mini|Logo mini|250px|Gedenkstein bei Eisenach (Hohe Sonne) Der GutsMuths-Rennsteiglauf ist ein Volkslauf, der seit 1973 jährlich Mitte Mai auf dem Rennsteig im Thüringer Wald ausgetragen wird. Mit mehr als 15.000 teilnehmenden Läufern und Wanderern gilt er als größter Landschaftslauf bzw. Crosslauf Europas. Veranstalter ist der GutsMuths-Rennsteiglaufverein e. V. (GMRV), Ausrichter die Rennsteiglauf Sportmanagement & Touristik GmbH.

Wettbewerbe Für Läufer werden folgende Strecken angeboten (die Streckenlänge kann von Jahr zu Jahr leicht variieren):

Strecke Streckenlänge Startort Supermarathon 73,9 km Eisenach Marathon 42,2 km Neuhaus am Rennweg Halbmarathon 21,1 km Oberhof

Ziel der drei Hauptläufe ist Schmiedefeld am Rennsteig.

Außerdem im Programm sind ein Junior-Cross mit Strecken zwischen 1,1 und 7,2 km, ein Special-Cross für Menschen mit geistiger Behinderung sowie einer 17-Km-Familienwanderung und 17-km- bzw. 35-km-Tour für Walker und Nordic Walker.

Der Supermarathon war bis 2015 Wertungslauf im Europacup der Ultramarathons.

Geschichte mini|Startnummer für den GutsMuths-Rennsteiglauf 1983 Der erste offizielle Lauf fand am 13. Mai 1973 als I. 100-km-GutsMuths-Gedenklauf statt. Mit ihm sollte an den Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths erinnert werden. Die Strecke von fast 100 Kilometern führte von der Hohen Sonne bei Eisenach bis nach Masserberg. Die vier Teilnehmer Hans-Georg Kremer, Hans-Joachim Römhild, Jens Wötzel und Wolf-Dieter Wolfram liefen ohne Wettkampfabsicht und erreichten gemeinsam nach 9:55 Stunden das Ziel. Im darauffolgenden Jahr wurde die Veranstaltung am 17. Mai auf einer Strecke von 82 Kilometern – vom Heuberghaus bis Neuhaus – wiederholt. Acht von zwölf Teilnehmern erreichten nach 10:35 Stunden das Ziel: G. Clausnitzer, K. Gottert, R. Knoch, H.-G. Kremer, H.-J. Römhild, W. Schuck, J. Wötzel und S. Ziegan.H.-G. Kremer: Bericht 30 Jahre GutsMuths-Rennsteiglauf – aus dem Archiv des Gründervereins (Teil 3), steppenhahn.de, April 2002

Am 9. Mai 1975 fand der Rennsteiglauf erstmals als Wettkampf statt. Neben dem 50-Meilen-Lauf (82 km) wurde für Frauen eine zweite Strecke mit 38 km Länge eingerichtet, deren Start an der Jugendherberge am Bahnhof Rennsteig bei Schmiedefeld am Rennsteig lag. Von insgesamt 974 Teilnehmer erreichten 811 das Ziel (lange Strecke: 692 Männer, 10 Frauen; kurze Strecke: 108 Frauen, 1 Mann).H.-G. Kremer: Bericht 30 Jahre GutsMuths-Rennsteiglauf – aus dem Archiv des Gründervereins (Teil 5), steppenhahn.de, April 2002 1976 wurde die Streckenlänge auf 75 km reduziert, später dann auf 68 km (1983–1985) und 65 km (1986–1996).

Der Lauf wurde ehrenamtlich organisiert und blieb anfangs ohne Unterstützung durch den Vorstand des DTSB. Am Ende hatte der Lauf Kultstatus. Aus der ganzen DDR pilgerten Hobbysportler zum Rennsteiglauf.

Der Rennsteiglauf vor 1990 in der DDR Die Förderung des Sportes in der DDR war gespalten. Sportarten mit Aussicht auf Medaillengewinne bei Olympischen Spielen wurden besonders gefördert, denn das brachte wichtige internationale Anerkennung. Aber auch der Volkssport wurde gefördert, der Slogan „Jeder Mann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport!“ stammte von Walter Ulbricht (1959). Beim Rennsteiglauf war das anders, denn diese Sportinitiative kam von „unten“ und nicht von „oben“, und da befürchtete man Kontrollverlust. Bis 1989 durften Ausländer nicht am Lauf teilnehmen. Die Zeit: Vom Kult-Lauf der DDR zu einem der beliebtesten Rennen Deutschlands Das betraf sowohl die Bundesrepublik als auch die befreundeten sozialistischen Staaten. Aber es gab trotzdem Versuche, trotz Stasiüberwachung auch auf nicht offiziellen Wegen am Lauf teilzunehmen. Das bedeutete einen Start mit einer Startnummer, die zu einem DDR-Bürger gehörte. news.germanroadraces.de: Der Kulmbacher Ruhrläufer – Rennsteiglauf 1989 – eine Nachlese eines „West-Rennsteigläufers“ – Dr. Hans-Georg Kremer rnd.de: Die Grenzläufer: Wie westdeutsche Teilnehmer heimlich beim Rennsteiglauf starteten Die Überwachung durch die Staatssicherheit machte sich dabei zu Nutze, dass ein Läufer aus der BRD eine ganz andere Laufbekleidung trug, die nicht zu der Person auf der Startnummer (aus der DDR) passen konnte.„Männlein, Weiblein – alle standen nackt da. Das hat die Stasi reihenweise fotografiert“ , Thüringer Landeszeitung: TLZ-Wochenendgespräche: mit Dr. Hans-Georg Kremer, einem der Begründer des Rennsteiglaufes, Sonnabend, 10. Mai 2014.

Der Rennsteiglauf ab 1990

Seit 1997 hat der Lauf mit dem Start in Eisenach seine heutige Länge. Seit dem Jahr 2017 wird die Streckenlänge nach einer Neuvermessung mit 73,5 km statt bisher 72,7 km angegeben.Streckenlänge Der kürzere Lauf wird seit 1977 in Neuhaus gestartet, zunächst über 45 km, 43,5 km und ab 2016 über die Marathondistanz.

1990 wurde erstmals der westdeutsche Teil des Rennsteigs in den Lauf einbezogen: Bei einem Gruppenlauf von Blankenstein nach Neuhaus mussten achtmal die zum Teil noch vollständig erhaltenen Grenzanlagen passiert werden.Hans-Georg Kremer: Geschichte des Sports an der Jenaer Universität von ihrer Gründung bis zur Gegenwart. 2001, S. 154; (PDF) Am 30. Juni 1990 wurde der GutsMuths-Rennsteiglaufverein gegründet, der die Verantwortung für die Veranstaltung von der HSG Uni Jena (heute Universitätssportverein Jena e. V.) übernahm. Im gleichen Jahr wurden die Organisatoren des Rennsteiglaufs mit dem UNESCO-Sportpreis ausgezeichnet.Hans-Georg Kremer: Geschichte des Sports an der Jenaer Universität von ihrer Gründung bis zur Gegenwart. 2001, S. 156; (PDF)

Seit 1992 wird der Halbmarathon von Oberhof nach Schmiedefeld ausgetragen, seit 1993 gehören Kinderläufe zum Programm. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Rennsteiglauf zur größten Breitensportveranstaltung in der DDR. Heute ist er einer der größten Volksläufe in Deutschland und wird seit 1991 von der Zeitschrift Laufzeit regelmäßig zu den zehn beliebtesten Läufen in Deutschland gezählt. Markenzeichen sind der magenfreundliche Haferschleim an den Verpflegungsstellen, die engagierten Helfer an der Strecke, die sich aus den lokalen Sportvereinen rekrutieren, und die „Kloßpartys“ am Vorabend in den Startorten sowie die Läuferpartys im Zielort Schmiedefeld am Rennsteig.

Die 48. Austragung des GutsMuths-Rennsteiglaufs wurde als Folge der COVID-19-Pandemie in Deutschland 2020 von den Veranstaltern abgesagt.

Strecken mini|Nur noch lumpige 5 km bis zum Ziel Der Start des Supermarathons ist auf dem Marktplatz von Eisenach unterhalb der Georgenkirche auf Höhe. Auf dem Weg nach Osten geht es zunächst an Nikolaikirche und -tor vorbei in den Stadtpark, der in den Thüringer Wald übergeht. Nun geht es stetig bergauf, und bei km 7,4 mündet die Laufstrecke an der Hohen Sonne in den Rennsteig, der die Läufer hinauf auf den Großen Inselsberg führt, dessen Gipfel auf Höhe man bei km 25,5 erreicht. Auf einer steilen Passage hinab zum Parkplatz Grenzwiese verliert man nun ca. 200 Meter Höhe. Danach geht es relativ eben weiter über Heuberghaus, Ebertswiese und Neue Ausspanne, bevor einen bei der Marathonmarke ein weiterer Anstieg zu den Neuhöfer Wiesen erwartet. Am Grenzadler, in unmittelbarer Nähe der Lotto Thüringen Arena am Rennsteig, hat man 54,7 km hinter sich. Hier ist ein offizieller Ausstieg mit Zeitnahme möglich, auch werden alle Läufer aus dem Rennen genommen, die bis hierher mehr als neun Stunden gebraucht haben.

Durch welliges Terrain geht es weiter zum Rondell am Rennsteiggarten Oberhof, wo auf einer Brücke die B 247 überquert wird. Bald darauf wird bei km 61,1 an Plänckners Aussicht unterhalb des Großen Beerbergs auf Höhe der höchste Punkt der Strecke erreicht. Ab Schmücke geht es dann die letzten neun Kilometer überwiegend sanft bergab nach Schmiedefeld, wo man nach 70 km Wegstrecke zum ersten Mal wieder in besiedeltes Gebiet gelangt. Das Ziel liegt am Sportplatz oberhalb des Ortes auf Höhe. Insgesamt sind 1490 Höhenmeter bergauf und 989 Höhenmeter bergab zu bewältigen.

Der Marathon startet an der GutsMuths-Halle in Neuhaus auf Höhe. Auf den ersten Kilometern geht es über die gesperrte B 281, so dass das Feld Gelegenheit hat, sich zu sortieren, bevor es kurz vor Steinheid auf die engen Waldwege geht, die von nun an den größten Teil der Strecke bilden. Der erste größere Anstieg ist nach ca. 10 km kurz vor dem Dreistromstein bei Siegmundsburg. An der Turmbaude auf dem Eselsberg wird bei km 18,8 mit Höhe der höchste Punkt der Strecke erreicht. Nach einer steilen Bergabpassage durch einen engen Hohlweg gelangt man zur Triniusbaude. Der Rennsteig verläuft dann parallel zur gesperrten Straße zwischen Masserberg und Neustadt am Rennsteig. Rennsteigläufer laufen natürlich auf dem schmalen Rennsteig bis Kahlert und von dort weiter über einen Asphaltweg leicht aber stetig ansteigend zur Verpflegungsstelle in Neustadt. Hinter Neustadt folgt der steile Anstieg zum Burgberg und weiter geht es über wellige Waldwege zum Dreiherrenstein. Bei Allzunah biegt man dann vom Rennsteig in Richtung Süden nach Frauenwald ab, wo man sich an der letzten Verpflegungstelle mit Bier stärken kann (ein Service, der auch beim Supermarathon angeboten wird), bevor es zum fünf Kilometer entfernten Schmiedefeld geht. Die letzten Meter hinauf zum Ziel auf dem Sportplatz sind ein bekannter Stimmungshöhepunkt. Die Höhenmeter kumulieren auf dieser Strecke auf 769 HM bergauf und 844 HM bergab.

Der Halbmarathon startet an der Rennrodelbahn Oberhof und führt an der DKB-Skisport-Halle Oberhof vorbei zum Grenzadler. Hier biegt die Strecke links ab auf den Rennsteig und folgt der Supermarathonstrecke in Richtung Osten, die man danach nur für einen kurzen Schlenker kurz vor dem Großen Beerberg verlässt. Die Starthöhe beträgt , die Zielhöhe , und der höchste Punkt ist wie beim Supermarathon Plänckners Aussicht mit , die bei km 9,0 erreicht wird. Hier sind 282 Höhenmeter bergauf und 391 HM bergab zu absolvieren.

Zeitmessung Eine Besonderheit des Rennsteiglaufes ist die Zeitmessung. Sie erfolgte von Anfang an auf elektronischem Weg. Die Läufer erhielten eine Startkarte aus Kunststoff, die etwas größer und dicker als das heutige Scheckkartenformat war. Auf dieser Karte war, wie bei einer Lochkarte, die Startnummer eingestanzt. Am Rand der Startkarte befanden sich mehrere Kontrollfelder, die unterwegs an Kontrollstellen gelocht wurden. Den Läufern waren weder die Anzahl und die Position der Kontrollstellen noch die zu lochende Nummer bekannt. Im Ziel wurde von einem Lesegerät die Startnummer und die Kontrolllochungen ausgewertet und es war möglich, die Laufzeit und Platzierung sofort abzulesen. Diese Methode der Zeitmessung wurde durch RFID-Chips abgelöst, mit denen eine exakte, läuferbezogene Zeitmessung möglich ist.

Rennsteig-Herbstlauf Seit 2011 gibt es Anfang Oktober einen Rennsteig-Herbstlauf. Start des Laufes ist, wie beim Rennsteiglauf, in Neuhaus und Ziel in Masserberg auf dem Sportplatz. Die Strecke ist fast identisch mit der des Marathonlaufes. Nur in Neuhaus wird die B281 am Kreisverkehr verlassen und erst wieder an den Sandwischen erreicht. Seit 2014 wird zudem noch eine 10-km-Strecke in Masserberg angeboten.

Statistik Streckenrekorde Supermarathon (auf der seit 2002 gelaufenen Strecke) Männer: 4:50:56, Christian Seiler, 2014 Frauen: 5:43:23, Daniela Oemus, 2025

Marathon Männer: 2:24:47, Filimon Abraham, 2021 Frauen: 2:54:00, Nora Kusterer, 2017

Halbmarathon Männer: 1:06:41, Heiko Schinkitz, 1994 Frauen: 1:16:21, Jane Auro Ekimat (KEN), 1994

Finisher Anzahl der Teilnehmer, die im Ziel ankamen. + Jahr Supermarathon Marathon Halbmarathon Läufer Gesamt 2017 2068 3234 6505 11.807 2018 1822 3170 6679 11.671 2019 1883 3149 6737 11.769 2020 abgesagt aufgrund der COVID-19-Pandemie 2021 905 1537 2865 5.307 2022 1046 1848 4044 6.938 2023 2033 3205 6684 11.922 2024 1434 2399 5708 9.541 2025 1594 2523 6003 10.120 2026 1680 2449 6210 10.339Quelle: mikatiming.deErgebnisse GutsMuths-Rennsteiglauf auf mikatiming.de, abgerufen am 6. Juli 2026.