mini|hochkant=1.3|Die Semperoper bei Nacht mini|hochkant=1.3|Die Semperoper bei Tag 300px|rechts|Logo der Semperoper

Die Semperoper in Dresden ist die Spielstätte der Staatsoper Dresden, die als ehemalige königliche Hofoper Sachsens eine lange geschichtliche Tradition hat. Die Oper befindet sich am Theaterplatz im historischen Stadtkern von Dresden in der Nähe der Elbe. Sie ist nach ihrem Architekten Gottfried Semper benannt, der sie im Auftrag von König Johann 1871 bis 1878 im Stil der Neurenaissance erbaute. Nach der Zerstörung 1945 wurde die Semperoper 1977 bis 1985 rekonstruiert.

Die Staatsoper Dresden bildet zusammen mit dem Staatsschauspiel Dresden, das über zwei eigene Häuser verfügt, den Staatsbetrieb Sächsische Staatstheater.Impressum – Semperoper Dresden Zur Staatsoper gehören als Sparten die traditionsreiche Sächsische Staatskapelle Dresden, das Semperoper Ballett und die Junge Szene sowie als Klangkörper der Sächsische Staatsopernchor Dresden.

Seit der Spielzeit 2024/25 sind Nora Schmid Intendantin der Staatsoper Dresden und Daniele Gatti Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden.Die Sächsische Staatskapelle Dresden Joachim Clement ist seit 2017 Intendant des Staatsschauspiels Dresden. Alle drei sind zugleich Geschäftsführer der Sächsischen Staatstheater, ergänzt um Wolfgang Rothe als kaufmännischer Geschäftsführer.Impressum der Sächsischen Staatskapelle In der Spielzeit 2017/2018 besuchten rund 290.000 Besucher die Symphoniekonzerte, Opern- und Ballettaufführungen in der Oper. Die Auslastung betrug 93 Prozent. Mit gut 300 Veranstaltungen erzielte die Semperoper einen Umsatz von 17 Millionen Euro und erreichte damit einen Kostendeckungsgrad von fast 40 Prozent.

Geschichte des Gebäudes Vorgängerbau am Zwinger Frühester Vorläufer war das Opernhaus am Taschenberg, das 1667 eingeweiht, aber 1708 zur katholischen Hofkapelle umfunktioniert wurde. Das Opernhaus am Zwinger, welches von 1719 bis 1849 bestand, wird oftmals als „Vorgängerbau“ der Semperoper bezeichnet. Das bis zu 2000 Besucher fassende Dreirangtheater unweit des heutigen Porzellanpavillons des Zwingers wurde jedoch nur bis 1763 als Oper genutzt. Danach hat man bis 1841 das sogenannte Morettische Opernhaus verwendet, während das Opernhaus am Zwinger zum Redouten- und Konzertsaal wurde.

Der erste Bau

mini|Das erste Opernhaus Sempers Von 1838 bis 1841 errichtete der Baumeister Gottfried Semper (1803–1879) ein neues königliches Hoftheater. Der Rundbau in den Formen der italienischen Frührenaissance wurde als eines der schönsten europäischen Theater berühmt. Auch eine oberhalb der Bühne angebrachte Digitaluhr des Dresdner Uhrmachers Gutkaes erregte Aufsehen. Das erste Opernhaus Sempers lag erheblich näher zum Schloss als sein heute noch bestehender zweiter Theaterbau; vor der Oper wurde 1840 der Vorläufer des heutigen Theaterplatzes angelegt.Dirk Syndram, P. Ufer: Die Rückkehr des Dresdner Schlosses. edition Sächsische Zeitung, Dresden 2006, ISBN 3-938325-28-3, S. 88. Am 21. September 1869 wurde das Gebäude bei einem Brand völlig zerstört.

Interimsbau mini|Königliches Hof-Interims-Theater (erbaut 1869) Schon vier Wochen nach der Brandkatastrophe begannen die Bauarbeiten an einem Interimstheater am Zwingerwall hinter den Ruinen des alten Theaters. Nach nur sechs Wochen Bauzeit wurde die mit einfachen Konstruktionsmitteln errichtete Spielstätte, die rund 1800 Besuchern Platz bot und im Volksmund den Beinamen „Bretterbude“ trug, mit Goethes Iphigenie auf Tauris am 2. Dezember 1869 eröffnet.

Der zweite Bau mini|Der zweite Bau nach 1880, Fotografie von August Kotzsch mini|Semperoper am Theaterplatz (mit dem König-Johann-Denkmal) um 1900; im Hintergrund der Schlot des Fernheizwerks, rechts das alte Hotel Bellevue an der Elbe und links im Hintergrund das markante Gebäude der Zigarettenfabrik Yenidze mini|Semperoper, Juli 1945

Gottfried Semper musste 1849 wegen seiner Beteiligung an den Maiaufständen fliehen und durfte viele Jahre lang sächsischen Boden nicht mehr betreten. Im Ausland schuf er in dieser Zeit zum Beispiel gemeinsam mit Carl von Hasenauer das Wiener Burgtheater. Nach der Zerstörung der ersten Semperoper 1869 wurde bereits 1871 mit dem Bau des zweiten Hoftheaters begonnen. Während der Bauarbeiten durfte Gottfried Semper immer noch nicht nach Sachsen zurückkehren, sein neuer Entwurf wurde deshalb unter Bauleitung durch seinen ältesten Sohn Manfred Semper (1838–1913) von 1871 bis 1878 am Theaterplatz ausgeführt. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 2. Februar 1878 mit Carl Maria von Webers Jubelouvertüre und Goethes Iphigenie auf Tauris.

Der Theaterbau verfügt über eine prachtvolle Innenausstattung. Manfred Semper erteilte Ludwig TeubnerEintrag über Ludwig Teubner im Watch-Wiki, einem ehemaligen Mitarbeiter Gutkaes’, den Auftrag, eine neue digital anzeigende Uhr nach dem Vorbild Gutkaes’ zu erstellen. Die Ausführung der Plafondmalerei sowie die Gestaltung des Frieses über dem Proszenium erfolgten nach Entwürfen Sempers durch James Marshall.Einzelbilder der Deckenmalerei von 1944 auf zi.fotothek.org Farbdiaarchiv, abgerufen am 8. Dezember 2015.

Zur Vergrößerung der Garderoben, Schaffung neuer Magazine, und Erweiterung der Bühne legte der Dresdner Architekt Wilhelm Kreis Ende der 1930er Jahre eine Erweiterungsplanung vor, die, unter Veränderung der Seitenfassaden, einen Anbau hinter dem Bühnenturm im gleichen architektonischen Stil vorsah. Die Planungen wurden wegen des Zweiten Weltkrieges zunächst nicht weiter verfolgt.

Dieser zweite Bau erlitt am Ende des Zweiten Weltkriegs durch den Luftangriff auf Dresden in der Nacht des 13. Februar 1945 schwere Schäden. Infolge des Luftangriffs brannte der Bau zu großen Teilen aus. Das Feuer zerstörte den Zuschauer- und Bühnenbereich und die Rückwand des Bühnenhauses stürzte ein. Nur die Wandelgänge blieben vom Feuer verschont.Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale Deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Henschel-Verlag, Berlin 1978, Band 2, S. 405.

Wiederaufbau Ab 1948 konnte der Spielbetrieb im Großen Haus des Staatstheaters fortgesetzt werden, das in jener Zeit als Mehrspartenhaus für Oper, Ballett, Schauspiel und Konzert diente. Die feierliche Eröffnung fand am 22. September 1948 mit Beethovens Fidelio statt.Rundfunkschätze - Dresdner Opernchronik 1948-1949 (abgerufen am 4. Januar 2021)

mini|Die Semperoper 2013 mini|Das Luftbild der Semperoper mit dem davor stehenden König-Johann-Denkmal verdeutlicht die Nähe zur Elbe mini|Luftaufnahme, 2024 mini|Die Lage der Semperoper über der Elbe

Nach dem Zweiten Weltkrieg bereiteten 1946 bis 1955 Sicherungsarbeiten sowie konzeptionelle Studien 1968 bis 1976 den Wiederaufbau vor.

Am 24. Juni 1977 erfolgte die Grundsteinlegung für den unter der Leitung von Wolfgang Hänsch als Chefarchitekt erfolgenden Wiederaufbau. Hierbei wurden einerseits der Zuschauerraum erweitert, andererseits die Wände im Bühnenbereich nach außen versetzt, um dem gestiegenen Platzbedarf des modernen Opernbetriebes gerecht zu werden. Die Anzahl der Sitzplätze wurde auf 1300 verringert. Ansonsten wurde das Gebäude Sempers Plänen entsprechend wiederaufgebaut.

Angefügt wurde ein moderner Bau, der als Probebühne, zweite Spielstätte, Funktionsgebäude und Sitz der Verwaltung genutzt wird. Verbunden ist er mit dem Operngebäude über Brücken. Die Außenfassade ist an den Ecken mit vier Sandsteinmasken von Peter Makolies geschmückt, die in der Zeit von 1982 bis 1984 gefertigt wurden. Die Masken haben eine Größe von 2,7 mal 5,2 Metern.Kunst im öffentlichen Raum. Kulturamt Dresden, Dresden 1996. Der Neubau erstreckt sich bis in den Bereich Bernhard-von-Lindenau-Platz/Terrassenufer.

Im Jahr 1983 fand eine verwaltungstechnische Trennung zwischen Oper, Ballett, Staatskapelle und dem Schauspiel statt: Es entstanden das Staatsschauspiel und die Staatsoper Dresden, letztere umfasste Oper, Ballett und Staatskapelle.

Am 13. Februar 1985, dem 40. Jahrestag der Zerstörung im Krieg, konnte die Semperoper mit Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz wiedereröffnet werden – es war dieses Werk, mit dem das Opernhaus am 31. August 1944 geschlossen worden war. Zum 30. Jahrestag der Wiedereröffnung fand im Mai 2015 ein Semperopenair wiederum mit dem Freischütz statt.

Im Jahr 1985 wurde eine zentrale Theaterkasse eingerichtet. Sie befindet sich in der benachbarten Altstädtischen Hauptwache.

Obwohl sie schon Staatsoper war, erhielt die Oper zusätzlich nach der Wende den offiziellen Titel „Sächsische Staatsoper“. Das Hochwasser der Elbe im August 2002 fügte dem Opernhaus einen Schaden von 27 Millionen Euro zu. Drei Monate nach der Hochwasserkatastrophe eröffneten am 9. November 2002 Tänzer des Semperoper Balletts und die Sächsische Staatskapelle die Spielzeit mit dem Ballett Illusionen – wie Schwanensee.

Im Rahmen der 800-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Dresden fand am 13. Januar 2006 als Fortführung einer von 1925 bis 1939 bereits bestehenden Tradition erstmals wieder ein Dresdner Opernball im Saal und auf der Bühne statt. Für diesen seither jährlich veranstalteten Ball wird die Bestuhlung der Oper teilweise entfernt.

Mit Beginn des Jahres 2013 wurden Staatsoper und Staatsschauspiel wieder unter dem Dach der Sächsischen Staatstheater vereinigt.

Architektur und künstlerische Gestaltung mini|Die Quadriga über dem Hauptportal mini|Semperoper mit Theaterplatz vom Turm des Residenzschlosses aus gesehen mini|hochkant|Ansicht des Opernsaales mit Deckenverzierung mini|Panoramaansicht des Opernsaals mini|Bühnenprospekt für Konzerte mini|hochkant|Die Muschelornamente dienen der Verteilung des Schalls

Siehe auch: Liste der Skulpturen an der Semperoper

Der Ruf, den Gottfried Semper als guter Architekt schon zu seinen Lebzeiten genossen hatte, gründete sich auf seiner meisterhaften Behandlung der Form. Seine eindrucksvollen architektonischen Kompositionen waren nicht nur von künstlerischem Wert, sondern auch zweckmäßig und zugleich funktionell richtig. Darauf wiederum beruhte die Wertschätzung, die Semper selbst dann noch gezollt wurde, als das Verwenden historischer Formen als überflüssig und daher kritikwürdig angesehen wurde.

Sein städtebaulich so wirkungsvoller Baukörper wird über dem Hauptportal von einer bronzenen Panther-Quadriga mit Dionysos und Ariadne von Johannes Schilling bekrönt. Die Westfassade der Hinterbühne zieren das sächsische Wappen, die Figuren „Liebe“ und „Gerechtigkeit“ sowie eine Büste Gottfried Sempers. Neben dem Eingang stehen als Statuen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, in den Seitennischen der Fassade William Shakespeare, Sophokles, Molière und Euripides.

Das Innere hat einen logischen räumlichen Aufbau, der in Grundform und Anordnung der Räume geradezu als Prototyp für Theaterbauten gelten kann. Er gewährleistet eine sichere, übersichtliche und auch eindrucksvolle Führung der Besucher zum Zuschauerraum und ist ebenso gut als architektonischer Rahmen für die gesellige Begegnung in den Theaterpausen geeignet. Vor allem aber bietet die Gestaltung des Zuschauerraumes dem Theaterspiel und der Oper beste akustische Bedingungen.

Diesen zweckmäßigen Raumorganismus hatte Semper in Formen verwirklicht, die der antiken Tradition verpflichtet sind und in erster Linie Vorbildern aus der italienischen Renaissance folgen. Sie überspielen die Oberfläche der baulichen Struktur und sind im Inneren des Gebäudes vorwiegend aus Stuck gebildet, der auf die raumfassenden Mauern und Decken aufgetragen ist. Der historisierende Überzug hatte die geistigen Ansprüche zu erfüllen, die das Publikum zu Sempers Zeiten an sein Theater stellte: Ein reiches, dekoratives und festliches Kleid historischer Formen hatte die Idealität humanistischer Gedankenwelt zu verdeutlichen und zugleich dem kulturellen Geschehen einen repräsentativen, aus der Alltäglichkeit herausgehobenen, Rahmen zu geben. Dieses „Bekleiden“ der strukturellen Bauteile mit dekorativen Formen hatte Semper bereits 1863 in seiner Bekleidungstheorie beschrieben.