mini|Die Region Mittelhessen Mittelhessen ist (neben Nord- und Südhessen) eine von drei Planungsregionen Hessens. Ihr Gebiet ist identisch mit dem Regierungsbezirk Gießen und umfasst die Landkreise Limburg-Weilburg, Lahn-Dill, Gießen, Marburg-Biedenkopf und Vogelsbergkreis. Die Regionalversammlung Mittelhessen beschließt über die Aufstellung des Regionalplans. Sie besteht derzeit aus 31 Mitgliedern, die durch die fünf Landkreise sowie die drei Sonderstatus-Städte Gießen, Marburg und Wetzlar bestimmt werden. 2003 wurde durch den Regierungspräsidenten im Auftrag der Regionalversammlung das Regionalmanagement Mittelhessen als Zusammenschluss von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gegründet.http://www.mittelhessen.org/, Website des Regionalmanagements Mittelhessen
Geologie und Geografie mini|Lumda-Plateau – Blick auf Bernsfeld Mittelhessen besteht geomorphologisch aus von ehemaligem Vulkanismus geprägten Gebirgs- und Senkenlandschaften. Das Tal der Lahn mit Oberem Lahntal, Marburg-Gießener Lahntal, Weilburger Lahntalgebiet und Limburger Becken zerschneidet die Region zentral. Von den höheren Mittelgebirgen auf beiden Seiten des Flusstales liegen nur der Vogelsberg (links der Lahn) und das Gladenbacher Bergland (rechts der Lahn) mit den Bottenhorner Hochflächen komplett in Mittelhessen, während vom Taunus nur der Norden des Östlichen Hintertaunus, vom Westerwald der Osten bis annähernd zum Höhenschwerpunkt und vom Rothaargebirge die (Süd-)Ostabdachung an Kalteiche (mit Haincher Höhe) und Sackpfeife eingenommen werden. links|mini|Bottenhorner Hochflächen im Gladenbacher Bergland, i.M. 480 m bis 500 m ü. NN
mini|Geologische Karte Mittelhessens Der Westen Mittelhessens gehört zum Rheinischen Schiefergebirge und ist damit der älteste Teil (Bildung im Paläozoikum, vor rund 300 bis 500 Millionen Jahren). Dieses zunächst eingerumpfte Gebirge hob sich in der alpidischen Faltung wieder und bildete anschließend die noch heute sichtbare Morphologie: die Vulkanite des Westerwalds und die Zerschneidung durch die Flüsse Lahn und Dill mit gehobenen (Dill-Mulde) und im Tertiär teils wieder eingebrochenen Schollen wie dem Limburger Becken. Die Lössablagerungen sowie die Wasserverfügbarkeit in diesem Bereich hatten eine sehr frühe Besiedlung zur Folge.
Den südlichen Teil des mittelhessischen Schiefergebirges nimmt der Hintertaunus ein, nördlich der Lahn schließen sich das tertiäre Vulkanbergland des Westerwaldes und, direkt im östlichen Anschluss, das Gladenbacher Bergland an. Die Roteisen-Lagerstätten des den Westen des letztgenannten Über-Naturraumes einnehmenden Lahn-Dill-Gebietes, die Voraussetzung für die schon früh einsetzende Eisen- und Buntmetallgewinnung waren, verdanken dem untermeerischen Vulkanismus im Oberdevon ihre Entstehung. Die kaolinreichen Tone aus limnisch-terrestrischen Sedimenten entstanden aus den Ablagerungen eines damals fast ganz Deutschland bedeckenden Meeres im Erdaltertum. Sie bilden die Rohstoffbasis für das regional früh auftretende Töpfer- und Ziegeleigewerbe. Immer wieder wurde versucht, die mittelhessischen Braunkohlevorkommen abzubauen; die Nutzung der Mineralquellen aus dieser Zeit zum Beispiel im Löhnberger Becken oder in Selters ist bis heute deutlich erfolgreicher.
Im Osten schließt sich das bis zur Westhessischen Senke reichende Westhessische Bergland an das Schiefergebirge an. Während des Erdmittelalters (Mesozoikum, vor rund 140 bis 200 Millionen Jahren), füllte sich die Senke mit Sedimentabfolgen. Erwähnenswert im Bergland westlich der Senke ist vor allem der Buntsandstein mit bis zu 1.000 m Mächtigkeit, ein wasserdurchlässiges und damit siedlungsfeindliches Gestein, welches den Burgwald, aber auch den Marburger Rücken, die Lahnberge und den nördlichen Teil der Oberhessischen Schwelle prägt.
Das Mittelgebirge des Vogelsbergs im Osten Mittelhessens mit einer Basaltfläche von 2.500 km² ist das größte geschlossene Vulkangebirge Europas. Die Laven haben sich lang anhaltend tafelförmig ausgebreitet, die Basaltmächtigkeit beträgt bis zu 300 Meter.
Im Zentrum Mittelhessens liegen mehrere Becken, die Teil des Mittelmeer-Mjösen-Grabens (europäische Riftzone) sind: Im Süden ragen die Ausläufer der Wetterau in die Region, es schließen sich das Gießener Becken und, hinter dem einen Riegel bildenden Vorderen Vogelsberg, das Amöneburger Becken an.
Berge mini|Vogelsberg im Winter Landschaftsprägend sind die Härtlinge des Rheinischen Schiefergebirges wie die Sackpfeife (Berg) (674 m), die Angelburg (Berg) (609 m), der Dünsberg (498 m), Rimberg (498 m) sowie die Basaltkuppen Amöneburg, Stoppelberg (402 m) im Norden des Östlichen Hintertaunus oder der Gleiberg. Die wichtigsten Berge des mittelhessischen Westerwaldanteils sind der Höllberg (643 m), Auf der Baar (618 m) und der Knoten (605 m). Die wichtigsten Berge im mittelhessischen Östlichen Hintertaunusanteils sind das Kuhbett (526 m), der Hesselberg (518 m). der Steinkopf (518 m). Die höchste Erhebung Mittelhessens ist der im Osten der Region gelegene Taufstein im Vogelsberg mit einer Höhe von 773 Metern.
Gewässer Quellen
Flüsse mini|links|Flüsse in Mittelhessen mini|hochkant|Das Lahntal bei Runkel Die Flusstäler vor allem der Lahn und der Dill bilden teils tiefe Einschnitte in die Landschaft und stellen historisch wichtige Verbindungslinien dar, die großen Einfluss auf die Städte- und Wirtschaftsentwicklung hatten. In der rund 250 Meter tiefen Einkerbung des Dilltales werden zahlreiche Lagerstätten des Grundgebirges angeschnitten. Größere Nebenflüsse der Lahn in Mittelhessen sind u. a. die Dill, die Ohm, die Weil und der Emsbach.
Quer durch den Vogelsberg verläuft von Südost nach Nordwest die Rhein-Weser-Wasserscheide. Die Flüsse, welche im nördlichen und östlichen Vogelsberg entspringen, entwässern über die Fulda in die Weser. Hierzu zählen die Schwalm nebst Antrift, die Lüder und die Schlitz.
Die Wetter hingegen gehört als Nebenfluss der Nidda bereits zum Einzugsgebiet des Mains.
Klima Die Klimaverhältnisse sind durch einen Grenzcharakter vom maritimen zum kontinentalen Klimatypus einerseits gekennzeichnet, andererseits durch viele durch die Mittelgebirge bedingte kleinräumliche Varianten. Es gibt in Hessen klimatisch sowohl West-Ost- wie auch Nord-Süd-Gegensätze, deren Übergangsraum jeweils Mittelhessen darstellt. Verallgemeinerungen fallen daher schwer, ein eigenständiges mittelhessisches Klima gibt es nicht.
mini|links|Klimadiagramm von Gießen Die morphologische Struktur der Region steht der Hauptwindrichtung (in der Regel Westlage vom Atlantik auf das Festland) entgegen. So werden die Luftmassen am Rheinischen Schiefergebirge zum Aufsteigen gezwungen und kühlen sich dort ab, was zu Niederschlägen führt. Mittelhessen befindet sich im Windschatten des Schiefergebirges, das wie ein Schutzschild wirkt, hat dadurch kontinentalere Klimabedingungen und deutlich geringere Niederschläge. Vor allem bei Westlagen wirkt sich dies aus; bei Nordlagen hingegen können Kaltluft-Einbrüche gut durch die Öffnung der Westhessischen Senke von Nordhessen eindringen. Der Vogelsberg hindert die Luftmassen am Vordringen und stellt im Nord-Süd-Profil eine wichtige Klimascheide dar: er begünstigt das Klima südlich des Mittelgebirges.
Allgemein sind die im Westen gelegenen Mittelgebirge Gebiete reichhaltigen Niederschlags, in den Höhen liegen die Jahresniederschläge im langjährigen Durchschnitt bei über 1000 mm. Nach Osten zu, aber auch im Limburger Becken nehmen die Niederschläge rasch ab, im Bereich der mittleren Lahn liegen sie zwischen 600 und 650 mm pro Jahr. Die Barriere des bis zu 600 m hohen Vogelsbergs zwingt die Luftmassen wieder zum Abregnen, die Jahresniederschläge erreichen in den Gipfellagen Werte um 1200 mm.
Die mittleren Lufttemperaturwerte sind vergleichsweise moderat: im Januar schwanken sie zwischen −3 (Vogelsberg) und +1 °C (Limburger Becken), im Juli zwischen 15 (Vogelsberg) und 19 °C (nördliche Wetterau). Die Temperaturen werden durch die Morphologie Mittelhessens beeinflusst: je höher die Lage, desto kälter ist in der Regel die Durchschnittstemperatur. Die geschlossenen Beckengebiete kehren dies im Winter jedoch um, da sich in ihnen die Kaltluft ansammelt: Sie sind gekennzeichnet durch Strahlungsnebel und Smog-gefährdet. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer ist dadurch auf den Randhöhen der Becken höher.
Ausdehnung und Abgrenzung der Region Ein Grenzstein in Mittelhessen im Verlauf der ehemaligen Grenze zwischen Hessen-Darmstadt und Oranien-Nassau|mini Mittelhessen wird als 1981 geschaffenes Verwaltungsgebilde formal durch die zum Regierungsbezirk gehörenden fünf Landkreise abgegrenzt. Die Zugehörigkeit der Menschen hingegen ist auch durch die Jahrhunderte dauernde Orientierung auf die von starken Zentren dominierten Nachbarregionen geprägt: Während sich der westliche Limburg-Weilburger Raum durch seine frühere Zugehörigkeit zu Nassau in Richtung des Rhein-Main-Gebietes und früher bis nach Wiesbaden richtet, ist die Bevölkerung im Raum Marburg auf das dortige Oberzentrum und nach Gießen und Kassel orientiert, ebenso wie die Bevölkerung des Hessischen Hinterlandes. Die Bewohner der Dill-Region orientieren sich zum Raum Wetzlar. Im östlichen Vogelsberg bestehen enge Bindungen zum Raum Fulda (Osthessen), wohingegen sich die nördlichen Teile der Wetterau entsprechend ihrer Zugehörigkeit zur ehemaligen hessen-darmstädtischen Provinz Oberhessen eher in Richtung Gießen als in den südlicher gelegenen Ballungsraum des Rhein-Main-Gebietes orientieren.
Geschichte Mittelhessen als heutige Region hat im Gegensatz zu den Regierungsbezirken Kassel und Darmstadt keine eigene geschichtliche Tradition. Die Regionalgeschichte ist aus diesem Grund territorialgeschichtlich komplexer als in Nord- und Südhessen.
Ur- und Frühgeschichte mini|Keltischer Ringwall am Dünsberg Bereits in der Altsteinzeit waren die Lahnhöhen zum Beispiel in der Wetzlarer Region besiedelt. Durch die vom Klima begünstigte Lage blieben dort die Menschen auch in der Würmeiszeit vor rund 50.000 Jahren.
Jüngste umfangreiche Ausgrabungen längs der Lahn in Wetzlar-Dalheim haben größere, 7.000 Jahre alte Siedlungsreste einer bandkeramischen Kultur hervorgebracht. Die Ausgrabungen belegen weiter für die Nachfolgesiedlung germanische Ursprünge. Sie bestand etwa seit der Zeitenwende und war für die Dauer von ca. 1.400 Jahren besiedelt.
Die Eisenerzeugung und -verarbeitung hat in und um Wetzlar eine 2.500-jährige Tradition.
Im mittelhessischen Raum gibt es zahlreiche keltische Siedlungsspuren u. a. Ringwallanlage Daubhaus, Angelburg (Berg), Ringwall Hünstein, Ringwallanlage Rimberg, Christenberg, Lützelburg, Ringwallburg Heunstein, Ringwall Rittershausen und Amöneburg, die noch nicht oder nur unzureichend untersucht sind. Auf der Gemarkung Wetzlars bestanden drei keltische Siedlungen. Am bekanntesten ist das ca. 10 km nordwestlich von Gießen und ca. 12 km nordöstlich von Wetzlar gelegene keltische Oppidum auf dem Dünsberg.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. wanderten elbgermanische Bevölkerungsgruppen (Sueben?/Landoudioer?) ein und siedelten zusammen mit den Kelten im mittelhessischen Raum. Ob diese neue Gruppe im Stamm der Chatten aufging oder ob sich die Chatten aus ihrem Stammland um Fritzlar und Kassel nach Süden und Südwesten ausbreiteten, ist bis heute noch nicht abschließend geklärt. Chatten siedelten im Süden bis in das Gießener Becken hinein.
Bei Niederweimar (südl. Marburg) fand man bei Ausgrabungen unter dicken Auelehmschichten an der Lahn deutliche Hinweise, die eine ununterbrochene Besiedlung von der Jungsteinzeit über die Latènezeit bis in die frühe römische Kaiserzeit belegen. Die Keramik zeigt u. a. einen Stil bei dem keltische Einflüsse mit dem im Osten geprägten germanischen Form- und Zierstil verbunden wurden. mini|Verlauf des Limes durch das heutige Mittelhessen
Antike