Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 13 6 8 27 2 7 5 7 19 3 3 3 4 10 4 3 3 1 7 5 2 5 3 10 6 2 4 1 7 7 2 2 2 6 8 1 3 1 5 9 1 2 3 6 10 1 2 1 4 … … … … … … 14 – – 2 2 Vollständiger Medaillenspiegel
Die Olympischen Winterspiele 1976 (auch XII. Olympische Winterspiele genannt) wurden vom 4. bis 15. Februar 1976 in Innsbruck, Österreich, ausgetragen. Die Spiele waren zunächst an Denver vergeben worden, das sich gegen Sion, Tampere, Vancouver und Granada durchgesetzt hatte. Die Bevölkerung des US-Bundesstaates Colorado sprach sich aber gegen die Verwendung von Steuergeldern für die Winterspiele in Denver aus. Nach einem Referendum am 7. November 1972 wurden die Spiele an das IOC zurückgegeben. Bei der zweiten Entscheidung setzte sich Innsbruck gegen Lake Placid, Chamonix und Tampere durch.
Erwähnenswertes Innsbruck wurde zum zweiten Mal nach 1964 Austragungsort für Olympische Winterspiele, nachdem Denver die Spiele zurückgegeben hatte. Rudolf Nemetschke war damals österreichisches Mitglied des IOC, er setzte sich im IOC vehement für die Vergabe der Spiele an Innsbruck ein. Der österreichische Staat gab Silbermünzen im Wert von 100 Schilling heraus; die Erstausgabe erfolgte am 23. Dezember 1974. Bei der Eröffnungsfeier wurden zwei olympische Feuer entzündet. Das erste für 1964 von Christl Haas, das zweite für 1976 von Josef Feistmantl. Zum ersten Mal war Eistanz eine olympische Disziplin. Für die Wiener Schüler (auch jene in Mittelschulen) wurde für den 5. Februar, dem Tag der Abfahrt der Herren, ab 11:00 Uhr freigegeben. Auch in anderen Bundesländern gab es ähnliche Lösungen, um den Schülern zu ermöglichen, das Rennen im Fernsehen mitzuerleben. Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele erfuhr Innsbruck abseits des Sportstättenbaus zahlreiche städtebauliche Veränderungen. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend folgten viele der Maßnahmen dem Ideal der autogerechten Stadt. Unter anderem wurde die Straßenbahnlinie 4 nach Hall in Tirol eingestellt und durch Busse ersetzt. Die westdeutsche Eishockeynationalmannschaft belegte einen sensationellen dritten Platz vor den punktgleichen Finnen und gewann die Bronzemedaille. Im Divisionsverfahren lagen die Deutschen mit 41 Tausendstel vor Finnland (Torverhältnis 7:6 zu 9:8). Im direkten Vergleich hatte Finnland das Spiel gegen Deutschland mit 5:3 gewonnen. Die Mannschaft erfuhr erst in der Kabine von ihrem Erfolg. Dies war die beste Platzierung einer deutschen Eishockeymannschaft bei einem olympischen Turnier bis 2018.
Wahl des Austragungsortes Kandidatenstadt 1. Wahlgang 2. Wahlgang 3. Wahlgang 29 29 39 18 31 30 12 8 - 9 – - 0 – -
Auf der 69. IOC-Session in Amsterdam am 12. Mai 1970 wurde über die Vergabe der Olympischen Winterspiele 1976 abgestimmt. Dabei stellten sich fünf Kandidaten zur Wahl, als Favoriten galten Denver und Sion. Im ersten Wahlgang schieden Vancouver und Granada aus, im zweiten Wahlgang Tampere. Im dritten Wahlgang setzte sich schließlich Denver mit 39 zu 30 Stimmen gegen Sion durch.
Initiator und größter Fürsprecher von Winterspielen in Denver war Gouverneur John Arthur Love. Die Spiele sollten der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Bundesstaates Colorado im Jahr 1976 sein. Aber schon im Herbst 1971 kam es zu ersten Kontroversen. Das Organisationskomitee wollte aus Kostengründen die nordischen Disziplinen nach Steamboat Springs und die alpinen Disziplinen nach Vail verlegen. Außerdem wollte man nur noch eine kleinere und kombinierte Bob- und Rodelbahn bauen, auf der dann aber keine Viererbob-Rennen hätten stattfinden können. Das IOC jedoch bestand auf dem Konzept der Bewerbungsunterlagen, das eine Austragung aller Disziplinen in Denver oder in unmittelbarer Nähe vorsah, und drohte mit dem Entzug der Spiele. Nachdem bekannt wurde, dass die Kosten für die Ausrichtung um mindestens 300 % steigen werden und außerdem für den Bau der Wettkampfstätten umfangreiche Eingriffe in die Landschaft um Denver erforderlich werden, kam es Ende 1971 auch zu Protesten von Seiten der Bevölkerung. Es gründete sich eine Bürgerinitiative For the future of Colorado. Bereits Ende Juli 1972 gab es in einer Unterschriftenaktion 77.392 Gegenstimmen, wovon mehr als 20.000 aus Denver selbst kamen. Der spätere Gouverneur Richard Lamm setzte sich mit dem Slogan Keine Spiele für Denver an die Spitze der Protestbewegung. Am 9. November 1972 kam es zu einem Referendum, in dem sich 57 % der Bevölkerung gegen die Ausrichtung der Spiele aussprachen. Denver gab daraufhin den Auftrag, die Winterspiele 1976 in Denver auszurichten, an das IOC zurück.
Das IOC bot die Spiele zunächst dem unterlegenen Sion an, das allerdings aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit und wegen unklarer Finanzierung ablehnen musste. Das IOC vergab die Spiele daraufhin neu. Am 16. November 1972 kam vom Österreichischen Olympischen Comité die Erklärung, Innsbrucks Bewerbung grundsätzlich zu unterstützen. Am 4. Februar 1973 erfolgte in Lausanne die Neuvergabe. Bewerber waren neben Innsbruck, welches seine Anwartschaft schon Ende Juni 1972 bekundet hatte, auch Lake Placid, Tampere und Chamonix. Die offiziellen Wahlergebnisse wurden nicht veröffentlicht, jedoch wurde Innsbruck nach Verlauten mit nur einer Gegenstimme ausgewählt. Rudolf Nemetschke, österreichisches IOC-Mitglied, warb zuvor nochmal ausdrücklich für Innsbruck. Pluspunkte für Innsbruck waren die in guter Erinnerung gebliebenen Olympischen Winterspiele 1964. Die meisten Wettkampfstätten ließen sich erneut nutzen. Außerdem konnte von den Bewerbern nur Innsbruck die Austragung aller Disziplinen garantieren. Alois Lugger, Bürgermeister und Bewerbungschef von Innsbruck, versprach die Rückkehr zu einfachen Spielen.
Organisation Organisationskomitee Gleich nach Vergabe der Spiele an Innsbruck im Februar 1973 gründete sich das Organisationskomitee. Die Spitze des Komitees bildeten der Vorsitzende Fred Sinowatz, der stellvertretende Vorsitzende Alois Lugger und Generalsekretär Karl Heinz Klee. Das vorherige Versprechen von einfachen Spielen beherrschte von Anfang an die Planung der Spiele. Im Mittelpunkt stand dabei das Ziel, die Kosten so gering wie möglich zu halten und nicht den Gigantismus vorheriger Spiele fortzuführen. Auch deswegen wurde das Komitee weitgehend aus den Mitarbeitern gebildet, die bereits an den Spielen 1964 mitgearbeitet hatten, so dass der Mitarbeiterstab zwar klein, aber dafür erfahren war. Ebenfalls wurden die Wettbewerbe möglichst an den Wettkampfstätten durchgeführt, die bereits 1964 genutzt wurden, nur zwingend erforderliche Neubauten wurden realisiert. Alle Baumaßnahmen sollten langfristigen Nutzen bringen und keinesfalls nur einem einmaligen Gebrauch während der Spiele dienen. Das Komitee setzte sich zu Beginn der Arbeit ein präliminiertes Minus von 60 Millionen Schilling, das nicht überschritten werden durfte. Ausgaben von 334 Millionen Schilling für die Ausstattung der Wettkampfstätten, Zeitnahme und Anzeigetafeln, Personal- und Materialkosten, sämtliche Baumaßnahmen für Presse und Fernsehen und die Gestaltung der Zeremonien standen 274 Millionen an Einnahmen für Fernsehrechte (141 Millionen), Verkauf von Eintrittskarten (81 Millionen), eine 1974 eingeführte Bausteinaktion (22 Millionen), Verkauf von Sonderbriefmarken (15 Millionen) und dem Anteil der teilnehmenden Mannschaften (15 Millionen) gegenüber. Das Organisationskomitee wurde im Frühjahr 1977 aufgelöst.
Baumaßnahmen mini|Eine der größeren Baumaßnahmen war die Errichtung der Olympiabahn genannten Standseilbahn vom Ort Axamer Lizum bis zum höchsten Punkt des dortigen Skigebiets. Dort fand ein großer Teil der damaligen Alpinski-Wettbewerbe statt. Die Bahn ist heute noch in Betrieb.
Die Wettkampfstätten mussten aufgrund von neuen Anforderungen teilweise um- und ausgebaut werden, neu wurden aber nur zwei gebaut. Die Kosten für den Um- und Neubau der direkten Wettkampfstätten betrugen 210 Millionen Schilling. Als Pressezentrum diente der Neubau der Pädagogischen Akademie, der dafür zeitlich vorgezogen wurde, als Fernsehzentrum wurde die IVB-Halle gebaut, später gehörte die Halle zum neuen Zentralbahnhof. Die Mehrkosten für Presse- und Fernsehzentrum betrugen 164 Millionen. Näheres zu den Baumaßnahmen an Wettkampfstätten sowie am Presse- und Fernsehzentrum findet sich im Abschnitt #Olympische Orte.
Einen Hauptteil der Maßnahmen übernahm, auch um Kosten zu sparen, das Bundesheer. Trassierung und Präparierung der Loipen und alpinen Hänge, Verlegung von Kabeln, Bau von Fernseh- und Presseeinrichtungen an den Wettkampfstätten, all das wurde von insgesamt 2700 Soldaten geleistet, die nach Schätzungen bis zu 650.000 Arbeitsstunden leisteten.
Umfangreicher waren die städtebaulichen Maßnahmen, die Bund, Land und Stadt nach Vergabe zeitlich vorzogen und umsetzten. Die Stadt Innsbruck errichtete ein neues Wohngebiet (als sozialer Wohnungsbau) mit Freizeitzentrum, Hauptschule und Hallenbad, das während der Spiele als olympisches Dorf fungierte. Neu entstand auch die Reichenauer Brücke über den Inn, die oben genannte IVB-Halle und zahlreiche Straßenbauvorhaben. Der Bund war verantwortlich für den Neubau der Pädagogischen Akademie, der während der Spiele als Pressezentrum genutzt wurde.
Das Land Tirol baute ein Landessportheim und setzte ebenfalls zahlreiche Straßenbauvorhaben um. Insgesamt investierte die Stadt im Vorfeld der Spiele 865 Millionen Schilling, der Bund 160 Millionen und das Land 190 Millionen. Da alle Bauvorhaben aber bereits in den Haushalten geplant, wegen der Spiele dann aber lediglich zeitlich vorgezogen wurden, wurden die Kosten nicht als Olympiakosten gerechnet.
Eintrittspreise Diese betrugen für Stehplätze 50 bis 200 Schilling, für Sitzplätze 100 bis 900 Schilling. Es gab Dauerkarten für die Alpinbewerbe um 650 Schilling und für Langlauf, Biathlon und Skispringen um 600 Schilling, Eisschnelllauf um 550 Schilling, Bob und Rodeln um 250 Schilling, wobei diese Karten übertragbar waren. Die Eishockeykarten konnten in der Gruppe A nur im Block mit 15 Spielen erworben werden, auch hier war eine Übertragbarkeit möglich. Stehplätze kosteten 1300 Schilling, Sitzplätze gab es in den Preislagen 2000, 3000 und 5000 Schilling.
Probleme Problematisch war die Wetterlage vor Beginn der Spiele. Ein überdurchschnittlich warmer und schneearmer Winter sorgte für zahlreiche Bedenken. Ab Anfang Januar wurde daher Schnee aus dem Wipptal nach Innsbruck transportiert, um die Durchführung aller alpinen und nordischen Wettbewerbe auch bei ausbleibendem Schnee sicherzustellen. Transport und Verteilung des Schnees wurden vom Bundesheer organisiert. Gut eine Woche vor Beginn der Spiele setzte dann doch kräftiger Schneefall in Innsbruck und Umgebung ein, so dass alle Sorgen über Schneemangel hinfällig wurden.
Fackellauf mini|120px|Fackel der SpieleInnsbruck 1976
Am 30. Januar 1976 wurde die olympische Fackel im antiken Olympia in Griechenland im Hain von Altis entzündet. Eine Innsbrucker Abordnung, bestehend aus Stadtrat Theodor Seykora, Vizebürgermeister Ferdinand Obenfeldner und Gemeinderat Dir. Alois Prazeller sowie Zeremonienmeister Alfred Nagl und Regierungsrat Anton Weghofer begleiteten das Feuer fortan von Griechenland nach Innsbruck.