Die OLMA Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung (bis 1945 Ostschweizerische Land- und Milchwirtschaftliche Ausstellung, 1946–2003 OLMA, Schweizer Messe für Land- und Milchwirtschaft) ist eine seit 1943 in der Regel jährlich durchgeführte landwirtschaftliche Messe in St. Gallen. Die OLMA ist mit rund 340'000 Besuchern die beliebteste Publikumsmesse der SchweizSt. Galler Bauernverband, Jahresbericht 2025, S. 15Messen kämpfen ums Überleben: Wie sich die Olma verändert, Schweizer Radio und Fernsehen, 16. Oktober 2025 vor der ähnlich grossen BEA in Bern.
Geschichte mini|OLMA-Hallen mini|Werbeplakat für die kantonale landwirtschaftliche Ausstellung in St. Gallen vom 20.–24. September 1907, Plakat: Carl August Liner mini|Werbeplakat von Robert Geiser mini|links|Hoher Besuch in St. Gallen: Micheline Calmy-Rey, damals Bundespräsidentin, besucht 2011 die Messe Als historische Vorläufer der OLMA können die landwirtschaftlichen Ausstellungen angesehen werden, welche bereits in den Jahren 1853, 1888, 1907 und 1927 in St. Gallen stattfanden. Direkte Vorgänger sind die im Rahmen der Anbauschlacht durchgeführten landwirtschaftlichen Ausstellungen von 1942 (im Schützengarten) und 1943 (in der Tonhalle). Wobei das eigentliche Vorbild der Messe die Mustermesse Basel war. Man wollte eine regionale Messe für die landwirtschaftliche Bevölkerung erstellen, welche von den zentralen Veranstaltungen ungenügend erreicht wurde, und begrenzte die Tätigkeit der OLMA „auf den Bedarf des ländlichen und städtischen Haushalts sowie auf die der Landwirtschaft und dem Handwerk dienenden Industrien und Gewerbe“.Casagrande, Seite 8 Bald danach erhielt die Messe grosse wirtschaftliche Bedeutung für die Region St. Gallen und darüber hinaus. 1944 wurde beschlossen, die OLMA-Messen jährlich zu wiederholen. Bereits 1946 erhielt die OLMA die Anerkennung des Bundesrates als nationale Messe. Der Besuch eines Mitglieds der Landesregierung gehört seither zum Programm. 1964 wurde erstmals das Ausland, in diesem Fall die Vereinigten Staaten von Amerika, miteinbezogen. Aus diesem Grund wurde die «Ostschweizerische Land- und Milchwirtschaftliche Messe und Ausstellung» umbenannt in «OLMA, Schweizer Messe für Land- und Milchwirtschaft, St. Gallen».Casagrande, Seite 7–8 Mit der Überlassung des Areals und der Umgebung der ehemaligen Strafanstalt St. Jakob an die Genossenschaft OLMA im Juli 1962, wurden schliesslich die Bedingungen geschaffen, dass die notwendigen Bauwerke zur Durchführung der OLMA errichtet werden durften. Denn vorher fand die OLMA in den Grünanlagen, dem Kantonsschulpark sowie dem Grossmann-, Stadt- und Brühlpark statt.Casagrande, Seite 9 1966 stammte ein grosser Teil der Besucher aus ländlichen Gebieten (65 %) oder aus der Stadt St. Gallen (12 %) und war überwiegend in den Branchen Landwirtschaft, Maschinen und Apparate sowie Nahrungs- und Genussmittel tätig.Casagrande, Seite 28–29
mini|OLMA-Werbeplakat von 1981 Die Messe findet heute jährlich im Herbst im St. Galler OLMA-Messegelände statt und dauert elf Tage. Sie beginnt jedes Jahr am Donnerstag vor dem «Gallentag» (16. Oktober), dem Festtag des heiligen Gallus, des Stadtpatrons von St. Gallen. Zu den Attraktionen zählen der feierliche Umzug des Gastkantons/der Gastkantone am Samstag durch die Innenstadt vom Bahnhof zum Gelände, ein Jahrmarkt sowie ganz allgemein der Verzehr der OLMA-Bratwurst, einer St. Galler Spezialität. Jedes Jahr ist ein anderer Kanton der Schweiz Ehrengast und kann sich während des Umzuges und der Messe dem Publikum präsentieren. Die OLMA ist die mit Abstand grösste Publikumsmesse der Schweiz. Die nächstgrösseren Messen waren bzw. sind die Basler MUBA und die Berner BEA.
Seit 1978 gibt es, ebenfalls jährlich, eine zweite Publikumsmesse im Frühling: die Frühlings- und Trendmesse OFFA.
In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 2000, wenige Stunden nach dem Abschluss der 58. Olma, wurde die Halle 7, die bislang als Degustationhalle gedient hatte und vollständig aus Holz gebaut war, mitsamt sämtlichem Inventar ein Raub der Flammen. Trotz des schnellen Eingreifens der Feuerwehr – das Hauptquartier der Berufsfeuerwehr St. Gallen befindet sich keine hundert Meter entfernt – war nichts mehr zu retten. Glücklicherweise konnte jedoch ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Gebäude verhindert werden und Menschen und Tiere kamen keine zu Schaden. Die Brandursache konnte nie geklärt werdenSandro Zulian: Blick gelangt an Geheimakten: Wie entstand der Grossbrand vor 25 Jahren?. In: Blick.ch, 8. Dezember 2025..
2020 wurde die OLMA aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt. 2021 war für den Zutritt ein COVID-Zertifikat erforderlich. Im August 2022 wurde bekannt, dass die Genossenschaft Olma Messen St.Gallen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll. Die Darlehen von Stadt und Kanton, die während der Pandemie ausbezahlt wurden, sollen dabei bei der OLMA verbleiben. Die Aktien sollen rund 20 Millionen Franken einbringen. Die Änderung der Rechtsform erfolgte per 31. Dezember 2022, zusammen mit der Namensänderung zu Olma Messen St.Gallen AG.
Themen Schwerpunkte Ursprünglich hatte die OLMA vier thematische Schwerpunkte: Milchwirtschaft, Acker- und Obstbau, Gewerbe sowie gewerbliche Maschinen und Geräte einschliesslich der Verwendung von Gas, Elektrizität und Feuerung.Vgl. Schweizerische Verkehrszentrale (Herausgeber) Ausserdem wurde Vieh vorgeführt, prämiert und verkauft und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge angeboten. Die Messe ist in den letzten Jahrzehnten beständig gewachsen. Heute richtet sie sich an ein deutlich breiteres Publikum. Auch die Schwerpunkte der Veranstaltung wurden erweitert. Noch immer sind Kühe und Pferde Teil der Ausstellung, doch ist vom Rasenmäher über die Waschmaschine bis zum Mobiltelefon alles zu haben.
Degustationshallen mini|OLMA-Bratwürste Grosse Bekanntheit haben die Degustationshallen 4 und 5, in denen von den Ausstellern Wein und Bier zur Degustation und zum Konsum angeboten werden. Alle grösseren Brauereien und viele Weinhändler aus der ganzen Schweiz sind vertreten.
Brauchtum Als traditionell landwirtschaftlich orientierte Veranstaltung hat auch heute das Brauchtum noch einen hohen Stellenwert. So finden regelmässig Trachtenschauen, Alphornkonzerte und Jodelkonzerte statt.
Sonderschauen Neben den regulären Ausstellern aus der Wirtschaft wird für besondere Ausstellungen und Präsentationen Platz zur Verfügung gestellt. So gibt es jedes Jahr eine Anzahl sogenannter Sonderschauen zu einem bestimmten Thema, etwa zu Biologischem Landbau, Pferderassen oder Ernährung. Im Jahr 2006 war die Schweizer Armee mit einer grossen Ausstellung vertreten.
Statistik Nummer Jahr Besucher Aussteller Gastkanton/-region/-stadt/-land1. OLMA 1943 91'500 150 2. OLMA 1944 135'500 254 3. OLMA 1945 198'000 298 4. OLMA 1946 218'000 5. OLMA 1947 192'000 462 6. OLMA 1948 221'000 7. OLMA 1949 231'000 8. OLMA 1950 242'000 Thurgau9. OLMA 1951 248'000 Schaffhausen10. OLMA 1952 257'000 Fürstentum Liechtenstein11. OLMA 1953 275'000 St. Gallen12. OLMA 1954 256'000 13. OLMA 1955 283'000 Uri, Schwyz, Nidwalden und Obwalden14. OLMA 1956 290'000 15. OLMA 1957 292'000 16. OLMA 1958 280'000 Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden17. OLMA 1959 294'000 18. OLMA 1960 308'000 19. OLMA 1961 325'000 Glarus20. OLMA 1962 327'000 Uri, Schwyz, Nidwalden und Obwalden21. OLMA 1963 326'000 22. OLMA 1964 333'000 Fürstentum Liechtenstein23. OLMA 1965 362'000 24. OLMA 1966 365'000 USA25. OLMA 1967 Unbekannt Waadt27. OLMA 1969 Wallis28. OLMA 1970 Schaffhausen29. OLMA 1971 Aargau30. OLMA 1972 401'000 Thurgau31. OLMA 1973 400'000 Tessin32. OLMA 1974 403'000 Graubünden33. OLMA 1975 404'000 Glarus und Freistaat Bayern (Deutschland)34. OLMA 1976 415'000 Zürich35. OLMA 1977 414'000 Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden36. OLMA 1978 407'000 Genf37. OLMA 1979 440'000 Fürstentum Liechtenstein38. OLMA 1980 435'000 750 Uri, Schwyz, Nidwalden und Obwalden39. OLMA 1981 435'000 750 Schaffhausen40. OLMA 1982 452'000 Basel-Stadt und Basel-Landschaft41. OLMA 1983 450'000 Thurgau42. OLMA 1984 426'000 Bern43. OLMA 1985 436'000 Graubünden44. OLMA 1986 425'000 Freiburg45. OLMA 1987 430'000 Glarus und Zug46. OLMA 1988 431'000 Solothurn47. OLMA 1989 434'000 593 Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden48. OLMA 1990 425'000 598 Luzern49. OLMA 1991 400'000 608 St. Gallen50. OLMA 1992 416'000 589 Neuenburg51. OLMA 1993 420'000 602 Fürstentum Liechtenstein52. OLMA 1994 416’000 620 Aargau53. OLMA 1995 400’000 620 Schaffhausen54. OLMA 1996 389’000 611 Wallis55. OLMA 1997 376’000 594 Baden-Württemberg (Deutschland)56. OLMA 1998 383'000 589 Thurgau57. OLMA 1999 381'000 596 Stadt St. Gallen58. OLMA 2000 398'000 590 Zürich59. OLMA 2001 357'000 570 Expo.02 (Schweizerische Landesausstellung)60. OLMA 2002 371’000 596 Region Ligurien (Italien)61. OLMA 2003 385’000 635 Graubünden62. OLMA 2004 384'000 632 Tessin63. OLMA 2005 371'000 637 Genf64. OLMA 2006 398'500 646 Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden65. OLMA 2007 386'000 645 Uri, Schwyz, Nidwalden und Obwalden66. OLMA 2008 378'000 645 Waadt67. OLMA 2009 385'000 662 Südtirol und Trentino (Italien)68. OLMA 2010 370'000 662 Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura69. OLMA 2011 380'000 651 Bern70. OLMA 2012 390'000 642 Zug und Glarus71. OLMA 2013 380'000 630 Solothurn72. OLMA 2014 375'000 624 Luzern73. OLMA 2015 375'000 623 Aargau74. OLMA 2016 365'000 621 Fürstentum Liechtenstein75. OLMA 2017 365'000 610 Thurgau76. OLMA 2018 350'000 612 Fête des Vignerons77. OLMA 2019 360'000 600 Schweizer Volkskultur78. OLMA 2021 220'000 350 Schaffhausen79. OLMA 2022 320'000 502 Graubünden80. OLMA 2023 330'000 563 Zürich81. OLMA 2024 340'000 620 St. Gallen82. OLMA 2025 335'000 640 Wallis83. OLMA 2026 Schwyz
Quellen: Olmapedia Chronik, Casagrande, Seite 27
Säulirennen Besonders beliebt bei den Besuchern ist das traditionelle «Säulirennen», bei dem trainierte Säue – weibliche Schweine – in einer Arena mit 3'000 Zuschauern um die Wette rennen. Da die Renn-Mäntel die männlichen Schweine am Bauch kitzeln, nehmen nur Säue am Rennen teil.Video-Beitrag. Auf das Rennen konnten bisher Wetten abgeschlossen werden. Im Herbst 2021 reichte jedoch die interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) einen Rekurs gegen die Verfügung der Stadtpolizei St. Gallen ein, mit welcher Wetten auf das Säulirennen bewilligt wurden. Die Gespa hielt fest, dass es sich bei diesen Anlässen nicht um Sportereignisse handle, weshalb die Bewilligung für diese Wetten gegen das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS) verstosse.
Trivia Das Messegelände wird vom Rosenbergtunnel (A1) unterquert. Der Plan zum Bau einer dritten Röhre im Rahmen des Nationalstrassenausbaus hätte die Halle 9 direkt betroffen, weil sie dafür hätte zurückgebaut werden müssen, allerdings wurde der entsprechende Bundesbeschluss in einer Volksabstimmung abgelehnt. Damit beginnen die politischen Diskussionen dazu von vorne.
Literatur
Weblinks
Website der OLMA Website der Olma Messen St. Gallen Olmapedia – Online-Publikation zum 75. Jubiläum
Plakat der Landwirtschaftlichen Ausstellung 1907 Akten, Bilder, Plakate und Objekte zur Geschichte der OLMA und weiterer Messen derselben Veranstalterin (Genossenschaft Olma Messen/Olma Messen St. Gallen AG) im Staatsarchiv St. Gallen
Einzelnachweise
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