Jessen (Elster) ist eine Stadt an der Schwarzen Elster und liegt im östlichen Teil von Sachsen-Anhalt im Landkreis Wittenberg. Sie gehört mit ihrer Fläche von rund 352 km² zu den flächengrößten Gemeinden in Deutschland. Sie besteht aus 44 Ortsteilen mit Jessen als dem größten und namensgebenden Ort.

Nach dem Klassifizierungsraster der KGSt ist Jessen als Gemeindetypus der Größenklasse 6 (10.000 bis 25.000 Einwohner) zuzuordnen. Die eigentliche Kernstadt Jessen hat um die 6200 Einwohner.

Geographie mini|Einheitsgemeinde Jessen im Landkreis Wittenberg

Lage Der nördliche Teil des Stadtgebiets gehört zum Fläming, einer leicht welligen Endmoränenlandschaft. Der südwestliche Teil liegt im Elbe-Elster-Land.

Die nächste größere Stadt ist Lutherstadt Wittenberg, die gleichzeitig Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Wittenberg ist, zu dem Jessen seit 1994 gehört. Die Region gehört zur Metropolregion Mitteldeutschland, an deren räumlicher Grenze sich Jessen befindet.

Im Osten grenzt das Stadtgebiet an den brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Im Norden der Einheitsgemeinde grenzt Jessen an den brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming. Die Region um Jessen gilt als strukturschwach und weist eine sehr geringe Bevölkerungsdichte auf. Es gibt im Umkreis von 50 Kilometern um die Stadt Jessen nur wenige Mittelzentren. Neben Wittenberg sind dies Bitterfeld-Wolfen, Torgau, Jüterbog und Herzberg. Dörfer und Einsiedlungen sind dagegen charakteristisch für das Siedlungsbild.

Die südwestlich von Jessen gelegenen Nachbargemeinden im Landkreis Wittenberg sind Annaburg, die neu formierte Einheitsgemeinde Zahna-Elster, Kemberg und Bad Schmiedeberg.

Landschaftsbild

Das Gebiet der Stadt Jessen umfasst etwa die Hälfte der Fläche des 1994 aufgelösten Landkreises Jessen. Der bebaute Anteil ist im Verhältnis zur naturalisierten Fläche gering. Während es im Bereich der Schwarzen Elster und nördlich davon recht waldreich ist, wird das überwiegend ebene Gelände im Südwesten, das sich bis zur Elbe hinzieht, fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Der alte Ortskern wird von der Schwarzen Elster geprägt, die diesen zentral durchfließt. In Abständen von mehreren Jahren kommt es zu Hochwasserständen der Schwarzen Elster und zu Überflutungen von teils bebautem Gebiet.

Das nördliche und östliche Gebiet um den Kernort Jessen wird von einem Landschaftsschutzgebiet durchzogen, in denen die Arnsdorfer-Jessener-Schweinitzer Berge als Teil einer Moräne vorkommen. Das Schutzgebiet besteht aus der Landschaft Kuhlache und Elsteraue bei Jessen und zu 57 Prozent aus der Schwarze Elster-Kuhlache und gehört zu der Landschaftseinheit Südliches Fläming-Hügelland. Die Bodenqualität ist allgemein gering und erreicht kaum mehr als 35 Bodenpunkte. Es überwiegt Kiefer- und Birkenbestand in den gemeindeeigenen Forstgebieten. Die Freiflächen sind allgemein landwirtschaftlich genutzt. Windparks mit bis zu 200 Meter hohen Windrädern sind verbreitet und prägen das Landschaftsbild.

mini|Denkmalgeschützte Weinpresse in Jessen

Die im Umkreis von Jessen liegenden Weinberge zählen zu den nördlichsten kommerziell bewirtschafteten Weinbauflächen in Deutschland und gehören zum Anbaugebiet Sachsen. Die hier angebauten Sorten werden weinrechtlich als Sächsischer Landwein deklariert, obwohl es keine geografische Übereinstimmung mit dem Weinanbau entlang der Mittelelbe rund um Meißen bis Dresden gibt. Auf dem Gorrenberg führte ein mildes Mikroklima zum Weinanbau. Dieser erfolgt bereits seit dem Mittelalter. Die Weinregion in Jessen erlebte ihre Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert mit einer Anbaufläche von rund 300 Hektar. Selbst Martin Luther trank Wein aus Jessen. Innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte ging der Ertragsweinanbau zurück bis auf 1,25 Hektar, deren Nutzung fast nur noch für den Eigenbedarf ausreichte. Nach der Wende erfuhr der Weinanbau wieder einen Anstieg und beträgt inzwischen rund 15 Hektar in Jessen entlang der Jessener Berge, einer wellenartigen Erhebung zwischen dem Ortsteil Schweinitz und dem Ortsteil Jessen gelegen.

Morphologie Jessen Stadt mini|Straßennetz (Norden ist rechts im Bild) mini|Ländliche Bebauung im Ortsteil Holzdorf Der Ort Jessen hat eine Y-förmige Straßengrundstruktur. Die Hauptverkehrsachse ist die Bundesstraße 187, die von Wittenberg nach Schweinitz führt. Die Anrainer der Hauptstraße sind hauptsächlich Gewerbestandorte des produktiven Sektor und Geschäfte des Einzelhandels und Filialen von Handelsketten.

Der Ortsteil Jessen zerfällt in drei große Bebauungsgebiete, ein großes Gewerbegebiet Richtung Wittenberg, ein Neubaugebiet Richtung Schweinitz und die Altstadt Richtung Annaburg. Das östlich gelegene Neubaugebiet entstand im 20. Jahrhundert und weist einen hohen Anteil von Plattenbauten aus der Zeit der DDR auf. Der altstädtische Kern Jessens besitzt noch teilweise historische Bausubstanz. Es gibt einzelne historische Villen im Ort.

Die Schwarze Elster durchfließt den Ort Jessen zentral. Die Bahnstrecke Dessau–Falkenberg/Elster durchquert den Ort ebenso zentral.

Jessener Land Der Siedlungsschwerpunkt der Einheitsgemeinde liegt entlang der B187 von Jessen Richtung Holzdorf über Schweinitz. Die Schwarze Elster durchfließt das Siedlungsgebiet zentral von Ost nach West ebenfalls entlang der B187. Südlich der Schwarzen Elster liegen 13 Ortsteile, nördlich des Flusses gibt es 31 Ortsteile. Die Glücksburger Heide liegt im zentralnördlichen Gemeindegebiet und teilt die nördliche Siedlungszone in einen nordöstlichen Teil mit dem Schwerpunktort Linda und einen nordwestlichen Bereich mit dem Schwerpunktort Seyda. Es gibt daher im Wesentlichen vier Siedlungsareale von Jessen: den wichtigsten Siedlungsbereich entlang der B 187 mit Jessen, Schweinitz und Holzdorf südwestlich entlang der Elbe mit dem Schwerpunktort Klöden nordwestlich der Glücksburger Heide mit dem Schwerpunktort Seyda nordöstlich der Glücksburger Heide mit dem Schwerpunktort Linda

Die ländlicheren Ortsteile Jessens sind häufig Rundlings- oder Straßendörfer. Regionaltypisch finden sich in den ländlichen Ortsteilen häufig auch größere Gehöfte mit einfachen roten Backsteinfassaden. Die Einheitsgemeinde Jessen gehört zu den flächenmäßig größten Gemeinden Deutschlands bei einer vergleichsweise sehr geringen Bevölkerungszahl von weniger als 15.000 Einwohnern.

Stadtteile Die Einheitsgemeinde Jessen hat 44 Ortsteile einschließlich der Kernstadt Jessen. Der namensgebende Ort Jessen hat 6237 Einwohner im Jahr 2017. Das sind 43,8 % Bevölkerungsanteil im Vergleich zur Gesamteinwohnerzahl der Einheitsgemeinde.

Jessen als Kernort ist zentraler Anlaufpunkt für alle umliegenden Orte und bildet das eigentliche Grundzentrum mit einigen übertragenen Aufgaben eines Mittelzentrums. Nach Jessen sind Schweinitz, Holzdorf, Seyda und Klöden die nächstgrößten Orte. Schweinitz und Seyda sind ehemalige eigenständige Städte und in untenstehender Liste fett markiert.

Geschichte Zusammenfassung Historisch gehört das Elbe-Elster-Land zu einer peripheren und ärmlichen Region mit niedriger Bevölkerungsdichte, weitab von großstädtischen und pulsierenden Zentren wie Leipzig oder Berlin. Es liegt zwischen dem sächsischen und dem brandenburgischen Kulturkreis und ist streng genommen keinem dieser beiden bedeutendsten Zentren Ostdeutschlands eindeutig zuzuordnen.

Jessen blieb in seiner Geschichte bis zum Wiener Kongress 1815 ein unbedeutendes Ackerbürgerstädtchen. Das nächstgelegene Verwaltungszentrum bildete Schweinitz, das heute ein Ortsteil von Jessen ist. Ebenso hatte Seyda eine gewisse Bedeutung als Verwaltungssitz im kursächsischen Staatswesen. Die Bedeutung Jessens wuchs erst mit der Inkorporierung großer sächsischer Landesgebiete in den preußischen Staat. In der Zeit der DDR wurde Jessen erstmals Kreisstadt, bis es 1994 als kreisangehörige Gemeinde in den Landkreis Wittenberg eingegliedert wurde.

Allgemeine Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Das Jessener Land gehörte im Frühmittelalter zum Siedlungsgebiet der Elbslawen. Im Rahmen der deutschen Ostkolonisation im Mittelalter setzte ab dem 12. Jahrhundert im heutigen Raum Jessen die Besiedelung durch deutsche Kolonisten ein. Die slawische Kultur und Lebensform wurde in den folgenden Jahrhunderten durch zum Teil kriegerische Feldzüge deutscher Heerführer sukzessive zurückgedrängt und die Jessener Gegend in den Verbund des Heiligen Römischen Reichs eingegliedert.

mini|250px|Ungefähre Grenzziehung Sachsen-Wittenbergs

Die Anfänge Jessens bildete das heutige Schloss Jessen. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde am heutigen Standort des Schlosses erstmals ein Turmhügel mit einem aus Holz bestehenden Wehrturm errichtet. Der Ort wurde 1216 erstmals urkundlich als Jezzant erwähnt. Die Urkunde von Bischof Siegfrieds II. von Brandenburg wurde am 28. Dezember 1217 ausgestellt, da damals aber ein neues Jahr am 25. Dezember begann, war der Tag nach dem heutigen Kalender der 28. Dezember 1216. Der heutige Ort Jessen ohne die nördlicher gelegenen Gemeindeteile befand sich zu dieser Zeit auf dem Gebiet der Grafschaft Brehna; als die Grafen von Brehna im Familienstamm ausstarben, fiel das Gebiet an die Wittenberger Askanier und gehörte fortan zu Sachsen-Wittenberg, einem der sieben Kurfürstentümer des Heiligen Römischen Reiches, das vom nahegelegenen Wittenberg regiert wurde. Als Stadt mit eigenem Ratssiegel und Stadtwappen wurde Jessen seit 1358 erwähnt.

Raubritter und Diebesbanden waren im Wittenberger Gebiet im Spätmittelalter allgegenwärtig. So wurde 1358 ein Schutzbündnis zwischen Rudolf II. und seinen Städten Wittenberg, Aken, Herzberg, Prettin, Jessen, Kemberg, Schmiedeberg, Belzig und Niemegk abgeschlossen.

Im Jahr 1380 wurde der erste Stadtrichter erwähnt. Der Gorn, ein Hauswein der Askanier, wurde seit dem 14. Jahrhundert von Lichtenburger Antonitermönchen auf dem Gorrenberg angebaut und prägt seither das städtische Selbstverständnis der Jessener Bevölkerung als Weinstadt. Jessen entwickelte sich zu einer Ackerbürgerstadt mit Fokus auf die Tuchmacherei. Seit dem 15. Jahrhundert fanden regelmäßige Tuch-, Kram- und Viehmärkte in Jessen statt.Georg Dehio: Regierungsbezirke Dessau und Halle, Deutscher Kunstverlag, 1999, S. 342.

Die Familie der Wittenberger Askanier starb 1423 aus, und die nachfolgende Herrschaftswürde ging an die Markgrafen von Meißen. Das Kurfürstentum Sachsen umfasste nun neben dem Kurkreis, zu dem Jessen weiterhin gehörte, auch die Markgrafschaft Meißen. Der Residenzsitz der Kurfürsten blieb aber zunächst im westlich von Jessen gelegenen Wittenberg oder dem weiter südlich gelegenen Torgau. Seit der Herrschaft der Wettiner ist ein gezielter Landesausbau im Jessener Land feststellbar. Dieser verstärkte sich um das Jahr 1500 und hielt bis 1550 an. In dieser Zeit entstanden im gesamten Gemeindegebiet mehrere Amtshäuser, Burgen und Schlösser. Es setzte im 16. Jahrhundert eine gezielte Bürokratisierung und staatliche Amtsverwaltung mit Sitz in Seyda und Schweinitz ein, die eine geordnete und frühmoderne staatliche Herrschaft ermöglichten. Die einzelnen Orte in Jessen blieben allerdings klein und die Region gering besiedelt.

Die sächsischen Kurfürsten hielten sich häufig auf dem heutigen Gemeindegebiet auf, um zum Beispiel in der Glücksburger Heide mit dem zugehörigen Jagdschloss Glücksburg Jagden durchzuführen. Auch im heute nicht mehr erhaltenen Schloss Schweinitz residierten häufiger sächsische Kurfürsten. Hier verstarb auch der Kurfürst Johann der Beständige am 16. August 1532. Das heute zu Jessen gehörende Schweinitz bildete ebenso wie Seyda im Kurfürstentum Sachsen ein eigenes Amt. Der Ort Jessen wurde administrativ zum Amt Schweinitz zugeordnet.