mini|hochkant=1.3|Das Spiegel-Gebäude in Hamburg
Der Spiegel (Eigenschreibweise DER SPIEGEL) ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das im Spiegel-Verlag in Hamburg erscheint.
Das gleichnamige Nachrichtenportal, das von 1994 bis 2020 Spiegel Online hieß, wird von einer Tochtergesellschaft des Spiegel-Verlags betrieben. Die beiden Gesellschaften gründeten im September 2019 eine Gemeinschaftsredaktion und nutzen seit Januar 2020 dieselbe Dachmarke.
Eigentümerstruktur Die Eigentümerschaft des Spiegel-Verlags setzt sich (Stand 2024) aus drei Hauptakteuren zusammen: der Kommanditgesellschaft Beteiligungsgesellschaft für Spiegel-Mitarbeiter mbH & Co. (50,5 %), der Gruner + Jahr GmbH (25,5 %) und der Erbengemeinschaft Augstein (24 %). Diese Aufteilung spiegelt die Tradition des Verlags wider, die Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen und gleichzeitig die Verbindung zur Gründerfamilie aufrechtzuerhalten.
Profil In der bundesdeutschen Pressegeschichte nehmen Der Spiegel und sein Gründer Rudolf Augstein eine wichtige Rolle ein.Almut Kipp: „Der Spiegel“: Erfolge feiern mit Skandalen. Auf Stern.de vom 4. Januar 2007. Das 1947 gegründete Blatt erlangte seine Bedeutung im Kampf für die Pressefreiheit (siehe Spiegel-Affäre) und durch die Enthüllung politischer Affären. Es ist Gründungsmitglied der 2016 initiierten European Investigative Collaborations (EIC). Journalisten stufen es als eines der deutschsprachigen Leitmedien ein.
Der Spiegel erscheint seit dem 4. Juli 2025 (Ausgabe 28/2025) freitags. Die digitale Ausgabe ist am Donnerstag um 13 Uhr erhältlich. Zuvor erschien das Magazin von der Ausgabe 1/1947 bis zur Ausgabe 19/1949 am Samstag, von der Ausgabe 20/1949 bis zur Ausgabe 35/1950 am Donnerstag, von der Ausgabe 36/1950 bis zur Ausgabe 52/1965 am Mittwoch, von der Ausgabe 1/1966 bis zur Ausgabe 2/2015 am Montag70 Jahre Der Spiegel – 70 Jahre investigativer Journalismus: Am 4. Januar 1947 erschien die erste Ausgabe des deutschen Nachrichten-Magazins. spiegelgruppe.de und von der Ausgabe 3/2015 bis zur Ausgabe 27/2025 samstags (mit digitaler Ausgabe am Freitag um 13 Uhr). Die Verlegung des Erscheinungstags auf Samstag wurde auf die wachsende Bedeutung von Sonntagszeitungen zurückgeführt.
Auflage Der Spiegel hat wie seine direkten Konkurrenten Focus und Stern in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Sie beträgt gegenwärtig Das entspricht einem Rückgang von Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei Prozent. Seit dem ersten Quartal 2014 ist auch die ePaper-Ausgabe in diesen Zahlen enthalten, deren verkaufte Auflage aktuell rund 180.000 Exemplare beträgt.
Die verkaufte Auflage überschritt im dritten Quartal 1980 erstmals die Millionengrenze und erreichte im ersten Quartal 1991 mit 1,212 Millionen Exemplaren ihren Höchststand. meedia.de, 12. Februar 2016
Geschichte Ursprünge mini|Das Impressum der ersten Ausgabe mini|Der 2011 bezogene Neubau auf der Ericusspitze mini|Das von 1969 bis 2011 vom Spiegel-Verlag genutzte Gebäude
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte Lion Feuchtwanger in München eine Zeitschrift unter dem Namen Der Spiegel herausgegeben. Sie fusionierte im November 1908 mit Siegfried Jacobsohns Schaubühne, steht allerdings nicht in Verbindung mit dem heutigen Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
Die erste Ausgabe des Blattes erschien am 4. Januar 1947, einem Samstag, in Hannover.Die Geschichte der Spiegel-Gruppe. spiegelgruppe.de Unter dem Titel Diese Woche war bereits seit November 1946 in Hannover ein Vorläufer erschienen, der amerikanischen und britischen news magazines nachempfunden war und zunächst unter der Ägide der britischen Militärverwaltung stand. Die drei verantwortlichen Presseoffiziere waren John Seymour Chaloner, Henry Ormond und Harry Bohrer, letzterer als kommissarischer Chefredakteur. Mit der siebten Ausgabe wurde das Blatt in deutsche Hände übergeben.
Rudolf Augstein, der das Deutschland-Referat bei Diese Woche geleitet hatte, erhielt die Verlegerlizenz und übernahm das Magazin, das er alsbald Der Spiegel nannte, als Herausgeber und Chefredakteur. Die erste Ausgabe erschien im Januar 1947, wurde im hannoverschen Anzeiger-Hochhaus erstellt und erreichte eine Auflage von 15.000 Exemplaren – die Papierrationierungen der Briten verhinderten zunächst höhere Auflagen.
1949 beschloss die Redaktion das Spiegel-Statut:
Zur Verwirklichung dieses Anspruchs sollte das Spiegel-Archiv dienen, das später über Deutschland hinaus bekannt wurde und mit über 80 Mitarbeitern als weltweit größte Dokumentations- und Rechercheabteilung eines Nachrichtenmagazins gilt.Craig Silverman: Inside the World’s Largest Fact Checking Operation. Columbia Journalism Review, 9. April 2010 (englisch)
In der Nr. 35 vom 28. August 1948 schrieb der Spiegel „in allgemein beleidigendem Ton“ über den Thronwechsel der niederländischen Königin Wilhelmina zu Königin Juliana. Die britische Besatzungsmacht verbot den Spiegel für zwei Wochen, als die niederländische Regierung sich beschwerte. Daher erschien am 23. Oktober 1948 keine Ausgabe.Zum Hintergrund siehe Christine Auerbach, Tobias Krone: Deutsche Satire provoziert nicht zum ersten Mal. Puls (Bayerischer Rundfunk), 11. April 2016, abgerufen am 18. März 2024, die aber eine falsche Jahreszahl angeben.
1950er Jahre 1950 deckte das Blatt auf, dass Bundestagsabgeordnete bei der Wahl der Bundeshauptstadt bestochen worden waren, damit sie für Bonn statt Frankfurt am Main stimmten. Augstein wurde im sogenannten Spiegel-Ausschuss als Zeuge vernommen, gab jedoch die Quellen für die Geschichte nicht preis und berief sich auf die journalistische Schweigepflicht.
1952 folgte die Schmeißer-Affäre. Hans-Konrad Schmeißer, ehemaliger Agent im französischen Geheimdienst, hatte behauptet, Bundeskanzler Adenauer, Ministerialdirektor Blankenhorn und Generalkonsul Reifferscheid seien für den französischen Geheimdienst tätig gewesen und hätten einen französischen Agenten mit geheimen Nachrichten versorgt. 1958 begann im Spiegel die Debatte um die Notstandsgesetze, aus denen später (1960, 1963, 1965) verschiedene Gesetzesentwürfe des Innenministers Gerhard Schröder wurden.
Schon in seiner Anfangszeit erlangte Der Spiegel große Bedeutung. Die Auflage stieg massiv: 1961 betrug sie 437.000 Exemplare. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg stiegen auch die publizistische Macht und der politische Einfluss.
1960er Jahre: Spiegel-Affäre
Am 10. Oktober 1962 erschien im Spiegel der Artikel Bedingt abwehrbereit, in dem der verantwortliche Redakteur Conrad Ahlers interne Dokumente der Bundeswehr zitierte und zu dem Schluss kam, NATO und Bundesrepublik könnten einem sowjetischen Angriff nicht standhalten. Am 26. Oktober 1962 wurden das Spiegel-Verlagsgebäude in Hamburg und die Redaktionsräume in Bonn durchsucht. Es wurden Haftbefehle mit dem Vorwurf auf Verdacht des Landesverrats, landesverräterischer Fälschung und aktiver Bestechung ausgestellt. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß ließ Spiegel-Redakteur Conrad Ahlers in Spanien mit falschen Behauptungen durch die Polizei verhaften und nach Deutschland bringen. Zwei Tage später stellte sich Augstein der Polizei und wurde in Untersuchungshaft genommen. Weite Teile der Öffentlichkeit solidarisierten sich mit dem Magazin, Studenten gingen für Augstein auf die Straße. Bundeskanzler Konrad Adenauer sagte im Bundestag unter heftigem Protest von SPD und FDP und unter Beifall der CDU, beim Spiegel habe sich ein „Abgrund von Landesverrat“ aufgetan. Nach 103 Tagen wurde Rudolf Augstein aus der Haft entlassen. 1963 sagte Strauß über das Blatt:
Strauß musste im Anschluss an die Affäre zurücktreten. Er hatte derart vielfältig deutsches und internationales Recht gebrochen, insbesondere bei der Veranlassung der Verhaftung von Conrad Ahlers in Spanien, dass er politisch nicht zu halten war. Adenauer überstand die Affäre trotz des Votums „Abgrund an Landesverrat“ verhältnismäßig unbeschädigt, auch deshalb, weil Strauß ihn in erheblichem Umfang falsch informiert hatte und er sich darauf berief, er hätte seinem eigenen Minister wohl kaum misstrauen müssen.
Am 13. Mai 1965 lehnte der Bundesgerichtshof aus Mangel an Beweisen die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Ahlers und Augstein ab.
Die Affäre führte dazu, dass weite Kreise – besonders Angehörige der jungen Generation und der kritischen Intelligenz – sich für das Magazin als Garant der Meinungsfreiheit engagierten, und begründete den Mythos des Blattes.
Weitere Entwicklung der 1960er Jahre Am 5. August 1966 scheiterte eine Verfassungsbeschwerde des Spiegels gegen die Notstandsgesetze vor dem Bundesverfassungsgericht.
1969 betrug die Spiegel-Auflage 953.000 verkaufte Exemplare.
1970er Jahre alt=Spiegel-Interview mit Jitzchak Rabin, israelischer Premier, 1974.|mini|Spiegel-Interview mit Jitzchak Rabin, israelischer Premier, 1974 Das Blatt hatte Anfang der 1970er Jahre knapp 900 Beschäftigte, davon rund 400 in der Redaktion, 100 in der Dokumentation sowie knapp 400 in den kaufmännischen und technischen Abteilungen. 1970 wurde das Manager Magazin gegründet, das von einer Tochtergesellschaft der Spiegel-Gruppe herausgegeben wird. 1971/1972 wurde ein Mitbestimmungsmodell und mehr Demokratie innerhalb der Redaktion beschlossen; außerdem eine Gewinnbeteiligung. Einnahmen aus Anzeigen sanken. 1971 betrug die Anzahl der Leser rund sechs Millionen – das entsprach rund zwölf Prozent aller in der Bundesrepublik lebenden Menschen über 14 Jahre. Der Anteil der Auslandsauflage an der Gesamtauflage betrug 10 bis 15 Prozent – Der Spiegel ist seitdem eine Publikation mit intensiver Rezeption im Ausland. Die Auflage betrug 923.000 verkaufte Exemplare.
1974 nannte Bundeskanzler Willy Brandt das Magazin ein „Scheißblatt“.
1975 wurden Spiegel-Korrespondenten aus der DDR wegen „böswilliger Verletzung ihrer Rechtsvorschriften“ ausgewiesen. Im Januar 1978 schloss die DDR die Spiegel-Büros in der DDR, auch das in Ost-Berlin, nach einer kritischen Berichterstattung über Zwangsadoptionen und der Veröffentlichung des zweiten Teils des Manifests des Bundes Demokratischer Kommunisten Deutschlands, einem Dokument einer angeblichen Opposition innerhalb der SED. Die DDR wertete diese Veröffentlichungen als Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten.Pressefreiheit: Gift und Galle. Auf einestages vom 8. Januar 2008 Das Blatt publizierte Vorabdrucke von und über den Dissidenten Rudolf Bahro wie Die Alternative (EVA) und Elemente einer neuen Politik (Olle & Wolter), Antworten auf Bahro (Olle & Wolter) und machte damit seinen systemkritischen Ansatz einem größeren Publikum bekannt.
1980er Jahre Das Blatt deckte diverse deutsche Staats- und Wirtschaftsaffären auf, zum Beispiel 1982 die Flick- und Neue-Heimat-Affäre und 1987 die Barschel-Affäre. Die Behandlung der Barschel-Affäre durch den Spiegel ist umstritten.Barschel, Pfeiffer, Engholm und „Der Spiegel“. FAZ.NET vom 7. September 2007. 1988 deckte er die co-op-Affäre auf.
Frühe 1990er Jahre Am 18. Januar 1993 erschien die erste Ausgabe des Focus, nach Aussage des Chefredakteurs Helmut Markwort als „Konkurrenz-, nicht Gegenmedium zum Spiegel“. Danach kam es zu deutlich wahrnehmbaren Veränderungen. Focus wurde bewusst als Gegenpol und Alternative zum Spiegel konzipiert; nachweisbar ist das insbesondere an der politischen Linie und dem vergleichsweise schonenden Umgang mit den Anzeigenkunden. Uli Baur, neben Markwort Chefredakteur des Focus, fasste die redaktionelle Linie des Focus unter Bezugnahme auf das bekannte Augstein-Zitat („[…] im Zweifelsfalle links“) deutlich zusammen: „Wenn Der Spiegel im Zweifel links ist, sind wir im Zweifel rechts.“