Als eine Entführung durch Außerirdische (; in der Ufologie nach einer Klassifikation von UFO-Begegnungen durch J. Allen Hynek auch Nahbegegnung der vierten Art (engl. , kurz )J. Allen Hynek: The UFO Experience: A Scientific Enquiry. 1972, ISBN 978-1-56924-782-2.) wird die Entführung von Menschen durch außerirdische Wesen bezeichnet.C. D. B. Bryan: Close encounters of the fourth kind: alien abduction, UFOs, and the conference at M. I. T. Knopf, New York 1998, ISBN 0-679-42975-1. Jenny Randles, Peter Houghe: The Complete Book of UFOs: An Investigation into Alien Contact and Encounters. Sterling Publishing, 1994, ISBN 0-8069-8132-6.Stuart Appelle: The Abduction Experience: A Critical Evaluation of Theory and Evidence. In: Journal of UFO Studies. n.s. 6, 1995/96, S. 29–78.

Annahmen über die Faktizität solcher Entführungen basieren auf Berichten der Opfer der behaupteten Entführungen. Beweise dafür, dass tatsächlich jemals Menschen von Außerirdischen entführt wurden, existieren allerdings nicht,Robert Sheaffer: A Skeptical Perspective on UFO Abductions. In: Andrea Pritchard, David E. Pritchard, John E. Mack, Pam Kasey, Claudia Yapp (Hrsg.): Alien Discussions: Proceedings of the Abduction Study Conference. North Cambridge Press, Cambridge 1994, S. 382–388. wie auch nicht für die Existenz von außerirdischem Leben überhaupt.

Das mythologische Wesen Grey wird von Ufologen und vermeintlichen Entführungsopfern in mehreren Fällen mit dem Phänomen in Verbindung gebracht.Thomas E. Bullard: The Variety of Abduction Beings. In: Andrea Pritchard, David E. Pritchard, John E. Mack, Pam Kasey, Claudia Yapp (Hrsg.): Alien Discussions: Proceedings of the Abduction Study Conference. North Cambridge Press, Cambridge 1994, S. 90–91.Richard Hall: Are UFO Abductions a Universal or a Culturally Dependant Phenomenon. In: Andrea Pritchard, David E. Pritchard, John E. Mack, Pam Kasey, Claudia Yapp (Hrsg.): Alien Discussions: Proceedings of the Abduction Study Conference. North Cambridge Press, Cambridge 1994, S. 191–193.

Geschichte des Phänomens

Der erste moderne Fall dieser Art, der Aufsehen erregte, betraf das US-amerikanische Ehepaar Betty und Barney Hill, die im Jahr 1961 angaben, ein UFO gesichtet zu haben. Nachdem Betty monatelang unter Albträumen litt, die den Aufenthalt in einem mit unbekannten Instrumenten ausgestatteten Laboratorium betrafen, wurden sie und ihr Ehemann mittels Hypnose behandelt, wobei Barney Hill dann ähnliche Erfahrungen schilderte wie seine Frau.John G. Fuller: Die unterbrochene Reise. ISBN 3-930219-12-3.Friedman, Marden: Captured! The Betty and Barney Hill UFO Experience. 2007. Ein ähnliches Erlebnis hatte in den 1970er Jahren Travis Walton.s. die Artikelsammlung in: Robert Sheaffer: The Selling of the Travis Walton „Abduction“ Story. Some Background InformationJerome Clark: The UFO Book: Encyclopedia of the Extraterrestrial. Visible Ink, 1998, ISBN 1-57859-029-9. Einem größeren Kreis bekannt wurde das Phänomen auch durch den Schriftsteller Whitley Strieber, der einige persönliche Erlebnisse aus dem Jahr 1985 in Hypnosesitzungen untersuchen ließ und 1987 in seinem Buch (dt.: Die Besucher) präsentierte. Allerdings besteht Strieber nicht auf einem extraterrestrischen Ursprung des Erlebnisses, sondern zieht ausführlich die Möglichkeiten des Unbewussten in Betracht. Der Inhalt des Buches wurde 1989 unter gleichem Titel als Spielfilm mit Christopher Walken in der Hauptrolle verfilmt.

Es ist schwierig, gesicherte Zahlen zu erhalten, wie viele Menschen behaupten, sie seien durch Außerirdische entführt und in deren Raumschiffen verschiedenen medizinischen Experimenten unterzogen worden. 1992 veröffentlichte das amerikanische Meinungsforschungsinstitut Roper eine Umfrage, nach der 3,7 Millionen US-Amerikaner Erlebnisse hatten, die auf eine Entführung hindeuteten. Die Validität dieser Untersuchung und ihrer Ergebnisse wurde mehrfach angezweifelt.Susan Blackmore: In: Skeptical Inquirer. 22, 1998, S. 23–28 (Internet Archive) Eine erneute Umfrage von Roper im Jahr 2002 ergab, dass 1,4 % der US-Bevölkerung sich an vier von fünf Schlüsselerlebnissen einer Entführung erinnerten.The Roper Poll: . September 2002

In einer Studie an der University of New Mexico aus dem Jahr 1988 wurde festgestellt, dass etwa 20 % der Freiwilligen, denen eine hohe Dosis Dimethyltryptamin injiziert wurde, identische Erfahrungen wie die einer Entführung durch Außerirdische hatten.Rick Strassmann: DMT – Das Molekül des Bewusstseins: Zur Biologie von Nahtot-Erfahrungen und mystischen Erlebnissen. AT Verlag, Baden/München 2001, ISBN 978-3-85502-967-9, S. 254–297.

Geschilderter Ablauf

Bei den meisten Opfern treten nach der vermeintlichen Entführung zunächst nur einige nicht sehr spezifische psychische und somatische Symptome auf (wie Schlaflosigkeit, Albträume und Dunkelangst). Erst bei der Verwendung spezifischer Befragungstechniken, insbesondere beim Einsatz von hypnotischer Regression durch einen mit dem Phänomen vertrauten Psychotherapeuten, stellen sich Erinnerungen an die Entführungen selbst ein. Die betroffenen Personen berichten dann – im Wesentlichen übereinstimmend – über ihre Erlebnisse. Wenn man die von verschiedenen Autoren vorgenommenen idealtypischen Rekonstruktionen als Orientierung benutzt, lässt sich der Ablauf einer solchen Entführung so beschreiben:

Das Opfer sieht zunächst eine ungewöhnliche Himmelserscheinung (z. B. ein strahlend helles Licht). Bei einigen Entführungen sahen auch Personen, die nicht entführt wurden, zur gleichen Zeit ein ungewöhnliches Phänomen am Himmel. Wie aus dem Nichts erscheinen fremdartige Gestalten, die dem Opfer mit unbekannten Methoden Willenskraft und Empfindungsvermögen rauben. Durch diese Gestalten oder durch eine Art Lichtstrahl (auch Traktorstrahl) wird das Opfer in ein Raumschiff gebracht, wo es sich in einem hell erleuchteten, oftmals mit fremdartigen Maschinen angefüllten Raum wiederfindet. Hier wird das Opfer – fixiert auf einer Art Tisch oder Bett – verschiedenen, meist sehr schmerzhaften Untersuchungen und/oder Experimenten unterzogen: Es werden Blut und Gewebeproben entnommen, dünne Sonden in verschiedene Körperöffnungen oder durch die Haut eingeführt, manchmal Implantate eingesetzt. Das besondere Interesse gilt dabei regelmäßig den Geschlechtsteilen der Entführten. Sperma und Eizellen werden entnommen – in einigen Fällen kommt es zu sexuellen Interaktionen zwischen Mensch und menschenähnlichem Alien. Frauen werden manchmal befruchtete Eizellen eingesetzt, die Föten werden bei einer späteren Entführung wieder entnommen. Während aller Experimente fühlen die Opfer sich von außen kontrolliert. Sie erfahren sich, auch wenn sie nicht mechanisch fixiert sind, als hilf- und wehrlos. Am Ende der Untersuchungen werden entweder die Erinnerungen an die Ereignisse gelöscht oder der Verstand der Opfer wird so manipuliert („programmiert“), dass sie nicht über ihre Erlebnisse sprechen können. An den Rücktransport zum Entführungsort (seltener an einen anderen Ort) gibt es meistens keine Erinnerung.

Bei manchen Entführungen berichten die Opfer auch davon, dass ihnen eine gewisse Zeitspanne zu fehlen scheint. Auf Basis dieser strukturell gleichförmigen Berichte hat sich im Laufe der Zeit in den sozialen Netzwerken aus Betroffenen, UFO- und Entführungs-Experten und einigen Wissenschaftlern ein umfangreiches Hintergrundwissen zum Phänomen ausgebildet. Dazu gehören auch Annahmen über die psychischen und psychosozialen Auswirkungen für die Betroffenen und eine entsprechende ethische Bewertung der Erfahrungen.

In einigen Fällen wird von einer eher positiven Wirkung auf die vermeintlich Entführten ausgegangen: Die Interaktion mit den fremden Wesen soll ihnen zu „höheren Einsichten“ über sich selbst oder die Zukunft der Menschheit verholfen haben. In der Mehrheit der Berichte – diese Tendenz verstärkte sich in den 1980er und 1990er Jahren noch – werden die geschilderten Entführungen und ihre Nachwirkungen jedoch außerordentlich negativ beurteilt. Die Entführungen, insbesondere aber die in ihrem Rahmen stattfindenden schmerzhaften und entwürdigenden medizinischen Experimente, werden als traumatisierende Erlebnisse angesehen. Entsprechend leiden die Entführungsopfer mehrheitlich unter Symptomen, wie sie die posttraumatische Belastungsstörung beschreibt. Viele Betroffene berichten von mehrfachen Entführungen, die regelmäßig bereits in der Kindheit einsetzten und sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder ereigneten. Als besonders quälend empfinden viele das Wissen, auch in der Zukunft immer wieder Opfer werden zu können.Michael Schetsche: Entführt! Von irdischen Opfern und außerirdischen Tätern. In: Michael Schetsche, Martin Engelbrecht (Hrsg.): Von Menschen und Außerirdischen. Bielefeld: Transcript-Verlag 2008, S. 157–182.

Prominente Personen, die Entführungen berichten

Kary Mullis, US-amerikanischer Biochemiker, der 1993 den Nobelpreis für Chemie erhielt, wurde nach eigenen Angaben 1985 von Außerirdischen entführt.London Review of Books: What might they want? abgerufen am 18. Juli 2015Nathan Geffen et al.: (PDF; 383 kB), 25. März 2006, S. 28. Ace Frehley, Mitbegründer und ehemaliger Leadgitarrist der Hardrockband Kiss, wurde nach eigenen Angaben ab 1968 mehrmals entführt.The Examiner: Ace Frehley of KISS claims to have been abducted by aliens. Who else? abgerufen am 18. Juli 2015 Whitley Strieber, US-amerikanischer Schriftsteller. Seine angebliche Entführungen durch Außerirdische schildert er in seinem Werk Die Besucher (Communion, 1987). Betty und Barney Hill, US-amerikanisches Ehepaar, welches durch seine angebliche Entführung bekannt wurde. Travis Walton, US-amerikanischer Waldarbeiter, der durch seine angebliche Entführung bekannt wurde. Seine Geschichte wurde stark abgewandelt verfilmt. Charles Hickson wurde angeblich am 11. Oktober 1973 bei Pascagoula im US-Staat Mississippi von drei Wesen mit lederartiger grauer Haut und krebsähnlichen Zangen entführt.Die Welt: Als die Außerirdischen Charles Hickson entführten vom 13. Oktober 2013 abgerufen am 15. März 2016 Antônio Villas Boas, brasilianischer Farmer und Rechtsanwalt, der nach eigenen Angaben 1957 entführt wurde und dafür bekannt ist."The Surprising Origin of Alien Abduction Stories" abgerufen am 15. Februar 2021"Architects of the Underworld: Unriddling Atlantis, Anomalies of Mars, and the Mystery of the Sphinx" abgerufen am 15. Februar 2021 Elizabeth Klarer, südafrikanische Meteorologin, wurde nach eigener Aussage (mehrmals 1956 und 1957) von Außerirdischen entführt bzw. auf deren Heimatplaneten gebracht und hat einen Alien-Mensch-Hybriden namens Ayling geboren.Elizabeth Klarer: Beyond the Light Barrier. 1980, ISBN 0-86978-178-2.Aaron John Gulyas: Extraterrestrials and the American Zeitgeist: Alien Contact Tales Since the 1950s. McFarland, 2013, ISBN 978-1-4766-0168-7, insbesondere S. 215 ff Weitere Personen werden in der Wikidata-Liste der Alien-Entführten aufgeführt

Wissenschaftliche Erklärungsversuche

Als Erklärungsversuche für die Behauptungen, von Außerirdischen entführt worden zu sein, ist in den letzten zehn Jahren eine ganze Reihe von Hypothesen aufgestellt worden, die der Frage nachgehen, welche Vorgänge diese Wahrnehmungen, Erlebnisse und Erinnerungen hervorgerufen haben könnten. Sie lassen sich zu zwei Typen von Erklärungen zusammenfassen:

Nach einem Erklärungsmuster sind die Berichte im Kontext kultur-historischer Prozesse einzuordnen und als kollektive Narration zu verstehen: UFO-Forscher wie Jacques Vallée weisen beispielsweise auf die Übereinstimmung vieler Entführungsschilderungen mit Mythen und Märchen hin, insbesondere den Beschreibungen von Geistern, Feen, Sylphen und Zwergen. Der Autor Ulrich Magin betrachtet das Phänomen ähnlich, deutet Geschichten von Begegnungen mit Außerirdischen aber im Rahmen .Ulrich Magin: Trolle, Yetis, Tatzelwürmer. Rätselhafte Erscheinungen in Mitteleuropa. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37394-1, S. 92.