mini|280px|Kopf des Achilleus aus der Achill-Penthesilea-Gruppe, römische Kopie eines hellenistischen Originals, Vatikanische Museen Inv. 4632 mini|280px|Thetis gibt ihrem Sohn Achilleus seine neuen, von Hephaistos geschmiedeten Waffen. Ausschnitt einer Schwarzfigurenmalerei auf einer attischen Hydria 575–550 v. Chr., Louvre

Achilleus (deutsch Achill oder latinisiert Achilles; altgriechisch und neugriechisch-gelehrt , neugriechisch-volkssprachlich ) ist in der griechischen Mythologie ein beinahe unverwundbarer Heros der Griechen (Achäer) vor Troja und der Hauptheld der Ilias des Homer. Er ist der Sohn des Peleus, des Königs von Phthia in Thessalien, und der Meeresgöttin Thetis.

Oftmals wird er mit den Patronymen „Pelide“ oder „Peleiade“ (Sohn des Peleus) bezeichnet oder „Aiakide“ (Abkömmling des Aiakos), die an seine Vorfahren erinnern.

In der jüngsten Fassung der Geburtssage taucht Thetis ihn in den Unterweltsfluss Styx, der ihn unverwundbar machte. Seine Ferse aber, an welcher ihn Thetis dabei festhielt, wurde nicht benetzt und blieb daher verwundbar. Er wurde vom Kentauren Cheiron aufgezogen, der ihn in der Kriegskunst, in Musik und Heilkunde unterwies. Vor die Schicksalswahl gestellt, zog er ein kurzes, aber ruhmreiches Leben einem langen, aber glanzlosen Leben vor. Seine Mutter versteckte ihn am Königshof des Lykomedes, um ihn vor der Teilnahme am Trojanischen Krieg zu bewahren. Doch Odysseus entdeckte Achilleus, wonach dieser mit seinem besten Freund Patroklos am Kriegszug der Griechen teilnahm. Im zehnten Kriegsjahr eskalierte ein Streit mit Agamemnon, sodass er der Schlacht fernblieb: Diese Begebenheit wird als „Zorn des Achilleus“ in der Ilias besungen. Der Tod des Patroklos trieb ihn dazu, wieder zu den Waffen zu greifen, um ihn an Hektor, dem größten Helden der Troer, zu rächen. Kurz nachdem Achilleus Hektor getötet hatte, fand er den Tod, als er an seiner verwundbaren Ferse von einem Pfeil des Paris, den der Gott Apollon dorthin lenkte, getroffen wurde.

Die Achilleus-Überlieferung besteht aus zahlreichen Texten unterschiedlicher Zeiten. Darin werden zum Teil unterschiedliche Begebenheiten erzählt, die sich teils widersprechen und Achilleus’ Verhalten verschieden bewerten.

Achilleus wurde in der griechischen Welt als gottgleicher Heros verehrt. Mit seiner Schönheit und Großmut in Gestalt und Betragen bezeigt er „das moralische Inbild eines vollendeten homerischen Edlen.“Henri-Irénée Marrou: Histoire de l’éducation dans l’Antiquité. Band I: Le monde grec. Seuil, collection « Points », Paris 1981, S. 35:

Etymologie mini|280px|Achilles und Ajax beim Spiel, attische schwarzfigurige Amphore, ca. 510 v. Chr., Villa Getty (86.AE.81)

Die Etymologie seines Namens ist unbekannt.Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque. Paris 2009, S. 144. Achilleus begegnet als Eigenname bereits in mykenischem Griechisch auf zwei Linear-B-Dokumenten (Knossos Vc 106, Pylos FN 79.2) um 1200 v. Chr. in der Schreibweise a-ki-re-u. Allerdings sind die Namensträger reale Personen, die keiner gehobenen Schicht angehörten.Dieter Hertel: Das frühe Ilion. Die Besiedlung Troias durch die Griechen (1020–650/25 v. Chr.). Beck, München 2008, S. 210 (mit weiteren Belegen). Die Frage nach der Herkunft seines Namens wurde schon in der Antike gestellt:

Pseudo-Apollodor erklärt, dass sein Name soviel bedeutet wie „der keine Lippen hat“ – als Zusammensetzung aus dem altgriechischen Negationspräfix und , weil seine Lippen niemals an einer Mutterbrust gesaugt hätten.Bibliotheke des Apollodor 3,13,6 Lykophron führt den Namen auf die gleiche Wurzel zurück, allerdings mit der Begründung, dass Achilleus nach seiner Geburt durch Feuer eine Lippe verloren habe.

Eine andere antike Hypothese gibt dem Namen den Sinn von „derjenige, dessen Heer betrübt ist“, von altgriechisch und .Leonard R. Palmer: The Interpretation of Mycenaean Greek Texts. Clarendon Press, Oxford 1963, S. 79. Tatsächlich ist die Figur des Achilleus mit Kummer verknüpft: Die Achäer empfinden ihn, als er sich aus der Schlacht zurückzieht und wenn er stirbt. Eine auf der gleichen Wurzel beruhende Deutung interpretiert den Namen als „derjenige, der den Trojanern (also den Illiern) Leid zugefügt hat“.

Moderne Überlegungen deuten die Wurzel als Hinweis auf eine Wassergottheit – mit etymologischen Parallelen zu den Flussgottheiten Acheron und Acheloos –, wofür auch seine Abstammung von der Meergottheit Thetis und der Kampf mit dem Skamander spricht. Andere führen den Namen auf zurück, da seine Mutter sich vorzugsweise in eine Schlange verwandelte.

Elemente des Achilleus-Stoffes Zeugung In der Hauptüberlieferung sind die Nereide Thetis und Peleus, König von Phthia, die Eltern des Achilleus. Über seinen Vater Peleus und damit seinen Großvater Aiakos ist er ein Urenkel des Zeus.

Es gibt aber auch Quellen, welche Polymela, die Tochter des Aktor, zu seiner Mutter machen.Scholion zu Apollonios von Rhodos 1,558. Vgl.: In anderen Darstellungen ist Polymela die Schwester des Achilleus.Bibliotheke des Apollodor. Vgl.:

Die Quellen, die Thetis als Mutter von Achilleus benennen, unterscheiden sich zum Teil in der Vorgeschichte seiner Zeugung: Im Volksmärchen, das älter als der Epische Zyklus ist, unterliegt Thetis dem Peleus im Ringkampf. Es kommt nur zur einmaligen Verbindung zwischen ihnen, wonach sich Thetis ins Meer zurückzieht. In den Kyprien, einem Epos im Epischen Zyklus, wie auch in der späteren Ilias des Homer wird Thetis von Hera, der Gattin des Zeus aufgezogen. Ihr zu Gefallen weist sie die Bewerbungen des Zeus zurück. In einer anderen Variante freien sowohl Zeus als auch Poseidon um Thetis. Die Orakelgöttin Themis weissagt ihnen aber, dass ihr Sohn mit ihr noch stärker sein wird als sie selbst. Deswegen vermählt Zeus sie mit Peleus.Pindar, Isthmien 8,26-27; Apollonios von Rhodos 4,800-801; Bibliotheke des Apollodor 3,13,2. Vgl. Vgl. auch Aus dieser Verbindung geht Achilleus hervor.

Unverwundbarkeit und Achillesferse mini|Bad des neu geborenen Achilles, Haus des Theseus, Paphos (Zypern), 5. Jahrhundert n. Chr. Einer der bedeutendsten Aspekte der Erzählungen um Achilleus, die sprichwörtlich gewordene Achillesferse, hängt mit dem Wunsch seiner Mutter Thetis zusammen, den Knaben von der Sterblichkeit seines Vaters zu reinigen und ihm Unverwundbarkeit zu verleihen. Ihre Versuche, dies herbeizuführen, sind in unterschiedlichen Fassungen überliefert:

Einer Version zufolge setzte Thetis alle ihre Kinder in einen Kessel mit kochendem Wasser oder direkt in das Feuer, um sie unsterblich zu machen.Hesiod Fragment 300 MW erwähnt Wasser; Lykophron, Alexandra 177–179 berichtet von Feuer und präzisiert, dass sechs Kinder auf diese Weise gestorben seien. In einem anderen Überlieferungsstrang salbte sie ihre Kinder tagsüber mit dem göttlichen Nektar Ambrosia und setzte sie nachts ins Feuer, damit es den sterblichen Teil der Kinder verzehre.Apollonios von Rhodos, Argonautika 4,869–879 Peleus unterbrach sie, ehe sie Achilleus dasselbe Schicksal bereiten konnte, und rettet ihm damit das Leben.Apollonios von Rhodos, Argonautika 4,869 ff.; Bibliotheke des Apollodor 3,13,6, zit. nach: Achilleus. In: Hans-K. und Susann Lücke: Helden und Gottheiten der Antike. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 15–16. Ähnliche Legenden sind mit Demophon von EleusisHomerische Hymnen: An Demeter 233–242 und mit Isis in der ägyptischen Mythologie verbunden. Das Feuer hatte aber bereits Achilleus’ Knöchel zerstört. Sein Vater überbringt den geretteten Sohn dem Cheiron, der ihn heilt, indem er die entsprechenden Knochen dem Skelett des Damysos, des schnellfüßigsten Giganten, entnimmt.Ptolemaios Chennos 4 mini|Thetis taucht ihren Sohn in den Styx um ihn unverwundbar zu machen (Skulptur von Thomas Banks, 1789) Das Motiv der Ferse als einzige verwundbare Stelle an Achilleus’ Körper begegnet zuerst im ersten Jahrhundert n. Chr. bei Statius.Statius, Achilleis 1,133–134; siehe auch Gantz, S. 625. Ihm zufolge tauchte Thetis Achilleus in die Wasser des Styx, des Flusses der Unterwelt, wobei sie ihn an der Ferse festhielt.Statius, Achilleis 1,133–134 Auf diese Weise wurde er unverwundbar, außer an der Ferse, an der seine Mutter ihn hielt. Daher stammt der noch heute übliche Ausdruck „Achillesferse“, der eine „verwundbare Stelle“, einen „sensiblen Punkt“ bezeichnet.

Wenig später erwähnt Hyginus ausdrücklich den Knöchel, den Apollon mit seinem Pfeil durchbohrt, als einzige verwundbare Stelle.Hyginus, Fabulae 107 Allerdings stellen bereits vier Vasen aus der Archaik und vom Beginn der Klassischen Epoche dar, wie Paris einen Pfeil in Richtung des Unterleibs des Achilleus abschießt oder zeigen sogar den toten Achilleus mit einem Pfeil in seinem Fuß.Eine protokorinthische Lekythos aus Athen, eine pontische Amphore (Kopenhagen 14066), eine chalkidikische Amphore (früher in der Sammlung Pembroke-Hope, heute verschollen) und eine attische Pelike des Niobiden-Malers (Bochum, Kunstsammlung der RUB s1060). Gantz, S. 626. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Überlieferung der „Achillesferse“ bereits in der griechischen Antike bekannt war. Schließlich sprechen alle Autoren – mit Ausnahme des Mythographus Vaticanus, der von der , der Fußsohle, spricht – vom Knöchel (lateinisch , altgriechisch ), aber das Wort ändert seine Bedeutung über das französische .Über die Doublette *talo, onis: Frédéric Martin: talus. In: Les Mots latins. Hachette 1976.

Trotz der Variantenvielfalt erwähnt die Ilias bei der Geburt des Achilleus keine davon,In Homers Ilias () ist Achilleus ein Einzelkind. und es existiert im Homer-Epos kein Hinweis darauf, dass Achilleus körperlich unempfindlich wäre. In den Posthomerica des Quintus von Smyrna wird er vom äthiopischen Prinzen Memnon verwundet.Quintus von Smyrna, Posthomerika 1,564–567 Übrigens ist Achilleus nicht der einzige berühmte (fast) unverwundbare griechische Held: Die spätere Überlieferung spricht diesen Vorzug auch Ajax dem Großen zu.

Zudem erscheint das Motiv eines Helden, der bis auf eine kleine, geheime Körperstelle unverwundbar ist, auch außerhalb der griechischen Mythologie beim germanischen Helden Siegfried, wird dort aber wie im Nibelungenlied eindeutiger und folgenschwerer in die dramatischen Abläufe eingebunden.

Erziehung bei Cheiron mini|links|hochkant|Peleus vertraut Achilleus dem Cheiron an, Lekythos mit weißem Grund, etwa 500 v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Athen

Die Hauptüberlieferung will, dass Achilleus, anderen Heroen wie Jason und Aktaion ähnlich, von seinem Vater dem Kentauren Cheiron anvertraut wird, der auf dem Berg Pelion in Thessalien lebt.Hesiod, Katalog der Frauen Fragment 204 MW. Siehe auch Pindar, Oden (Pythische Oden 6,21,3; Nemeische Oden 3,43–58). Die Erziehung des Achilleus durch Cheiron ist Gegenstand eines verlorengegangenen Gedichts von Hesiod, Die Regeln des Chiron; vgl. Gantz, S. 231 und Mackie, 1997, S. 1. Bei ihm lernt er, die Waffen zu führen, die Kunst, ein Pferd zu besteigen und zu jagen, und die Musik.Mackie, 1997, S. 2. Die Literatur berichtet von seinen außergewöhnlichen Leistungen bei der Jagd, aber von keiner eigenständigen Heldentat des Jünglings.Gantz, S. 231.

Die Ilias behandelt Cheiron weniger ausführlich. Bei Homer wird Achilleus von seiner Mutter erzogen, erst bei Kriegsausbruch sendet Peleus ihn zu Phoinix, wo er die Redekunst und den Umgang mit den Waffen erlernt.Homer, Ilias . Das Vorhandensein der Cheiron-Episode hängt in den Erzählungen davon ab, wie die Beziehung zwischen Thetis und Peleus verlaufen ist: Die Kyprien und die Ilias berichten nicht vom Ringkampf zwischen Peleus und Thetis, und Thetis zieht sich nicht zu den Nereiden zurück. Demnach wird Achilleus bei seinen Eltern aufgezogen.Homer, Ilias und

Versteck in Skyros mini|hochkant|Achilleus bei Lykomedes, Flachrelief eines attischen Sarkophags, etwa 240 n. Chr., Louvre