mini|1589: Ausschnitt vom Kupferstich von Frans HogenbergOben/Mitte: Domshof mit DomUnten/Links: Marktplatz mit Rathausüber dem Markt: Liebfrauenkircherechts: Domsheide Der Domshof ist ein Platz in Bremen, nördlich des Doms und ostnordöstlich des Bremer Marktplatzes gelegen. Der Domshof wird für einen Wochenmarkt sowie für größere Freiluftveranstaltungen genutzt, beispielsweise die Kundgebungen am 1. Mai. Seit 2025 steht er als Einzeldenkmal im Ensemble „Platzanlage Domshof“ unter Denkmalschutz.

Von ihm gehen ab der Schüsselkorb, die Violenstraße, Seemannstraße, Sandstraße, Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof und der Grasmarkt, heute offiziell Teil der Straße Am Dom. Anliegerbauten sind u. a. der Dom, das Bremer Rathaus, die Bremer Landesbank, die Deutsche Bank am Domshof, die SEB Bank (früher BfG), die Schifffahrtsbank und die Bremer Bank.

Die Gestaltung des Domshofs ist relativ einheitlich geprägt durch die Materialien Sandstein (u. a. Bremer Bank) und dunklen Backstein oder Klinker (u. a. Rathaus, Bürgerschaft, Landesbank). Der rötliche Maintal-Sandstein der Deutschen Bank und der weiße Putzbau (Nr. 11) differenzieren das äußere Bild.

Geschichte

Mittelalter und Reformationszeit mini|Bremenansicht vom 13. Jahrhundert mit Domshof oberhalb des Doms mini|Domshof 1796 im Murtfeldt – PlanBlau: Palatium, heute Neues RathausRot: Altes Rathausmini|Ansicht von Anton Radl von 1821 mit Dom und Stadthaus Der Domshof gehörte zum Dombezirk, der auch als Domimmunität oder Domfreiheit bezeichnet wurde und als Enklave vom 10. Jahrhundert bis 1803 hoheitlich und rechtlich zum Bistum Bremen gehörte, also nicht dem Rat der Stadt Bremen unterstand.

Nach dem Bau des Domes wurde im frühen Mittelalter eine Mauer zum Schutz des Dombezirks errichtet, die quer über den Platz verlief. Sie wurde jedoch bereits 1043 auf Veranlassung von Erzbischof Adalbert von Bremen wieder abgerissen, ihr ehemaliger Verlauf ist noch im Pflaster des heutigen Platzes sichtbar. Danach war der Domshof baulich nicht mehr vom Rest der durch die gemeinsame Bremer Stadtmauer umfassten Stadt abgegrenzt. Zwischen dem Erzbischof und dem Rat der Stadt kam es immer wieder zum Streit um verschiedene Rechte und Kompetenzen für das Gebiet.

Der Dom war auf dem höchsten Punkt der Bremer Düne gebaut worden, der Höhenunterschied zum entgegenliegenden Ende des Platzes betrug im Mittelalter noch über 5,50 Meter. Im Laufe der Zeit wurde das Gelände dann angehoben, bis sich dann im 14. Jahrhundert ein Platz in der heutigen Form mit einer Größe von 60 × 135 Metern abzeichnete. Westseitig befanden sich lückenhaft Bürgerhäuser, nördlich standen Giebelhäuser, nordöstlich waren auch lückenhaft Bürgerhäuser, und östlich beim Dom standen die erzbischöflichen Bauten. Das erzbischöfliche Palatium, dem späteren Sitz des Stadtvogts, schließt im Süd-Westen den Platz zum Marktplatz ab. Während dieser Zeit wurde der Domshof auch als Turnierplatz genutzt, so fand hier Pfingsten 1335 anlässlich der unter Erzbischof Burchard wieder aufgefundenen Reliquien der heiligen Cosmas und Damian ein großes Fest mit Ritterturnier statt.

Im Hogenberg-Plan von 1590 wurde die Platzmitte leer dargestellt. Das Palatium rückte deutlich in den Platz hinein. Direkt neben dem Domportal ist der Kleine Domshof zu sehen, ein ummauerter kleiner Platz, der bis 1809 Bestand hatte. Die Pläne von Matthäus Merian von 1640, erarbeitet vom Kupferstecher Caspar Schultze in Zusammenarbeit mit dem Rektor Gerhard Meier, bestätigen diese Platzgestaltung; lediglich ein Ziehbrunnen im Nordwesten zierte den Platz.

Die Grenzen der Eigentumsverhältnisse auf dem Domshof blieben zwischen dem Dombezirk des Erzbischofs und der Stadt längere Zeit vom 14. bis 15. Jahrhundert strittig. Die Chronisten berichteten, dass die Stadt im 16. Jahrhundert Veranstaltungen auf dem Platz abhielt und die von Bremen eroberten Geschütze nach der Schlacht bei Drakenburg von 1547 bis 1557 auf dem Platz ausstellte. Auch 1592, als die Stadt hier große Mengen Material zum Ausbau der Befestigungen lagern ließ, oder 1636, als der Rat vor dem Palatium zwei Pranger aufstellte, gab es Streit.

17. und 18. Jahrhundert: Schweden und Hannoveraner mini|Der Rutenhof am Domshof in Bremen; 1873–1875 erbaut, 1967/1968 abgerissen.Architekt Lüder Rutenberg mini|Das St.-Petri-Waisenhaus am Domshof um 1890, 1902 abgerissen Der Dombereich mit dem Dombezirk und dem Palatium wechselte hoheitlich seine Herrschaft: Bis zur Reformation waren es der katholische Erzbischof, dann der evangelische Bischof, ab 1648 die Schweden, ab 1715/19 das Kurfürstentum Hannover und ab 1803 dann schließlich Bremen.

Die Eigentumsgrenzen des Platzes blieben bis 1803 weiterhin unklar. Im Ersten Stader Vergleich von 1654 wurden lediglich Nutzungsregelungen zum Domshof und zur Domsheide bestimmt. Bremen beanspruchte den ganzen Platz für sich, hielt Militärparaden und andere Veranstaltungen weiterhin ab und der Platz diente als Halteplatz für Holz- und Torflieferungen sowie als regelmäßiger Schweinemarkt. Schwedische Proteste wurden nicht akzeptiert. Die unklaren Eigentumsverhältnisse führten dazu, dass die Häuser am Domshof, die sich im Eigentum der Kirche oder dann der schwedischen Krone befanden, verfielen.

Der Plan von Johann Daniel Heinbach aus dem Jahr 1730 zeigt im nördlichen Platzbereich einen intensiven Baumbestand von um die 70 niederkronigen Bäumen. Die Nordseite wurde durch repräsentative bürgerliche Giebelhäuser aus der Gotik und der Renaissance abgeschlossen. Die West- und Ostseite, mit Fachwerkhäusern, Remisen und Ställen, weist noch immer größere Baulücken auf. 1750 verzeichnet Johann Christian Danckwerth in einem Plan alle 160 Gebäude auf, die zum kurfürstlichen hannoverschen Intendanten gehörten; am „Großen Doms Hof“ befanden sich acht Häuser und fünf ärmliche Buden am Dom.

Der Platz diente im 18. Jahrhundert auch als Sammelplatz des Militärs sowie für Hinrichtungen und Spießrutenlaufen. Bremen nutzte nach wie vor den Platz, Hannover protestierte erfolglos durch seine Stader Verwaltung. Der traditionelle Schweinemarkt wurde auch wegen der Streitigkeiten 1785 in die Neustadt verlegt. Die hoheitliche Grenze – ob „fundus regis“ oder freier Stadtplatz – blieb „in suspenso“ also offen. Zum Bremer Freimarkt wurden Buden aufgestellt, die der Bremer Bürgermeister und der hannoversche Oberhauptmann genehmigten, und Hannover kassierte die Standmiete. Adolph Freiherr Knigge, der Verfasser von Über den Umgang mit Menschen war ab 1790 Oberhauptmann in Bremen.

Hannovers Intendant in Bremen Theodor Olbers schrieb: „Da der Domshof einer der schönsten Plätze der Stadt Bremen ist … .“ wäre es gut, wenn „er verschönert würde.“ Und so wurde der Platz auf Grund dieses Vorschlags gemeinsam von Bremen und Hannover teilweise saniert. 60 bis 70 neue Linden, in zwei Gruppen gepflanzt, wurden mit 69 Sandsteinpfeilern und 195 Meter Ketten eingegrenzt. Mittig durch den Platz führte eine baumbesäumte Allee. Eine Fläche zwischen Dom und Palatium wurde bis 1799 gepflastert. Der Rath wünschte erfolglos, „daß nunmehro auch der ganze übrige Domshof bei dieser Gelegenheit gänzlich aus seinem verlegenen, verödeten und morastischen Zustande möge gesetzet werden.“ Bald darauf wurde der Platz auch in die Straßenbeleuchtung einbezogen.

Ab 1803: Der Domshof ein Bremer Platz mini|Der Domshof um 1821 mini|Appell des 1. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 75 anlässlich seines 25-jährigen Bestehens im Jahr 1891 auf dem Domshof mini|Der Teichmann-Brunnen, dahinter die Hotels

Ab 1803 kam der Dombezirk gemäß dem Reichsdeputationshauptschluss zu Bremen; seitdem gehörte der ganze Domshof der Stadt. Schon 1805 erwarb die Gesellschaft Museum die alte Intendantur an der Ecke Domshof und Schüsselkorb. Ein prächtiges Wohn- und Kontorhaus entstand um 1809 an der Ostseite (Nr. 10). Haus Nr. 18 wurde Sitz des Gefängnispräfekten. Der Abriss der kärglichen Buden am Dom erfolgte um diese Zeit.

Während der französischen Besatzung residierte Philipp Karl von Arberg als Präfekt des Departements Wesermündung im Eelkingschen Haus am Domshof, später im Eschenhof an der Domsheide.

Das bremisch gewordene gotische Palatium von 1293 wurde 1816 größtenteils abgerissen. An seiner Stelle entstand bis 1818 nach Plänen von Nicolaus Blohm das schlichte klassizistische Stadthaus als ein dreigeschossiges Behördengebäude der Stadt.

1823 wurde von Bauinspektor Friedrich Moritz Stamm ein Entwurf zur gründlichen Umgestaltung des Platzes vorgelegt und der Plan dann realisiert. Die morschen Linden verschwanden, die mittlere Allee auch, der Verkehrsweg lag nun – so wie heute – neben den „Trottoirs“ an den beiden Platzrändern, und der durch Steinpfähle eingesäumte mittlere Platz wurde eingeebnet und war nur für Fußgänger bestimmt. Die ruhige Lage war Grund für die Einrichtung von Hotels wie Stadt Frankfurt und Zum Lindenhof sowie von Gaststätten wie Börsenhalle, Schaers Kaffeehaus, Stehely & Josty und des Restaurants Quinat & Ritsert.

Den Neubauten fielen alte und schöne Bürgerhäuser zum Opfer. Das Patrizierhaus Nr. 20 wich um 1821 dem Lindenhof, das der Gastwirt Albrecht Knoche bauen ließ. Das vornehme Hotel beherbergte 1826 Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, 1830 Kronprinz Maximilian von Bayern, 1836 König Otto I. von Griechenland sowie 1826 und 1843 Heinrich Heine und 1836 Johann Strauß. Nach der 1837 erfolgten Aufstockung auf vier Etagen wurde 1854 durch Wilhelm Wallau hier auch ein Café eingerichtet. Seit 1862 wurde das Hotel nach Konkursen mit der alten Bezeichnung ein Behördengebäude und 1944 ausgebombt. Auch die Häuser Nr. 19 mit dem gotischen Treppengiebel und das malerische Fachwerkhaus Nr. 14. wurden in dieser Zeit ersetzt. 1839 bis 1842 erfolgte durch den Baumeister Heinrich Seemann der Ausbau der gleichnamigen benachbarten Straße.

Ein Bild von F. Meyer von 1850 zeigt die aufgeräumte, ruhige Situation der zumeist schon erneuerten Gebäude.

Die Giftmörderin Gesche Gottfried wurde 1831 auf dem südlichen Domshof, nahe beim Dom, in Anwesenheit von 35.000 Schaulustigen hingerichtet. Ein Spuckstein in unscheinbarem Basalt mit einem eingekerbten Kreuz erinnert an das Ereignis der letzten öffentlichen Hinrichtung in Bremen.

Andere Kundgebungen und Aufmärsche erlebte der Platz wie 1848: als Freiwillige gegen Dänemark in den Krieg zogen, wie 1849: zum Jahrestag der Revolution, wie 1851: als Proteste der Anhänger des Pastors Rudolph Dulon, wie 1865: zum Zweiten Deutschen Bundesschießen, wie 1871: zur Feier des Sieges des Deutsch-Französischen Krieges und wie 1913: zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig. Dazu kamen Paraden, Appelle, Freimärkte bis 1913, tägliche Wachablösungen, Erinnerungstage etc. mini|100px|links|Spuckstein Gesche Gottfried Ab 1858 wurde wieder kräftig abgerissen und aufgebaut; der Platz wandelte sich zum Geschäfts- und auch Ladenzentrum. Geschäftshäuser entstanden: 1858 das Haus Nr. 11, dann 1864 die Nr. 23 und 1871 die Nr. 9 und 25. Die Gründerzeit mit historisierenden Baustilen prägt den Neubau.

1874 entstand auf dem Eckgrundstück Nr. 21a (Domshof/Schüsselkorb) historisierend nach den Plänen von Heinrich Müller ein Museum (rechts neben der Deutschen Bank), das 1944 zerstört wurde. 1875 erfolgte der Bau des Rutenhofs (Nr. 26 bis 28) des Unternehmers Lüder Rutenberg.

Wandel zum Platz der Banken mini|Nr. 8–9 von 1906: früher Bremer Bank, heute Ladengeschäft mini|Nr. 22–25 von 1891: Deutsche Bank mini|Nr. 17 von 1953: Deutsche Schiffsbank mini|Neues Rathaus von 1913, Neptunbrunnen, rechts die Bremer Landesbank von 1972 mini|Nr. 10–12 von 1979: früher Bremer Bank mini|Bismarckdenkmal von 1910 mini|Der Weltkugelbrunnen von 1990 mini|Bremer Landesbank, Neubau 2016

Die Banken