Thomas Mario „Tommy“ Haas (* 3. April 1978 in Hamburg) ist ein ehemaliger deutscher Tennisspieler und jetziger Tennisfunktionär, der auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt.

Kindheit und Jugend Thomas Haas wurde 1978 in Hamburg als Sohn des aus Graz stammenden ehemaligen Vizeeuropameisters im Judo, Peter Haas, geboren, seine Mutter ist Deutsche. Er begann das Tennisspielen im Alter von vier Jahren und spielte für die Hamburger Vereine Klipper THC sowie TC Vier Jahreszeiten. 1989 wurde er Norddeutscher U12-Meister. Nach dem Umzug nach Süddeutschland wurde Haas Mitglied des TC Freising. Mit 13 Jahren begab er sich in die Tennisakademie zu Nick Bollettieri in Bradenton, Florida, wo er auch lebte. Die Ausbildung verlief sehr erfolgreich. Haas war unter anderem längere Zeit Einspielpartner von Andre Agassi, erreichte den elften Platz der Juniorenweltrangliste, gewann sowohl Doppel- als auch Einzeltitel und war auch bei den Grand-Slam-Turnieren der Junioren unter den Besten. 1992 gewann er den Orange Bowl, die inoffizielle Junior-Weltmeisterschaft. 1996 schloss er die High School in Bradenton ab.

Finanziert wurde seine Ausbildung (und die seiner Schwester Sabine) von einem Sponsorenpool (TOSA Tennistalentförderung GmbH), dem im Gegenzug eine Beteiligung von 15 % der späteren Einnahmen (bis 2004) zugesichert wurde. Dieses Modell hatte sein Vater 1985 aufgelegt. Als Tommy Haas bereits 1999 die Zahlungen einstellte, gingen seine Sponsoren vor Gericht und setzten 2003 in letzter Instanz eine Zahlung von über 500.000 € durch.

Tenniskarriere Die ersten Profijahre (1997–1999) Auf der ATP World Tour machte er erstmals 1997 auf sich aufmerksam, als er das Halbfinale von Hamburg erreichte. Nach zahlreichen Verletzungsproblemen 1998 schaffte Haas 1999 den vorläufigen Durchbruch. Im Januar erreichte er nach starken Leistungen das Halbfinale der Australian Open, wo er jedoch Jewgeni Kafelnikow glatt in drei Sätzen unterlag. Im Frühjahr gewann Haas in Memphis sein erstes ATP-Turnier. Bis kurz vor Ende der Saison konnte Haas sich Hoffnungen machen, sich für die ATP-WM in Hannover zu qualifizieren, was aber nicht gelingen sollte. Dafür erreichte er das Finale des Grand-Slam-Cups in München, verlor dort aber in vier Sätzen gegen Greg Rusedski.

Auf und Ab: von Olympia bis zur Verletzungspause (2000–2003) Im Jahr 2000 errang Haas bei den Olympischen Spielen in Sydney nach einem knapp verlorenen Fünfsatz-Finalmatch gegen Jewgeni Kafelnikow die Silbermedaille im Tennis-Einzel.

2001 spielte Haas seine bis dahin beste Saison. Nach dem Turniersieg in Stuttgart im Oktober konnte er sich erneut große Hoffnungen auf das Erreichen des ATP-Masters machen. Die Entscheidung darüber fiel beim Masters-Turnier in Paris. Dort unterlag Haas im Halbfinale Sébastien Grosjean, der auch den Titel gewann. Damit war Grosjean für das Masters qualifiziert, Haas blieb nur die Rolle des Ersatzspielers.

2002 erreichte Haas wie schon 1999 das Halbfinale der Australian Open. Nach einer 2:1-Satzführung unterlag er dem Russen Marat Safin aber noch in fünf Sätzen. Im Mai 2002 stand Haas auf Platz zwei der Weltrangliste, seine beste Platzierung. Es folgten jedoch schwierige Monate. Bei einem Motorradunfall im Sommer 2002 wurden seine Eltern schwer verletzt; sein Vater lag daraufhin wochenlang im Koma, wurde aber wieder gesund.

Zudem musste Haas die gesamte Saison 2003 wegen Schulterproblemen pausieren. In dieser Zeit ließ er sich zweimal an der Schulter operieren.

Comeback und Rückkehr an die Weltspitze (2004–2006) mini|hochkant=1.1|Tommy Haas, 2006 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.6|Unterschrift Tommy Haas

Nach 15-monatiger Verletzungspause gab Haas Anfang Februar 2004 sein Comeback auf der ATP-Tour. Die Verletzungspause von 467 Tagen ist die längste, nach der es im Herrentennis bisher eine Rückkehr in den Wettkampfsport gegeben hat. Am 19. April 2004 stand Haas in Houston erstmals seit 23 Monaten wieder in einem Finale, das er gegen Andy Roddick mit 6:3 und 6:4 gewann. Im Juli 2004 gewann Haas seinen siebten Einzeltitel in Los Angeles. Im ersten rein deutschen ATP-Finale seit 1994 (damals spielten Zoecke-Dreekmann in Sun City) bezwang er Nicolas Kiefer mit 7:6 und 6:4.

Nach einer mäßigen Saison 2005, in der er mit der deutschen Mannschaft immerhin Weltmeister beim World Team Cup in Düsseldorf wurde, trennte sich Haas Ende des Jahres von seinem Trainer David Red Ayme. Er wurde ab dann von Thomas Högstedt betreut.

In der Saison 2006 konnte Haas, nachdem er bei den Australian Open den Weltranglistenersten und späteren Turniersieger Roger Federer über die volle Distanz von fünf Sätzen hatte zwingen können, drei Turniererfolge erreichen. Anfang April stand er im Halbfinale von Houston. Aufgrund einer Handgelenksverletzung verpasste er aber seinen dritten Turniersieg der Saison. Bei den US Open konnte Haas gleich zwei Partien in Folge im Tie-Break des fünften Satzes zu seinen Gunsten entscheiden: in der dritten Runde gegen Robby Ginepri mit 7:61, 6:4, 3:6, 3:6, 7:61 und dann im Achtelfinale nach einem dramatischen, umkämpften Spiel gegen den Russen Marat Safin mit 4:6, 6:3, 2:6, 6:2, 7:65. Im Viertelfinale schied er dann gegen dessen Landsmann Nikolai Dawydenko aus, gegen den Haas sein drittes Fünfsatzmatch innerhalb von nur vier Tagen mit 6:4, 7:63, 3:6, 4:6, 4:6 verlor.

Beim Davis-Cup-Relegationsspiel gegen Thailand erwischte er einen schlechten Tag. Er verlor gegen den eher unbekannten Danai Udomchoke in fünf Sätzen. Sein zweites Einzel sagte er ab.

Am Ende der Saison 2006 hatte er die Möglichkeit, sich für den Masters-Cup in Schanghai zu qualifizieren. Wieder einmal war Paris der Dreh- und Angelpunkt. Er hätte das Turnier gewinnen müssen, schied aber nach starken Vorstellungen (er schlug u. a. die damalige Nummer neun der Welt, James Blake) im Halbfinale gegen Dominik Hrbatý aus, da er wegen einer Magen-Darm-Grippe aufgeben musste.

Das Jahr 2007 Das Jahr 2007 begann für Haas mit einer kleinen Enttäuschung. Beim Einladungsturnier in Kooyong (Australien), einem Vorbereitungsturnier für die Australian Open, konnte er keines seiner drei Spiele gewinnen und wurde Letzter. Zudem blieb er ohne jeglichen Satzgewinn. Doch mit Beginn der Australian Open wurde Haas stärker und spielte sich ohne Satzverlust in das Achtelfinale. Dort besiegte er den Argentinier David Nalbandian mit 3:1 nach Sätzen und blieb damit auch im dritten Vergleich gegen den Argentinier ungeschlagen. Im Viertelfinale traf er auf seinen bisherigen Angstgegner Dawydenko, den er in fünf Sätzen (6:3, 2:6, 1:6, 6:1, 7:5) bezwang. Haas zog mit diesem Sieg nach 1999 und 2002 zum dritten Mal in das Halbfinale von Melbourne ein, wo er auf Fernando González traf, gegen den er dann in drei glatten Sätzen (1:6, 3:6, 1:6) unterlag. Ende Januar 2007 stand er nach viereinhalb Jahren wieder in den Top Ten der Weltrangliste.

In der ersten Daviscup-Runde gegen Kroatien gewann er seine beiden Einzel gegen Mario Ančić und Ivan Ljubičić und führte Deutschland ins Viertelfinale gegen Belgien. Am 25. Februar 2007 gelang Haas der elfte Turniersieg seiner Karriere. In Memphis schlug er im Finale Andy Roddick nach nur 62 Minuten klar mit 6:2 und 6:3; damit durfte er sich nach 1999 und 2006 bereits zum dritten Mal in die Siegerliste des Turniers eintragen. Im Davis-Cup-Viertelfinale gegen Belgien im April gewann er sein erstes Einzel gegen Kristof Vliegen mit 6:7, 7:5, 6:4, 6:2.

Beim ATP-Turnier in Rom erlitt Haas in seiner Erstrundenpartie gegen Radek Štěpánek eine Schulterverletzung, deretwegen er mehrere Wochen pausieren und unter anderem die French Open absagen musste. In Wimbledon erreichte Haas dann erstmals das Achtelfinale, musste die Begegnung gegen den Weltranglistenersten Roger Federer jedoch verletzungsbedingt absagen.

Bei den US Open wiederholte Haas sein Vorjahresergebnis. Er scheiterte wie 2006 im Viertelfinale, diesmal jedoch in drei Sätzen an Dawydenko.

Das Jahr 2008 Das Jahr 2008 war für Haas erneut von Verletzungen geprägt, dennoch gelangen ihm ein paar gute Matches gegen Top-Spieler. So unterlag er in Wimbledon in der dritten Runde Andy Murray knapp in vier Sätzen und er schlug bei den US Open Richard Gasquet in einem Fünfsatzmatch in Runde eins. In der zweiten Runde kam für Haas gegen den luxemburgischen Qualifikanten Gilles Müller allerdings das überraschende Aus.

Das Jahr 2009 miniatur|Tommy Haas im Halbfinale der Gerry Weber Open gegen Philipp Kohlschreiber, 2009

Das Jahr 2009 begann Haas bei den Australian Open. Nach zwei glatten Siegen über Eduardo Schwank und Flavio Cipolla forderte er in der dritten Runde Rafael Nadal, dem er mit 4:6, 2:6, 2:6 unterlag. Mitte Februar holte Haas seinen ersten ATP-Doppeltitel, als er im Finale des Turniers von San José mit seinem Doppelpartner Radek Štěpánek über das indisch-finnische Duo Rohan Bopanna und Jarkko Nieminen triumphierte.

Nach einigen eher mäßigen Turnieren erreichte Haas bei den French Open das Achtelfinale. Nach Siegen über Andrei Pavel, Leonardo Mayer und Jérémy Chardy kam es zum Aufeinandertreffen mit Roger Federer. Haas verlor nach einer 2:0-Satzführung die Partie noch mit 7:6, 7:5, 4:6, 0:6, 2:6. Mit dem Achtelfinale hatte Haas gleichzeitig sein bestes Resultat in Paris aus dem Jahr 2002 eingestellt. In Halle feierte Haas seinen ersten Turniersieg seit über zwei Jahren. In den ersten Runden besiegte er Stefan Koubek, Jo-Wilfried Tsonga und Mischa Zverev. Im Halbfinale kam es zum Duell mit Philipp Kohlschreiber, bei dem Haas am Ende mit 2:6, 7:6 und 7:6 gewann. Im Finale traf er auf Novak Đoković. Haas gewann am Ende mit 6:3, 6:7 und 6:1. Mit seinem ersten Turniersieg auf Rasen gehörte er nun zu dem Kreis von Spielern, die in ihrer Karriere auf allen Belägen ein Turnier gewannen. Nach dem ehemaligen Wimbledonsieger Michael Stich ist er der zweite Deutsche in dieser Reihe. Das folgende Wimbledon-Turnier wurde für Haas dann zu seinem erfolgreichsten. Nach einem mühsamen Erstrundensieg über Alexander Peya und einer verletzungsbedingten Aufgabe seines Gegners Michaël Llodra in Runde zwei kam es zum Duell mit dem an Nummer 11 gesetzten Marin Čilić. Beide Spieler mussten jeweils Matchbälle abwehren, ehe das Spiel im fünften Satz wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste. Am folgenden Tag machte Haas dann nach über vier Stunden Spielzeit alles klar und schlug den Kroaten mit 7:5, 7:5, 1:6, 6:7, 10:8. Im anschließenden Achtelfinale bezwang er Igor Andrejew mit 7:6, 6:4, 6:4. Im Viertelfinale kam es zu einer Neuauflage des Finales von Halle, der Gegner war Novak Đoković. Haas gelang es ein weiteres Mal, die damalige Nummer vier der Welt zu bezwingen. Er rang den Serben mit 7:5, 7:6, 4:6, 6:3 nieder. Im Halbfinale ergab sich dann die Gelegenheit, sich für die Achtelfinalniederlage bei den French Open zu revanchieren. Gegen den späteren Turniersieger Roger Federer hatte der Deutsche jedoch kaum eine Chance und verlor in drei Sätzen (6:7, 5:7, 3:6). Durch den Halbfinaleinzug war Haas aber wieder zurück in den Top 20.

Nach einer dreiwöchigen Turnierpause spielte er in Los Angeles das erste Hartplatzturnier zur Vorbereitung auf die US Open. Auf dem Weg ins Halbfinale schlug er Jesse Levine mit 6:1, 6:3 und Marat Safin 7:6, 6:2. Dort unterlag er jedoch zum zweiten Mal in seiner Karriere dem späteren Turniersieger Sam Querrey mit 3:6, 5:7.

Das Jahr 2010