Die Maybach-Motorenbau GmbH (bis 1918: Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH) war ein deutscher Motoren- und Pkw-Hersteller.
Das Unternehmen wurde am 23. März 1909 von Wilhelm Maybach und Ferdinand Graf von Zeppelin in Bissingen/Enz gegründet. 1912 siedelte die Firma nach Friedrichshafen am Bodensee über. Das Unternehmen wurde von Wilhelm Maybachs ältestem Sohn Karl Maybach geleitet. Ab 1949 leitete Karl Maybach das Unternehmen zusammen mit Jean Raebel und Carl Böttner.
Im Jahr 1960 übernahm Daimler-Benz die Firma; 1966 wurde sie mit dem Großmotorenbau von Daimler-Benz vereinigt und Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH genannt. Seit 1969 firmiert das Unternehmen als Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH (MTU Friedrichshafen GmbH). Die MTU Friedrichshafen GmbH konzentriert sich seitdem auf die Produktion von Dieselmotoren, eine Produktion von Fahrzeugen wurde nicht wieder aufgenommen.
Die Marke Maybach wurde im Jahr 2002 von der DaimlerChrysler AG reaktiviert. Von 2002 bis 2012 wurden von der Maybach-Manufaktur wieder Luxus-Pkws produziert. Seit Ende 2014 wird diese Tradition unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.
Geschichte Anfänge Zunächst entwickelte und baute die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH Gas- und Ottomotoren für die Luftschiffe der Zeppelin-Werke.
Erster Weltkrieg Der CX-Motor wurde erstmals für das Marineluftschiff L 2 (= LZ 18) verwendet und von 1913 bis 1915 gebaut. Mit ihm wurden 28 Luftschiffe und sechs Fernlenkboote ausgerüstet. Der Reihen-Sechszylinder mit 22,8 Liter Hubraum hatte 154 kW (210 PS) bei 1300 min−1, verfügte über Benzindüsen-Regulierung und eine selbsttätige Zündzeitpunkt-Verstellung mit einer Einrichtung zur Zündunterbrechung bei Überdrehzahl, beziehungsweise Schmierungsunterbrechung. Weiterhin war der Motor mit einer zusätzlichen unabhängigen Hand-Zündverstellung ausgerüstet.
Mit dem L 17 (= LZ 52) wurde die Motorbaureihe HS mit 240 PS eingeführt (korrekt HSLu wie HS-Luftschiff). Die ersten Motoren dieser Reihe wiesen eine Reihe von Kinderkrankheiten auf, die erst nach vielen Luftschiff-Probefahrten befriedigend gelöst werden konnten. In der Regel wurden die vorschnell eingeführten Motoren gegen neue HSLu ausgetauscht. Nach drei Monaten waren die Ergebnisse gut bis sehr gut, die Motoren überstanden die langen Luftschiff-Einsätze (20–40 Stunden) in der Regel problemlos.
Im März 1917 erhielt der Typ MB IVa mit 260 PS seine Zulassung und die Luftschiffwaffe übernahm mit dem Marineluftschiff L 52 (= LZ 98) den ersten echten Höhenluft-Motor. Ein Teststand auf dem Wendelstein (1800 m) hatte sehr gute Dienste geleistet bei der Entwicklung des Motors, der erst ab etwa 1800 Metern Höhe seine volle Leistung entwickeln konnte. Das Problem der „verdünnten“ Luft, sprich des geringen Luftdrucks in größeren Höhen, wurde mit drei verschiedenen Vergaser-Einstellungen behoben – „La“ (anlassen), „V“ (Vollgas, Fahrt bis 1800 m Höhe) und „H“ (Höhengas, ab 1800 m). Die Motoren fanden folgerichtig ihre Anwendung vorzugsweise in Jagdflugzeugen und Höhenaufklärern. Andere Firmen wie etwa BMW bauten den Höhenmotor in Lizenz nach (BMW IVa), es wurden monatlich bis zu 200 Motoren gebaut, insgesamt weit über 2000 Stück. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurden diese Motoren sogar in Schnellboote der Marine eingebaut.
Hinweis zur Namensgebung – die ersten Typenbezeichnungen ergaben sich einfach aus dem ersten beziehungsweise letzten Buchstaben, nach innen zählend – AZ – BY – CX – DW – HS. Nur beim MB ging man von dieser „Regel“ ab. „MB IVa“ bedeutet also „Maybach (Typreihe) IVa“.
Zwischenkriegszeit mini|Dezember 1924: Maybach-Automobile auf der Deutschen Automobilausstellung in der Ausstellungshalle Kaiserdamm in Berlin-Westend mini|Maybach Zeppelin DS 8 im Zeppelin-Museum Friedrichshafen
Im Jahr 1918 wurde das Unternehmen in Maybach-Motorenbau GmbH umbenannt. Auf Grund des Versailler Friedensvertrages, der die Produktion von Luftschiffen und Flugzeugen verbot, begannen die Maybach-Werke nun mit der Herstellung von Automobilen. Auch wurden erste Aerodynamik-Versuche unternommen. Im Jahr 1919 war der erste Versuchswagen „W 1“ fertiggestellt; der erste zum Kauf angebotene Wagen „W 3“ wurde am 23. September 1921Präsentation Maybach W3. Feltas-Archiv, feltas.de abgerufen am 23. September 2021 Erst Luftfahrt, dann Luxusautos. Tagesschau, tagesschau.de abgerufen am 23. September 2021 auf der Berliner Automobilausstellung vorgestellt.
1930 kam der Zeppelin auf den Markt. Die größte deutsche Limousine trieb ein Zwölfzylindermotor an. Wie zu dieser Zeit in der Fahrzeugklasse üblich, wurden auch die Maybach-Luxuswagen vom Werk nur als Fahrgestell ohne Karosserie ausgeliefert. Man arbeitete zwar eng mit dem Karosseriebauer Hermann Spohn in Ravensburg zusammen, aber dennoch waren zahlreiche Maybach-Wagen mit Aufbauten nach den Wünschen des Kunden unterwegs. Ab 1941 stellte das Friedrichshafener Werk keine Automobile mehr her. In der Firmengeschichte wurden in den rund zwanzig Jahren Automobilbau nur 2300 Maybach-Fahrzeuge gefertigt. Die Motoren wurden auch als Antriebe für Schiffe und Luftschiffe eingesetzt.
Für den Windenstart von Segelflugzeugen wurden in den 1930er-Jahren die sogenannten Maybachwinden (Seilwinden) mit 100-PS-Motoren des Typs Maybach HL 42 ausgerüstet. Viele von ihnen leisteten auch nach dem Wiederbeginn des Segelflugsports in Deutschland ab 1950 noch gute Dienste, vor allem auf den Segelflugplätzen der Gesellschaft für Sport und Technik in der DDR, wo sie zum Teil bis Ende der 1970er-Jahre in Betrieb waren.
Ab den 1920ern entwickelte Maybach spezielle schnelllaufende Dieselmotoren für Triebwagen, später auch für Lokomotiven. Der Schnelltriebwagen Fliegender Hamburger der Deutschen Reichsbahn, angetrieben von zwei Zwölfzylindermotoren Maybach GO 5 mit je 410 PS, erreichte eine Geschwindigkeit von 160 km/h.
Jahr Modell AnzahlZylinder Bohrung(mm) Hub(mm) Hubraum(cm³) Leistung(PS) Drehzahl (1/min) Text 1909– AZ 6 160 170 20.498 145 1.100 Maschinenfabrik Bissingen 1913–1915 CX 6 160 190 22.909 210 1.250 Nachfolger vom AZ 1917– MB IVa 6 165 180 3.850 260 1.400 W2 6 95 135 5.740 70 Werte aus Buch Technik-pionier Karl Maybach QS 5 6 94 168 6.992 100 1.900 VL 1 12 140 180 33.234 420 1.400 DS08 150 NL38 90 NL38 3.791 100 HL 38 6 90 100 3.815 140 4.500 HL 42 TU 6 90 110 4.197 100 3.000 TU = tiefes Unterteil HL 54 5.420 115 HL 62 140 2.600 HL 85 185 2.600 HL 108 270 3.000 1935- HL 120 12 105 115 11.943 300 3.000 HL 210 12 125 145 21.353 650 für die ersten 250 Tiger HL 230 12 130 145 23.084 700 3.000 1923– G4 a 6 140 180 16.617 150 Dieselmotor 1927– G4 b 175 Dieselmotor 1932– GO 5 12 150 200 42.390 410 Dieselmotor 1935– GO 6 12 160 200 48.230 600 Dieselmotor 1951– GTO 6 12 160 200 48.230 650 Dieselmotor MD 650 12 185 200 64.480 1000 Dieselmotor MD 870 16 185 200 85.973 2000 1.600 Dieselmotor
Zweiter Weltkrieg mini|Zwölfzylinder-V-Motor des Panzer IV, Maybach HL 120 mit 11,9 Litern Hubraum mini|V12-Motor Maybach HL 230
Von den Ottomotoren der HL-Serie wurden ca. 130.000 bis 140.000 Einheiten produziert und damit fast alle Panzer, größere Zugkraftwagen („Sonder-Kfz.“) und Sturmboote der Wehrmacht ausgerüstet. Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs trugen zu dieser hohen Zahl etliche Lizenznehmer bei: Nordbau (Berlin), Wanderer-Werk der Auto Union AG (Siegmar), MBA (Nordhausen), MAN (Nürnberg), Krauss-Maffei (München), Saurer (Wien), Borgward (Bremen), Adler (Frankfurt), Auto Union (Zwickau).
Weit verbreitet waren die 300-PS-Zwölfzylindermotoren HL 120 der deutschen Panzer III und Panzer IV mit etwa 45.000 Einheiten und die stärkeren HL-210/230 mit 700 PS Leistung im Panther, Tiger I, II und dem Jagdtiger und etwa 14.000 Einheiten. Diese beiden Grundmuster deckten damit 95 % aller im Dritten Reich gebauten Panzermotoren ab.Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. S. 83.Hartmut H. Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. Bonn 1988, S. 79.
Wiederaufbau und Nachkriegszeit Nach dem Krieg wurde das Werk in Friedrichshafen zwar zügig wieder aufgebaut, musste sich aber zunächst beschränken auf die Instandsetzung bestehender Schienenfahrzeuge bzw. der Antriebsanlagen bestehender Triebwagen. Bis 1950/1951 wurden zwei neue Motorenfamilien entwickelt: In Zusammenarbeit oder nach Vorgaben der Deutschen Bahn und sehr stark an den Vorkriegsmotoren orientiert die GTO-Motoren für bestehende Triebwagen und später die Rangierlok V60 sowie die MD-Reihe als leistungsstärkerer und mutmaßlich eigener Entwurf. Mit der MD-Reihe hatte Maybach dann erstmals ausreichend leistungsstarke Motoren im Angebot, mit denen auch vollwertige Lokomotiven ausgerüstet werden konnten, darüber hinaus wurde die MD-Reihe aber auch als Schiffsantrieb für schnelle Fahrzeuge und für andere Verwendungen eingesetzt.
Über einen Neubeginn der Kraftfahrzeugproduktion wurde zwar immer wieder nachgedacht, dieser scheiterte jedoch nicht zuletzt an Kapitalmangel, eine Fahrzeugproduktion fand nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr statt. Mit seiner Mehrheitsbeteiligung an Maybach (ab 1960) erhielt Mercedes-Benz allerdings Zugang zum Markenrecht und nutzt dieses seit 2002 für eigene Fahrzeuge.
Nachfolger MTU Friedrichshafen GmbH (seit 1960er-Jahren)
Im Jahr 1960 kaufte Daimler-Benz die Maybach-Motorenbau GmbH. 1966 wurde sie mit dem Großmotorenbau von Daimler-Benz zusammengelegt und in „Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH“ umfirmiert.
1969 wurde MAN an dem Unternehmen beteiligt und abermals umfirmiert in Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH (MTU Friedrichshafen GmbH). U. A. brachte MAN einen Teil seines Motorenprogramms ein und erhielt so Zugang zu den schweren LKW-Motoren in V-Bauweise, die wegen neuer Regelungen zur Mindestmotorisierung von LKW benötigt wurden.
Maybach-Manufaktur (2002–2012)
Die DaimlerChrysler AG reaktivierte 2002 die Marke Maybach für Luxus-Pkw. Technisch basierten diese Maybach-Modelle auf der früheren, von 1991 bis 1998 gebauten S-Klasse der Baureihe 140. Die Maybach-Modelle 57 und 62 wurden vom Daimler-Konzern bis Ende 2012 in der Maybach-Manufaktur des Werkes Sindelfingen gebaut. Wie schon bei der Fertigung der früheren Staatskarossen des Mercedes-Benz 600 soll der Manufaktur-Betrieb niemals auch nur in die Nähe wirtschaftlich positiver Ergebnisse gelangt und somit ein reiner Prestige-Betrieb gewesen sein. Der Vorstand der Daimler AG beschloss das Ende der Markennutzung Maybach für 2012. Maybach-Limousinen wurden noch bis ins Jahr 2013 verkauft, seither ist die Luxusmarke eingestellt.Maybach: Aus für die Luxusmarke
Mercedes-Maybach (seit 2014)
Ende 2014 wurde jedoch die erneute Verwendung des Namens Maybach durch den Daimler-Konzern bekanntgegeben. Angeboten werden nun unter anderem exklusive Derivate der Mercedes-Benz S-Klasse, die den Namenszusatz Maybach tragen. Seitdem wird Maybach als Mercedes-Premiummarke Mercedes-Maybach weitergeführt.
Pkw-Modelle Geschichte mini|Maybach Typ SW 38/42 (1937)
Der erste Maybach von 1919 war ein Prototyp, der „Wagen“ W 1, aufgebaut auf einem angekauften Daimler-Chassis. Er trug schon die charakteristische Kühlermaske. W 2 war ein Motor. Der W 3 war 1921 der erste Serienwagen, mit Sechszylinder-Reihenmotor und angeblocktem Planetengetriebe, im Angebot als Typ 22/70 PS. Die erste Zahl bezeichnet die früheren „Steuer-PS“, eine vom Fiskus seit 1909 aus Leistung und Hubraum errechnete Kennzahl; die zweite die Motorenleistung.
1927 folgte W 5 als Typ 27/120 PS, 1928 weiterentwickelt zum W 5 SG (SG für „Schnellgang-Getriebe“). 1930 kam, parallel zum „Zeppelin“, der W 6, der ab 1934 auch in der Variante W 6 DSG (DSG für „Doppel-Schnellgang-Getriebe“) verfügbar war. Die Weiterentwicklung von 1934 war ein DSH, ein „Doppel-Sechs-Halbe“, was auf den 130 PS starken 5,2-Liter-Reihensechszylinder hinwies, eine vom „DS“-Zwölfzylinder abgeleitete, einfachere Konstruktion.
Die Zeppelin-DS-Modelle, von Karl Maybach 1930 erstmals offeriert und ab 1931 geliefert, gab es als Typen DS 7 und DS 8.