alternativtext=Jeffrey Herf spricht auf einer Konferenz|mini|Jeffrey Herf bei einer Konferenz (2025) Jeffrey Charles Herf (* 24. April 1947) ist ein US-amerikanischer Historiker und emeritierter Professor an der Universität Maryland. Seine Forschung und Publikationen befassen sich mit europäischer Geschichte, speziell der deutschen im 20. Jahrhundert, mit Antizionismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart. Leben Jeffrey Herfs Vater emigrierte 1937 aus Deutschland und gehörte dem Reformjudentum an. Jeffrey Herf graduierte zum B. A. 1969 an der University of Wisconsin-Madison und erhielt den Ph. D. in Soziologie im Jahr 1980 auf der Brandeis University in Massachusetts.
Bevor er Professor an der Universität Maryland wurde, lehrte er an der Ohio University in Athens, Ohio. Er hat Aufsätze für Die Zeit, The New Republic und Partisan Review verfasst. Herf war Fellow an der Harvard University, der University of Chicago, dem Institute for Advanced Study in Princeton, am Deutschen Historischen Institut Washington, am Jitzchak Rabin Zentrum für Israel Studies in Tel Aviv sowie am Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington, DC. Im Herbst 2007 war Jeffrey Herf Ehrenmitglied an der American Academy in Berlin.
Jeffrey Herf ist mit der Historikerin Sonya Michel verheiratet.
Werk Herf führte den Begriff „reaktionärer Modernismus“ (Reactionary Modernism, 1984) ein. Er beschrieb damit die zwei Seiten der deutschen Kulturszene in der Weimarer Republik, die rückwärtsgerichtete nationale Romantik und die Öffnung auf moderne Ausdrucksmittel, was in der NS-Kultur weitergeführt worden sei. Ähnliches meinte der zeitgenössische Begriff Konservative Revolution.
Sein Buch von 1991 zur Nachrüstungsdebatte in den 1980ern vertritt die Auffassung, die Sowjetunion habe einen aggressiven Willen zur Verschiebung der Machtverhältnisse gezeigt. Die westdeutsche Linke habe nicht nach deren Absichten gefragt und den antitotalitären Konsens verlassen, während die CDU unter Helmut Kohl zu den Intellektuellen zurückgefunden habe, die westliche Werte verteidigten. Dies zeigt er u. a. an dem Streit im Jahr 1983 zwischen Joschka Fischer und Heiner Geißler über die Verantwortung des Pazifismus der 1930er Jahre für die erfolgreiche NS-Außenpolitik auf. (Vgl. auch den deutschsprachigen Aufsatz 1992).
Sein Werk Zweierlei Erinnerung. Die NS-Vergangenheit im geteilten Deutschland (1997) zeigt vor allem den Antisemitismus in der frühen DDR am Fall Paul Merker auf.Dt. Fassung mit Literaturliste; in der engl. Fassung Literatur nur in den Anm. – Dt. Fassung ohne die s/w Archiv-Fotos der engl. Ausgabe. Es gewann den Ernst-Fraenkel-Preis der Wiener Library in London und den George-Lewis-Beer-Preis der American Historical Association.
In seinem Buch Nazi Propaganda for the Arab World untersucht Herf die Schriften Said Qutbs aus den späten 1940er und 1950er Jahren, eines ägyptischen Theologen, der heute als al-Qaidas geistiger Ahne gilt. Herf analysierte sie als Bindeglied zwischen der Nazi-Kriegspropaganda von Mohammed Amin al-Husseini und dem islamistischen Antisemitismus der Gegenwart.
In einem Interview mit Karl Pfeifer berichtete Herf im Juli 2010 über eine Konferenz „Arabische Antworten auf Faschismus und Nationalsozialismus“ in Tel Aviv im Mai 2010. Darin äußerte er die Auffassung, dass manche Wissenschaftler einen islamistischen Antisemitismus seit den 1920er-Jahren nicht untersucht hatten und daher auch nicht erkennen wollten. „Den Historikern, die noch von Edward Said und der Dritten Welt fasziniert sind, fällt es schwer, sich vorzustellen, wie Robert Wistrich unlängst dargelegt hat, dass sich der Schwerpunkt des globalen Antisemitismus von Europa in die arabische Welt und den Iran verlagert hat.“ […] „Wie Bernard Lewis feststellte, wurden Juden so lange toleriert, wie sie ihren zweitklassigen dhimmi-Status akzeptierten. Die Existenz einer jüdischen Souveränität in der Form des Staates Israel war deswegen für einige Muslime, die glaubten, der angemessene Status für Juden sei der von Untergebenen, eine unerträgliche Beleidigung.“Jeffrey Herf im Gespräch über islamistische Formen des Antisemitismus. Von Karl Pfeifer. In: Jungle World, Nr. 28, 15. Juli 2010.
Schriften (Auswahl) Monographien
War By Other Means. Soviet Power, West German Resistance and the Battle of the Euromissiles. The Free Press, New York 1991.
Zweierlei Erinnerung. Die NS-Vergangenheit im geteilten Deutschland. Propyläen, Berlin 1998, ISBN 3-549-05698-2. (Tagung 2003, Erstpublikation 2007).
Rezension
Rezension
Undeclared Wars with Israel. East Germany and the West German Far Left, 1967–1989. Cambridge UP 2016, ISBN 978-1-107-46162-8.
Rezension: Israel's Moment. International Support for and Opposition to Establishing the Jewish State, 1945–1949, Cambridge University Press 2022, ISBN 978-1-316-51796-3. Three Faces of Antisemitism: Right, Left and Islamist. Routledge, London 2023, ISBN 978-1-03-258301-3. Drei Gesichter des Antisemitismus. rechts, links und islamistisch, Hentrich & Hentrich, Leipzig 2024, ISBN 978-3-95565-666-9.
Aufsätze und Buchbeiträge
What is old an what is new in the terrorism of islamic fundamentalism? In: Partisan Review, Jg. 69, H. 1, 2002. „Der Krieg und die Juden.“ Nationalsozialistische Propaganda im Zweiten Weltkrieg. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt, Jörg Echternkamp (Hrsg.): Die deutsche Kriegsgesellschaft 1939 bis 1945. Ausbeutung, Deutungen, Ausgrenzung (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 9/2). Deutsche Verlagsanstalt, München 2005. ISBN 3-421-06528-4, S. 159–202.
Weblinks
Jeffrey Herf am Department of History, University of Maryland
Einzelnachweise
Kategorie:Zeithistoriker Kategorie:Antisemitismusforscher Kategorie:NS-Forscher Kategorie:Medienhistoriker Kategorie:Hochschullehrer (Ohio University, Athens) Kategorie:Hochschullehrer (College Park, Maryland) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1947 Kategorie:Mann