mini|hochkant=1.4| Das Schloss Hubertusburg liegt in Wermsdorf, 11,8 km westsüdwestlich von Oschatz und 15 km Luftlinie nordöstlich von Grimma zwischen Leipzig und Dresden. Das ab 1721 errichtete Schloss war ein kurfürstlich-sächsisches Jagdschloss und fungierte außerdem als zeitweilige Nebenresidenz des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. (als August III. auch König von Polen).
Baubeschreibung
Überblick Das eigentliche Schloss steht inmitten eines Gebäudeensembles, das Ausdruck seiner wechselseitigen Nutzungsgeschichte ist. Das Schlossgebäude stellt ein Geviert dar, in dem sich ein rechteckiger Hof befindet. Die Hauptfront zeigt einen oval vortretenden Mittelrisalit mit fünf Achsen. Das dreigeschossige Geviert zeigt eine Fassadengliederung mit einem Lisenenrahmengestell. Der ovale Mittelrisalit nimmt im Obergeschoss den hohen Kleinen Hubertussaal auf. Darüber zeigt das gebogene Frontispiz das Reichsvikariatswappen von Friedrich August II. von Sachsen aus dem Jahr 1740 mit Doppeladler und sächsisch-polnischem Wappen im Schild. Über dem Mittelbau befindet sich ein vierseitiger Dachreiter mit hoher Laterne und Zwiebelhaube. Als Windfahne dient ein springender Hirsch. mini|links|Schlossgrundriss 1905 mini|Lageplan (1905) mit dem Schloss oben mittig Rechts des Mittelbaus befindet sich das Brühlsche Palais, heute katholisches Pfarramt. Im Mittelbau befindet sich ein ovales Vestibül, das an einen rechtwinkligen Raum grenzt, der die Treppe aufnimmt. Im Vestibül stehen Plastiken des Bildhauers Johann Christian Kirchner aus dem Jahr 1720, die Frühling, Sommer, Herbst und Winter darstellen.
Im Obergeschoss befindet sich im ovalen Mittelbau der Kleine Hubertussaal. Von seiner ursprünglichen Ausstattung ist das Mittelfeld mit dem in Stucco lustro ausgeführten schwebenden Kinderengeln mit Emblemen der Jagd, Kränze, Vögel und Wolken erhalten. Ebenso erhalten ist das originale Parkett. Im Erdgeschoss befindet sich die Schlosskapelle.
In der Westecke des Vorhofs ist eine Pferdeschwemme. Der mit dem Auto anreisende Besucher kommt aus Nordosten über das Oschatzer Tor, der Haupteingang liegt im Nordwesten in Form eines Torhauses, des Wermsdorfer Tors. Aus der ersten Bauperiode stammen die beiden H-förmigen Gebäude links und rechts vom Schlosshof mit ihren drei Achsen breiten Pavillons an den Ecken und in der Mitte. Die Rokokokartuschen über den Fenstern der Hauptgeschosse weisen in das erste Viertel des 18. Jahrhunderts.
Königlicher Marstall Die gegenüber der Hauptfassade des Schlosses viertelkreisförmig schwingenden Kavaliers- und Verwaltungstrakte stoßen an die seitlichen H-förmigen Trakte der Wirtschaftsanlagen und des einst international beachteten Marstalls mit 240 Ständen. In den Ställen leitete eine Rinne die Gülle im Mittelgang in ausgehöhlte Pfeiler des Untergeschosses in die Schleusen ab. Im rechten Langflügel war eine Reitschule mit Zuschauerlogen und im zweiten Obergeschoss ein Magazin für Kleidung, Decken und gebrauchte Waffen untergebracht.
Baugeschichte Entwicklung ab dem 17. Jahrhundert mini|hochkant|links|August der Starke zu Pferde um 1718 mini|Französische Parforcejagd um 1874 Der Wermsdorfer Forst, der damals Mutzschener Heyde genannt wurde, war schon seit Kurfürst Christian II. ein beliebtes Jagdrevier der Wettiner. Der Kurfürst hatte dort um 1610 anstelle eines angekauften Rittergutes das Jagdschloss Wermsdorf im Stil der Sächsischen Renaissance errichten lassen. Sein Nachfolger Johann Georg I. hatte dieses von 1617 bis 1626 erweitert. mini|hochkant|Bekehrung des Heiligen Hubertus 1463–1480, Meister von Werden (Schule des Meisters des Marienlebens) Zum Hubertusfest am 3. November 1721 gab Kurfürst August der Starke (damals auch König von Polen) bekannt, einen Neubau ausführen zu lassen, der seinem königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Rang entsprach. Das Schloss wurde nach Hubertus von Lüttich, dem Schutzpatron der Jäger, benannt.
Es verstand sich von selbst, dass der Bau im Stil des Dresdner Barock ausgeführt und hinreichend dimensioniert werden würde, um dort alljährlich die großen Hofjagden mit zahlreichem Gefolge (Parforcejagden) einschließlich opulenter Festlichkeiten abzuhalten. Das Alte Jagdschloss sollte künftig nur noch zur Unterbringung von Hofstaat und Bediensteten dienen. Er trug die Direction des Baues dem Obrist-Lieutnant Naumann auf. Damit wurde in nur drei Jahren Bauzeit ein barockes Jagdschloss geschaffen, das zu den größten in Europa zählte. In dieser Zeit ist der südliche Vorhof, der so genannte Deutsche Jägerhof mit dem Bäckertor, das nach Reckwitz führt, entstanden.
Erste Bauperiode unter Johann Christoph Naumann 1721–1732 mini|links|Schloss Hubertusburg, Zustand etwa 1724–1737 mini|links|Grundriss des Schlosses der ersten Bauperiode Die Arbeiten unter Johann Christoph von Naumann an dem Schloss begannen in Wermsdorf 1721. Vier Kompanien Soldaten hoben den Baugrund aus, und etwa 700 Handwerker waren beteiligt. Bereits 1724 war der Bau fertiggestellt. Neu angelegte Poststraßen führten zum Schloss über Stauchitz nach Meißen und Dresden und auf der anderen Seite über Wurzen nach Leipzig. Das erste Schloss war ein stattlicher Bau mit zwei den Ehrenhof umfassenden Flügeln. In der Achse befand sich ein Risalit mit abgeschrägten Ecken. Die äußere Architektur war schlicht. Wirkungsvoll war die Turmanlage über dem hohen Mansarddach des Mittelrisalits. Die Kapelle kam in der Fassade nicht zum Ausdruck. Das hatte seinen Grund, denn damit sollte die Unterordnung der neu entstehenden katholischen Kirche unter den Willen des sächsischen Kurfürsten demonstriert werden. Denn allein auf Grund seiner errungenen politischen Macht in Polen war die Rückkehr des katholischen Glaubens ins protestantische Kursachsen möglich geworden. Es war das geistige Erbe des alten staufischen Idealismus der körperlichen Einheit von Kirche und Staat, wie er in Wirklichkeit politisch nie vollzogen wurde. Von diesem Naumannschen Bau haben sich lediglich Teile der Umfassungsmauer und diese manifestierte Naumannsche Idee der architektonischen Unterordnung der Kirche unter dem Dach des Staates auch im Nachfolgebau erhalten.
Zweite Bauperiode unter Johann Christoph Knöffel 1733–1752 Der Umbau des dreiflügeligen Hauptgebäudes zur heute erlebbaren viertelkreisförmigen Rundflügelanlage zog sich in drei Etappen bis ins Jahr 1752 hin. Hierbei waren zu diesem Zeitpunkt große Teile der künstlerischen Kräfte der kursächsischen Residenz mit Ausstattung und Inneneinrichtung von Schloss Hubertusburg beschäftigt. Mit dem Bau der Viertelkreisflügel sollte der schlichte, einfache und ländliche Charakter der ersten Anlage architektonisch überwunden werden. Die Pläne dazu lieferte der Oberlandesbaumeister Johann Christoph Knöffel. Nach seinem Tod beendete sein Nachfolger Julius Heinrich Schwarze die Umbauarbeiten am Hauptpalais. Besonders prunkvoll wurden die Repräsentationsräume in der ersten Etage und der Westflügel mit dem großen Hubertussaal ausgestattet. Für die Stuck- und Marmorarbeiten der Innenräume war der italienische Künstler Pietro Luigi Bossi (1690–1747) aus Porto Ceresio zuständig. Eine elegante Treppenanlage mit Vorsaal für das spanische Hofzeremoniell führte zu diesem Saal hinauf. 1737 erfolgte der Bau des neuen Jägerhofes, bestehend aus zwei parallel laufenden Reihen zweistöckiger Wohngebäude, der den Namen Französischer Jägerhof erhielt. Darin untergebracht waren das Jagdpersonal, die Stallungen und Zwinger, Vorrats- und Sattelkammern, die Arbeitsräume des Jagdsattlers und -schneiders, dann die Schlafkammern der Hundeburschen und Reitknechte. Weiterhin befanden sich im Jägerhof die Unterkünfte des Jagdbäckers, des Rossarztes, des Wagenmeisters und des Jagdschmiedes. Nach der Fertigstellung des Französischen Jägerhofes wurde der Deutsche Jägerhof zum Küchenhof umgestaltet. Diese Veränderung der Königlichen Mund-Marschall-Tafel und Bey-Küche war durch die Vergrößerung des Hofstaates nötig geworden. Dazu wurde 1745 der Lust- und Küchengarten bis an den Weg, der Wermsdorf mit Mutzschen über den vorderen Horstseedamm verbindet, vergrößert. 1739 wurde der ganze östliche Flügel bis auf den Grund abgetragen. Der sächsische Premierminister Graf Heinrich von Brühl nahm eine Sonderstellung innerhalb des Hubertusburger Hofes ein und besaß ein eigenes Palais. 1740–1751 entstand die noch vollständig vorhandene Schlosskapelle im Rokoko-Stil.
Nutzungsgeschichte und Zäsuren Königlich-Sächsische Hof- und Jagdresidenz Der Wermsdorfer Forst wurde bereits 1556 durch Kurfürst August als sächsisches Hofjagdrevier erworben und vom 1610 errichteten Jagdschloss Wermsdorf aus bejagt. Er wurde damals als Mutzschener Heyde bezeichnet. 1699 führten Fürst Anton Egon von Fürstenberg und König August der Starke die französische Parforcejagd ein. Das zahlreiche Gefolge wurde teilweise im benachbarten Schloss Mutzschen untergebracht, nach der Fertigstellung des ersten Hubertusburger Schlossbaus 1724 auch im Wermsdorfer Schloss.
Die Parforcejagd war ungeheuer aufwendig, 250 Hunde der sächsisch-polnischen Hundemeute mussten täglich von Piqueuren geführt und abgerichtet werden. Parforcejagden waren zeremonielle Luxusjagden mit teils stundenlangen strapaziösen Jagdritten, die auch mit Wechsel der Pferde verbunden waren. Für das kleine Dorf Wermsdorf war die Verlegung des Hofes von Dresden nach Wermsdorf in den Wochen der Hofjagd stets ein großartiges Erlebnis. Neben den Jagdparaden und Ausfahrten der Hofgesellschaften waren es die prächtigen Suiten mit ihren Lakaien in gelb-blauen Uniformen und silberbetressten Dreispitzen, Hofzofen, Kammerdiener, Sekretäre, polnische Kammerjunker und das Gefolge von ausländischen Gästen, welches im Dorf untergebracht und bewirtet werden musste. Die Jagd- und Hofresidenz zog auch „liderliches Gefolg“ und Prostituierte an. Mit enormen Aufwand wurden die Vorbereitungen für Jagdparade, Frühstück und Mittagstafel im Freien betrieben, allein der große Jagdaufzug zum Hubertustag am 3. November ließ den Bediensteten und Helfern der Parforcejagdequipage keine Zeit, an den religiösen Festlichkeiten ihres Schutzpatrons teilzunehmen. Deshalb feierten die Jagdbediensteten immer ihr eigenes Hubertusfest erst, nachdem das Königspaar Ende November nach Dresden zurückgereist war. Graf Heinrich von Brühl war kein großer Jagdfanatiker, er war nur dann selbst bei den Jagden beteiligt, wenn es die Hofetikette unbedingt erforderte. Im März 1755 übernahm er als Chef- und Oberkommandant die Oberdirektion der Hubertusburger Parforcejagdequipage. Als Diplomat und Staatsmann verfügte er in Hubertusburg nicht nur über ein eigenes Palais, sondern über eine eigene Küche und entsprechend eigenes Personal. Er war für die Unterbringung und Versorgung der Gesandten und Diplomaten verantwortlich. Ab 1748 zeichnete sich durch eine massiv steigende Verschuldung die beginnende sächsische Staatskrise ab. Kurfürst Friedrich August II. wurde durch das geheime Kabinett, aber vor allem durch Brühl nicht über die verschärfte Finanzlage und die Veränderungen in der europäischen Politik aufgeklärt, was letztendlich auf die Konfrontation Kursachsens mit Preußen hinauslief und in der Katastrophe des Siebenjährigen Krieges enden sollte. 1755 wurde am 29. November 1755 mit der Rückkehr des Königspaares nach Dresden das letzte Hubertusfest im Schloss veranstaltet. mini|hochkant|Friedrich August II., Kurfürst von Sachsen und König von Polen
Plünderung im Siebenjährigen Krieg 1761