Butzbach ist eine Stadt im hessischen Wetteraukreis am nordöstlichen Übergang des Taunus zur Wetterau. Sie trägt seit dem 11. Januar 2011 die amtliche Zusatzbezeichnung Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt.
Geographie mini|Luftaufnahme 2007 Nachbargemeinden Butzbach grenzt im Norden an die Gemeinde Langgöns (Landkreis Gießen), im Osten an die Stadt Münzenberg und die Gemeinde Rockenberg, im Süden an die Gemeinde Ober-Mörlen und die Stadt Usingen (Hochtaunuskreis) sowie im Westen an die Gemeinden Grävenwiesbach (Hochtaunuskreis) und Waldsolms (Lahn-Dill-Kreis).
Stadtgliederung Butzbach besteht aus den Stadtteilen Bodenrod, Butzbach (Kernstadt), Ebersgöns, Fauerbach vor der Höhe, Griedel, Hausen-Oes, Hoch-Weisel, Kirch-Göns, Maibach, Münster, Nieder-Weisel, Ostheim, Pohl-Göns und Wiesental.
Stadtteile Die Einwohnerzahlen der Stadtteile der Stadt Butzbach.
Stadtteil Einwohner (2008) Einwohner (2016) Tendenz Butzbach 12.227 12.884 ↑ Nieder-Weisel 2.512 3.419 ↑ Griedel 1.607 1.610 ↑ Kirch-Göns 1.418 1.443 ↑ Pohl-Göns 1.410 1.357 ↓ Hoch-Weisel 1.379 1.380 - Ostheim 1.082 1.033 ↓ Fauerbach v. d. H. 746 717 ↓ Ebersgöns 735 696 ↓ Münster 583 596 ↑ Maibach 438 449 ↑ Bodenrod 369 313 ↓ Hausen-Oes 351 380 ↑ Wiesental 188 172 ↓
Geschichte mini|Römerturm am Schrenzerberg, Holzturmrekonstruktion in Fachwerkbauweise mini|Die römischen Kastelle Hunneburg und Degerfeld mit dem Limesverlauf in Butzbach mini|Butzbach – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 Römische Zeit Ab etwa 90 n. Chr. wurde die Wetterau und damit auch Teile der Gemarkung des heutigen Butzbach Teil der römischen Provinz Germania superior. Diese wurde durch den Obergermanisch-Raetischen Limes, der Butzbach im Nordwesten schneidet, gegen das nicht-römische Germanien gesichert. Der Grenzwall ist heute UNESCO-Welterbe. Die Römer errichteten während ihrer fast 200-jährigen Herrschaft ein in unmittelbarer Nähe des heutigen Stadtzentrums gelegenes Kohortenkastell. In der Frühen Neuzeit trug es die Bezeichnung Hunneburg. Noch zur Mitte des 17. Jahrhunderts war es gut sichtbar und wurde fälschlicherweise für eine Burg des Hunnenkönigs Attila gehalten. Als billiger Steinbruch genutzt, wurden seine oberirdischen Reste im Laufe der Zeit abgetragen. Im Museum der Stadt befindet sich ein anschauliches Modell der Anlage, die größer war als die restaurierte Saalburg im Taunus. Neben der Hunneburg entstand zur Zeit Kaiser Trajans noch ein kleineres Kastell im „Degerfeld“. Es sollte den Handel zwischen dem Römischen Reich und den Gebieten jenseits des Limes sichern. Auch von diesem Kastell ist nichts mehr zu sehen.
Ab Beginn des 2. Jahrhunderts gab es westlich des Kohortenkastells eine Zivilsiedlung (Vicus), deren Name nicht überliefert ist. Sie lag zwischen den beiden Kastellen und erreichte beachtliche Ausmaße.
Bei Überfällen der Chatten und Alamannen im 2. bzw. 3. Jahrhundert wurden die Kastelle zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Bis zur Aufgabe des Limes im Jahre 260 blieben beide Kastelle bemannt. Danach verfielen sowohl die Kastelle als auch die Siedlung.Webseite zum Taunus-Wetterau-Limes
Mittelalter Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung von Butzbach als Botisphaden stammt aus dem Jahr 773. Historisch dokumentierte spätere Erwähnungen des Ortes (in Klammern das Jahr der Erwähnung) sind: Botinesbach (768–778), Butisphaden (805–808), Buodesbach (821), Bvotesfad (10. Jahrhundert), Budesbah (zweite Hälfte 12. Jahrhundert) und Putzpach (1500).:Datei:Rompilger-Karte (Erhard Etzlaub).jpg – Nach Süden orientierte Straßenkarte Erhard Etzlaubs für Wallfahrten nach Rom. Anlass war das Heilige Jahr 1500 (Kolorierter Holzschnitt).
Der Ort befand sich im Hochmittelalter zunächst im Besitz der Reichsministerialen von Hagen-Münzenberg. Mit der Münzenberger Erbschaft von 1255 gelangte er an die Herren von Hanau, die es aber schon bald nach 1308 an die Herren von Falkenstein verkauften.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 (= Handbuch der hessischen Geschichte. 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 63). Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230. Philipp IV. von Falkenstein-Münzenberg bewog 1321 Kaiser Ludwig den Bayern, dem Ort Frankfurter Stadtrecht zu verleihen. Die neue Stadt wurde bald darauf mit Mauern, Wällen und Gräben befestigt. Die Verwaltung oblag einem Rat von 14 Ratmannen, der in einen älteren und einen jüngeren Rat aufgeteilt war.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen. 3., überarbeitete Auflage, S. 73.
Stadtherrschaft mini|Ostseite des Landgrafenschlosses mit den charakteristischen Türmen mini|Landgräfliches Schloss, historische Ansicht von 1812 mini|Solmser Schloss Mehrfach wurde die Stadtherrschaft über Butzbach vererbt oder veräußert: Von den Falkensteinern 1419 vererbt an Eppstein und weiter an Solms-Braunfels und Solms-Lich. 1478 erwarb die Landgrafschaft Hessen 1/4 von Butzbach von den Eppsteinern für 40.000 Gulden.Ludwig Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Bände 1–5. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 53. Danach war Ende des 16. Jahrhunderts die Herrschaft in drei Teile geteilt:Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Gießen 1893, S. 80, Fußnote 82 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg (1/4) die Grafen von Solms (gemeinsam 1/2) Philipp von Solms, Ernst von Solms und Eberhard zu Solms-Lich Graf Christoph zu Stolberg (1/4) Nach dem Tod des Grafen Christoph zu Stolberg gelangte dessen Anteil 1581 an Kurmainz, das ihn 1595 im Rahmen eines Vergleichs 1595 und gegen Zahlung von 26.000 Gulden an die Landgrafschaft Hessen-Marburg abtrat.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Gießen 1893, S. 11, Fußnote 30. 1629 erwarb die Landgrafschaft ein weiteres Viertel von Solms-Lich und 1741 das letzte Viertel (nun die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) von Solms-Braunfels.
Aus einer älteren Wasserburg der Herren von Münzenberg oder der Falkensteiner südöstlich des Stadtkerns entstanden im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit zwei Schlossbauten: Das größere Landgräfliche Schloss entstand unter Einbeziehung eines älteren Kerns. Die Grafen von Solms ließen im späten 15. Jahrhundert einen Fruchtspeicher zu einem Amtssitz oder einer Nebenresidenz erweitern, das sogenannte Solmser Schloss (bis 2004 Amtsgericht Butzbach).
Frühe Neuzeit 1578 erließ die Stadtherrschaft ein Stadtrecht für Butzbach, das sich inhaltlich stark an das Solmser Landrecht anlehnte. Es galt als Partikularrecht bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, auch während der Zugehörigkeit von Butzbach zum Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt).Schmidt, S. 113. Erst zum 1. Januar 1900 trat das einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltende Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft und löste es ab.
Mit einer im Haus Hessen-Darmstadt vollzogenen Erbteilung wurde Butzbach von 1609 bis 1643 Residenzstadt der hessen-darmstädtischen Sekundogenitur Landgrafschaft Hessen-Butzbach. Deren Regenten, Philipp III., verdankt die Stadt den Ausbau des heutigen Landgrafenschlosses. In dem zugehörigen Lustgarten ließ er einen Planetenbrunnen mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten von Sternzeichen, Sternbildern und Jahreszeiten anlegen. Da Philipp III. aber kinderlos starb, fiel Butzbach nach seinem Tod an Hessen-Darmstadt zurück. Das Residenzschloss wurde später als Kaserne genutzt, der Lustgarten beseitigt. Seit einiger Zeit besteht im Bereich des restaurierten Schlosses ein detailgetreuer Nachbau des Lustgartens.
Philipp III. bezog einen Teil seines Vermögens aus dem Abbau von Silber und Kupfer im Bergwerk Philippseck bei Butzbach-Münster. Dort ließ er auch das Schloss Philippseck als festungsartige Schlossanlage errichten, von dem aber fast nichts mehr erhalten ist.
Moderne Im Großherzogtum Hessen, dem Nachfolger der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, war Butzbach Sitz des Amtes Butzbach und nach Auflösung der Ämter 1821 bis 1829 kurzzeitig Kreisstadt. 1840 bis 2004 war die Stadt Sitz des Land- und Amtsgerichtes Butzbach. Im 19. Jahrhundert wurden Türme und Tore der mittelalterlichen Stadtbefestigung niedergelegt. In dem zur Kaserne umgewandelten ehemaligen Schloss, das Mitte des 19. Jahrhunderts „Chevaulegers-Kaserne“ hieß, war nun großherzoglich-hessisches Militär stationiert, nach dem Zweiten Weltkrieg Truppen der US Army.
Weiter befand sich im Stadtteil Kirch-Göns die Ayers-Kaserne, in der ebenfalls US-Soldaten stationiert waren. Das „Roman Way Housing“, ein Wohngebiet des amerikanischen Militärs mit mehr als 1000 Wohnungen, Geschäften, einer Schule und einem Krankenhaus, wurde im Oktober 2007 von der US-Army aufgegeben. Das Areal auf dem ehemaligen römischen Kastelldorf war bis Ende 2011 ungenutzt, seitdem wurde ein Teil der Gebäude abgerissen und durch Einfamilienhäuser ersetzt.
Die Stadt Butzbach richtete vom 1. bis 10. Juni 2007 den 47. Hessentag aus. Dabei wurden 1,1 Millionen Besucher gezählt.
Anlässlich des 220. Geburtstages von Friedrich Ludwig Weidig, dem Mitherausgeber des Hessischen Landboten, am 15. Februar 2011, wurde der Stadt Butzbach vom damaligen hessischen Innenminister Boris Rhein der Namenszusatz Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt verliehen.
Eingemeindungen 1970–1977 Am 31. Dezember 1970 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Hoch-Weisel, Nieder-Weisel, Ostheim und Pohl-Göns auf freiwilliger Basis eingegliedert. Am 1. Februar 1972 kamen Bodenrod und Philippseck (Zusammenschluss der Gemeinden Fauerbach vor der Höhe und Münster vom 31. Dezember 1970) hinzu. Griedel, Hausen-Oes, Kirch-Göns und Maibach folgten kraft Landesgesetz am 1. August 1972. Als letzte Gemeinde kam Ebersgöns am 1. Januar 1977, ebenfalls kraft Landesgesetz zu Butzbach. Für die Stadtteile Butzbach, Bodenrod, Ebersgöns, Fauerbach v. d. H., Griedel, Hausen-Oes, Hoch-Weisel, Kirch-Göns, Maibach, Münster, Nieder-Weisel, Ostheim, Pohl-Göns, und Wiesental wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Butzbach 23.885 Einwohner. Darunter waren 1.621 (6,8 %) Ausländer, von denen 511 aus dem EU-Ausland, 801 aus anderen europäischen Ländern und 309 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 12,8 % einen Migrationshintergrund. Die Einwohner lebten in 10.345 Haushalten. Davon waren 3.433 Singlehaushalte, 2.943 Paare ohne Kinder und 2.879 Paare mit Kindern, sowie 864 Alleinerziehende und 226 Wohngemeinschaften.
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Butzbach von 1939 bis 2019
Religion Christliche Gemeinden Die evangelische Kirchengemeinde als größte Religionsgemeinschaft der Stadt feiert ihre Gottesdienste vorwiegend in der im 13. Jahrhundert entstandenen und um 1500 umgestalteten Markuskirche. Daneben verfügt die evangelische Gemeinde über das Haus Degerfeld mit dem Jugendtreff Café Kanne und einem multifunktionalen Gemeindezentrum, das Gemeindesaal, Familienzentrum und Kindertagesstätte beherbergt. In der Stadt gibt es außerdem eine römisch-katholische Kirche (St. Gottfried), ebenfalls mit angeschlossenem Kindergarten.Butzbach, St. Gottfried Zur Pfarrgemeinde gehört eine weitere Kirche im Ortsteil Fauerbach. Evangelische und katholische Kirche betreiben gemeinsam die Ökumenische Diakoniestation Butzbach-Münzenberg.
Am Schloss ist mit ihrem Gemeindezentrum die Evangelische Stadtmission Butzbach/Nieder-Weisel ansässig. In der Kernstadt existiert zudem eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche. mini|hochkant|Gedenkstein am Synagogenplatz in Butzbach
Geschichte der jüdischen Gemeinde