Senioren-Convente (SC) sind Zusammenschlüsse von Corps an einer Universität oder Hochschule. Die deutsch-baltischen Studentenverbindungen an der Universität Tartu und der Universität Tallinn sowie der Präsidenkonvent und der Präsidenkonvent der lettischen Damenverbindungen in Riga haben Chargierten-Convente (Ch!C!).Als eine deutsch-baltische studentische Besonderheit werden Abkürzungen traditionell mit Ausrufezeichen anstatt der sonst üblichen Punkte als Abkürzungszeichen ausgeführt.

Geschichte mini|Entstehung der Corps

Schon die Nationes kannten einen SC. „Streitigkeiten zwischen den einzelnen Nationen wurden vor den Senioren-Convent gebracht, der in Rostock zuerst 1647 genannt wird.“Richard Fick (Hg.); unter Mitarbeit von Hanns von Gumppenberg und A. Langguth: Auf Deutschlands hohen Schulen. Eine illustrierte kulturgeschichtliche Darstellung deutschen Hochschul- und Studentenwesens. Berlin, Leipzig 1900, S. 28. Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstanden an deutschen Universitäten nach ihrem Land (historisch) bezeichnete Studentenvereinigungen. Im „rechtsfreien“ Raum der Universität (und in der Öffentlichkeit) gaben sie Studenten Schutz und Halt. Geführt wurden sie von Senioren, die im Seniorenconvent die Lösung gemeinsamer Aufgaben absprachen. Erhalten sind die ersten SC-Comments von Frankfurt/Oder (1798), Halle/Saale (1799), Erlangen (1802), Heidelberg (1803), Marburg (1807), Leipzig (1808), Tübingen (1808) und Jena (1809).Alte SC-Comments an deutschen Universitäten

An der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg vereinbarten Rhenania und Franco-Badenia 1803 den ersten und im Juli 1806 den zweiten SC-Comment. An der Philipps-Universität Marburg gab es eine Rheinische, eine Hessische und eine Westphälische Landsmannschaft.Erich Bauer (Hrsg.): 14 der ältesten SC-Komments vor 1820. Einst und Jetzt, Sonderheft 1967. An der Eberhard-Karls-Universität Tübingen hatten sich Suevia I, Obersuevia und Franconia I zusammengetan. An der Universität Jena entwarf Guestphalia einen SC-Comment. Aus eigener Anschauung kannte August Jäger die Senioren-Convente in Jena, Halle, Heidelberg, Erlangen, Würzburg, Marburg, Gießen, Tübingen, Freiburg, München und Straßburg. Die humorvollen Schilderungen sind oft sarkastisch und (manchmal noch heute) treffend.

Die SC-Comments regelten Streitigkeiten und Duelle, die zu Anfang des 19. Jahrhunderts oft „zwanglos“ ausgetragen wurden. Der SC-Comment sollte solche regellosen Auseinandersetzungen unterbinden. Die Urburschenschaft zog auch Corpsstudenten an und stimulierte die Bildung von Kränzchen, aus denen in den 1820er Jahren viele Corps hervorgingen. In den Studentenschaften wuchs den Seniorenconventen die Führungsrolle zu, die sie noch in der Weimarer Republik behaupteten. Der Freistaat Preußen mit dem Kultusminister Carl Heinrich Becker machte sie ihnen streitig, der Nationalsozialismus zerstörte sie.

Zur Rolle der Senioren-Convente im frühen 19. Jahrhundert schreibt Robert Paschke:Robert Paschke: Das Kösener Subsidiaritätsprinzip, in: Zehnte Festschrift des HKSCV 1963, S. 23 f.

Senioren-Convente mini|SC-Schilde beim Kösener Congress im Mutigen Ritter

Im Sinne der Subsidiarität sind die Senioren-Convente das konstitutive Element des Kösener SC-Verbandes. Dagegen vereinigt der Weinheimer Senioren-Convent (wie der Rudolstädter Senioren-Convent) die einzelnen Corps, die zum Teil in ortsübergreifenden SC organisiert sind. Ein gemischter SC mit Kösener und Weinheimer Corps ist der Münchner Senioren-Convent. Im Göttinger Senioren-Convent hat das Weinheimer Corps Agronomia Hallensis zu Göttingen Sitz ohne Stimme. Die Kösener Corps in Österreich kennen die Unterscheidung von akademischen und technischen Corps (seit 1869) nicht.

Kösener Einzel-SC bestehen in Augsburg, Bochum, Frankfurt am Main, Frankfurt (Oder), Konstanz, Linz, Mainz, Münster (Westfalen), Passau, Potsdam, Regensburg, Saarbrücken, Salzburg, Trier und Zürich.

Aachen Der SC zu Aachen wurde am 3. Dezember 1871 durch die Corps Guestphalia und Rhenania gegründet. Teutonia trat am 1. Juli 1876 als drittes Corps dem SC bei, suspendierte im August 1877 und verlegte den Corpsbetrieb am 19. Dezember 1878 an die TH Braunschweig. Guestphalia suspendierte am 28. Mai 1878, nachdem sie bereits zweimal kurzzeitig (vom 30. Oktober 1874 bis zum 2. Dezember 1874 und vom 22. Oktober 1877 bis Anfang 1878) hatte suspendieren müssen. Rhenania löste daher am 31. Mai 1878 den SC auf, bestand aber noch bis zum 15. Oktober 1880 als Einzelcorps fort und rekonstituierte am 7. Mai 1892 an der TH Braunschweig. Nachdem die akademische Verbindung Delta sich am 4. Januar 1903 zum Corps erklärt hatte und am 5. Januar 1903 in den Weinheimer Senioren-Convent aufgenommen worden war, wurde der SC zu Aachen am 2. März 1903 mit der am selben Tag rekonstituierten Guestphalia wiedergegründet. Das Corps Borussia Clausthal verlegte am 14. März 1903 seinen Sitz an die RWTH Aachen und wurde am selben Tag in den SC aufgenommen. Wegen Rangstreitigkeiten anlässlich des Reichsgründungskommerses löste die Hochschule den SC am 20. Januar 1904 auf. Die Auflösung Guestphalias und Deltas wurde am 1. März 1904, die von Borussia am 19. März 1904 wieder aufgehoben. Guestphalia verschmolz am 11. November 1904 mit der akademischen Verbindung Markomannia und gehörte seit jenem Tag dem SC als Marko-Guestphalia an. Borussia suspendierte bereits am 26. Februar 1907 und verlegte am 20. April 1907 den Corpsbetrieb an die TH München, wo sie dem SC des WSC an der TH München beitrat.Hans Schüler: Weinheimer S.C.-Chronik, S. 539–563. Darmstadt 1927.Die Corps des WSC und die örtlichen SC. Nach Aufzeichnungen der Historischen Kommission. Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten e. V. 1980.P. Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände, Bd. 1, S. 49–63. Würzburg 1981.

Das Kösener Corps Borussia Breslau zu Köln und Aachen unterhält den aktiven Betrieb nur in Aachen, gehört aber zum Kölner Senioren-Convent.

Zäsuren Während des Ersten Weltkrieges ruhte der Corpsbetrieb in Aachen; der SC bestand aber als Einrichtung fort. Am 23. Oktober 1920 wurde das Corps Montania in den SC aufgenommen. Es war am 22. November 1872 als Akademischer Verein der Chemiker und Hüttenleute an der Polytechnischen Schule Aachen gegründet worden und hatte sich 1882 in Akademischer Verein der Chemiker, Berg- und Hüttenleute umbenannt. Im Wintersemester 1902/03 farbentragende Verbindung mit eigenen Waffen geworden, nannte es sich ab dem Sommersemester 1905 Montania, Akademische Verbindung der Chemiker, Berg- und Hüttenleute und ab dem Sommersemester 1909 Akademische Verbindung Montania. Am 23. Oktober 1920 nahm sie Corpsprinzipien an. Nach der Suspension des WSC am 20. Oktober 1935 suspendierten auch die Mitgliedscorps des SC zu Aachen: Marko-Guestphalia zu Beginn des Wintersemester 1935/36, Delta am 21. Dezember 1935 und Montania am 26. Oktober 1935. Damit hörte auch der SC zu Aachen auf zu bestehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererstanden die drei Corps zunächst als akademische Vereinigungen: Marko-Guestphalia am 7. Juli 1947 als Corona academica, Delta am 19. Dezember 1949 als AV Pyramide und Montania am 22. November 1947 als Akademisches Collegium. Als Marko-Guestphalia am 8. Juli 1950, Montania am 21. Februar 1951 und Delta am 28. Juli 1951 als Corps rekonstituierten, lebte der SC zu Aachen wieder auf. Am 8. September 1951 rekonstituierte das Corps Saxo-Montania, nachdem Montania Freiberg, Saxo-Borussia Freiberg, Marcomannia Dresden und Franconia Dresden in Aachen verschmolzen waren. Marcomannia Dresden und Franconia Dresden waren bereits am 28. September 1934 zu Franco-Marcomannia zusammengetreten. Am 10. November 1951 rekonstituierte Teutonia Freiberg als Palaeo-Teutonia an der RWTH. Am 5. Dezember 1952 verlegte Saxonia-Berlin den aktiven Betrieb nach Aachen. Am 7. Mai 1953 erweiterte sich der SC auf sieben Corps durch Rekonstitution von Albingia Dresden, deren Altherrenschaft am 4. April 1953 mit der Altherrenschaft von Alania Darmstadt verschmolzen war.

Die Statuten des WSC erlauben es nicht, dass ein Einzelcorps an einem Hochschulort einen SC bildet. Deshalb gehörte das Corps Teutonia Dresden in der Zeit von 1966 bis 1993, als es den Corpsbetrieb an die Ruhr-Universität Bochum verlegt hatte, dem SC zu Aachen als beigeordnetes Corps an.

Freiberger Erbe

Franconia Freiberg nahm am 28. November 1953 als Corps Franconia Fribergensis zu Aachen den Corpsbetrieb wieder auf, musste jedoch auf die Farben grün-weiß-rot aus Rücksicht auf Montanias gleiche Farben verzichten. Wie bereits von 1838 bis 1852 in Freiberg führte sie deshalb wieder die Farben grün-gold-rot. Mit der Rekonstitution von Franconia Fribergensis erreichte der SC seine größte Stärke von acht aktiven Corps, die er bis zum Aufgehen von Albingia in Marko-Guestphalia am 12. Oktober 1996 halten sollte. Bis zur Wiederausgründung von Saxo-Borussia aus Saxo-Montania und Rekonstitution in Freiberg im Jahre 1992 beheimatete der SC zu Aachen alle Corps des früheren SC zu Freiberg.

Aschaffenburg mini|Denkmal für die 1870/71 gefallenen Corpsstudenten Aschaffenburgs

Der Aschaffenburger Senioren-Convent war der Zusammenschluss und das oberste Entscheidungsgremium der Forstcorps an der Königlich Bayerischen Forstlehranstalt. Wenige Monate nach ihrer Wiedereröffnung wurde 1844 das Corps Hubertia gegründet. 1845 folgte das Corps Arminia und 1847 das Corps Hercynia.Wilhelm Fabricius: Die deutschen Corps. Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungswesens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart. Verlag der Deutschen Corpszeitung 1926, S. 414. Nach Wilhelm Fabricius waren die drei Corps noch 1926 Lebenscorps, was schon damals eine Ausnahme darstellte. Ihr Konkurrenzverhältnis war von „endlosen Streitereien und ständigen PP-Suiten“ gekennzeichnet.Walter M. Brod: Vom Corpsleben in Aschaffenburg. Aus alten Briefen. Einst und Jetzt, Bd. 29 (1984), S. 113–124.Ernst Weber: Der Aschaffenburger SC, in: Geschichte des Corps Hercynia 1847–1977, Teil 1. München 1977, S. 43–114.

Der SC war Ansprechpartner und letzte Instanz bei Konflikten, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend auch bei der forstlichen Beamtenschaft. Ab 1866 konnten die Aschaffenburger Corps in Würzburg an den dortigen SC-Feierlichkeiten in Farben teilnehmen.G. G. Winkel: Kösener SC-Kalender. Leipzig 1920. Wie nahe sie von jeher den Kösener Corps standen, zeigt sich daran, dass ihre Mitglieder Erlanger Pfarrerstöchter werden konnten.Brod 1984Münchener Senioren-Convent: Zur Erinnerung an den Kaiser-Commers des Münchener SC und der Inactiven des Aschaffenburger SC [11. März 1887]. Google Books Zu Ehren der im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen Forstkandidaten errichteten die drei Corps ein Denkmal, das in der Friedrichstraße gegenüber dem Justizgebäude erhalten ist.Herrmann Sand: Adjee ihr Forschtpolacke! Spessart. Zeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart vom Juni 2010, S. 24 f.

Als die Forsthochschule 1910 von Aschaffenburg nach München verlegt wurde, kamen auch die drei Aschaffenburger Corps an die Ludwig-Maximilians-Universität. Die Aschaffenburger Zeitung gab am 31. Juli 1910 eine Sonderausgabe heraus, in der auf vier Seiten die Geschichte der Hochschule detailreich geschildert wurde. Da die Aschaffenburger Corps in den Münchener SC der Kösener Corps aufgenommen wurden, dürften sie zu dem ungewöhnlichen Einvernehmen zwischen Kösener und Weinheimer Corpsstudenten in München wesentlich beigetragen haben.Weber 1977