikationen bei der Zusammenführung der zunehmend komplexen Handlungsstränge.

Martin hatte das Skript für den noch unveröffentlichten sechsten Band, The Winds of Winter, ursprünglich im Oktober 2015 einreichen sollen, dies dann aber zunächst auf den 31. Dezember 2015 verschoben. Er erklärte am 2. Januar 2016 in seinem Blog, dass er die Arbeiten am Manuskript nicht rechtzeitig habe abschließen können. Stattdessen sei er noch Monate entfernt von einer Fertigstellung, wenn er auch schon hunderte von Seiten geschrieben habe.George RR Martin verpasst Abgabetermin für neues Buch. In: Spiegel Online, 2. Januar 2016. Im Mai 2019 erklärte Martin in seinem Blog, dass seine Arbeiten an The Winds of Winter weiterhin nicht beendet seien. Er dementierte damit aufgekommene Spekulationen, den sechsten Teil der Reihe bereits fertiggestellt zu haben und den Roman absichtlich auf Wunsch von HBO oder der Game-of-Thrones-Produzenten zurückzuhalten. Daneben schrieb Martin, mit der Arbeit an dem letzten Roman der Reihe, A Dream of Spring, noch nicht begonnen zu haben und dies erst zu tun, wenn The Winds of Winter vollständig ausgearbeitet sei.Idiocy on the Internet; georgerrmartin.com, englisch, vom 13. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019

Englisch (Hörbuch-Version: gelesen von Roy Dotrice):

A Game of Thrones. 1996, ISBN 0-553-10354-7. A Clash of Kings. 1999, ISBN 0-553-10803-4. A Storm of Swords. 2000, ISBN 0-553-10663-5. A Feast for Crows. 2005, ISBN 0-553-80150-3. A Dance with Dragons. 2011, ISBN 978-0-553-80147-7.

Folgende Bände sind geplant:

The Winds of Winter A Dream of Spring

Dazu erscheint das Werk als Graphic Novel: A Game of Thrones: The Graphic Novel: Volume One. 2012, ISBN 978-0-440-42321-8. A Game of Thrones: The Graphic Novel: Volume Two. 2013, ISBN 978-0-440-42322-5. A Game of Thrones: The Graphic Novel: Volume Three. 2014, ISBN 978-0-440-42323-2.

Deutsch In Deutschland sind verschiedene Varianten des englischsprachigen Originals erschienen.

Der Verlag Ulisses Medien und Spiel Distribution verlegt eine dem Original entsprechende 1:1-Auflage der Bände in deutscher Sprache. Die Anzahl ist auf 1000 Stück limitiert. 200 Exemplare davon sind durchnummeriert und vom Autor handsigniert.

Eisenthron. 2004, ISBN 3-89064-532-1. Königsfehde. 2004, ISBN 3-89064-533-X. Schwertgewitter. 2005, ISBN 3-89064-534-8. Krähenfest. 2006, ISBN 3-89064-535-6. Drachenreigen. 2012, ISBN 978-3-89064-536-0.

Der Verlag Blanvalet, ab Buch neun Penhaligon, teilte für die deutsche Taschenbuchausgabe die ersten fünf Bände in jeweils zwei Bücher auf. Seit Ende 2010 erscheint eine neue Übersetzung. Eine der auffälligsten Änderungen ist dabei die Verdeutschung einiger Namen.

Die Herren von Winterfell. 1997, ISBN 3-442-24729-2. Das Erbe von Winterfell. 1998, ISBN 3-442-24730-6.