Roberto Carlos da Silva RochaSiehe sein Profil auf der Website des türkischen Fußballverbandes; Vorname: Roberto Carlos; Nachname: da Silva Rocha. (* 10. April 1973 in Garça, São Paulo) ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballprofi, der auf der Position des linken Außenverteidigers aktiv war. Derzeit arbeitet er als Markenbotschafter und Jugendtrainer für Real Madrid.
Roberto Carlos stand von 1996 bis 2007 bei Real Madrid unter Vertrag und prägte in dieser Zeit die Entwicklung des modernen Außenverteidigers entscheidend, indem er die Position auf höchstem Niveau neu definierte. Mit dem Verein gewann er zahlreiche nationale wie internationale Titel unter anderem vier spanische Meisterschaften und dreimal die UEFA Champions League (1998, 2000, 2002). Zuvor spielte er für Palmeiras São Paulo und Inter Mailand. Für die brasilianische Nationalmannschaft absolvierte er 125 Länderspiele und nahm an mehreren Weltmeisterschaften sowie internationalen Turnieren teil. Mit der Seleção wurde er 2002 Fußball-Weltmeister.
Roberto Carlos war insbesondere durch seine offensive Spielweise und Freistöße bekannt.
Vereinskarriere SE Palmeiras Seine Karriere als Profifußballer begann Roberto Carlos bei União São João EC aus Araras, Bundesstaat São Paulo. Für den Klub machte er ab 1991 in der zweitklassigen brasilianischen Segunda Divisão und der Campionato Paulista auf sich aufmerksam. Bereits im Januar 1993 folgte der Wechsel zum Spitzenklub SE Palmeiras, der damals zu den ambitioniertesten Vereinen des Landes zählte. Dort gelang ihm der Durchbruch: Roberto Carlos entwickelte sich rasch zum etatmäßigen Linksverteidiger und wurde zu einem wichtigen Leistungsträger. Begünstigt wurde diese Entwicklung auch durch die guten Rahmenbedingungen beim Klub, den der finanzkräftige Parmalat-Konzern unterstützte. Dadurch konnte Palmeiras eine Reihe hochkarätiger Spieler verpflichten, darunter Mazinho, César Sampaio, Zinho und Rivaldo, aus denen Trainer Vanderlei Luxemburgo eine äußerst konkurrenzfähige Mannschaft formte. In dieser erfolgreichen Phase gewann er mit Palmeiras zwei brasilianische Meistertitel (1993, 1994), zwei Staatsmeisterschaften (1993, 1994) sowie das prestigeträchtige Torneio Rio-São Paulo (1993). Das Sportmagazin Placar wählte Roberto Carlos für seine Leistungen zweimal in Folge in die „Mannschaft des Jahres“ (Bola de Prata). Bis zu seinem Transfer nach Europa absolvierte er für Palmeiras insgesamt 186 Pflichtspiele (18 Tore).
Inter Mailand 1995 wechselte Roberto Carlos für eine Ablösesumme von umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro zu Inter Mailand. Doch der Schritt in die italienische Serie A entwickelte sich schnell zu einem sportlichen Missverständnis. Unter Trainer Roy Hodgson wurde er nicht auf seiner angestammten Position als linker Außenverteidiger eingesetzt, sondern häufig im linken Mittelfeld oder sogar in einer deutlich offensiveren Rolle, die phasenweise an die eines Stürmers erinnerte. Dadurch konnte er seine größten Stärken nur eingeschränkt zur Geltung bringen. Trotz regelmäßiger Einsätze gelang es ihm nicht, sich dauerhaft in der für ihn optimalen Rolle zu etablieren, weshalb er den Verein bereits nach der Saison 1995/96 wieder verließ.
Real Madrid 1996 verpflichtete ihn Spaniens Rekordmeister Real Madrid für umgerechnet etwa sieben Millionen Euro und Roberto Carlos war damit Teil eines großangelegten Kaderumbruchs. Die Königlichen hatten die Vorsaison lediglich auf dem enttäuschenden sechsten Platz der Primera División abgeschlossen und als Konsequenz zahlreiche Spielertransfers getätigt. Bereits in seiner ersten Saison wurde er Stammspieler und trug maßgeblich zum Gewinn der spanischen Meisterschaft 1996/97 bei. Seine außergewöhnliche Physis, Schnelligkeit und Schusstechnik machten ihn schnell zu einem zentralen Bestandteil der Mannschaft. Während Außenverteidiger traditionell vor allem defensive Aufgaben erfüllten, revolutionierte Roberto Carlos diese Rolle durch seine offensive Ausrichtung. Er kombinierte defensive Stabilität mit permanenten Vorstößen entlang der linken Seite, präzisen Flanken und torgefährlichen Distanzschüssen. Seine kraftvolle Spielweise, geprägt von explosiven Antritten und enormer Ausdauer, erlaubte es ihm, über die gesamte Spielzeit hinweg sowohl defensiv als auch offensiv präsent zu sein. Gemeinhin galt Roberto Carlos neben dem Italiener Paolo Maldini als einer der besten Linksverteidiger der Fußballgeschichte.
In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren war Roberto Carlos ein Schlüsselspieler in einer äußerst erfolgreichen Phase des Vereins. Mit Real Madrid gewann er dreimal die UEFA Champions League (1998, 2000, 2002), zweimal den Weltpokal (1998, 2002) und drei weitere Meisterschaften (2000/01, 2002/03, 2006/07). Ab dem Jahr 2000 begann unter dem neuen Präsidenten Florentino Pérez die sogenannte „Galácticos“-Ära. Ziel war es, die besten und zugleich vermarktbarsten Spieler der Welt zu verpflichten. Zu den spektakulären Neuzugängen zählten Luís Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo und David Beckham. Roberto Carlos war bereits vor Beginn dieser Phase Teil der Mannschaft. Seine Konstanz und Leistungsfähigkeit machten ihn unabhängig vom jeweiligen Trainer zu einer festen Größe in der Startelf.
Neben den sportlichen Erfolgen spielte auch der globale Marketingwert des Teams eine entscheidende Rolle. Real Madrid entwickelte sich zu einer weltweit führenden Marke, wobei Stars wie Roberto Carlos durch ihre Popularität erheblich dazu beitrugen.
Trotz der hohen individuellen Qualität und internationalen Aufmerksamkeit ließ der sportliche Erfolg ab etwa 2003 nach. In dieser Phase gewann der FC Barcelona zunehmend an Dominanz im spanischen und europäischen Fußball. Real hingegen kämpfte mit sportlicher Instabilität und häufigen Trainerwechseln. Roberto Carlos blieb jedoch auch in dieser schwierigen Phase ein Leistungsträger und einer der konstantesten Spieler im Kader. In der Saison 2006/07 gelang Real Madrid nach mehreren titellosen Jahren der Gewinn der spanischen Meisterschaft. Für Roberto Carlos war dies der vierte Meistertitel und zugleich der letzte große Erfolg in seiner Zeit in Madrid. Am Ende dieser Saison verließ er den Klub nach elf Jahren.
Fenerbahce SK Zur Saison 2007/08 wechselte er zu Fenerbahçe SK in die türkische Süper Lig, wo er einen Zweijahresvertrag mit der Option auf ein weiteres Jahr unterschrieb. Bei Fenerbahçe soll er jährlich 4 Millionen Euro verdient haben. Am 17. September 2008 absolvierte er sein 115. Spiel in der UEFA Champions League und stellte damit einen neuen Spielerekord auf. Seinen Vertrag bei Fenerbahçe Istanbul verlängerte er im September 2008 vorzeitig bis August 2010, indem er die Option für ein weiteres Jahr zog, (türkisch). doch zur Winterpause wurde dieser Vertrag aufgelöst. Roberto Carlos kehrte in seine brasilianische Heimat zurück, wo er ab der Saison 2010 für SC Corinthians Paulista spielte. (brasilianisches Portugiesisch).
Anschi Machatschkala Im Februar 2011 wurde Roberto Carlos’ Wechsel nach Russland zum Anschi Machatschkala bekannt. Der Außenverteidiger löste seinen Vertrag im Einvernehmen mit der Vereinsführung von Corinthians aufgrund von vielen Drohungen gegen seine Person auf. In der Premjer Liga wurde er innerhalb des ersten halben Jahres zweimal Opfer rassistischer Angriffe. Als er am 22. Juni 2011 im Spiel bei Krylja Sowetow Samara zum zweiten Mal mit Bananen beworfen wurde, verließ er aus Protest in der 90. Minute das Spielfeld.„Roberto Carlos verlässt das Feld“, dpa-Meldung bei n-tv-Online vom 23. Juni 2011 Zuvor war ein Fan von Zenit Sankt Petersburg vom russischen Fußballverband lebenslang gesperrt worden, der Roberto Carlos im März mit einer Banane beworfen hatte. (niederländisch) Am 1. August 2012 gab Carlos auf einer Pressekonferenz offiziell das Ende seiner aktiven Laufbahn bekannt.Roberto Carlos hört auf, kicker.de vom 1. August 2012 (abgerufen am 2. August 2012).
Nationalmannschaft Zwischen 1992 und 2006 spielte Roberto Carlos in der brasilianischen Nationalmannschaft. Während der WM 2002, die mit dem Titelgewinn für Brasilien endete, war er einer der Leistungsträger der brasilianischen Nationalmannschaft. Er wurde von der FIFA ins All-Star-Team gewählt.All-Star-Team: Drei Deutsche in der Weltauswahl - SPIEGEL ONLINE Zwei Tage nach dem Ausscheiden der brasilianischen Mannschaft aus der WM 2006 in Deutschland erklärte er seinen Rücktritt. Er wurde nach dem Ausscheiden gegen Frankreich besonders in Brasilien stark kritisiert. Er hatte sich vor dem Freistoß, auf den das Tor durch Thierry Henry folgte, die Socken hochgezogen, anstatt Henry zu decken. Insgesamt bestritt er 125 Länderspiele und erzielte elf Tore.
Besonderes Der nur 168 Zentimeter große Spieler ist bekannt für seine wuchtigen Freistöße und seine im Allgemeinen kraftvollen Torabschlüsse. Lange hielt er mit 202 km/h den inoffiziellen Weltrekord für den härtesten Schuss im Fußball, bevor dies vom Brasilianer Ronny mit rund 212 km/h (131,82 mph) in der Saison 2006/07 überboten wurde. Die Korrektheit derartiger Messungen wird von Metin Tolan in Zweifel gezogen, der die Meinung vertritt, dass ein Schuss nicht schneller als 120–130 km/h sein kann.
Berühmt wurde sein Freistoßtor am 3. Juni 1997 beim Tournoi de France in der 21. Minute gegen Frankreich. Der Ball landete mit viel Effet und einer sehr ungewöhnlichen Flugkurve neben dem verdutzten französischen Torhüter Fabien Barthez in der äußersten rechten Torecke. Im Jahr 2010 wurde dieser Schuss in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung der École polytechnique in Paris analysiert. Es wurde festgestellt, dass Roberto Carlos den Ball mit einer solch seltenen Kombination aus Härte und Effet traf, dass der Ball stärker abgelenkt wurde als es durch den Magnus-Effekt erklärbar sei, und stattdessen für eine kurze Zeit eine spiralförmige, viel stärker als gewöhnlich gekrümmte Flugbahn annahm.
Erfolge Nationalmannschaft Weltmeister: 2002 Copa América: 1997, 1999 Confed Cup: 1997 Bronzemedaille beim olympischen Fußballturnier: 1996
Vereine Spanische Meisterschaft: 1997, 2001, 2003, 2007 Spanischer Supercup: 1997, 2001, 2003 UEFA Champions League: 1998, 2000, 2002 UEFA Super Cup: 2002 Weltpokal: 1998, 2002 Brasilianische Meisterschaft: 1993, 1994 Torneio Rio-São Paulo: 1993 Türkischer Supercup: 2007, 2009
Auszeichnungen 2. Platz bei der Wahl des Ballon d’Or Dream Teams (Linksverteidiger) UEFA Club Football Awards Verteidiger des Jahres: 2002, 2003 UEFA Team of the Year: 2002, 2003 ESM Team of the Year: 1997, 1998, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 All-Star-Team der Fußball-Weltmeisterschaft: 1998, 2002 Prêmio Craque do Brasileirão – Auswahl des Jahres: 1993, 1994, 2010 FIFA 100 Golden Foot: 2008
Saisonstatistik +VereinLigaSaisonLigaNat. PokalInt. PokalAndereGesamtSpieleToreSpieleToreSpieleToreSpieleToreSpieleToreSE PalmeirasSérie A199320150--405656199424230612706031995004192233366Gesamt44312115390816115Inter MailandSerie A1995/963052121--347Gesamt3052121--347Real MadridPrimera División1996/9737550----4251997/983541192204771998/993554080204951999/0035430174--5582000/01365--1442152102001/0231361132205262002/0337510151215572003/043257182204982004/0534320101--4642005/063553170--4562006/072331080--323Gesamt370473341091612252469Fenerbahçe IstanbulSüper Lig2007/082223090103522008/0932482101--5072009/10110--81--191Gesamt656112272--10410Corinthians São PauloSérie A2010351--80143574201100--103141Gesamt351--90174615Anschi MachatschkalaPremjer-Liga2011/1225431----285Gesamt25431----285 Delhi Dynamos FC Indian Super League201540------40Gesamt40------40Karriere Gesamt573666191622211914916111
Karriere als Trainer Nach der Entlassung von Gadschi Gadschijew bei Anschi Machatschkala am 29. September 2011 agierte Roberto Carlos vorübergehend als Spielertrainer des russischen Vereins.