mini|Werbung der von Walter Huth gegründeten Firmen Pilot und Albatroswerke aus dem Jahr 1910 mini|Ein Farman-Doppeldecker von den Albatroswerken, 1911 mini|Albatros MZ 2, 1912 Die Albatros Flugzeugwerke GmbH am Flugplatz Johannisthal in Johannisthal (ab 1920 Berlin, Bezirk Treptow) entwickelten und bauten vor allem während des Ersten Weltkriegs Flugzeuge für die Fliegertruppe des Deutschen Heeres.
Geschichte Gründung 1909 Das Unternehmen, am 29. Dezember 1909 von Enno Walther Huth (1875–1964) und Otto Wiener (1873–1941)Dieter H. M. Gröschel, Peter M. Grosz: Bad Reichenhall 2010. als Albatros-Werke GmbH gegründet, importierte im Winter 1909/1910 drei französische Flugzeuge; je einen ein- und zweisitzigen Antoinette-Eindecker und einen Farman-III-Doppeldecker. Bei der ersten internationalen Flugschau im August 1909, der Grande Semaine d’Aviation de la Champagne, war mit der Farman-Maschine der Langstreckenpreis und mit der Antoinette der Höhenpreis erflogen worden. Diese Maschinen wurden als Schulflugzeuge und als Muster für den Lizenz-Nachbau in den Albatroswerken verwendet. Die drei bekanntesten Albatros-Nachbauten waren neben dem Antoinette- und Farman-Typ noch der französische Sommer-Doppeldecker. Alle Maschinen wurden erfolgreich geflogen und bei der Flugschülerausbildung eingesetzt. Die von den Albatroswerken aus Frankreich importierte Farman-Maschine wurde, nachdem sie bereits zur Militärpilotenausbildung in Döberitz ausgeliehen worden war, am 18. Dezember 1910 an die Heeresverwaltung verkauft. Sie war unter der Heeresbezeichnung „B 1“ das erste deutsche Militärflugzeug. Unter den fünf weiteren „Flugmaschinen“, die Ende 1910 von der deutschen Heeresverwaltung angeschafft wurden, waren mit einem Farman- und einem Sommer-Doppeldecker zwei von Albatros nachgebaute französische Typen.Flugsport. II. Jahrg., Nr. 22, 17. November 1910, S. 724. 1911 folgten mit dem ersten Eigenentwurf, der Doppeltaube MZ 1,MZ steht für Militär-Zweidecker und mit dem Sieg von Benno König auf Albatros-Farman beim Deutschlandflug weitere wichtige Entwicklungsschritte.
Im Verlauf des Jahres 1912 wurden fünf Albatros F-2 gebaut, eine Weiterentwicklung des französischen Farman-III-Doppeldeckers (deshalb der Buchstabe F) mit Gondel für die Besatzung und Argus-Reihenmotor anstatt des originalen Gnôme-Umlaufmotors. Vier Maschinen wurden der neuaufgestellten bulgarischen Flugzeugabteilung geliefert, wo sie an den Balkankriegen 1912–1913 teilnahmen. Eine von ihnen flog am 16. Oktober 1912 den ersten Militäreinsatz im Himmel über Europa.I. Borislavov, R. Kirilov: Die bulgarischen Flugzeuge. Band I: Von Bleriot bis Messerschmitt. Litera Prima, Sofia 1996. (bulgarisch)
Konstrukteure Heinkel und Thelen Nach der Einstellung von Ernst Heinkel, der von 1912 bis 1914 als Chefkonstrukteur tätig war, folgten ab 1913 bedeutende Eigenkonstruktionen in Form zweisitziger Bomber und Aufklärer, während unter Robert Thelen ebenso bedeutende einsitzige Jagdflugzeuge entstanden.
Im April 1914 wurden in Schneidemühl (Provinz Posen) das Tochterunternehmen Ostdeutsche Albatros-Werke und im September 1916 in der Landgemeinde Friedrichshagen (ab 1920 Berlin, Bezirk Köpenick) noch eine kleine Fertigungsstätte für Segelflugzeuge gegründet.Die letzten Albatrosse – Im Dunstkreis der Reichswehr. In: FliegerRevue. Juli 2009, S. 58–61.
Albatros wurde bekannt dadurch, dass sie für die Luftstreitkräfte des Kaiserreiches einige der bekanntesten und besten Kampfflugzeuge des Ersten Weltkriegs bauten, wie die Albatros D.III oder die Albatros D.V. Bei Kriegsbeginn lag die Zahl der Beschäftigten bei 830, im November 1918 schon bei über 5000. Bis Ende 1918 wurden mehr als 10.300 Flugzeuge gebaut.
Zwangsfusion mit Focke-Wulf 1931 Albatros setzte nach dem Ersten Weltkrieg seine Arbeit im Stammwerk anfangs unter Chefkonstrukteur Rudolf Schubert, ab 1926 unter Walter Blume auch nach Ende des Krieges fort. So entstand 1924 das einsitzige Sportflugzeug L 59, ein freitragender Tiefdecker und in Holzbauweise mit dem Fünfzylinder-Sternmotor Siemens & Halske Sh 4 mit 45 kW Leistung. Es wurde nur ein Exemplar gebaut, welchem im gleichen Jahr die Zweisitzer L 60 mit dem Sh 5 (62 kW) und L 66 bzw. L 66a folgten. 1925 wurden von den nur noch 150 Mitarbeitern das Leichtflugzeug L 67 und der Schuldoppeldecker L 68 auf Basis der B.II entworfen und gebaut. Später kamen in nennenswerter Stückzahl nur noch die L 82 und L 101 hinzu. Als Folge der Weltwirtschaftskrise wurden der Albatros die staatlichen Zuschüsse gestrichen, die Gesellschaft wurde illiquide. Auf staatlichen Druck hin fusionierte die Albatros im September 1931 mit der Focke-Wulf-Flugzeugbau AG. Für kurze Zeit hieß die Gesamtgesellschaft Focke-Wulf-AlbatrosHartmut Pophanken, Klaus Schalipp, Peter Kuckuk: Ein Jahrhundert Luft- und Raumfahrt in Bremen: Von den frühesten Flugversuchen zum Airbus und zur Ariane. Bremen 2015, Edition Falkenberg, S. 80, ISBN 978-3-95494-071-4.
Flugzeuge Allein während des Ersten Weltkriegs baute Albatros folgende Maschinen:
1914 mini|Albatros B.I, 1914 Albatros B.I (Typ L 1), Aufklärer Albatros W.1, Aufklärer (Wasserflugzeug) Albatros B.II (Typ L 2), unbewaffneter Aufklärer (wurde ab 1915 zum Standard-Schulflugzeug)
1915 mini|Albatros C.I Albatros B.III (Typ L 5), Aufklärer Albatros B (K351B), Wasser-Schulflugzeug Albatros C.I (Typ L 6), Aufklärer Albatros C.III (Typ L 10), Aufklärer Albatros C.Ia (Typ L 6), Aufklärer
1916 mini|Albatros D.I Albatros D.I, Jäger Albatros D.II, Jäger Albatros D.IV, Jäger (Prototyp) Albatros G.I, Bomber (Prototyp) Albatros G.II, Bomber (Prototyp) Albatros G.III, Bomber Albatros W.4, Jäger (Wasserflugzeug) Albatros VT, Torpedoflugzeug (Wasserflugzeug)
1917 mini|Albatros D.III, 1917 Albatros C.IX, Aufklärer Albatros C.X, Aufklärer Albatros L 30, Standard-Schulflugzeug Albatros D.III, Jäger Albatros D.V, einsitziger Jäger Albatros D.VII, Experimentalflugzeug Albatros Dr.I, Experimentalflugzeug (Jäger)
1918 mini|Albatros C.XII, 1918 Albatros C.XII, Aufklärer Albatros C.XIII Albatros D.X, Experimentalflugzeug (Jäger) Albatros C.XIV, Aufklärer Albatros C.XV, Aufklärer Albatros D.XI, Experimentalflugzeug (Jäger) Albatros D.XII, Experimentalflugzeug (Jäger) Albatros D.VI, Experimentalflugzeug (Jäger) Albatros D.IX, Experimentalflugzeug (Jäger) Albatros Dr.II, Experimentalflugzeug (Jäger) Albatros J.I, Schlachtflugzeug Albatros J.II, Schlachtflugzeug
Später gebaute Maschinen waren: mini|Albatros L 57, 1922 1922 Albatros L 57, Verkehrsflugzeug
1923 Albatros L 58, Verkehrsflugzeug
1924 Albatros L 59, Sportflugzeug, freitragender Tiefdecker in Holzbauweise mit Fünfzylinder-Sternmotor Siemens Sh 4 mit 45 kW Leistung, ein Exemplar gebaut Albatros L 60, Sportflugzeug, 600 kg schwere Variante der L 59 mit Siebenzylinder-Sternmotor Siemens Sh 5 mit 62 kW, drei Exemplare gebaut Albatros L 66, Sportflugzeug, zweisitziger, abgestrebter Hochdecker in Gemischtbauweise mit Zweizylinder-Boxermotor Haacke HFM 2a mit 25 kW Leistung, L 66a mit anderem Fahrwerk und anderen Motoren
1925 mini|Albatros L 68, 1926 Albatros L 67, Leichtflugzeug, zwei einsitzige abgestrebte Hochdecker in Holzbauweise mit den Motoren Bristol Cherub (22 kW) oder Anzani (37 kW) Albatros L 68, Schuldoppeldecker mit Tragflächen in Holzbauweise, Holmen aus Duraluminium, einem Stahlrohrrumpf mit Stoffbespannung und einem Siebenzylinder-Sternmotor Sh 11 mit 71 kW Leistung Albatros L 69, freitragender Hochdecker in Holzbauweise und Dreizylinder-Sternmotor Bristol Lucifer mit 74 kW Leistung oder Sh 12 mit 92 kW, Länge 6,08 m, Höhe 2,64 m, Spannweite 8,06 m
1926 mini|Albatros L 71, 1926 Albatros (DVL) H.1, Höhenversuchsflugzeug, Doppeldecker, Sh.III, 118 kW Albatros L 68a, b, c, d, e, Schuldoppeldecker, Varianten der L 68 mit stärkerem Sh-12-Motor (92 kW) Albatros L 70, Aufklärungsflugzeug Albatros L 71, Schuldoppeldecker, unverspannter einstieliger Doppeldecker mit versetzt angeordneten Tragflächen und Druckpropeller, zwei Stück gebaut Albatros L 72, Transportflugzeug für den Ullstein Verlag Albatros L 73, Verkehrsflugzeug
1927 Albatros L 76, Aufklärungsflugzeug
1928 mini|Albatros L 75, 1928 Albatros L 74, Schulflugzeug Albatros L 75, Verkehrsflugzeug Albatros L 77, Aufklärungs- und Jagdflugzeug Albatros L 78, Aufklärungsflugzeug Albatros L 82, 82a, 82b, 82c, Doppeldecker-Sportflugzeug in Gemischtbauweise mit N-Stiel, anklappbaren Tragflächen und offenen Sitzen, insgesamt 17 Stück gebaut (eine 82a mit 74 kW leistendem Motor de Havilland Gipsy, eine 82b mit 59 kW leistendem Fünfzylinder Sh 13 und 15 82c mit 81 kW mit Siebenzylinder-Sternmotor Sh 14)
1930 mini|Albatros Al 101, 1930 Albatros L 100, Sportflugzeug, Tiefdecker mit dreisitziger Kabine und Argus-As-8-Motor mit 70 kW, ein Stück gebaut Albatros L 101, Sportflugzeug, doppelsitziger Hochdecker mit stoffbespannten Duraluminium Tragflächen, Stahlrohr Rumpf und Argus-As-8-Motor, 75 Exemplare gebaut
1931 Albatros L 102, Sport- und Schulflugzeug, vergrößerte L 101 mit dem Motor Argus As 10C-1 mit 147 kW Leistung
Literatur Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg. Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9. Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–18. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8. Kenneth Munson: Bomber 1914–1919. Patrouillen- und Aufklärungsflugzeuge. Orell Füssli, Zürich 1968. Kenneth Munson: Kampfflugzeuge, Jagd- und Trainingsflugzeuge 1914–19. Zürich 1968. Heinz J. Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–18. München 1959. Peter Schiemer: Die Albatros (Oeffag) Jagdflugzeuge der k.u.k. Luftfahrtruppen. Weishaupt Verlag, GrazBuchbesprechung im Österreichischen Luftfahrtarchiv Ausgabe 4/84 abgerufen am 29. Oktober 2010.
John F. Connors: Albatros Fighters in Action. Carrollton 1981, ISBN 0-89747-115-6.
Weblinks
Einzelnachweise Als die Oldtimer flogen, S. 77ff. Als die Oldtimer flogen, S. 79ff. Als die Oldtimer flogen, S. 160.
Kategorie:Ehemaliger Flugzeughersteller Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Berlin) Kategorie:Deutsche Flugzeugindustrie (Erster Weltkrieg) Kategorie:Geschichte der Luftfahrt (Berlin) Kategorie:Flugzeughersteller (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1909