Fernweh beschreibt die menschliche Sehnsucht, vertraute Verhältnisse zu verlassen und sich die weite Welt zu erschließen. Das Wort „Fernweh“ steht im wörtlichen Gegensatz zu Heimweh, der Sehnsucht nach der Heimat.

Wortgeschichte Die Wortschöpfung wird dem Fürsten Pückler-Muskau zugeschrieben,Friedrich Kluge: Heimweh: Ein wortgeschichtlicher Versuch, 1901, S. 40 der das Wort in seinen vielgelesenen Reiseerzählungen ab 1835 mehrfach verwendete.Hermann von Pückler-Muskau: Vorletzter Weltgang von Semilasso, Stuttgart 1835, S. 236. Online Das Wort ist in Analogie zu dem älteren Wort „Heimweh“ gebildet. In Pücklers Lebensbeschreibung heißt es 1843: „Pückler sagt irgendwo in seinen Schriften, daß er niemals an Heimweh, vielmehr an Fernweh leide“.August Jäger (von Schlumb): Das Leben des Fürsten von Pückler-Muskau, Metzler 1843, S. 191 f. Online Es bürgerte sich vor allem in der poetischen und Bildungssprache ein. Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff im Zusammenhang mit dem Tourismus in die Werbesprache übernommen. Die künstliche Erzeugung von „Fernweh“ durch Bilder und Darstellungen ferner Länder wurde zum bedeutenden globalen Wirtschaftsfaktor.

Ein vergleichbares etwas älteres Wort ist Wanderlust. Alternative Wortschöpfungen wie „Storch- oder Kranichgefühl“ verbreiteten sich nicht. So heißt es 1873: „Professor Dr. Erdmann [...] bezeichnet diesen charakteristischen Wandertrieb mit dem Namen des Storch- oder Kranichgefühls. Fürst Pückler-Muskau giebt ihm den ebenso bezeichnenden Namen des Fernweh.“Rudolph von Kyaw: Beitrag zur Reiseliteratur. Ein Reisepaß Online Für vergleichbare Verhaltensweisen der Tiere werden vorzugsweise die Wörter Wandertrieb (Zoologie) oder Zugunruhe gebraucht, die auf das äußerlich sichtbare Verhalten Bezug nehmen, während „Fernweh“ fast stets mit Bezug auf Menschen gebraucht wird. Spezifisch deutsche Wortschöpfungen wie Heimweh, Wanderlust oder Fernweh mit ihren Konnotationen haben nicht immer genaue Äquivalente in anderen Kulturen und spielen daher im Fremdsprachenunterricht Deutsch eine Rolle.Gabriele Schweller: Ziel C1: Deutsch als Fremdsprache. Lehrerhandbuch, Band 1, Hueber-Verlag 2011, S. 62. Online

Begriffsgeschichte Die deutschen Klassiker – Schiller und Goethe – kannten das Wort „Fernweh“ noch nicht. In Schillers Drama Maria Stuart wird die gefangene Königin beim Anblick ziehender Wolken von Wehmut ergriffen. Hier zeigt sich deutlich, dass die beiden Wörter Fernweh und Heimweh Gefühle zu klassifizieren versuchen, die als Gefühle nicht notwendig verschieden sein müssen. Die Zeilen lauten:

Goethe erinnerte sich 1822 an die Kampagne in Frankreich, 30 Jahre zuvor. Auf dem Rückweg von Frankreich 1792 bereits in Koblenz angelangt, stand ihm die Heimreise zu Frau und Kindern nach Weimar oder zu seiner Mutter nach Frankfurt am Main offen. Jedoch beim Anblick des strömenden Wassers des Rheins ergriff ihn ein „Fluchtgefühl“:

Literatur Friedrich Kluge: Heimweh: Ein wortgeschichtlicher Versuch, 1901 (online bei Archive.org)

Siehe auch Wehmut, Gefühl zarter Traurigkeit, hervorgerufen durch Erinnerung an Vergangenes. Weltschmerz, Gefühl der Trauer und schmerzhaft empfundener Melancholie. Saudade, ein portugiesisches Gefühl des Weltschmerzes, das nur annähernd in andere Sprachen übersetzbar ist. Wabi-Sabi, japanischer Begriff, welcher auf der Annahme von Vergänglichkeit und Unvollkommenheit beruht. Weblinks

Einzelnachweise

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