mini|Logo der Confederación Nacional del Trabajo mini|A las barricadas – Hymne der CNT mini|190px|rechts|Ein Lokal der CNT in Barcelona
Die Confederación Nacional del Trabajo (CNT) ist eine Konföderation anarchosyndikalistischer Gewerkschaften in Spanien. Sie war mit rund 2 Millionen Mitgliedern eine der wichtigsten Protagonistinnen des Widerstandes gegen den General Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg. Im Zuge dessen initiierte sie maßgeblich eine libertäre Revolution in den Regionen, in denen sie über eine entsprechende Mitgliederbasis verfügte. Nach dem Sieg Francos 1939 wurde die Organisation zerschlagen. Sie reorganisierte ihren Widerstand gegen den Franquismus im Untergrund und im Exil, letzteres vor allem in Frankreich. Nach dem Tode Francos formierte sie sich ab 1976 erneut, ohne allerdings an die vorherige Bedeutung anknüpfen zu können. 2010 hatte die CNT ca. 10.000 Mitglieder.Una nueva generación revitaliza el sindicato – CNT-AIT: un siglo de utopía rojinegra . In: Periodico Diagonal, 30. April 2010, abgerufen am 24. März 2018.
Geschichte Anfänge mini|Gründungskongress der CNT 1910. Die CNT wurde am 1. November 1910 in Barcelona gegründet. Es war der erfolgreiche Versuch, die anarchosyndikalistischen Einzelgewerkschaften auf nationaler Ebene zu föderieren und damit ein Gegengewicht zur sozialistischen Unión General de Trabajadores (UGT) zu bilden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie etwa 30.000 Mitglieder, und ihr Organisationsschwerpunkt lag in Katalonien. Eines der Gründungsmitglieder der CNT war Anselmo Lorenzo. Auf dem ersten Kongress im Jahre 1911 wurde ein Generalstreik ausgerufen, der zum Verbot der CNT bis 1914 führte. Nach der Aufhebung des Verbotes bildete sie eine Aktionseinheit mit der UGT. 1917 riefen beide Gewerkschaften gemeinsam zu einem Generalstreik auf.
Ein Rückgang der Nachfrage mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 bewirkte eine Krise in der katalanischen Industrie und eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, was einen Aufschwung der CNT zur Folge hatte. Die Delegierten des Kongresses, der im Dezember 1919 in Madrid stattfand, vertraten 705.512 Arbeiter, davon alleine 424.578 aus Katalonien, dem industriellen Zentrum Spaniens. Bereits im Frühjahr 1919 mündete ein Streik in einem Energieversorgungsunternehmen in Barcelona, der umgangssprachlich huelga de La Canadiense genannt wurde, in einen Generalstreik, der 70 % der industriellen Produktion in Katalonien zum Erliegen brachte und der Züge einer sozialen Revolution annahm. Im Zuge dieses Konflikts konnte u. a. der Achtstundentag in Spanien durchgesetzt werden. Die Unternehmerverbände reagierten darauf mit der Bildung von Pistolero-Gruppen, die Attentate auf Gewerkschafter und Arbeiter verübten. Zahlreiche Führungspersönlichkeiten der CNT wurden in den folgenden Jahren von Pistoleros ermordet, so zum Beispiel am 10. März 1923 der Generalsekretär der Regionalföderation von Katalonien Salvador Seguí. Die anarchistische Bewegung begegnete dem u. a. mit der Gründung von bewaffneten grupos de afinidad (Affinitätsgruppen) die ihrerseits Mitglieder der politischen Klasse Spaniens ermordeten. Der Zeitraum zwischen 1919 und 1923 wird vor diesem Hintergrund als die bleierenden Jahre bezeichnet. mini|Gedenktafel für den CNT-Sekretär Salvador Seguí am Tatort in El Raval. Inschrift: "Verteidiger der Arbeiterklasse. Ermordet am 10. März 1923."
Auf dem CNT-Kongress 1919 wurde eine provisorische Mitgliedschaft in der Dritten Internationalen befürwortet, denn es gab in der Organisation zu diesem Zeitpunkt große Sympathien für die Oktoberrevolution, die sich in der Bildung einer eigenen Strömung, der "Kommunisten-Syndikalisten" ausdrückte.Arturo Zoffmann Rodriguez: "Marxistisch und proudhonistisch zugleich": Die Kommunisten-Syndikalisten der Spanischen CNT 1917-1924, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft 2017/III, S. 74–96. Zu dieser Strömung zählte u. a. Andreu Nin. Nach dem Besuch des CNT-Delegierten Ángel Pestaña in der Sowjetunion und auf seinen Rat hin, trat die CNT 1922 jedoch wieder aus der Dritten Internationale aus. Die CNT nahm im gleichen Jahr am Gründungskongress der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) in Berlin teil.
Diktatur Primo de Rivera Die 1923 durch einen Militärputsch an die Macht gelangte Regierung des Generals Miguel Primo de Rivera wählte eine Strategie der Spaltung gegenüber den beiden großen spanischen Gewerkschaftsdachverbänden. Während sie die UGT gemeinsam mit den Unternehmerverbänden in sozialpartnerschaftliche Institutionen (Comités Paritarios) einband, verfolgte sie gegenüber der CNT eine Linie der Repression. Die Mandatsträger des Nationalkomitee wurden mehrfach verhaftet und die landesweite Struktur dadurch in die Illegalität gedrängt. 1924 wurde auch die Lokalföderation der CNT in Barcelona und ihre Zeitung Solidaridad Obrera verboten.
Die anhaltenden Repressionen beeinträchtigten erheblich die Diskussion und demokratische Willensbildung der Basismitglieder über verschiedene Taktiken und ideologische Vorstellungen. In diesem Kontext kam es innerhalb der Organisation zu immer deutlicheren Spannungen zwischen den herausragenden Verfechtern eines gewaltsamen Widerstandes im Untergrund und denen, die dafür plädierten, eine offene gewerkschaftliche Praxis unter den Bedingungen dieser „sanften“ Diktatur zu etablieren. Zwischen diesen syndikalistischen Anarchisten gab es wiederum Uneinigkeit über die Frage, welche Kompromisse man eingehen müsse. So plädierte Ángel Pestaña für eine Teilnahme der CNT an den Wahlen zu den Comités Paritarios, um dadurch eine Legalisierung der gewerkschaftlichen Arbeit zu erreichen. Eine Mehrheitsfraktion um den Generalsekretär des Nationalkomitee Juan Peiró lehnte dies als Abkehr von den apolitischen Prinzipien des spanischen Syndikalismus ab.
1927 schlossen sich grupos de afinidad der reinen Anarchisten zusammen und gründeten die Federación Anarquista Ibérica (FAI). Sie wollten verhindern, dass die CNT sich von den anarchistischen Prinzipien entfernt und auf einen moderateren Kurs einschwenkt. Der Taktik der trabazón (Verbindung) folgend, die u. a. von Diego Abad de Santillán vertreten wurde, organisierte sich die FAI parallel zu den Strukturen der CNT auf allen Ebenen und versuchte deren Politik über Aktionskomitees, die jeweils aus Mitgliedern beider Organisationen bestanden, zu beeinflussen.Bernecker: Anarchismus und Bürgerkrieg, Nettersheim 2006, S. 22. ISBN 3-939045-03-9.
Zweite Spanische Republik mini|hochkant=1.7|Die Mitgliederzahl der CNT zwischen 1911 und 1937. Nach dem Sturz der Diktatur positionierte sich die CNT zunächst wohlwollend passiv gegenüber der Zweiten Spanischen Republik. Dies änderte sich, als die neue Mitte-links Regierung versuchte, per Dekret korporativistische Institutionen zu etablieren, wie sie bereits während der Militärdiktatur existierten. Die Zeit von 1931 bis 1933 war geprägt durch zahlreiche Branchenstreiks und einige Generalstreiks. Im Januar 1932 und im Januar und Dezember 1933 kam es in verschiedenen Regionen zu Aufständen, die von der Regierung rasch und mitunter brutal niedergeschlagen wurden, so etwa am 10. Januar 1933 in dem andalusischen Dorf Casas Viejas, wo 22 Dorfbewohner nach einem anarchistischen Aufstandsversuch durch die Guardia de Asalto getötet wurden.
Die CNT erreichte in den frühen 30er Jahren neben Katalonien auch in Aragonien und Andalusien eine herausragende Position innerhalb der Arbeiterbewegung. Innerhalb der Gewerkschaft spitzten sich jedoch die Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern eines reinen und denen eines syndikalistischen Anarchismus zu. Nach der Veröffentlichung des Manifests der Dreißig 1931, in dem die syndikalistische Fraktion sowohl die Regierung als auch die aufständische Strategie der reinen Anarchisten kritisierte, eskalierten diese Konflikte. Die der FAI nahe stehende Fraktion setzte sich schließlich durch und es kam zu Ausschlüssen und zu Austritten der sogenannten Treintistas aus der CNT. Diese Oppositionssyndikate gründeten 1934 die Federación Sindicalista Libertaria (FSL).
In den schwarzen Jahren 1934 und 1935, nach dem Wahlsieg der rechtsgerichteten Parteien, änderte die UGT ihre Politik radikal und strebte nun ebenfalls eine soziale Revolution an. In diesem Zusammenhang propagierte sie eine Einheitsfront gegen den Faschismus in Spanien. Das Angebot zur Zusammenarbeit wurde durch die meisten Regionalföderationen der CNT ausgeschlagen, da man sich für stark genug hielt, eine libertäre Revolution ohne die Sozialisten durchzuführen. Nur in Asturien kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit, die im Oktober 1934 in der Kommune von Asturien mündete. Der Aufstand wurde schließlich durch das Militär niedergeschlagen, rund 1500 Aufständische starben, 30.000 Personen wurden in ganz Spanien inhaftiert.
Für den Wahlsieg des rechten Bündnisses 1933 wurde allgemein die CNT verantwortlich gemacht, da sie dazu aufgerufen hatte, die Wahlen zu boykottieren. Nachdem die Regierung von Alejandro Lerroux auseinandergefallen war, änderte sie ihre Position in Bezug auf die Wahlen im Februar 1936. Es gelang aber nicht, sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen. Neben den überzeugten Nichtwählern waren andere der Meinung, es sei der individuellen Entscheidung der Mitglieder zu überlassen, ob sie wählen oder nicht, während wiederum andere offen für die Volksfront warben. Die Volksfront versprach bei einem Wahlsieg u. a. eine Amnestie für die politischen Gefangenen. Sie gewann die Wahlen von 1936 schließlich knapp. Die Zeit nach dem Wahlsieg der Volksfront war geprägt durch intensive Kämpfe zwischen linken und rechten Kräften, wobei die unterlegene Rechte offen einen Militärputsch plante.
Auf dem Kongress der CNT, der zwischen dem 1. und 15. Mai 1936 in Saragossa stattfand, beschloss die Organisation ein u. a. von Federica Montseny vorgeschlagenes anarchokommunistisches Rahmenprogramm, in dem den Freien Kommunen die Rolle des politischen Fundaments nach einer libertären Revolution zugesprochen wurde. Auf diesem Kongress wurde gleichzeitig ein u. a. von Diego Abad de Santillán eingebrachter anarchokollektivistischer Alternativvorschlag abgelehnt, der das Fundament der angestrebten libertären Gesellschaft in den Betrieben identifizierte. Die Syndikate der FSL schlossen sich mit diesem Kongress erneut der CNT an. Im Zuge dessen kam es zu einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit der insurrektionalistischen Taktik der vorherigen Jahre. Der Kongress beschloss im Ergebnis, die gewerkschaftlichen Kräfte zukünftig vermehrt auf konkrete Forderungen nach einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu fokussieren. Auf diesem Kongress vertraten die Delegierten 548.693 CNT-Mitglieder. Die stärksten Regionalföderationen waren Andalusien (150.210) und Katalonien (178.085).
Die libertären Bewegung Spaniens bestand im Sommer 1936 aus CNT, FAI, der Frauenorganisation Mujeres Libres und der Jugendorganisation Federación Ibérica de Juventudes Libertarias (FIJL).
Revolution und Bürgerkrieg mini|Plakat der kollektivierten Textilindustrie (1937) Nachdem sich das Militär am 17. Juli 1936 gegen die Republik erhoben hatte, rief die CNT am 18. Juli zu einem landesweiten Generalstreik auf, der in eine soziale Revolution überging. Nach blutigen Auseinandersetzungen wurden die aufständischen Militärs am 19. Juli in Barcelona durch organisierte Arbeitergruppen und republiktreuen Einheiten der Guardia de Asalto und der Guardia Civil besiegt. Am folgenden Tag endeten die Kämpfe in Madrid mit dem gleichen Ergebnis. Der Militärputsch war ebenso wenig in Valencia erfolgreich. In anderen Landesteilen obsiegte jedoch das Militär. Die Strukturen der CNT und anderer antifaschistischer Organisationen wurden in diesen Regionen unmittelbar zerschlagen, die aktiven Mitglieder der antifaschistischen Organisationen zu Tausenden hingerichtet.