Varde ist eine dänische Kleinstadt im südwestlichen Jütland und Verwaltungssitz der Kommune Varde, Region Syddanmark. mini|Varde - Rathaus mini|Varde - St.-Jacobi-Kirche Sie liegt im südwestlichen Teil von Jütland, ungefähr 15 Kilometer nördlich von Esbjerg. Die Stadt hat 14.022 Einwohner (2020), ist die Hauptstadt in der Gemeinde von Varde und gehört, wie der restliche südliche Teil von Jütland, zur Region Syddanmark (Süddänemark).
Die Stadt Varde liegt beim Flüsschen Varde, die Stadtmitte ist von alten Bauten geprägt. Varde ist im Sommer aufgrund der kurzen Entfernung zur Nordsee eine Ferien- und Tourismusstadt. Das Alter von Varde ist nicht genau bekannt, aber Varde wird in schriftlichen Quellen erstmals 1107 erwähnt.
Von Beginn an tritt der Städtename Varde in zwei Versionen auf: Warwath und Warwick. Das Präfix „War-“ ist in beiden Versionen als „Grünland“, „Strand“ oder als ein anderes unkultiviertes Gebiet aufzufassen. Die zwei Suffixe „wath“ und „wik“ stehen für die Begriffe „Furt“ und „Bucht“ Die Erklärung für die divergierenden Stadtnamen liegt darin, dass die Stadt von der Land- oder der Wasserseite aus betrachtet wurde. Wie auch viele andere ältere Städte in Dänemark liegt Varde in einem Gebiet, wo die Landschaft Besiedlung oder andere menschliche Aktivität begünstigt. Die Stadt ist deshalb in der Nähe eines Flüsschen mit einer Anlaufstelle für Schiffe oder Boote entstanden, an einer Stelle, wo der von Nord nach Süd gehende Verkehr eine Furt oder Überquerungsstelle vorfand, die später von einer Brücke überspannt wurde.
Geschichte Dass die Region schon in der Bronzezeit bewohnt war, belegt das Ganggrab von Mejls, eines der wenigen erhaltenen Großsteingräber in dieser Region.
Varde war schon im Mittelalter durch ausreichenden Abstand von der Küste und durch die Nachbarschaft zur königlichen Burg (Vardehus) einigermaßen geschützt, wo sich das Verwaltungszentrum befand. Dort regierte eine Art königlichen Amtmannes, der sogenannte „Bryde“, in ganz Varde Syssel, einem Gebiet von der Größe des früheren Amtes Ribe. Varde war im Mittelalter mit zwei Kirchen ausgestattet. In der Wikingerzeit gab es nahe der späteren St.-Jacobi-Schule ein Wikingerlager.
Stadt/Gemeinde 1442
Das Handelsstadtsiegel von Varde ist das älteste Stadtwappen Dänemarks. Es stellt einen blauen Schild mit einem gehenden Goldenen Leoparden mit roter Zunge dar. Er sieht allerdings eher einem Löwen ähnlich. Handel und Handwerk prägten schon früh die Stadt, dementsprechend gestand König Christoph III. im August 1442 Varde die ersten Stadtprivilegien zu. Damit wurde der Landhandel, der sogenannte „Landprang“ verboten. Zugleich erhielten die Kaufleute der Stadt ein exklusives Recht in der Stadt Handel zu treiben. Der königliche Privilegbrief von 1442 ist nur durch eine Abschrift von 1648 überliefert.
Königliche Burgen beim Flüsschen Varde
Schriftliche Quellen aus dem 11. Jahrhundert erwähnen mehrmals den „Bryden“ in Varde. In seiner Eigenschaft als örtlicher Repräsentant des Königs muss dieser hochstehende Stellvertreter Residenz im lokalen Königsitz, dem Vardehus, genommen haben. Die älteste Burg in Varde lag westlich der Stadt, gleich neben dem Flüsschen von Varde.
Um 1300 wurde die Burg jedoch an einen kleinen Werder beim Flüsschen nahe dem südlichen Teil der Stadt verlegt. Als Folge eines Aufstandes im Jahr 1439 wurde die Burg, Vardehus II, von aufständischen Bauern gestürmt und zerstört. Im selben Jahr folgte die Antwort des Reichsrates und Varde wurde niedergebrannt. An beiden Burgstellen wurden kleinere Ausgrabungen durchgeführt, und eine Reihe von Funden gemacht, die im Museum von Varde aufbewahrt werden.
Die Halbinsel Skallingen entstand 1634 bei einer Sturmflut, der Burchardiflut.
Der zentrale Platz in der Innenstadt von Varde
Am Hauptplatz von Varde liegen unter anderem die Kirche St. Jacobi aus dem 11. Jahrhundert, das Haus von Sillasen aus dem Jahr 1797, das alte Rathaus von 1872 und der Schultzke Hof. Um 1900 bestand auf diesem zentralen Platz ein Viehmarkt und später ein Busbahnhof. Er wird derzeit für Markttage und öffentliche Veranstaltungen genutzt und erhielt 2003 einen neuen Belag. Die Landschaftsarchitektin Charlotte Horn ließ sich bei der Neugestaltung von dem Flüsschen Varde und den Vardemuscheln mit der charakteristischen schwarzen Perle inspirieren. Vor alten Rathaus von Varde liegt ein Becken mit Wasser und ein großer, runder, schwarzer Stein, der die Perle von Varde symbolisiert. Von dort aus verläuft ein verkleinerter Abschnitt der Varde über den Platz.
Zweiter Weltkrieg Große Teile der Naturgebiete nahe der Küste sind militärische Übungsgebiete, die aber besucht werden können, wenn nicht die rote Signalflagge gehisst ist. In der Gemeinde von Varde befinden sich drei Kasernen, nämlich in Varde, Oksbøl und Nymindegab. Nymindegablejren wurde von der deutschen Wehrmacht 1941 als Flugabwehrartillerieschule errichtet. Die Kaserne sollte aus der Luft wie eine kleine Stadt aussehen, damit sie nicht beschossen wurde. Unmittelbar neben der Kaserne erstreckte sich der Atlantikwall, der sich vom Nordkap in Norwegen bis in die Pyrenäen nahe der spanischen Grenze erstreckte. Deswegen liegen entlang der Küste viele freigelegte Bunker, die als dauerhafte Mahnmale des Zweiten Weltkriegs dienen. Unter diesen findet man z. B. die Tirpitz-Stellung (Batterie Vogelnest), die den Seeweg zum Hafen in Esbjerg schützen sollte, aber nie fertiggestellt wurde.
Da die Westküste Jütlands von der Wehrmacht vermint worden war, musste die Küste nach dem Zweiten Weltkrieg von Minen geräumt werden. Die Räumung entlang der westlichen Küste Dänemarks wurde 2015 im dänischen Film „Undet Sandet“ (Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit) problematisiert, in dem die Verhältnisse der deutschen Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Minen räumten, beschrieben werden. Es starben nach dem Zweiten Weltkrieg mehr deutsche Soldaten beim Räumen der Minen als zuvor bei der Invasion und Okkupation Dänemarks von 1940 bis 1945. Auf Skallingen befand sich das letzte Minenfeld Dänemarks. Die letzten Minen wurden erst 2012 geräumt.
Gemeinde/Kommune von Varde mini|Tyrrestrup Malerei in der Ratskammer von Varde Kommune Die derzeitige Gemeinde/Kommune von Varde entstand 2007 infolge der „Kommunalreform“, wodurch die vorherige Kommune mit den Gemeinden Blaabjerg, Blåvands Huk, Helle und Ølgod zusammengefasst wurde. Mit einer Fläche von 1240,1 km² ist sie seither die fünftgrößte Gemeinde Dänemarks. Das neue Rathaus der Kommune liegt am Bytoften 2 in Varde. Es wurde im Sommer 2015 eingeweiht.
Entwicklung der Einwohnerzahl (1. Januar): 1976 - 10.688 1981 - 10.888 1986 - 11.432 1990 - 11.972 1996 - 11.289 2000 - 12.712 2002 - 12.861 2004 - 12.756 2006 - 12.791 2007 - 12.690 2008 - 12.913 2009 - 13.054 2010 - 13.090 2015 - 13.771 2020 - 14.022 Varde ist die Hauptstadt der gleichnamigen Gemeinde und mit etwas über 14.000 Einwohnern die größte Stadt der Gemeinde, gefolgt von Ølgod und Oksbøl mit 3853 beziehungsweise 2852 Einwohnern. Alles in allem leben in der Gemeinde von Varde 50.122 Einwohner mit festem Wohnsitz.
Geografie mini|links|Rotwild in der Natur von Varde mini|Vejers Strand mini|Tirpitzstillingen - Batterie Vogelnest Varde erstreckt sich von Ansager im Osten bis Blåvands Huk an der Nordsee im Westen, von Skallingen im Süden bis Nymindegab/Ølgod im Norden. Die Gemeinde mit ihrer ausgedehnten Fläche birgt eine Reihe von Landschaftstypen.
In der Gemeinde von Varde treffen Nationalpark Vadehavet, der im Juni 2014, zusammen mit Wattgebieten in Deutschland und den Niederlanden, zum UNESCO-Welterbe erhoben wurde, und Naturpark Vesterhavet aufeinander, der sich über eine Fläche von 22.500 Hektar zwischen Blåvands Huk und Nymindegab ausbreitet. Die Parks entlang der Küste von Varde bieten zahlreiche Landschaftsformen, darunter vor allem Dünenlandschaften, Heide, Dünenplantagen, also Schutzwälder, küstennahe Seen und große Wattflächen. Wo Nationalpark und Naturpark aufeinandertreffen, liegt der westlichste Punkt Dänemarks, der vom Leuchtturm in Blåvand überragt wird und früher die Schiffe um Horns Rev leiten sollte, wo sich die Sandbänke weit in das Meer erstrecken.
Sehenswürdigkeiten im Umland mini|Der Leuchtturm von Blåvand(Varde) mini|Die Wiederherstellung von Filsø Das Museum von Varde Stadt und Umgebung funktioniert als Dachorganisation für die Museen in der Gemeinde von Varde. Unter diesen findet man das Museum von Varde, die Tirpitzstillingen (Batterie Vogelnest), das Museum von Nymindegab, das dänische Bernsteinmuseum usw.
Die Tirpitz-Stellung (Batterie Vogelnest) wurde seit 2015 umgebaut und bietet nach der Fertigstellung 2017 neben dem Bunker Ausstellungen über den Atlantikwall, das Leben an der Westküste und eine Bernsteinsammlung.
Die Ministadt von Varde im Arnbjergpark ist eine verkleinerte Ausgabe der Stadt Varde anno 1866 im Größenverhältnis 1:10, die mit Hilfe von zwölf Freiwilligen, sogenannten Minimaurern, entstand, deren Arbeit an den Miniaturhäusern von Mai bis Oktober zu sehen ist.
Tambours Garten ist eine Gartenanlage mit vielen seltenen Pflanzen.
Blåvands Huk (Der Leuchtturm von Blåvand), der westlichste Punkt Dänemarks, mit Blick auf den Windmühlen von Horns Rev.
Die breiten Strände von Blåvand, Vejers Strand und Henne Strand ziehen viele Touristen an.
Der See von Filsø war der zweitgrößte See Dänemarks, bis er in der Mitte des 18. Jahrhunderts für landwirtschaftliche Zwecke trockengelegt wurde. 2010 wurde das Gebiet von der Naturstiftung von Aage V. Jensen – Filsø Avlsgods erworben, mit dem Ziel, den See wiederherzustellen. 2012 wurde wieder Wasser in den einstigen See eingeleitet.
Die Sommerspiele von Varde werden vom Amateurtheater 7-Kanten arrangiert, jedes Jahr wird einen Monat lang eine neue Theatervorstellung aufgeführt.
Nationalpark Vadehavet (Nationalpark Wattenmeer) UNESCO-Welterbe – ein ausgedehntes Wattgebiet von Varde im Norden bis an die deutsche Grenze im Süden.
Naturpark Vesterhavet – 22.500 Hektar großer Naturpark zwischen Blåvands Huk und Nymindegab
Skallingen – Die Halbinsel entstand 1634 bei einer Sturmflut, der Burchardiflut. Skallingen enthielt lange das letzte Minenfeld Dänemarks, die letzten Minen wurden erst 2012 geräumt.
Das Ganggrab von Mejls – Eines der wenigen erhaltenen Großsteingräber in diesem Bereich.
Kunst und Baustil mini|links|Spejlinger - Spiegelungen mini|Nymindegab (Laurits Tuxen) Otto William Frello (1924–2015), lokaler Künstler mit permanenter Ausstellung im Museum von Varde. Frello war für seinen surrealen und zugleich sehr realistischen und detaillierten Stil bekannt.
Laurits Tuxen ist als einer der Skagensmaler bekannt, aber schon 1879 besuchte er Nymindegab, wo er dazu beitrug, die Malerkolonie Nymindegabmalerne zu gründen. Die Künstler mieteten während der Sommermonate Zimmer im Gasthaus von Nymindegab, wo sie Skizzen malten, die sie nach der Rückkehr nach Kopenhagen fertigstellten. Einige der Werke von Laurits Tuxen werden im Museum von Nymindegab ausgestellt.
Das Kunstmuseum Westjütlands (das Janus-Gebäude) in Tistrup, zwischen Varde und Ølgod, mit einer Sammlung von ungefähr 2000 Werken, in erster Linie mit moderner Kunst und wechselnde Ausstellungen.
Varde Klassizismus – da Varde in seiner Geschichte mehrmals niedergebrannt ist, sind viele der Gebäude im Stadtzentrum aus dem letzten Teil des 17. Jahrhunderts oder dem Anfang des 18. Jahrhunderts, darunter der Kampmannske Hof und das Haus von Sillasen am zentralen Platz von Varde. Der Klassizismus gab vor die Mauern zu verputzen, was in Varde jedoch nicht geschah, da man kurz vor dem Klassizismus in der Lage war, rote Ziegelsteine massenhaft zu produzieren. Stattdessen wurden viele Details hervorgehoben. Das Resultat waren rote Mauern und rote Ziegeldächer mit vielen in Weiß gehaltenen Details.
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