mini|Nestlé-Hauptsitz in Vevey mini|Nestlé-Kindermehl in einer Annonce von 1898

Die Nestlé S.A. (Aussprache deutsch: [] oder []) ist der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller und das grösste Industrieunternehmen der Schweiz. Die Hauptverwaltung befindet sich in Vevey.

Der Konzern befindet sich vollständig im Streubesitz.

Nestlé betrieb im Jahre 2025 weltweit 335 Produktionsstätten und war in 185 Ländern tätig.

Wegen seiner Steuervermeidungsstrategien, Umweltvergehen, des Vorwurfs der Wasserausbeutung (insbesondere Grundwasser), der Regenwaldzerstörung und ungesunder Säuglingsnahrung steht die Unternehmenspolitik von Nestlé häufig in der Kritik.

Geschichte mini|Gründer Heinrich Nestle (seit 1839: Henri Nestlé) Der 1814 in Frankfurt am Main geborene Heinrich Nestle ging nach einer Apothekergehilfenlehre in die Schweiz. 1866 hatten die Brüder Charles A. Page und George Page in Cham im deutschsprachigen Teil der Schweiz die Anglo-Swiss Condensed Milk Company gegründet, einen Teil des späteren Unternehmens. 1867 gelang es Heinrich Nestle, ein lösliches Milchpulver herzustellen, das Säuglingen als Muttermilchersatz gegeben werden konnte (Nestlé Kindermehl). Als Verpackung wurden Dosen verwendet, die vor allem kondensierte Kuhmilch und Zwieback enthielten. In der Werbung wurde die Schweizer Herkunft in den Vordergrund gestellt, und es wurde anstelle von Lebensmittelhändlern von Apothekern und Ärzten verkauft.

Die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A. war von ihm 1866 gegründet worden. Als Unternehmenslogo verwendete er sein Familienwappen. Sein Familienname bedeutet im Schwäbischen «kleines Nest». Das Familienwappen mit der Brutpflege war passend für sein erstes Produkt und ist bis heute Unternehmenswappen.Claudia Leu: Index Logo. MITP, ISBN 3-8266-1507-7, S. 115. Mit Beginn seines Lebens in der Schweiz änderte er seinen Namen von Heinrich Nestle zu Henri Nestlé.

1875 verkaufte Henri Nestlé sein Unternehmen an Gustav Marquis, Jules Monnerat sowie Pierre-Samuel Roussy und zog sich ganz aus dem Unternehmen zurück. Damals wurden über eine Million Dosen pro Jahr produziert und in 18 Länder auf fünf Kontinenten verkauft.Henri Nestlé: Auf Mehl gebaut. In: FAZ.net. 9. August 2014.Dora Horvath: Eine Pionierleistung. In: Migros-Magazin. 11. Juli 2016, S. 62–63.

mini|Zertifikat über 100 Aktien der Nestlé and Anglo-Swiss Condensed Milk Co. vom 1. November 1918

1898 wurde die erste ausländische Fabrik übernommen, ein Milchpulverwerk in Norwegen. 1905 fusionierte Nestlé mit der damals deutlich grösseren Anglo-Swiss Condensed Milk Company in Cham ZG. Der Markenname Nestlé wurde aber wegen der grösseren Bekanntheit in der Bevölkerung beibehalten. 1929 schlossen sich die Schokoladeproduzenten Peter, Cailler, Kohler und Nestlé zusammen, wiederum setzte sich der Name Nestlé durch. Die Vermarktung löslichen Kaffees (Nescafé) ab dem Jahr 1938 brachte dem Unternehmen grosse Gewinne.John Revill: . In: The Wall Street Journal. 14. November 2014. 1947 folgte die Fusion mit der Maggi AG und der Namenswechsel zu Nestlé AG. Es folgten weitere Übernahmen: 1963 die Findus AG und 1971 Ursina-Franck AG (siehe dazu auch Johann Heinrich Franck, Caro-Kaffee, Thomy und Bärenmarke). Der Unternehmensname wurde nun in Nestlé S.A. geändert.

1974 erwarb das Unternehmen, unter der Führung von Pierre Liotard-Vogt, 51 % an der Holdinggesellschaft Gesparalthomas515 (Gastkommentar): . In: de.sharewise.com. 11. Februar 2014, abgerufen am 14. Mai 2023. und damit erstmals Anteile an einem Non-Food-Unternehmen. Die Gesparal hielt 53,7 % der Aktien des Kosmetikunternehmens L’Oréal. 2004 wurde die Gesparal mit L’Oréal fusioniert, und Nestlé hält nun 20,11 % des Unternehmens. 1981 wurde Galderma als Joint Venture von Nestlé und L’Oréal gegründet.At a glance. In: galderma.com. Abgerufen am 13. August 2018. 2014 übernahm Nestlé den 50-%-Anteil von L’Oréal, Galderma ist seither Teil der neuen Sparte Nestlé Skin Health.Nestlé-Aktie: Akquisition von Galderma abgeschlossen – Vontobel rät weiter zum Kauf! In: aktiencheck.de. 9. Juli 2014. Die Marke Bübchen gehörte von 1983 bis 2019 zum Konzern.

1985 erfolgte die nächste Übernahme in der Nahrungsmittelindustrie – für drei Milliarden US-Dollar wurde der US-Konzern Carnation übernommen.

1986 wurde die eigenständig geführte Nestlé Nespresso S.A. gegründet.

1988 folgte die Übernahme des britischen Schokoladen- und Süsswarenkonzerns Rowntree Mackintosh sowie des italienischen Teig- und Süsswarenkonzerns Buitoni. Mit der Übernahme von Perrier und Sanpellegrino stieg Nestlé in den 1990er-Jahren in den Mineral- und Tafelwassermarkt ein.

2002 übernahm Nestlé den amerikanischen Tierfutterkonzern Ralston Purina für 10,3 Mrd. US-Dollar und integrierte ihn als Nestlé Purina PetCare in den Konzern.Christian Buchholz: Nestlé/Ralston Purina. Kraftvoll zugebissen. In: Manager Magazin. 31. März 2002. Nestlé wurde dadurch weltweit Marktführer im Bereich Tiernahrung für Hunde- und Katzenfutter. In Deutschland liegt Nestlé mit ca. 20 % Marktanteil jedoch noch hinter Mars (39 %) zurück. Ebenfalls 2002 wurde die Schöller-Holding (Schöller- und Mövenpick-Eis) von den bisherigen Gesellschaftern Südzucker AG und der Familie Schöller übernommen.. In: Rhein-Zeitung. 29. Juni 2001.. Südzucker, 19. Oktober 2001, abgerufen am 14. Mai 2023 (Pressemitteilung). Im selben Jahr veräusserte Nestlé das Maggi-Areal in Kemptthal, zusammen mit der Aromenproduktion, an Givaudan.

Im Juni 2002 gab Nestlé bekannt, in den USA seine Speiseeissparte mit dem grössten Speiseeishersteller der USA Dreyer’s zu fusionieren und 67 % an dem neuen, vergrösserten Unternehmen zu übernehmen.US-Fusion. Eiscreme-Giganten verschmelzen. In: Spiegel Online. 17. Juni 2002.Eiscreme-Markt USA. Nestle wird Nummer Eins. In: n-tv. 26. Juni 2003. 2006 übernahm Nestlé schliesslich Dreyer’s zu 100 % und wurde damit Weltmarktführer im Speiseeisgeschäft.Nestlé wird Glacé-Weltmarktführer. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. Januar 2006.

Ende 2004 übernahm die deutsche Nestlé 49 % der Wagner Tiefkühlprodukte GmbH, um sich auf dem deutschen Markt im Bereich der Tiefkühlpizzen gegen die Konkurrenten Dr. Oetker und die Freiberger-Gruppe zu positionieren. Anfang 2010 übernahm Nestlé bei Wagner mit 74 % schliesslich die Mehrheit.Nestle greift nach Wagner. In: Frankfurter Rundschau. 27. Januar 2009. Seit 2012 hält Nestlé alle Anteile am Unternehmen.Christian Litz: Nestlé will die ganze Pizza. Nachfolge Gründerfamilie von Wagner Pizza verkauft ihre Restanteile an den Konzern. In: Impulse. 29. November 2012.

150px|mini|Logo von Nestlé-Schöller

Zum 1. Januar 2007 verkaufte Nestlé Schöller die renditeschwache Produktion von Handelsmarken-Eis an den Standorten Nürnberg (geschlossen 2017) und Prenzlau (geschlossen 2023) an die Rosen Eiskrem GmbH.. Sweets Global Network, Oktober 2006.

Im September 2006 gab die Europäische Kommission ihr Einverständnis für ein zum Jahresende 2006 beginnendes Joint Venture von Nestlé (40 %) mit Lactalis (60 %) im Bereich Frischeprodukte unter dem Namen Lactalis Nestlé Produits Frais (LNPF). Das Kooperationsprojekt erstreckt sich auf (damals) acht EU-Staaten (Frankreich, Belgien, Luxemburg, Vereinigtes Königreich, Irland, Spanien, Italien, Portugal) sowie die Schweiz. Durch diese Aktion bleibt Nestlé auf dem ersten Platz in der weltweiten Milchindustrie vor Lactalis, Dean Foods (USA) und Danone (Frankreich).

Im April 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit wurde Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung nicht nur in den USA zur Nummer 1, dem hierfür grössten nationalen Markt, sondern auch weltweit.Nestlé. Milliardendeal mit Novartis. In: Manager Magazin. 12. April 2007.

Seinen 77-Prozent-Anteil am Augenpflegemittel-Hersteller Alcon verkaufte Nestlé in zwei Tranchen komplett an Novartis: 2008 wurden 24,8 % für 10,4 Milliarden Dollar veräussert, 2010 dann die restlichen 52 % für rund 28,3 Milliarden Dollar.Alcon Novartis steigt bei Nestlé-Tochter ein. In: derStandard.at. 11. Juni 2008.Novartis: Kauf des Alcon-Pakets abgeschlossen. In: Manager Magazin. 26. August 2010. Damit erlöste Nestlé für diese Beteiligungen insgesamt 38,7 Milliarden Dollar.Novartis und Nestlé schliessen Verkauf von Alcon-Aktien ab. In: Tages-Anzeiger. 26. August 2010.

Am 5. Januar 2010 gab Nestlé die Übernahme des Tiefkühlpizza-Geschäfts des US-Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods (seit 2012: Mondelēz International) für 3,7 Milliarden US-Dollar bekannt. Hierzu gehören unter anderem die Marken DiGiorno, Tombstone, California Pizza Kitchen, Jack’s und Delissio.Nestlé to acquire Kraft Foods frozen pizza business. Nestlé, 5. Januar 2010 (Medienmitteilung). Damit wurde Nestlé auch im Marktsegment Tiefkühlpizzen zum Weltmarktführer.Übernahme in Nordamerika. Nestlé schmiedet Tiefkühlpizza-Imperium. In: Spiegel Online. 5. Januar 2010. Im August 2010 erwarb Nestlé das britische Pharmaunternehmen Vitaflo, das sich auf Nahrungsergänzungsmittel für Menschen mit Stoffwechselerkrankungen spezialisiert hat.

Im April 2012 kaufte Nestlé die Babynahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer, um sein Engagement auf den schnell wachsenden Märkten für Babynahrung in Schwellen- und Entwicklungsländern weiter auszubauen.Milliarden-Deal. Nestlé kauft von Pfizer Geschäft mit Babynahrung. In: Spiegel Online. 23. April 2012.

Im Rahmen des Pferdefleischskandals 2013 wurde bei eigenen Kontrollen Spuren von Pferdefleisch in Produkten der Tochterfirma Buitoni nachgewiesen. Nestlé nahm die betroffenen Produkte daraufhin vom Markt.Lebensmittel-Skandal. Pferdefleisch in Nestlé-Pasta. In: Spiegel Online. 19. Februar 2013, abgerufen am 19. Februar 2013.

Am 19. Januar 2016 kündete das Unternehmen an, dass eine Partnerschaft mit dem Onlinehändler Alibaba eingegangen wurde. Der Konzern will damit deren E-Commerce-Aktivitäten ausweiten.

Ebenfalls im Jahr 2016 legte Nestlé seine europäischen Speiseeisaktivitäten mit der in Grossbritannien ansässigen R&R Ice Cream, einem Unternehmen im Besitz von PAI partners, im Joint Venture Froneri zusammen. Im Dezember 2019 verkaufte Nestlé sein US-Geschäft in der Speiseeissparte für vier Milliarden Dollar an Froneri. Das Speiseeisgeschäft von Nestlé USA erwirtschaftete mit Marken wie Häagen-Dazs, Drumstick und Outshine 2018 einen Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar.

Am 17. Januar 2018 wurde bekannt, dass Nestlé das US-Süsswarengeschäft (Umsatz ca. 740 Mio. Euro) für 2,3 Mrd. Euro an Ferrero abgibt.

Am 28. März 2018 gab Nestlé bekannt, sich von dem Wassergeschäft in Brasilien zu trennen. Die Marken «São Lourenço» und «Petrópolis», drei Werke sowie verschiedene Vertriebslizenzen würden von Indalá Minalba, einer Tochter der Grupo Edson Queiroz, übernommen. Damit trennt sich das Unternehmen auch von den Lizenzen für «Pureza Vital» und den Vertriebsrechten von Perrier, S.Pellegrino und Acqua Panna für Brasilien. Die Transaktion müsse von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden, heisst es weiter. Ein Kaufpreis wurde dabei nicht genannt.. In: finanzen.ch. 28. März 2018, abgerufen am 14. Mai 2023.

Am 7. Mai 2018 wurde die Zusammenarbeit mit Starbucks bekannt gegeben. Nestlé übernimmt weltweit die Rechte für die Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks für 7,15 Milliarden Dollar in bar.

Im Oktober 2019 veräusserte das Unternehmen seine Hautpflegesparte Nestlé Skin Health für 10,2 Milliarden Franken (damals 9,4 Milliarden Euro) an ein Konsortium um den Finanzinvestor EQT und die Abu Dhabi Investment Authority. Die Sparte, die im Schwerpunkt Sonnenschutz, Akne- und Antifaltenmittel, Hautkrebs- und Nagelpilzmedikamente produziert, bestand zum Grossteil um das Unternehmen Galderma, das 1981 in Lausanne als Gemeinschaftsunternehmen mit L’Oréal gegründet worden war.

2022 übernahm Nestlé etwa 85 Prozent der Anteile vom Gewürz-Start-up Ankerkraut und wurde damit Mehrheitsaktionär in dem Unternehmen. Die restlichen 15 Prozent der Anteile blieben im Besitz der Gründer.