mini|Logo des Kantons Freiburg
Freiburg (Kürzel FR; , , ) ist ein Kanton im Westen der Schweiz. Die offizielle Eigenbezeichnung lautet: Etat de Fribourg / Staat Freiburg. Er gehört sowohl der frankophonen Romandie als auch der Deutschschweiz an. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sprechen Französisch und knapp ein Drittel Deutsch, womit Freiburg zusammen mit den Kantonen Bern, Wallis und Graubünden zu den offiziell mehrsprachigen Kantonen gehört. Der Hauptort ist die gleichnamige Stadt Freiburg.
Geographie mini|links|Freiburger Voralpen: Dent de Brenleire (, rechts vorne) und Vanil Noir (, hinten)
Der Kanton Freiburg ist mit 1670,8 Quadratkilometern der achtgrösste Kanton der Schweiz. Topografisch lässt sich Freiburg in zwei grössere Bereiche unterteilen: Der nördliche und westliche Teil gehört zum Schweizer Mittelland, der Südosten zu den Schweizer Voralpen (siehe dazu den Hauptartikel Freiburger Voralpen).
Die höchste Erhebung bildet der Vanil Noir mit . Er befindet sich im Süden des Kantons im Greyerzbezirk, an der Grenze zum Kanton Waadt. Der tiefste Punkt liegt auf , am Neuenburgersee.
Die Nachbarkantone sind der Kanton Waadt im Westen und Süden, der Kanton Bern im Osten und Norden, und im Nordwesten grenzt Freiburg durch den Neuenburgersee an den Kanton Neuenburg. Es gibt drei Freiburger Enklaven, die sich in der Waadt befinden.Eine der drei Freiburger Enklaven, Notre Dame de Tours in der Gemeinde Montagny, ist so klein, dass sie in den oben abgebildeten Karten nicht erkennbar ist: Daniel Huber: Verrückte Grenzen, Teil I: Sechs Schweizer Grenzfälle, Nr. 6 Welscher Flickenteppich.
Der Kanton zählt mehrere Dutzend Naturreservate und -schutzgebiete.
Wappen mini|Altes Wappen mit Reichskrone über dem Berntor mini|Kombiniertes Wappen von 1737 am Eingang zur Staatskanzlei
Das Wappen des Kantons Freiburg zeigt einen Schild, geteilt von Schwarz und Silber. Dieses Wappen entstand aus dem Banner der Stadt Freiburg, als diese 1477 aus der Oberhoheit Savoyens entlassen wurde. Damals wurden die Savoyer Kreuze an den Stadttoren durch eine Darstellung ersetzt, welche einen zweifachen, schwarz-weiss geteilten Schild überhöht vom Reichswappen zeigte. Das Banner ist erstmals 1410 in der Freiburger Handfesten dargestellt. Im 17. Jahrhundert entstand ein zweites Wappen, das parallel genutzt wurde. Es zeigte in Blau drei aneinandergebaute, links abfallende Zinnentürme, gekrönt von einem schwarzen Adler. Dieses Wappen entstand aus dem Freiburger Stadtsiegel und wurde in einem viergeteilten Schild mit dem alten Wappen kombiniert. Als 1803 der moderne Kanton Freiburg entstand, wurde das Wappen getrennt. Der Kanton führt seither den alten von Schwarz und Silber geteilten Schild, die Stadt das blaue Wappen mit den Zinnentürmen. Die Kantonsfarben waren zunächst Weiss und Schwarz. Ab 1500 kamen Schwarz und Blau in Gebrauch. Erst 1831 wurden die Kantonsfarben wieder auf Weiss und Schwarz festgelegt.Louis Mühlemann: Wappen und Fahnen der Schweiz. Zürich 1980, S. 76–80.
Bevölkerung Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Freiburg . Die Bevölkerungsdichte liegt mit Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf Prozent, während landesweit Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote Prozent gegenüber Prozent auf eidgenössischer Ebene.
+ Bevölkerungsbewegung im Kanton Freiburg 1999–2010 Jahr Einwohner1. Januar Geburten Todes-fälle Geburten-überschuss Wanderungs-saldo Einwohner31. Dezember Veränderung Veränderungin Prozent 1999 232'086 2934 1888 1046 1156 234'307 2221 1,0 2000 234'307 237'044 2737 1,2 2001 237'044 2850 1846 1004 2154 240'339 3295 1,4 2002 240'339 2684 1883 801 2896 243'400 3061 1,3 2003 243'400 2812 1934 878 2602 246'6563256 1,3 2004 246'656 2782 1918 864 2974 250'377 3721 1,5 2005 250'377 2745 1873 872 2785 253'954 3577 1,4 2006 253'954 2803 1856 947 2810 258'252 4298 1,7 2007 258'252 2792 1810 982 4333 263'241 4989 1,9 2008 263'241 2895 1762 1133 4415 268'537 5296 2,0 2009 268'537 3029 1906 1123 3814 273'159 4622 1,7 2010 273'159 3087 1893 1194 3751 277'824 4665 1,7
Sprachen Der Kanton Freiburg ist ein offiziell zweisprachiger Kanton, Amtssprachen sind Französisch und Deutsch. Die Mehrheit der Bevölkerung ist französischsprachig, Deutsch wird vor allem im Norden und Nordosten des Kantons gesprochen. Im Sensebezirk sowie in der Pfarrei Gurmels wird im Alltag Senslerdeutsch, im Seebezirk – einer ehemaligen Gemeinen Herrschaft von Bern und Freiburg – mehrheitlich Berndeutsch gesprochen; die Mundart von Jaun im Greyerzbezirk ähnelt dem Berner Oberländischen.
2011 wurden die Einwohner des Kantons zwecks ihrer Hauptsprache befragt, worauf sie mehrere Hauptsprachen angeben konnten. Dabei fanden bis zu drei Hauptsprachen je Person Berücksichtigung.
+ Hauptsprachen der Bevölkerung per 31. Dezember 2011 Sprache Anteilin Prozent Französisch 66,7 Deutsch 30,7 andere Sprachen 5,8 Englisch 2,5 Italienisch 2,3
Religionen mini|Konfessionen im 19. Jahrhundert
Freiburg ist ein römisch-katholisch geprägter Kanton. Nur im Nordwesten des Kantons, im Seebezirk, ist die Mehrheit der Bevölkerung traditionell protestantisch, da das Gebiet bis 1798 eine Gemeine Herrschaft von Bern und Freiburg war. 2025 waren weniger als 50 Prozent der Kantonsbevölkerung römisch-katholisch und etwa 10 Prozent protestantisch. Die Katholiken gehören landeskirchlich zur Katholischen Kirchlichen Körperschaft des Kantons Freiburg und religiös zum Bistum Lausanne, Genf und Freiburg. Die Reformierten sind in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Freiburg zusammengeschlossen. 3 Prozent gehören einer anderen christlichen Konfession an, die übrigen haben eine andere Religion, sind konfessionslos oder haben beim Zensus keine Angabe gemacht.
Verfassung und Politik Im Jahr 2004 wurde eine neue Kantonsverfassung angenommen, die das aus dem Jahr 1856 stammende und seither vierzigmal überarbeitete Grundgesetz ersetzte.
Direktdemokratische Volksrechte
Zwingend einer Volksabstimmung (obligatorisches Referendum) unterliegen die Teil- oder Totalrevision der Kantonsverfassung sowie Erlasse des Grossen Rates, die eine neue Nettoausgabe zur Folge haben, die 1 % der Gesamtausgaben der letzten vom Grossen Rat genehmigten Staatsrechnung übersteigt.
6000 stimm- und wahlberechtigte Bürger können mittels einer Volksinitiative die Teil- oder Totalrevision der Kantonsverfassung sowie den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung eines Gesetzes beantragen. Volksinitiativen sind nach der Beratung im Grossen Rat der Volksabstimmung zu unterbreiten.
6000 stimm- und wahlberechtigte Bürger können verlangen, dass folgende Beschlüsse des Grossen Rates der Volksabstimmung zu unterbreiten sind (fakultatives Referendum): erstens ein vom Grossen Rat verabschiedetes Gesetz, zweitens ein Erlass des Grossen Rates, der eine neue Nettoausgabe zur Folge hat, die ¼ % der Gesamtausgaben der letzten vom Grossen Rat genehmigten Staatsrechnung übersteigt, und drittens ein Erlass des Grossen Rates, der Studienkredite von regionaler oder kantonaler Bedeutung betrifft.
300 Stimmberechtigte können eine Motion zuhanden des Grossen Rates einreichen (Volksmotion), die von diesem wie eine Motion eines seiner Mitglieder zu behandeln ist.
Legislative
Das Kantonsparlament, der Grosse Rat oder Grand Conseil, zählt seit Inkrafttreten der neuen Verfassung 110 Sitze. Eine Legislaturperiode dauert fünf Jahre. Die Wahlen werden im Proporzwahlverfahren durchgeführt.
Die letzten Grossratswahlen fanden am 7. November 2021 statt.
Partei Sitze2011 Sitze2016 Sitze2021 Sitzverteilung2021 Wähleranteil in Prozent Die Mitte 31 27 26 FDP.Die Liberalen (FDP) 17 21 23 Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 29 28 21 Schweizerische Volkspartei (SVP) 21 21 18 Grüne Partei der Schweiz (GPS) 3 6 13 Mitte Links CSP (CSP) 4 4 4 Grünliberale Partei (glp) 2 1 3Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU)––1 Diverse 1 2 1 Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) 2 – –
Exekutive
Die Kantonsregierung, der Staatsrat oder Conseil d’Etat, besteht aus sieben Mitgliedern. Diese werden alle fünf Jahre vom Volk im Majorzwahlverfahren bestellt.
+ Mitglieder des freiburgischen Staatsrates (Amtszeit 2022–2026) Staatsrat Partei Direktion (mit französischsprachiger Entsprechung) Didier Castella, Präsident des Staatsrates (2023) FDP Direktion der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft ILFDDirection des institutions, de l’agriculture et des forêts DIAF Jean-Pierre Siggen, Vizepräsident (2023) Mitte Finanzdirektion FINDDirection des finances DFIN Jean-François Steiert SP Direktion für Raumentwicklung, Infrastruktur, Mobilität und Umwelt RIMUDirection du développement territorial, des infrastructures, de la mobilité et de l’environnement DIME Olivier Curty Mitte Volkswirtschafts- und Berufsbildungsdirektion VWBDDirection de l’économie, de l’emploi et de la formation professionnelle DEEF Philippe Demierre SVP Direktion für Gesundheit und Soziales GSDDirection de la santé et des affaires sociales DSAS Sylvie Bonvin-Sansonnens Grüne Direktion für Bildung und kulturelle Angelegenheiten BKADDirection de la formation et des affaires culturelles DFAC Romain Collaud FDP Sicherheits-, Justiz- und Sportdirektion SJSDDirection de la sécurité, de la justice et du sport DSJS Der Staatsrat wird durch die Staatskanzlei SK (Chancellerie d’Etat CHA) unterstützt, die durch die Staatskanzlerin Danielle Gagnaux-Morel geleitet wird. Stellvertreter sind die Vizekanzlerin Sophie Perrier und der Vizekanzler Marc Valloton.
Judikative Erste gerichtliche Instanz sind die Zivilgerichte einerseits sowie die Strafgerichte, das Wirtschaftsstrafgericht und die Jugendstrafkammer anderseits. Zweite gerichtliche Instanz ist das Kantonsgericht.
Als Schlichtungsbehörde in zivilen Angelegenheiten sind der ersten Instanz die Friedensgerichte vorangestellt.
Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird durch das Kantonsgericht ausgeübt, soweit das Gesetz keine andere Behörde für zuständig erklärt.
Die Administrativ- und Disziplinaraufsicht über die Justiz wird vom Justizrat ausgeübt. In diesem Gremium haben je ein Vertreter des Staatsrates, des Grossen Rates, der Gerichte erster und zweiter Instanz, des Anwaltverbandes, der Universität und der Staatsanwaltschaft sowie zwei weitere Personen Einsitz.
Vertretung auf Bundesebene Der Kanton Freiburg hat sieben Sitze im Nationalrat und zwei Vertreter im Ständerat.
Mitglieder im Nationalrat 2023 neu eingetretene Mitglieder sind in fetter Schrift wiedergegeben
SVP: Pierre-André Page, Nicolas Kolly Mitte: Christine Bulliard-Marbach, Marie-France Roth Pasquier SP: Valérie Piller Carrard FDP: Nadine Gobet GPS: Gerhard Andrey
Mitglieder im Ständerat Isabelle Chassot (Die Mitte) Johanna Gapany (FDP)
Verwaltungsgliederung mini|Die Stadt Freiburg
Politische Gemeinden
Insgesamt umfasst der Kanton 119 politische Gemeinden (Stand: Januar 2026).
Nachfolgend aufgelistet sind die bevölkerungsreichsten politischen Gemeinden mit mehr als 5'000 Einwohnern per :
Politische Gemeinde Einwohner Freiburg (Fribourg), Hauptort Bulle Villars-sur-Glâne Estavayer Murten Marly Düdingen Châtel-Saint-Denis Gibloux Tafers Belmont-Broye Romont Courtepin Wünnewil-Flamatt Kerzers
Bezirke
mini|Bezirke des Kantons Freiburg
Der Kanton gliedert sich in die sieben Bezirke:
Bezirk Einwohner() Flächein km² Verwaltungssitz AnzahlGemeinden Sprache Broye Estavayer 17 Französisch Glane Romont 14 Französisch Greyerz Bulle 25 Französisch Saane Freiburg 25 Französisch, Deutsch See Murten 14Deutsch, Französisch Sense Tafers 15 Deutsch Vivisbach Châtel-Saint-Denis 9 Französisch Kanton Freiburg (Gesamt, 7) Freiburg 119 Französisch, Deutsch
Die Verwaltung eines Bezirks heisst Oberamt, deren Leiter Oberamtmann. Nach französischem Vorbild trägt jeder Bezirk den Namen eines Gewässers («See» steht für den Murtensee).