mini|Charakteristische Arbeitssituation von Erziehern

In Deutschland sind Erzieher pädagogische Fachkräfte, die eine Berufsausbildung an einer Fachschule, einer Fachakademie oder einem Berufskolleg durchlaufen haben. Die Ausbildung zum Beruf wird jedoch in verschiedenen Staaten sehr unterschiedlich ausgestaltet. Verwandte Berufe sind Kindergartenpädagoge in Österreich, Fachperson Betreuung oder Kleinkinderzieher in der Schweiz sowie Kindheitspädagoge. In Deutschland waren 2022 etwa 461.600 Erzieher in Kindertageseinrichtungen beschäftigt. Der Anteil an Männern im Beruf lag 2022 bei ca. 8 Prozent. Im Durchschnitt wurden 2017 im Kindergarten neun Kinder von einer pädagogischen Fachkraft betreut.

Erzieher werden für die Arbeit mit Kindern sowie mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen oder behinderten Menschen qualifiziert. Dabei kann teilweise durch Wahl der Ausbildungsstätte oder Praktika ein individueller Schwerpunkt gelegt werden, der für die weitere berufliche Entwicklung nicht bindend ist.

Die ISCED-Klassifikation ist 4A bzw., wenn der Bildungsgang mehr als 2.400 Unterrichtsstunden hat, 5B.Fachpersonal in Kindertageseinrichtungen der Europäischen Union: Ausbildungen und Arbeitsfelder (PDF; 726 kB)

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ordnet einen „staatlich anerkannten Erzieher“ bzw. eine „staatlich anerkannte Erzieherin“ in das DQR-Qualifikationsniveau 6 ein, wenn die Ausbildung mindestens 2400 Unterrichtsstunden und 1200 Stunden Praxis umfasst. Der DQR hat empfehlenden Charakter.

Ausbildung Die Ausbildung in Deutschland wird von den Ländern sehr unterschiedlich gestaltet. Die Voraussetzung ist in der Regel ein Mittlerer Schulabschluss oder ein gleichgestellter Abschluss und eine berufliche Erstausbildung.AG FakS Bayern Ausbildung. Abgerufen am 18. Juli 2016.Erzieher/in werden in Niedersachsen | Zulassungsvoraussetzungen. Abgerufen am 18. Juli 2016.

Die Ausbildung erfolgt je nach Bundesland an Fachschulen für Sozialpädagogik, Fachakademien für Sozialpädagogik, Oberstufenzentren oder Berufsfachschulen für Sozialwesen beziehungsweise Berufskollegs und ist damit eine schulische Ausbildung, die nach den Gesetzen des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes gefördert werden kann. Sie wird zudem berufsbegleitend in Teilzeitform durch freie Träger angeboten. Eine staatliche Anerkennung zum Erzieher kann auch nach erfolgreich abgeschlossener Nichtschülerprüfung nach Selbststudium als Autodidakt erlangt werden.

Die Dauer der Ausbildung variiert, je nach Land und Vorbildung oder Praxiserfahrung, zwischen zwei und fünf Jahren. In einigen Bundesländern gliedert sich die Ausbildung in ein ein- bis zweijähriges Vorpraktikum mit Theorieanteilen mit einem anschließenden, meist zweijährigen Schulbesuch in Vollzeit und einem abschließenden Anerkennungsjahr. Andere deutsche Länder regeln die Ausbildung über eine rein schulische Ausbildung mit integrierten, länger andauernden Praktika. Für einzelne Bundesländer ist für die Aufnahme in die entsprechende Schule zwingend eine vorausgegangene Ausbildung zum Sozialassistenten oder zum Kinderpfleger vorgeschrieben.

In vielen Ländern kann durch Zusatzunterricht die Fachhochschulreife oder das Abitur erreicht werden.

Daneben gab es in Deutschland im Frühjahr 2015 89 Bachelor- und elf Master-Studiengänge für Arbeit mit Kindern. 2013 gab es in Deutschland 1687 Absolventen kindheitspädagogischer Bachelor-Studiengänge. Absolventen dieser Studiengänge tragen nicht die Bezeichnung Erzieher, sondern sind Kindheitspädagogen.

In der DDR erfolgte die Ausbildung von Kindergärtnerinnen in 19 Fachschulen für Kindergärtnerinnen.

Inhalte mini|Interaktion zwischen Kind und Fachkraft mini|Übungen mit einem Schwungtuch für kooperatives Agieren

Die Inhalte der Ausbildung sind regional sehr unterschiedlich und können folgende Fächer, eventuell auch in Kombination miteinander oder fächerübergreifend, beinhalten:

Pädagogikunterricht, Psychologie, Soziologie, Didaktik und Methodik der sozialpädagogischen Praxis, Sonderpädagogik bzw. Heilpädagogik, Kinder- und Jugendliteratur, Jugendrecht und Familienrecht, Medienpädagogik, Musikpädagogik, Bewegungslehre, rhythmisch-musikalische Erziehung, medizinische Grundkenntnisse bzw. Gesundheitslehre, Kunstpädagogik und Werkunterricht, politisch-gesellschaftliche Aspekte, Religionslehre bzw. Religionspädagogik sowie praktische Anleitung zum Beispiel in Gesprächsführung oder Formen der Betreuung. In der Ausbildung kann über das Profil der Schule oder die Auswahl der Praktika eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Praxisfeld bzw. einer bestimmten Klientel wie beispielsweise der Arbeit in Kindergarten, in Schulhorten oder im Bereich der Heimerziehung erfolgen.

Die Ausbildung endet mit der staatlichen Anerkennung, die – trotz der Unterschiedlichkeit der Ausbildungsgänge – von allen Bundesländern anerkannt wird.

Kernkompetenzen Im Rahmen der Ausbildung sind folgende sozialpädagogische Kernkompetenzen qualitativ zu steigern:

Fähigkeit zur Beobachtung und AnalyseNorbert Kühne, Peter Wenzel: Praxisbuch Pädagogik: Beobachten, Planen, Erziehen. Stam Verlag, Köln 2000, S. 1–14, 27–38, 39–52 pädagogischen Beziehungsgestaltung Kooperation in einem Team sowie mit Eltern und anderen an der Erziehung beteiligten Menschen kritischen Reflexion der eigenen Person und der zugrunde liegenden Wertehaltungen und Menschenbilder Planung, Durchführung und Evaluation pädagogischer Prozesse konzeptionellen Arbeit Gestaltung betriebswirtschaftlicher Abläufe in sozialpädagogischen Einrichtungen

Berufsbezeichnung Die Berufsbezeichnung nach abgeschlossener Ausbildung ist in den deutschen Bundesländern teils unterschiedlich geregelt. In Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Abschlussbezeichnung Staatlich anerkannter Erzieher/Staatlich anerkannte Erzieherin. In Berlin ist dies Staatlich geprüfter Erzieher/Staatlich geprüfte Erzieherin. In Baden-WürttembergFachschule Erzieher, Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Schleswig-Holstein und Hamburg können Ausbildungs-Absolventen zudem den Bachelor Professional in Sozialwesen führen.Ausbildungsdauer/-abschluss Erzieher/in, auf berufenet.arbeitsagentur.de. Abgerufen am 12. August 2021.Mitteilungsblatt der Behörde für Schule und Berufsbildung MBl Schul Nr. 4, 2. Juni 2021 (PDF; 780 kB), auf hamburg.de. Abgerufen am 15. November 2021.

Weiterbildung Ausgebildete Erzieher haben verschiedene Möglichkeiten, sich nach Abschluss der Ausbildung, während oder vor der ersten Berufserfahrung, weiterzubilden. Unterschieden wird hier zwischen Spezialisierungsweiterbildung und Aufstiegsweiterbildung. Lehrgänge zur Spezialisierung dienen der Anpassung der Kenntnisse an die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit, zum Beispiel wenn ein bestimmter Bereich innerhalb der Ausbildung kein Schwerpunkt war. Aufstiegsweiterbildungen dienen der Qualifikation für Tätigkeiten, die auf der Organisations- oder Führungsebene angesiedelt sind, zum Beispiel das Management einer sozialpädagogischen Einrichtung, oder für Tätigkeiten, die eine eigene, andere Berufsbezeichnung führen, zum Beispiel Motopädin/Motopäde.

Spezialisierungsweiterbildung Die möglichen Inhalte von Spezialisierungslehrgängen decken sich in Teilen mit den möglichen Inhalten der Grundausbildung (Auswahl): Erziehung, Pädagogik – allgemein Erziehung, Früh- und Vorschulpädagogik Heimerziehung Horterziehung Elternberatung, Elternarbeit, Erziehungsberatung Jugendarbeit, Kinder- und Jugendhilfe Sport- und Spielarten Musikpädagogik Fachkraft für Bewegungserziehung Motorik / Übungsleiterlizenz vorschulischer Bereich (Kooperationspartner Turnerbünden BTB und STB sowie dem Württembergischen Leichtathletikverband)MotorikzentrumFachkraft für Bewegungserziehung Kochen, Diätwesen, Ernährung, Hauswirtschaft Hygiene – Fachfortbildung Soziale Arbeit, Sozialpädagogik – allgemein Entwicklungspsychologie

Aufstiegsweiterbildung An Aufstiegsweiterbildungen kommen für Erzieher einerseits Fortbildungen (mit Zertifikationsabschlüssen), zum anderen berufsbegleitende Studienangebote in Frage.

Zu den Angeboten mit Fortbildungscharakter zählen (Auswahl): Fachwirt/in für Sozialdienste Staatlich geprüfter Fachwirt/Staatlich geprüfte Fachwirtin für Organisation und Führung, Schwerpunkt Sozialpädagogik Fachlehrer/Fachlehrerin an Sonderschulen (staatlich geprüft) Motopäde/Motopädin (Fachschule) Staatlich anerkannter Sonderpädagoge/Staatlich anerkannte Sonderpädagogin Staatlich anerkannter Heilpädagoge/Staatlich anerkannte Heilpädagogin Qualitätsbeauftragter/Qualitätsbeauftragte im Gesundheits- und Sozialwesen

Seit einigen Jahren können auch (berufsbegleitende) Studienangebote belegt werden, die sich auf die akademische Weiterqualifizierung von Erziehern spezialisiert haben. Wählbar sind Angebote mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkt-Setzungen (Auswahl):

Beispiele für den Schwerpunkt (Früh-)Pädagogik: Elementarpädagogik Pädagogik der frühen Kindheit Erziehung und Bildung in der Kindheit

Beispiele für Schwerpunkt Management und Führung pädagogischer Einrichtungen: berufsbegleitende Angebote, zum Beispiel Pädagogikmanagement reines Fernstudium, zum Beispiel Frühpädagogik – Leitung und Management von Kindertageseinrichtungen

Arbeitsfelder Arbeitsfelder, in denen Erzieher sich traditionell betätigen, sind Kinderkrippen, Kindergärten, Schulhorte, Kindertagesstätten, Integrationskindergärten und -horte, Ganztagesschulen, Behinderteneinrichtungen, der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe (Heime) und Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen. Hinzu kommen Einsatzstellen in Krankenhäusern und selten in der Seniorenarbeit.

Die Tätigkeitsfelder von Erziehern sind sehr vielfältig. Sie umfassen vor allem die Aufsicht, Erziehung, Bildung, Betreuung und Pflege von Kindern und Jugendlichen. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften sowie anderen Kontaktpersonen der Klienten und Ämter (insbesondere dem Jugendamt) und bei kirchlichen Trägern auch mit der Kirchengemeinde.

Die Partizipation der Kinder (die Beteiligung gemäß ihrem Alter und Entwicklungsstand) ist ebenfalls bei allen Aktivitäten zu berücksichtigen. Zudem rückt seit PISA/IGLU und den Bildungsplänen der Länder der Bildungsauftrag der jeweiligen Einrichtung weiter ins Blickfeld. Gerade im Bereich der Kindertageseinrichtungen sollen die Kinder explizit bei ihren Selbstbildungsprozessen unterstützt werden.

Die Berufsaussichten sind regional verschieden. Im Ausland können ausgebildete Erzieher sowie Praktikanten in deutschsprachigen Kindergärten tätig werden.Verzeichnis Deutscher Kindergärten im Ausland (VDKA), Auslandskindergartenspiegel 2014/15 Trotz sinkender Geburtenraten steigt der Bedarf an Erziehern durch die Umwandlung von Halbtags- in Ganztagesschulen und die Ausweitung der vorschulischen Kinderbetreuungsmöglichkeiten, sodass es in manchen Regionen zu einem Mangel an pädagogischen Kräften kommt.

Erzieher im europäischen Vergleich Deutschland Bezahlung Nach dem bundesweit geltenden TVöD-SuE werden Erzieher, die in einer Einrichtung eines kommunalen Trägers angestellt sind, in die Entgeltgruppe S8a eingruppiert. Private Träger entscheiden selber, ob die Bezahlung eines Erziehers nach einem Tarifvertrag wie TVöD-SuE, TV-AVH etc. erfolgt oder ob ein eigenes Bezahlungsmodell verwendet wird. Mehr Details zur Bezahlung finden sich im Artikel Sozial- und Erziehungsdienst.