Die Besucher (Originaltitel Návštěvníci) ist eine tschechoslowakische Science-Fiction-Fernsehserie für Kinder. Sie entstand 1981 bis 1983 als Koproduktion zwischen dem Tschechoslowakischen Fernsehen und mehreren anderen europäischen Fernsehsendern. Die Serie war 1987 auch im DDR-Fernsehen zu sehen unter dem Titel Expedition Adam ’84.

Die 15-teilige Serie mit knapp halbstündigen Folgen erschien später auch in einer Fassung mit sieben etwa einstündigen Folgen. Es spielen viele bekannte tschechische Schauspieler der damaligen Zeit mit wie Josef Bláha (Das Mädchen auf dem Besenstiel), Dagmar Patrasová und Vlastimil Brodský (beide Die Märchenbraut), Dagmar Veškrnová (Die Tintenfische aus dem zweiten Stock) sowie der junge Viktor Král (Der fliegende Ferdinand). Auch hinter den Kulissen waren bekannte Namen beteiligt. Die Titelmusik der Serie stammt von Karel Svoboda und wurde von der Band Elektrovox Pražský výběr gespielt. Ferner spielte das Filmsinfonieorchester Prag unter der Leitung von Štěpán Koníček.

Inhalt Im Jahr 2484 ist die Menschheit weit fortgeschritten: Sie hat Kriege und Nationalstaaten überwunden. Die Menschen haben keine Sorgen und können Kunst und Wissenschaft nachgehen. Regiert wird die Erde vom Weltenrat (in der Serie auch Weltrat genannt), der von einem Computer beraten wird, dem Zentraldenker (im Original Centrální Mozek Lidstva = „Zentrales Gehirn der Menschheit“).

Zu Beginn der Serie stellt der Zentraldenker fest, dass die Erde durch einen Kometen bedroht sei, der bei seinem bevorstehenden Vorbeiflug an der Erde die Erdachse verschieben dürfte. Der Weltenrat diskutiert bereits eine Evakuierung bedrohter Gebiete.

Da tritt der Akademiker Filip auf. Er verweist auf das Genie von Adam Bernau, der im Jahr 2034 den Nobelpreis erhalten hat. In seinen Memoiren berichtet Bernau von einer Formel, um Kontinente und gar Welten zu verschieben; er hatte sie vor bzw. nach einem Hausbrand an seinem elften Geburtstag in drei Hefte geschrieben, die nicht bewahrt worden sind. Leider brächen die Memoiren das Thema Weltenverschiebung zugunsten der Schilderung einer „albernen Liebe“ zu dem Mädchen Ali ab, wie Filip beklagt. Der Vorsitzende des Weltenrats erkennt eine mögliche Alternative zu Evakuierungen und lässt Filip eine Zeitreise namens „Expedition Adam 84“ vorbereiten.

Zu den Expeditionsteilnehmern gehören außer dem pingeligen Bernau-Historiker Filip ein selbstbewusster Arzt, der für die Expedition den Namen Noll erhält, der zugängliche Techniker Karas und die lebensfrohe Zoolinguistin Katja. Zur Vorbereitung dient unter anderem das fragliche Haus aus Bernaus Kindheit – im Jahr 2484 ist es ein Museum.

Die Expedition reist dann ins Kamenice des Jahres 1984, als Bernau 11 Jahre alt war. Ihr Zeitreise-Apparat ist in einem zeitgenössisch aussehenden Lada Niva untergebracht; sie geben sich als Geodäten aus, die für eine zu bauende Straße die Gegend vermessen. In Kamenice begegnet die Expedition nicht nur dem jungen Adam, einem neugierigen Lausbuben, sondern auch seinen strengen und engstirnigen Eltern, der Schulkameradin Ali sowie dem naiven, aber praktisch veranlagten Eigenbrötler Alois Drchlík. Letzterer wird von den Besuchern als der Große Lehrmeister erkannt, einen großväterlichen Freund, den Bernau in den Memoiren erwähnt hatte. Die Besucher freunden sich mit Drchlík an. Als Adam eine Überschwemmung verursacht, begleicht Drchlík den entstandenen Schaden mit dem Gewinn aus einer Sportwette, wobei er das Spielergebnis vorab aus einer von den Besuchern mitgebrachten Zeitung kannte.

Die Zeitreisenden haben allerlei Schwierigkeiten, sich im Jahr 1984 zurechtzufinden. Sie sind im Umgang mit Geld ungeübt und geben es zu leichtfertig aus; sie verlieren Werkzeuge der Zukunft wie eine Laser-Säge usw. Sie leiden auch unter manchem Irrtum des Zentraldenkers, der ihnen beispielsweise weiteres Geld zukommen lässt, allerdings wertloses aus dem Jahr 1884. Karas interessiert sich für die Technik sowie Essen und Trinken des Jahres 1984, während Noll und Katja sich in Einwohner von Kamenice verlieben. Filip befiehlt ihnen immer wieder, sich auf die Aufgabe der Expedition zu konzentrieren. Sein Interesse gilt ausschließlich dem von ihm verehrten Adam Bernau, in dem er allein den späteren Nobelpreisträger sieht.

Letzten Endes können die Besucher sich keines der drei Hefte bemächtigen und reisen enttäuscht zurück, bevor die echten Geodäten nach Kamenice kommen. Kurz zuvor retten sie Drchlík vor einem Unfall mit einem Tanklastwagen und nehmen ihn mit in das Jahr 2484. Dort erkennt Drchlík, dass der Zentraldenker schief steht, und behebt dies mit einem Stück Holz. Der zurechtgerückte Computer verkündet sogleich, dass er sich geirrt habe und dass die Erde nicht in Gefahr sei. Die Menschen der Zukunft sind erleichtert und erfreuen sich an Mitbringseln der Besucher wie einem Zauberwürfel.

Nach der Überschwemmung durfte Adam seine Freundin Ali eine Zeitlang nicht sehen. In der letzten Szene der Serie erzählt der Junge seiner Freundin, dass er in dieser Zeit an einer Formel gearbeitet habe, um Welten zu verschieben. Ali erklärt diese Arbeit für beendet, da sie ja wieder beisammen seien und er versprochen habe, ihr ein Gedicht zu schreiben. Gemeinsam fahren sie auf Fahrrädern davon.

Themen Die Besucher ist eine Utopie, die den Menschen der Zukunft ein sorgenfreies Leben vorhersagt. Kriege und Geldwirtschaft sind überwunden, die Menschen leben nach dem kommunistischen Prinzip „jedem nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Fähigkeiten“. Ein weiser, entscheidungsfähiger Weltenrat aus Männern und Frauen mit verschiedenen Hautfarben regiert die Menschheit und respektiert auch Minderheiten wie die Delfine, die ebenfalls im Weltenrat repräsentiert sind. Offensichtlich sprechen alle Menschen dieselbe Sprache, auch wenn ihre Namen unterschiedliche Kulturen vermuten lassen. Die Menschen von 2484 schätzen sich selbst glücklich und denken schlecht von der Vergangenheit; schockiert sehen die Expeditionsteilnehmer bei ihrer Vorbereitung alte Filmaufnahmen von Kriegen, Unfällen und Demonstrationen.

Zu den technischen Errungenschaften gehören die Besiedlung des Mondes sowie Reisen zum Mars und weiteren Zielen. Krankheiten gibt es nicht mehr. Alkohol wurde in einer Volksabstimmung verboten; laut Techniker Karas wird das Verbot allerdings heimlich missachtet. Zur Unterhaltung dienen edukative Quiz-Sendungen zur Kunstgeschichte (in einem zwar interaktiven, aber anscheinend immer noch linear ausgestrahlten Fernsehprogramm). Die Menschen sind allesamt kahl und tragen, zumindest außerhalb der Familie, Perücken. Für übrige Nacktheit schämen sie sich nicht.

Die Erde wird laut erster Folge von einem rotierenden Nebel bedroht, der im Weiteren stets als Komet bezeichnet wird. Erwähnt werden ein Zeitalter der Überbevölkerung 200 Jahre zuvor und auch das Bermudadreieck. Außerirdische kommen in der Serie zwar nicht vor, aber Drchlík hält die Besucher zunächst für solche.

Die Welt der Zukunft ist allerdings nicht perfekt. Streit zwischen Menschen und charakterliche Schwächen gibt es immer noch. Zwar ist die Menschheit der Zukunft in Bezug auf die heimliche Überwachung durch Kameras sensibilisiert, und sie hat auch Zeitreisen verboten, nachdem es zu Missbrauch gekommen war. (Die Expedition Adam 84 erhält eine Ausnahmegenehmigung.) Doch die Menschen des Jahres 2484 verlassen sich zu sehr auf einen Computer, dessen Berechnungen sie selbst nicht nachvollziehen können – trotz kleinen Fehlern, die sie bemerken. Es ist schließlich ein hemdsärmeliger Mann aus der Vergangenheit, der den Zentraldenker repariert. Die Besucher entdecken auch manches Liebenswürdige am Leben im Jahr 1984; überhaupt sind Liebe, Freundschaft und Familie zentrale Themen der Serie.

Wie viele fiktive Zeitreisenden sind auch die Besucher darauf bedacht, nicht in die Vergangenheit einzugreifen. Anscheinend können die Besucher entsprechende Folgen ihres Handelns abwehren; sie kehren jedenfalls in ein unverändertes 2484 zurück. Es gelingt ihnen auch, Fotoaufnahmen von sich zu zerstören, bevor diese in die Zeitung gelangen. Dass sie Drchlík vor einem Unfall retten, der ihn normalerweise getötet hätte, ist aber Zufall. Da der Tanklastwagen beim Unfall explodiert, wundern die Menschen in Kamenice sich nicht, dass sie nur Drchlíks Fahrrad, aber nicht seine Leiche finden. Beerdigt wird ein leerer Sarg.

Die Serie problematisiert nicht nur ungenaue Geschichtsbilder, sondern auch das Memoirenschreiben und dekonstruiert den Geniekult. So erinnert der alte Bernau sich fälschlicherweise daran, wie ihm ein bestimmtes Heft von Ali geschenkt worden sei, während Filip beobachtet, dass es ein anderes Mädchen gewesen ist. Fragwürdig ist ferner Bernaus Aussage, seine Kindheit sei von „Familienharmonie“ geprägt gewesen.

Solche Unstimmigkeiten lassen ahnen, dass Filips Theorie, der Junge habe eine Formel zur Rettung der Zukunft gefunden, nicht aufgehen könnte. Filip selbst bleibt unfähig, in Adam einen normalen Jungen zu erkennen und seine Theorie kritisch zu hinterfragen.

Ob Adam die Formel entwickelt hat oder entwickeln hätte können, wird in der Serie nicht mit letzter Sicherheit beantwortet. Adam ist mathematisch begabt; Filip erteilt ihm Nachhilfeunterricht, wodurch sich seine Schulnoten verbessern. Bis zuletzt entdeckt Filip allerdings Fehler in Adams Berechnungen für die Schule und auch in einer Formel zur Verschiebung von Welten, die Adam auf eine Speisekarte geschrieben hat. Adam erklärt, dass er sie aus einem Science-Fiction-Roman („Die Reise zum tätowierten Planeten“) hat, worauf Filip nicht weiter eingeht.

Der alte Bernau schreibt schließlich in seinen Memoiren über den Verlust der drei Hefte: „Ich bedaure dies zutiefst, denn die kindliche Fantasie kennt keine Grenzen. Ich bin davon überzeugt, dass eine gewisse naive Idee, der durch Regeln keine Grenzen gesetzt waren, mich damals bereits dazu geführt hat, breitere Möglichkeiten zur Überwindung von Zeit und Raum anzudeuten, als ich sie später in der Praxis bewiesen habe.“

Namen der Hauptfiguren Die vier Hauptpersonen heißen ursprünglich Rudolf Filip, Leo Kane, Jacques Michell und Emilia Fernandez, was auf ihre Herkunft aus unterschiedlichen Kulturkreisen schließen lässt (vgl. Sulu, Chekov, Uhura in Raumschiff Enterprise). Die Namen Filip, Kane, Michell und Emilia sind auch im Rand des Emblems der Expedition Adam ’84 zu lesen. Für ihre Reise ins Böhmen der Vergangenheit erhalten sie (bis auf den Historiker Rudolf Filip) landestypische Tarn-Namen: Emil Karas, Michael Noll, Káťa Jandová (deutsch: Katja Jandova).

Bereits im Vorwort von Gert K. Müntefering zur deutschen Buch-Ausgabe vom November 1983 ist von einem Ota Hofman zugelaufenen Dackel die Rede, den er „den eleganten Philipp“ genanntDie Besucher, 1. Aufl., Köln: vgs 1983, ISBN 3-8025-5025-0, S. 5 und der so als Inspiration für den Historiker-Namen gedient haben soll.

In der tschechischen Buch-Ausgabe von 1985Návštěvníci, 1. vyd., Praha: Albatros, 1985, S. 42 heißt der Historiker František Rudolf, der Techniker (wie bereits in der mehrteiligen Ausgabe in der Zeitschrift Pionýr 1983/84) Kars statt Kane.