Afyonkarahisar (auch kurz Afyon) ist eine Stadt in der Türkei. Mit über 250.000 Einwohnern ist die westanatolische Stadt das Verwaltungszentrum der Provinz Afyonkarahisar.

Geographie Lage und Verkehr Afyon liegt etwa 250 km südwestlich von Ankara in einer Hochebene des Binnenflusses Akarçay, die sich dort in mehrere Seitentäler verzweigt. In südöstlicher Richtung verläuft die Fernstraße und Bahnlinie von Istanbul nach Konya. Sie kreuzt in Afyon die Ost-West-Route der Europastraße 96 (İzmir – Salihli – Uşak – Afyon – Emirdağ – Sivrihisar – Ankara) und verzweigt sich in weitere Richtungen, u. a. nach Burdur/Antalya. Afyonkarahisar liegt geografisch gesehen im Zentrum der Provinz und auch des Landkreises. Die Stadt gliedert sich in 59 Mahalle (Stadtviertel), von denen Selçuklu (20.698 Einwohner) und Fatih (16.123 Einw.) momentan die größten sind (Stand: Ende 2024).

Bevölkerung Die Stadt hatte zur Volkszählung 1965 noch 104.686 Einwohner, 20 Jahre später waren es bereits 169.441.

Bevölkerungsentwicklung Nachfolgende Tabelle zeigt den vergleichenden Bevölkerungsstand am Jahresende für die Provinz, den zentralen Landkreis und die Stadt Afyonkarahisar und den jeweiligen Anteil an der übergeordneten Verwaltungsebene. Die Zahlen basieren auf dem 2007 eingeführten adressbasierten Einwohnerregister (ADNKS).Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS) des TÜIK, abgerufen am 20. Februar 2021

Jahr Provinz Landkreis Stadt absolut proz. absolut proz. absolut 2024750.19343,76328.31978,41257.436 2023751.34443,21324.68578,35254.384 2022747.55543,47324.99679,05256.901 2021744.17942,94319.57478,79251.799 2020736.91242,48313.06378,39245.405 2019729.48342,07306.90878,10239.710 2018725.56841,30299.67377,41231.983 2017715.69341,31295.68377,72229.810 2016714.52340,69290.70677,39224.968 2015709.01539,93283.12076,93217.805 2014706.37138,88274.63976,25209.406 2013707.12337,97268.46175,78203.443 2012703.94837,40263.29771,02186.991 2011698.62636,55255.33470,24179.344 2010697.55935,61248.41369,68173.100 2009701.32635,09246.10069,26170.455 2008697.36534,19238.40868,46163.207 2007701.57233,47234.80768,13159.967

Landkreis Der Landkreis (İlçe) ist der zweitgrößte (2020: 9,0 %) und der bevölkerungsreichste (2020: 42,5 %) der Provinz. Er besteht neben der Haupt- und Kreisstadt noch aus folgenden 14 Kleinstädten/Gemeinden (Belediye): Belediye Einwohner(31.12.2020) Anzahl derMahalle Bürgermeister(Partei)Afyonkarahisar İli Beldelere Göre Yerel Seçim SonuçlarıWahlergebnisse der Kommunalwahl vom 31. März 2019. Beyyazı 3.334 3 Asım Altıntaş (MHP) Çayırbağ 4.503 4 Ali Çalışır (MHP) Çıkrık 2.521 2 Recep Küçükkayar (AKP) Değirmenayvalı 2.946 2 Erol Barutcu (MHP) Erkmen 9.159 3 Memduh Kuş (AKP) Fethibey 2.746 3 Mustafa Özdemir (MHP) Gebeceler 3.489 5 Hüseyin Toğulluk (AKP) Işıklar 7.349 6 Erol Özağıl (MHP) Kocatepe 3.202 2 Abdullah Çelik (AKP) Nuribey 3.075 4 Abdullah Çakmak (MHP) Salar 4.603 5 Cengiz Taşpınar (AKP) Sülümenli 3.742 6 İbrahim Eroğul (AKP) Sülün 3.424 2 Şükrü Bacak (MHP) Susuz 4.868 4 Mehmet Selek (AKP) Außerdem bestehen noch 22 Dörfer (Köy, Mehrzahl: Köyler) mit einer durchschnittlichen Bevölkerung von 542 Einwohnern. Drei von ihnen haben über 1.000 Einwohner: Anıtkaya (1.676 Einwohner, das Dorf war bis 2014 eine Gemeinde), Kızıldağ (1.225) und Çavdarlı (1.149), weitere sechs Dörfer haben ebenfalls mehr Einwohner als der Durchschnitt.

Klimatabelle

Etymologie Afyon ist das türkische Wort für Opium. Der Name unter seldschukischer Herrschaft lautete Karahisar-ı Sahib, die „Schwarze Burg von Sahib“. Dies geht auf den Seldschuken-Wesir Sahip Ata zurück, der die Burg reparieren ließ. Der Namensbestandteil Afyon stammt aus der Zeit nach der Republikgründung.

Geschichte Auf der Burg von Afyon lassen sich hethitische Siedlungsspuren nachweisen. Die Stadt hieß in römischer und byzantinischer Zeit Akroinos oder Akroinon. Aus ihrer antiken Geschichte ist kaum etwas bekannt. 740 verteidigte der byzantinische Kaiser Leo III. die Stadt in der Schlacht bei Akroinon erfolgreich gegen die Araber. Unter Kılıç Arslan I. wurde die Stadt seldschukisch. Seit 1382 war Afyon Teil des osmanischen Reiches. Afyonkarahisar war im Osmanischen Reich Hauptstadt eines Sandschaks. Es war durch seine Nähe zum unabhängigen Fürstentum Karaman von militärischer Bedeutung und wird im Zusammenhang mit verschiedenen Aufständen genannt: die Celali-Aufstände 1602, die Revolte von Baba Ömer 1631 und die Revolte von Abaza Hasan Pascha im Jahre 1658. Im Jahre 1833 wurde die Stadt zeitweise durch Ibrahim Pascha, den Sohn von Muhammad Ali Pascha, besetzt.J.H. Mordtmann und Fr. Taeschner in: Encyclopaedia of Islam, New Edition. Leiden, s. v. AFYON KARAHISAR

Während des Nationalen Befreiungskrieges gelang der türkischen Armee unter Mustafa Kemal Paşa in der Schlacht am Hügel Kocatepe bei Afyon vom 26. August bis zum 30. August 1922 ein entscheidender Schlag gegen die griechischen Truppen (Büyük Taaruz). Dadurch wurde der schnelle Vorstoß zur Küste und der endgültige Sieg möglich.

Der zentrale Landkreis (Merkez) war lange Zeit der größte Kreis in der Provinz und lag zentral. Durch fünf Abtrennungen zur Bildung von selbständigen Landkreisen verringerte sich seine Fläche auf ungefähr ein Viertel seiner ursprünglichen Größe (Volkszählung 1950: 4.857 km²): 1953 Sinanpaşa, 1959 İhsaniye, 1987 İscehisar, 1990 Çobanlar sowie Şuhut (Kalkulation auf Grundlage der vorliegenden aktuellen Flächenangaben der Landkreise).

Bei einem Unfall in einem Munitionslager der Stadt kamen am 6. September 2012 mindestens 25 Soldaten ums Leben.

Wirtschaft und Infrastruktur In Afyonkarahisar sind ca. 3000 Unternehmen verschiedener Branchen ansässig. Wichtige Standbeine der Wirtschaft sind die Landwirtschaft sowie der Abbau und die Veredelung von Marmor. Weiterhin hat sich die Stadt zu einem Dienstleistungs- und Handelszentrum entwickelt. In Afyonkarahisar befinden sich zwei staatliche und zwei private Krankenhäuser sowie eine Uni-Klinik und eine Kinderklinik. Damit gehört die Stadt zu den überregionalen Gesundheitszentren der Türkei. Afyonkarahisar hat eine Universität (Kocatepe) für rund 28.000 Studenten.

In der Nähe der Stadt befindet sich der Militärflughafen Afyonkarahisar Air Base.

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Armenischer Friedhof von Afyonkarahisar 1920 Phrygisches Tal (Frig Vadisi) mit Felsengräbern Burg von Afyonkarahisar Thermalquellen von Gazlıgöl und Sandıklı Große Moschee (Ulu Cami), Holzsäulenmoschee von 1272 mit 40 Holzsäulen, deren kunstvoll geschnitzte Kapitelle einst bemalt waren Komplex von Gedik Ahmed Pascha (Imaret Camii) Archäologisches Museum Altıgöz Köprüsü

Spezialitäten Die Stadt Afyon ist bekannt für ihre Heilquellen und Heilbäder; ferner für Marmor, Afyon Sucuğu (geräucherte Hackfleischwurst), Afyon Lokumu (Türkischer Honig), Kaymak (gewonnen aus Kuh- und Büffelmilch) und für den Mohnanbau zur Gewinnung von Opium.

Sport Die Fußballmannschaft Afjet Afyonspor spielt in der Spor Toto 1. Lig. Die Spiele werden im Afyon Atatürk Stadyumu ausgeführt.

Söhne und Töchter der Stadt

Ahmet Akyalçın (1949–2018), Jurist, Mitglied des türkischen Verfassungsgerichts, Präsident Ali Çetinkaya (1878–1949), Offizier und Politiker İlker Başbuğ (* 1943), früherer Generalstabschef Vural Bayazıt (1934–2020), Admiral Fuat Çapa (* 1968), Fußballtrainer Veysel Eroğlu (* 1948), Hochschulprofessor, Politiker und Minister Ali Günçar (* 1970), Fußballspieler und -trainer Bülent İplikçioğlu (* 1952), Althistoriker und Epigraphiker Ali Köken (* 1967), Theater-, Karagöz- und Hacivat-Meister und Dichter Ramazan Özdemir (* 1991), Leichtathlet Sibel Özkan (* 1988), Gewichtheberin Ahmet Necdet Sezer (* 1941), Politiker, Vorsitzender des Verfassungsgerichts der Türkei und der 10. Präsident der Republik Türkei Güray Vural (* 1988), Fußballspieler Nurgül Yeşilçay (* 1976), Schauspielerin İbrahim Yurdunuseven (* 1969), Politiker

Städtepartnerschaften Hamm, Deutschland seit 2006 Maskat, Oman, seit 2011 Khorramabad, Iran seit 2015

Weblinks

Afyon Kocatepe Universität Afyon auf Faz.net Offizielle Internetseite der Partnerstadt Hamm

Einzelnachweise

Kategorie:Landkreis der Provinz Afyonkarahisar