mini|Gemeindegebiet mit Ortsteilen von Freigericht Freigericht ist eine ländliche Gemeinde im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Sie liegt unmittelbar an der bayerischen Grenze. Die Gemeinde Freigericht ist nicht zu verwechseln mit der historischen Region Freigericht Alzenau, zu der außer der hessischen Gemeinde Freigericht noch etliche heute bayerische Gemeinden oder Ortsteile gehörten.

Geographie Geographische Lage Freigericht liegt nahe dem Rhein-Main-Gebiet, an den Ausläufern des Spessarts, unmittelbar an der hessisch-bayerischen Grenze. Über 40 % des Gemeindegebietes sind bewaldet. Die höchste Erhebung mit ist der Heidkopf in der Sölzert, der niedrigste Punkt liegt auf .

Freigericht liegt zwischen 50°5' und 50°13' nördlicher Breite sowie 9°5' und 9°13' östlicher Länge. Die Gemeinde erstreckt sich auf einer Fläche von 33,42 km² in einem Seitental der Kinzig.

Geologie Geologisch liegt Freigericht auf der Grenze zwischen der Hessischen Rotliegend-Senke im Nordwesten und dem Kristallinen Spessart im Südosten. Die tektonische Störung, an welcher der in großer Tiefe und unter hohem seitlichem Druck zu Glimmerschiefer und Gneis gewandelte und gefaltete, mindestens 410 Mio. Jahre alte Meeresboden als Mittelgebirge (Spessart) empor gequetscht wurde, verläuft durch Neuses und Horbach. mini|Beim Abbau des Freigerichter Zechsteindolomits wurden idiomorphe Azurit-Kristalle und seltene Fossilien entdeckt Als geologische Besonderheit kann der Zechsteindolomit von Altenmittlau angesehen werden. Hierbei handelt es sich um ein ca. 260 Mio. Jahre altes, von verschiedenartigen Meeresorganismen gebildetes Riff, welches nur in einem stark aufgeheizten Meeresarm entstehen konnte. Beim Abbau des Zechsteindolomits zur Herstellung von Brandkalk und mineralischen Straßenbauprodukten wurden unter anderem einzigartige tafelige Azuritkristalle gefunden. In dem etwas älteren (darunter liegenden) Zechsteinkonglomerat wurden fossile Nadelbäume nachgewiesen.

Den wesentlichen Anteil des Untergrundes Freigerichts bilden oberflächennah entfestigte Tonsteine und Sandsteine des Rotliegenden (270 Mio. Jahre alt, im Gänsewald gut zu erkennen), die an den Hängen meist von Lösslehm (aus eiszeitlichem, ca. 12.000 Jahre altem Gesteinsstaub entstanden) überdeckt sind. mini|Die steilen und hohen Lösswände in Freigericht bieten seltenen Insekten und Vögeln Lebensraum Zumindest im Nordosten von Somborn und von Bernbach sind Sande und Schotter aus der mittleren bis frühen Phase der Eiszeit (des Pleistozäns von ca. 2 Mio. bis ca. 12.000 Jahre vor heute) erhalten geblieben und enthalten vereinzelt Wirbeltierfossilien. Hasselbach und Birkisbach sind als Hauptvorfluter in Freigericht anzusehen und entwässern das Gebiet nach Nordwesten. Vermutlich der aus dem Kristallinen Spessart nach Freigericht fließende Schnellmich-Bach hat den abbauwürdigen Kiessand geschüttet, durch dessen Gewinnung zwischen Neuses und Horbach eine kleine im Wald versteckte Seenlandschaft geschaffen wurde. So interessant die geologischen Verhältnisse in Freigericht sind, so abwechslungsreich ist auch die Landschaft.

Im südlichen Teil der Gemeinde wurden diverse Hügelgräber gefunden.

Am 19. Juni 1930 fand man bei Bauarbeiten im Ortsteil Somborn einen etwa 40.000 Jahre alten Mammutzahn, der in die damalige Kreisstadt Gelnhausen verbracht wurde. Mit Errichtung des Heimatmuseums im Freigericht drang die Gemeinde (bisher vergebens) auf Rückgabe.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung mini|Freigericht (Somborn), im Hintergr. m. Neuses, l. tlw. Altenmittlau, im Vordergr. tlw. Gondsroth Die Gemeinde besteht aus 5 Ortsteilen (Einwohnerzahlen Stand 2019) Altenmittlau (2.320 Einwohner) Bernbach (1.988 Einwohner) Horbach (staatlich anerkannter Erholungsort; 1.728 Einwohner) Neuses mit der Siedlung Hüttelngesäß (2.454 Einwohner) Somborn (6.172 Einwohner)

Geschichte Name Die vier Zentgerichte von Wilmundsheim (heute Alzenau), Hörstein, Mömbris und Somborn (mit einigen weiteren Dörfern) teilten sich früher ein zusammenhängendes Waldgebiet, die sogenannte Hohe Mark. Um 1200 erhielten die Wilmundsheimer Zenten Selbstverwaltungsrechte und wurden zu freien, reichsunmittelbaren Gerichten. Daher stammt der Name Freigericht. Im Jahr 1500 erhielten das Kurfürstentum Mainz und die Grafschaft Hanau-Münzenberg das Freigericht als Reichslehen. Die Gemarkung der heutigen Gemeinde Freigericht besteht überwiegend aus dem Teil des mittelalterlichen Freigerichts, der nach einer Realteilung zwischen Kurmainz und der Landgrafschaft Hessen-Kassel – letztere hatte die Grafschaft Hanau-Münzenberg 1736 geerbt – 1740 an Hessen fiel.

Gemeindebildung 1970 Die Gemeinde Freigericht entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. Januar 1970 durch freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses und Somborn.

Einwohnerentwicklung

Religionen Katholische Kirche Da im Freigericht auch zur Zeit des Kondominats zwischen Hanau und Mainz die kirchliche Jurisdiktion bei den Erzbischöfen von Mainz verblieb, konnte sich die Reformation – im Gegensatz zur Grafschaft Hanau-Münzenberg – hier nicht durchsetzen. Anders als in den Nachbargemeinden sind hier auch heute noch etwa 60 % der Bevölkerung römisch-katholisch.

Über Jahrhunderte hinweg gab es nur eine Pfarrei in Somborn, zu der neben den heutigen Freigerichter Orten auch Albstadt gehörte. Dieser Ort blieb bei der Teilung des Freigerichts 1740 bei Kurmainz und gehört seit 1972 zu Alzenau. Im 18. Jahrhundert wurden in den einzelnen Orten Kapellen gebaut, aus denen sich nach und nach eigenständige Pfarreien bildeten.

Durch die päpstliche Bulle vom 16. August 1821 kam das hessische Freigericht zur Diözese Fulda.

Im Zuge des Pastoralen Prozesses im Bistum Fulda (unter anderem bedingt durch den Mangel an Priestern) haben sich die Kirchengemeinden des Freigerichts mit der Kuratie in Hasselroth am 2. Juli 2006 zu einem Pastoralverbund „St. Peter und Paul“ zusammengeschlossen, die zum 1. Januar 2023 zu einer Gemeinde St. Peter und Paul fusioniert wurden.Fusionsurkunde der Pfarreien Amtsblatt des Bistums Fulda Nr. 114 vom 14. Dezember 2022, abgerufen am 2. Januar 2023. Die Gemeinde, die zum Dekanat Kinzigtal gehört, hat in Freigericht folgende fünf Kirchorte: St. Anna, Somborn – Die Mutterkirche des Freigerichts (ehemals St. Peter und Paul) St. Bartholomäus, Bernbach St. Markus, Altenmittlau St. Michael, Horbach St. Wendelin, Neuses

Evangelische Kirche mini|Turm der Evangelischen Johanneskirche Freigericht in Somborn Gut 17 % der Freigerichter sind evangelisch. Sie gehören zur Johannesgemeinde, die alle Ortsteile umfasst. Die Gemeinde wurde 1980 selbstständig, zuvor war sie Filiale der Gemeinde in Niedermittlau. Die evangelische Johannesgemeinde zählt heute ca. 2500 Mitglieder.

Zur Evangelischen Johanneskirche im Ortsteil Somborn wurde am 16. Juni 1963 der Grundstein gelegt, am 4. Oktober 1964 wurde sie eingeweiht. Sie hat ein hohes Walmdach und einen separat stehenden Glockenturm. Nachdem die Zahl der Protestanten im Freigericht in den Folgejahren stark anstieg, errichtete die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck 1982 für Freigericht eine eigene Pfarrstelle. 1985 wurde vom Kirchenvorstand mit dem Gemeindehaus eine Erweiterung in Auftrag gegeben und an die Kirche angebaut. Über die folgenden zwei Jahrzehnte wurde der Innenraum der Kirche umgestaltet. Herausragende künstlerische Arbeiten sind die den gesamten Innenraum umschließenden farbigen Glasfenster. Die Ausstattung des Sakralraums ist denkbar ungewöhnlich mit der reliefartigen Wandgestaltung und den eigenwilligen Holzskulpturen von Altar, Ambo und Taufbecken. Hinzu kommen ein einfaches Holzkreuz mit Dornenkrone, der riesige geschmiedete Deckenleuchter sowie der Osterkerzenleuchter. Den harmonischen Gesamteindruck tragen die warmen Holztöne des Parkettbodens und des sich weit nach oben öffnenden Deckenraums mit seinem farbigen Giebelfenster.

Jüdische Gemeinde Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es im Ortsteil Somborn eine kleine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde sie durch das Einschreiten des Somborner Bürgermeisters gerettet und überstand auch die Kriegswirren. Später wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut.

Politik mini|Rathaus in Somborn Die politischen Gremien der hessischen Gemeinde Freigericht bestehen laut Magistratsverfassung aus der Gemeindevertretung, dem Bürgermeister und dem Gemeindevorstand. Der Bürgermeister sitzt dabei dem Gemeindevorstand vor. In den Ortsteilen bestehen bis zum Ende der kommunalen Wahlperiode 2021 Ortsbeiräte. Bekanntmachung der Gemeinde, abgerufen am 19. Februar 2020 Seit der Kommunalwahl 2001 ist es in Hessen möglich, bei Gemeinde- und Ortsbeiratswahlen zu kumulieren und zu panaschieren, d. h. einer Person bis zu drei Stimmen zu geben bzw. Stimmen auf verschiedene Parteien zu verteilen. Zur besseren Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei Entscheidungen, die sie berühren, gab es in der Gemeinde Freigericht bis 2015 ein Kinder- und Jugendparlament. Mangels Beteiligung wurde es wieder aufgelöst. Auf Bundesebene gehörte Freigericht bis 2009 dem Bundestagswahlkreis Hanau an, ab 2013 dem Bundestagswahlkreis Main-Kinzig – Wetterau II – Schotten; im Hessischen Landtag ist die Gemeinde dem Wahlkreis Main-Kinzig I zugeordnet.

Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Freigericht erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Freigericht 2026 in Vergleich gesetzt zu den Kommunalwahlen seit 1972:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001%1997Sitze1997 44,61624,1924,3927,91047,91859,02245,317 12,9513,9519,1719,3728,31024,2928,811 13,0517,9711,6413,35——7,638,93 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Freigericht12,9522,4835,11322,9821,389,2317,06 DF Die Freigerichter16,7621,88—————————— Sonstige Weitere Parteien und Wählergruppen————9,9416,672,61———— Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in %62,055,953,851,648,452,268,4

Wahlvorschläge%1993Sitze1993%1989Sitze1989%1985Sitze1985%1981Sitze1981%1977Sitze1977%1972Sitze1972 46,21747,71852,52058,22256,22151,918 22,3836,01333,01225,1921,8821,08 9,13—————————— UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Freigericht13,2516,3614,5516,8622,0827,210 9,34—————————— Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in %75,4Ergebnisse der Gemeindewahlen vom 7. März 199381,1Ergebnisse der Gemeindewahlen vom 12. März 198977,2Ergebnisse der Gemeindewahlen vom 10. März 198580,4Ergebnisse der Gemeindewahlen vom 22. März 198185,7Ergebnisse der Gemeindewahlen vom 20. März 197784,8Ergebnisse der Gemeindewahlen vom 22. Oktober 1972

Seit Gründung der Gemeinde Freigericht 1970 besteht die Gemeindevertretung unverändert aus 37 Mitgliedern. Von Beginn an war die CDU für Jahrzehnte die stärkste Fraktion, musste jedoch seit dem letzten absoluten Wahlsieg von 2001 erhebliche Verluste hinnehmen. Mit der Kommunalwahl 2011 wurden insgesamt sieben politische Gruppierungen in die Gemeindevertretung gewählt. Nach der Kommunalwahl 2016 gab es noch fünf Fraktionen, und die UWG war stärkste Fraktion, verlor diese Position jedoch 2021 wieder an die CDU.

Bürgermeister und Gemeindevorstand