Bursa (von ), früher Prusa, ist mit 3,2 Millionen Einwohnern (Zahl für die gesamte Provinz; Stand: 2024) die viertgrößte Stadt der Türkei und Hauptstadt der Provinz Bursa in der Westtürkei.

Geografie Bursa liegt 90 Kilometer südlich von Istanbul zu Füßen des Uludağ-Gebirges, das früher den Namen Mysischer oder Bithynischer Olymp trug. Ringsum ist eine sehr grüne Landschaft mit einigen heilkräftigen Schwefelquellen. Die Küste des Marmarameeres ist mit der Bucht von Gemlik 20 km und mit dem Ort Mudanya 32 km entfernt.

Bevölkerung Ergebnisse von Volkszählungen und Bevölkerungsfortschreibung Nachfolgende Tabellen geben den dokumentierten Einwohnerstand der Stadt Bursa wieder. Die Werte der linken Tabelle basieren auf E-Books (der OriginaldokumenteBücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK, abrufbar nach Suchdateneingabe). Die Werte der rechten Tabelle entstammen der Fortschreibung durch das 2007 eingeführte adressierbare Einwohnerregister (ADNKS). Sie sind abrufbar durch eine Datenabfrage beim Statistikinstitut der TürkeiMerkezi Dağıtım Sistemi – MDS (Central Dissemination System), abrufbar nach Auswahl des Jahres, des Themas und der Region.

Jahr Bevölkerung am Zensustag Gesamt männlich weiblich 192761.45130.50830.943 193572.27035.38936.881 194077.59836.96840.630 194585.91942.97242.992 1950103.812 keine Angaben ! 1955128.87564.79564.080 1960153.86677.95675.910 1965211.644107.554104.090 1970275.953140.439135.514 1975346.103179.328166.775 1980445.113226.818218.295 1985612.510311.396301.114 1990983.991498.638485.353 20001.400.158701.856698.302 Jahr Bevölkerung am Jahresende Gesamt männlich weiblich 20071.710.227855.487854.740 20081.738.928869.837869.091 20091.775.921887.566888.355 20101.821.913909.408912.505 20111.862.093931.350930.743 20121.895.323948.632946.691 20131.938.521971.006967.515 20141.975.516989.204986.312 20152.019.5731.012.2381.007.335 20162.066.4211.036.9481.029.473 20172.091.3311.047.8541.043.477 20182.130.0321.066.6271.063.405

Nachdem die Provinz Bursa im Jahre 1987 durch das Gesetz Nr. 3391 (erlassen am 18. Juni 1987) den Status einer Großstadtgemeinde erhielt, wurde die eigentliche Kernstadt in sieben Stadtbezirke aufgeteilt. Die dargestellten Werte ab dem Jahr 1990 wurden durch Addition dieser sieben Stadtbezirke ermittelt.

Geschichte mini|Stadtansicht Bursas vom Bithynischen Olymp, Ende des 18. Jahrhunderts mini|Bursa Ende des 19. Jahrhunderts mini|Burg von Bursa

Der erste bekannte Siedlungsplatz nahe Bursas aktueller Lage befand sich ca. 5200 v. Chr. bei Ilıpınar Höyüğü. Ihm folgte die antike griechische Stadt Kios ( , heute Gemlik), welche König Philipp V. von Makedonien dem König Prusias I. Cholos von Bithynien 202 v. Chr. überließ. Dieser baute die Stadt 188/7 v. Chr. mit Beratung durch Hannibal von Karthago um, der bei ihm nach der Niederlage im Römisch-Syrischen Krieg Asyl bekommen hatte, und benannte sie zu Prusa ( ; ) um. (Übersetzung ins Englische von Howard Leonard Jones) Nach 128 Jahren unter bithynischer Herrschaft vererbte 74 v. Chr. der letzte König Bithyniens, Nikomedes IV. Philopator, sein Königreich der Römischen Republik, welches zur römischen Provinz Bithynia wurde.

Ein bedeutender früher römischer Fund, der so genannte Silberschatz von Bursa, befindet sich heute im British Museum. 257/8 n. Chr. wurde die Stadt von den Goten geplündert, um diese Zeit erhielt sie eine Stadtmauer. Als Bistum ist Prusa seit 325 n. Chr. belegt. 350 war Prusa Verbannungsort des Vetranio. In byzantinischer Zeit war Prusa für seine Basilika Therma genannten Thermalbäder im heutigen Vorort Çekirge bekannt, mehrfach hielten sich Kaiser dort auf.

In der Entstehungsphase des Osmanischen Reiches war Bursa die erste Stadt, die die Osmanen einnehmen konnten, und zwar am 6. April 1326Ottoman Web Site: Orhan Gazi, Military Achievements (englisch), abgefragt am 5. April 2011 unter Orhan I., dem Sohn von Sultan Osman I. (vgl. die Belagerung von Bursa). Bursa war dann von 1326 bis 1368 die erste Hauptstadt des Osmanischen Reiches. 1402 wurde Bursa von den Mongolen unter Timur verwüstet, ihnen fiel ein Großteil des osmanischen Staatsschatzes in die Hände. Eine neue Blüte erlebte die Stadt unter der Regierung von Mehmed I. (1413 bis 1421). Ein großer Brand 1801 und ein Erdbeben 1855 beschädigten Teile der Stadt. Nach dem Ersten Weltkrieg war Bursa kurze Zeit von Frankreich besetzt. Im Sommer 1920 eroberte Griechenland für etwa zwei Jahre Bursa. Nach der Niederlage der Griechen im Griechisch-Türkischen Krieg 1922 fiel die Stadt an die Türkei. Der darauf folgende türkisch-griechische Bevölkerungsaustausch nach dem Vertrag von Lausanne im Jahr 1923 traf die Stadt wirtschaftlich schwer.

In der Folgezeit wurde Bursa zu einem der wichtigsten industriellen Zentren der Türkei und ist heute die viertgrößte Stadt des Landes.

Sehenswürdigkeiten mini|Große Moschee in Bursa (Ulu cami) mini|Seidenbasar (Koza Han)

Besondere Sehenswürdigkeiten sind das Grabmal von Sultan Mehmed I., die Grüne Türbe (Yeşil Türbe), sowie die zwischen 1380 und 1420 errichteten Moscheen, die Große Moschee (Ulu Cami), Grüne Moschee, Hüdavendigar- und Orhan-Gazi-Moschee. Die sephardische Mayor-Synagoge stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts und wurde bis 1975 genutzt.

Sehenswert sind auch die Grabmale der ersten osmanischen Sultane, Osman I. und Orhan I., sowie der Basar, hier vor allem der Seidenbasar Koza Han im Marktviertel von Bursa.

Der 2542 Meter hohe Hausberg Uludağ im Uludağ-Nationalpark ist das bedeutendste Wintersportzentrum der Türkei. Die Auffahrt mit Bus oder PKW dauert etwa eine Stunde. Unweit des Yeşil Türbe befand sich die am 29. Oktober 1963 als erste Seilbahn in der Türkei eröffnete, 4817 m lange Teleferik (türkisch für Seilbahn), die die Fahrtzeit auf den Uludağ auf etwa 20 Minuten verkürzte. Ihr Betrieb wurde am 1. November 2012 eingestelltUlaşım Türkiye (türkisch), abgefragt am 1. November 2012. Geplant ist, dass eine neue Seilbahn eingerichtet wird (türkisch), Originalseite ursprünglich abgefragt am 1. November 2012.

Bekannt ist Bursa auch für die heißen Thermalquellen im Stadtteil Çekirge. Zu den ersten bekannten Besuchern der Thermalquellen zählt die byzantinische Kaiserin Theodora.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind das archäologische Museum Bursa Arkeoloji Müzesi das Panorama 1326, wo die erfolgreiche Belagerung von Bursa durch die Osmanen und der Abzug seiner byzantinischen Bewohner großformatig dargestellt wird das Dorf Cumalıkızık, in dem es noch osmanische Häuser gibt. Dort befindet sich auch ein ethnographisches Museum (Cumalıkızık Etnografya Müzesi). ein traditionelles Karagöz-Schattenspiel-Theater im Stadtteil Çekirge. das Museum für traditionelle osmanische Kleidung und Schmuck Uluumay Osmanlı Halk Kıyafetleri ve Takıları Müzesi das Automobilmuseum Bursa Tofaş Anadolu Arabaları Müzesi Karagöz ve Hacivat, Yüzen Taşlar Heykeli (Schwimmende-Steine-Skulptur) des Künstlers Christian Tobin auf dem Altıparmak Meydanı am Bursa Atatürk Stadı die Steinbogenbrücke Abdal Köprüsü die gotisch-neoklassizistische Französische Kirche

2014 wurden Bursa und Cumalıkızık als Geburtsstätten des Osmanischen Reiches in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.UNESCO-Liste des Weltkulturerbe

Küche In Bursa wurde der Iskender Kebap erfunden, die Familie des Erfinders İskender (türkisch für Alexander) führt heute mehrere Lokale in Bursa und Umgebung. Von hier stammen außerdem die kandierten Kastanien (Kestane şekeri).

Mehrere Mineralwasserproduzenten haben ihren Sitz in Bursa. Bursa ist auch der traditionelle Stammsitz der Firma Uludağ, die die gleichnamige Limonade produziert. Dieses Gazoz genannte Getränk wurde bis in die 1980er Jahre nur aus dem Quellwasser des Uludağ hergestellt.

Industrie mini|320x320px|Hüdavendigar Park Bursas wichtigste Industriezweige sind die Automobilfertigung, die Stahl- und Textilindustrie und der Obstanbau (, das grüne Bursa). In der Nähe befindet sich ein Erdgaskraftwerk.

Automobilindustrie Grammer (Fahrzeugsitzherstellung) Renault MAİS Citroën (Fahrzeugherstellung) Robert Bosch GmbH (Fahrzeugteileherstellung) Tofaş-Fiat (Türk otomobil fabrikası AŞ) SMR Plast Met Bursa, part of Motherson Group (Fahrzeugteilehersteller)

Maschinenbau (Blechbearbeitungsmaschinen) Durma Ermaksan Baykal

Textilindustrie Frotteeartikel Seidenartikel

Stahlindustrie Profilstahl Messer

Verkehr mini|Tram der Linie T3 der Stadt Bursa Aufgrund seiner geographischen Lage ist Bursa sehr gut an das türkische Straßennetz angebunden. Durch und um die Stadt verlaufen die Europastraße 90 sowie die Autobahn O-5, welche eine (Halb-)Ringautobahn um die Stadt darstellt. Die Stadt ist aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung durch eine 4-spurige Schnellstraße mit dem Marmarameer verbunden. Autobahnstrecken nach Izmir und Istanbul sind 2012 teilweise schon in Bau.Bursa Otobanı (Çevre Otoyolu) (türkisch), abgefragt am 31. März 2012

Fähren verbinden die Vorstadt Mudanya am Marmarameer mit Istanbul. Diese werden von den Gesellschaften IDO (İstanbul Deniz Otobüsleri AŞ) und Budo (Bursa Deniz Otobüsleri) betrieben.

Bursa besitzt (wie einige Großstädte in der Türkei) keine Anbindung an das staatliche Eisenbahnnetz. Eine Anbindung an die Hochgeschwindigkeitsstrecke Ankara–Istanbul soll in den kommenden Jahren realisiert werden.

Dagegen besitzt die Stadt ein (im Vergleich mit anderen türkischen Großstädten) sehr gutes innerstädtisches Schienennetz, bestehend aus der U-Bahn Bursaray sowie der Straßenbahn Bursa.

Bildungs- und Forschungseinrichtungen Bursa ist Sitz der 1975 gegründeten staatlichen Bursa Uludağ Üniversitesi und der 2010 gegründeten Technischen Universität Bursa.

Städtepartnerschaften mini|hochkant|Ein Nachbau der Sebilj erinnert an die Städtepartnerschaft mit Sarajevo Bursa unterhält 20 Gemeindepartnerschaften. Winnyzja war die letzte Stadt, mit der Bursa eine Städtepartnerschaft eingegangen ist. Das Gründungsdatum der Partnerschaft steht in Klammern. Die Städtepartnerschaften mit Darmstadt und Kulmbach wurden am 24. Februar 2017 von Bursa ausgesetzt.

25px Darmstadt, Deutschland (7. Juli 1971) 25px Sarajevo, Bosnien und Herzegowina (30. Juni 1972) 25px Multan, Pakistan (24. Februar 1975) 25px Oulu, Finnland (7. Juli 1979) 25px Tiffin, Ohio, Vereinigte Staaten (Mai 1983) 25px Kairouan, Tunesien (26. Dezember 1987) 25px Denizli, Türkei (4. Februar 1988) 25px Nikosia, Nordzypern (17. Dezember 1990) 25px Anshan, Volksrepublik China (8. November 1991) 25px Bitola, Nordmazedonien (3. November 1996) 25px Herzlia, Israel (15. August 1997) 25px Ceadîr-Lunga, Moldau (23. September 1997) 25px Qysylorda, Kasachstan (4. Oktober 1997) 25px Muaskar, Algerien (25. Mai 1998) 25px Kulmbach, Deutschland (29. Oktober 1998) 25px Plewen, Bulgarien (30. Oktober 1998) 25px Plowdiw, Bulgarien (3. Dezember 1998) 25px Tirana, Albanien (15. Dezember 1998) 25px Košice, Slowakei (29. März 2000) 25px Winnyzja, Ukraine (8. März 2004)

Persönlichkeiten

Klimatabelle

Bilder von Bursa

Literatur Thomas Corsten: Die Inschriften von Prusa ad Olympum. 2 Bände (= Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien. Band 39/40). Rudolf Habelt, Bonn 1991–1993, ISBN 3-7749-2516-X (Band 1) und ISBN 3-7749-2529-1 (Band 2). Theodor Däubler: Brussa. In: Reclams Universum 44.2 (1928), S. 931–934. Reinhard Stewig: Bursa, Nordwestanatolien. Strukturwandel einer orientalischen Stadt unter dem Einfluß der Industrialisierung. Selbstverlag des Geographischen Instituts der Universität Kiel, Kiel 1970. Halil Sahillioğlu: Slaves in the Social and Economic Life of Bursa in the late 15th and early 16th Centuries, in: Turcica, XVII (1985) 43–112.

Weblinks

Kommunalverwaltung (türkisch) Stadtverwaltung (türkisch)

Einzelnachweise

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