Die Lega dei Ticinesi (, , in allen Sprachregionen umgangssprachlich Lega genannt) ist eine politische Partei in der Schweiz. Sie wurde 1991 als rechte bzw. rechtspopulistische Protestpartei gegründet und ist ausschliesslich im Kanton Tessin aktiv.
Geschichte Gegründet wurde die Partei vom Unternehmer und ehemaligen FDP-Parteigänger Giuliano Bignasca und vom Journalisten Flavio Maspoli. Im Gründungsjahr 1991 gelang es ihnen, mit Flavio Maspoli und Marco Borradori zwei Nationalratssitze und mit Giorgio Morniroli einen Ständeratssitz zu besetzen. 1995 machte die Partei Schlagzeilen mit der erfolgreichen Grossratskandidatur der Pornodarstellerin Sandy Balestra. Ebenfalls 1995 zog sie mit Borradori erstmals in die Tessiner Kantonsregierung, den Staatsrat, ein, in dem sie seither stets vertreten ist (seit 2011 mit zwei von fünf Sitzen).
Die Lega ist gegen einen Beitritt zur Europäischen Union und für eine strenge Asylpolitik. Ein besonderes Ärgernis für die Partei sind die Bundesangestellten in Bern, die sich aus Sicht der Lega dei Ticinesi nicht genug für die Interessen des Kantons Tessin einsetzen. Nach anfänglich raschem Erfolg im Heimatkanton schwächte sich der Aufstieg ab. Im nationalen Parlament ist die Partei mit Lorenzo Quadri als Mitglied der SVP-Fraktion vertreten.
Politisch steht die Lega dei Ticinesi der Schweizerischen Volkspartei, der Auto-Partei und ihrer italienischen «Schwesterpartei» Lega (früher Lega Nord) nahe. Allerdings hegten die Tessiner Legisten – im Gegensatz zur Lega Nord – nie Sezessionsabsichten.
Im März 2013 starb Mitgründer und Präsident Giuliano Bignasca.Giuliano Bignasca ist tot. In: SRF News. 7. März 2013. Staatsrat Michele Barra im Oktober 2013Lega-Staatsrat Michele Barra ist tot. In: Der Bund. 20. Oktober 2013, abgerufen am 20. Oktober 2013. und im März 2020 Giulianos Bruder Attilio Bignasca, der ihm als Präsident nachgefolgt war.
Wahlergebnisse Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Wahlergebnisse der Lega bei nationalen und kantonalen Wahlen. Jahr Stimmen % (CH) % (TI) Gewählte Gewählte 1991 28'290 1,38 % 23,5 % Flavio MaspoliMarco Borradori Giorgio Morniroli 1995 17'804 0,95 % 18,6 % Flavio Maspoli — 1999 17'118 0,88 % 18,5 % Flavio MaspoliGiuliano Bignasca — 2003 7'304 0,35 % 8,0 % Attilio Bignasca — 2007 13'031 0,57 % 14,0 % Attilio Bignasca — 2011 18'956 0,79 % 17,5 % Lorenzo QuadriRoberta Pantani — 2015 24'713 0,99 % 21,7 % Roberta PantaniLorenzo Quadri — 2019 18'187 0,75 % 16,9 % Lorenzo Quadri — 2023 14'160 0,55 % 13,5 % Lorenzo Quadri – Jahr Stimmen (%) Sitze Gewählte 1991 12,8 % 12 —1995 17,9 % 16 Marco Borradori1999 18,1 % 16 Marco Borradori2003 11,8 % 11 Marco Borradori2007 16,2 % 15 Marco Borradori2011 22,8 % 21 Marco BorradoriNorman Gobbi2015 24,2 % 22 Claudio ZaliNorman Gobbi2019 19,9 % 18 Norman GobbiClaudio Zali2023 15,0 % 14 Norman GobbiClaudio Zali
Siehe auch Politische Parteien in der Schweiz
Weblinks Website der Lega dei Ticinesi
Website der Online-Ausgabe der Lega-Zeitung Il Mattino dell Domenica Von der Protestbewegung zur Regierungspartei: Lega dei Ticinesi. In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen. 30. Januar 2016 (Audio)
Einzelnachweise
Kategorie:Partei (Kanton Tessin) Kategorie:Rechtspopulistische Partei Kategorie:EU-skeptische Partei Kategorie:Parteigründung 1991