Murten ( im schweizerdeutschen Ortsdialekt []; frankoprovenzalisch ) ist eine politische Gemeinde und Hauptort des Seebezirks (französisch District du Lac) im Schweizer Kanton Freiburg. Zu Murten gehören auch die früher selbständigen Gemeinden Altavilla (eingegliedert 1991), Burg (1975), Büchslen (2013), Courlevon, Jeuss, Lurtigen, Salvenach (alle 2016), Gempenach, Galmiz sowie das ehemals bernische Clavaleyres (alle 2022).

Murten bildet das regionale Kultur- und Wirtschaftszentrum des nördlichen Kantonsteils. Das mittelalterliche Zähringerstädtchen mit einer Ringmauer aus dem 13. bis 17. Jahrhundert und einer historischen Altstadt von nationaler Bedeutung liegt am nach ihm benannten Murtensee und war Schauplatz der Schlacht bei Murten.

Geographie Die Stadt Murten liegt auf , 14 km nördlich der Kantonshauptstadt Freiburg (Luftlinie), auf einer rund zwanzig Meter hohen Anhöhe am Südostufer des Murtensees. Die Ortschaft bildet das Zentrum des Murtenbiets und liegt im nördlichen Freiburger Mittelland. Unter der westlichen Stadtmauer mündet der von Münchenwiler kommende Bach in den Murtensee. Durch das Tal östlich der Stadt fliesst der von diesem abgeleitete Mühlebach nach Muntelier, nordöstlich der Stadt, wo er in den See mündet.

Bis 2012 betrug die Fläche des ursprünglichen Gemeindegebiets 12,0 km². Es umfasste einen Abschnitt am Südufer des Murtensees (rund 1,8 km Seeuferlänge) und der angrenzenden Molassehöhen. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer über einen flachen Uferrandstreifen und die Anhöhe von Murten in die südlich davon gelegene und vom Dorfbach von Münchenwiler durchflossene Geländemulde. Daran schliessen sich im Süden die vom eiszeitlichen Rhonegletscher überformten Molassehöhen mit verschiedenen Drumlins an, darunter die Höhen von Bois Domingue () und Aderahubel ().

Seit 2022 umfasst das Gebiet nach mehreren Fusionen der Stadt mit Nachbargemeinden (in den Jahren 2013, 2016 und 2022) eine Fläche von 36,41 km². Früher besass Murten eine schmale, rund 500 m breite, aber fast 4 km lange Exklave in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebene des Grossen Mooses. Sie reichte von der Hahnematt bei Müntschemier südwärts über den Grossen Kanal und den Biberekanal bis zum Erlenhof bei Galmiz. Dieses Areal ist seit 2022 mit dem grösseren Gemeindegebiet verbunden. Zu Murten gehört seither eine Fläche von etwa 7 km² im Grossen Moos und der Hauptteil des Naturschutzgebiets Chablais am nordöstlichen Ufer des Murtensees.Objektblatt «Le Chablais» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung.

Im Südwesten reicht das Gemeindegebiet über die Flächen von Merlachfeld und Fin du Mossard bis zum Wald La Bourille, wobei der Gemeindebann von Meyriez auf der Landseite vollständig umschlossen wird. Nach Osten erstreckt sich das Gebiet auf das Hochplateau von Burg, in das der Burggrabebach ein tiefes Erosionstal eingeschnitten hat, in den Birchewald () und in die ausgedehnten Wälder östlich von Altavilla, nämlich Trimbley (bis ), Bloster () und Murtenholz (bis ).

Zur Gemeinde Murten gehören die Dörfer Burg () und Altavilla () auf dem Hochplateau, die Weiler Prehl () südöstlich der Stadt, Löwenberg () am Nordfuss des AderahubelsChristoph Schläppi: Löwenberg (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 880, Serie 88). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 2010. und Erligut () leicht erhöht am Südrand des Grossen Mooses, einige von der Stadt abgesonderte neue Wohnquartiere sowie zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Murten sind Greng, Meyriez, Courgevaux, Muntelier, Ried bei Kerzers, Gurmels, Cressier, Courtepin und Mont-Vully, das keiner Gemeinde zugehörige Gebiet Staatswald Galm im Kanton Freiburg sowie Münchenwiler, Ferenbalm und Müntschemier im Kanton Bern sowie Faoug im Kanton Waadt.

Bevölkerung Einwohner

Murten (inkl. seit 1975 eingegliederte ehemalige Gemeinden Altavilla, Büchslen, Burg, Clavaleyres, Courlevon, Galmiz, Gempenach, Jeuss, Lurtigen und Salvenach) Mit Einwohnern (Stand ) gehört Murten zu den grösseren Gemeinden des Kantons Freiburg. Seine Bevölkerungszahl belief sich 1900 auf 4590 Einwohner. Danach nahm sie vorübergehend ab, um seit 1920 kontinuierlich anzusteigen. Die grössten Zuwachsraten wurden von 1950 bis 1970 sowie nach der Erschliessung neuer Wohnzonen in den 1990er-Jahren verzeichnet. Das Siedlungsgebiet von Murten ist heute lückenlos mit dem seiner Nachbargemeinden Meyriez und Muntelier zusammengewachsen. Ein kleiner Teil des Murtner Gewerbegebiets gehört zur Gemeinde Courgevaux. Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten Murten (ohne ab 1975 eingegliederte Gemeinden) Die Bevölkerungszahl belief sich 1900 auf 2263 Einwohner. Danach nahm sie vorübergehend ab, um ab 1920 kontinuierlich anzusteigen. Die grössten Zuwachsraten wurden von 1950 bis 1970 verzeichnet. Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten

Sprachen Von den Bewohnern sind 82 % deutschsprachig, 15 % französischsprachig und 0,5 % italienischsprachig (Stand 2023Offizielle Website der Gemeinde Murten, abgerufen am 8. November 2023.). Die Amtssprache in Murten ist Deutsch, und städtische Reglemente werden allein in dieser Sprache publiziert. Aufgrund der Lage an der Sprachgrenze wird jedoch eine gewisse Zweisprachigkeit gepflegt, so führt die Gemeinde neben der deutschsprachigen Schule auch eine französischsprachige. Seit 2013, als die SBB den Stationsnamen «Murten/Morat» einführten, wird die Zweisprachigkeit auch nach aussen kommuniziert.

Bis in das 15. Jahrhundert wurde in der Stadt hauptsächlich Französisch gesprochen. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Reformation setzte sich jedoch immer mehr das Deutsche durch und gewann spätestens Ende des 17. Jahrhunderts die Oberhand. Im reformierten Murten wird, anders als im katholischen Sensebezirk, Berndeutsch und nicht freiburgisches Senslerdeutsch gesprochen.

Konfessionen Murten ist traditionell eine reformierte Stadt. Derzeit sind 40 Prozent reformiert, 22 Prozent katholisch, und 38 Prozent erklären sich keiner Konfession oder Religion zugehörig oder aber ihre Zugehörigkeit ist unbekannt (Stand 2023Offizielle Website der Gemeinde Murten, abgerufen am 8. November 2023.). Die reformierten Kirchgemeinden gehören der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Freiburg an, die Katholiken kirchenrechtlich dem Bistum Lausanne, Genf und Freiburg und staatsrechtlich der Kirchlichen Körperschaft des Kantons Freiburg.

Wirtschaft Landwirtschaft, industrieller Sektor und Dienstleistungssektor mini|280px|Hafen und Altstadt von Murten Murten war stets ein agrarisch geprägtes Städtchen. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des fruchtbaren Umlandes wurden hier verarbeitet und in den Handel gebracht. Auch die Fischerei im Murtensee spielte eine wichtige Rolle. Da die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abseits der Hauptverkehrsachsen zu liegen kam, hielt die Industrialisierung nur langsam Einzug. Ein wichtiger Arbeitgeber war zu dieser Zeit eine Uhrenfabrik. Der eigentliche wirtschaftliche Aufschwung setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Heute bietet Murten rund 3400 Arbeitsplätze an. Mit 3 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 36 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 61 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).

Auf den fruchtbaren Böden in der Umgebung von Murten und im Grossen Moos werden überwiegend Ackerbau und Gemüseanbau betrieben. Daneben sind auch die Milchwirtschaft und der Obstbau von Bedeutung.

Die Industrie- und Gewerbegebiete von Murten befinden sich in Bahnhofnähe und entlang der Ortsumfahrungsstrasse. Wichtige Unternehmen sind in den Bereichen Industrieelektronik (etwa Saia-Burgess), Produktion von Glaskeramik und Kochherden und in der Nahrungsmittelindustrie tätig. Daneben gibt es zahlreiche weitere kleinere und mittlere Betriebe des Bau- und Transportgewerbes, der Informationstechnologie, der Feinmechanik und der Textilindustrie.

Im tertiären Sektor vereinigen die Verwaltung, das Banken- und Versicherungswesen, das Bildungswesen und vor allem die Tourismus- und Gastronomiebranche zahlreiche Arbeitsplätze auf sich. Das Bezirksspital befindet sich jedoch in der Nachbargemeinde Meyriez.

Besonders seit dem Zweiten Weltkrieg haben sich südlich der Altstadt neue Wohnquartiere entwickelt. Heute findet man bevorzugte Wohnlagen in der Nähe des Seeufers sowie an aussichtsreicher Lage an den relativ sanft geneigten Hängen südlich und östlich der Stadt.

Kultur und Sport Sowohl für Kultur- als auch für Sportbegeisterte bietet Murten verschiedene Möglichkeiten. Erwähnenswert sind die Stadtbibliothek, die Ludothek, ein Freilichttheater und die Organisation von verschiedenen Konzerten, darunter das Murten Classics (Sommerfestspiele der Stadt Murten). Auch die jeweils Anfang März stattfindende Murtner Fastnacht ist von überregionaler Bedeutung. Ferner stehen Fussball- und Tennisplätze, eine Tennis- und Squashhalle und ein Hallenbad zur Verfügung. Alljährlich findet am 22. Juni die Solennität Murten statt, ein Umzug mit Musikformationen durch die Altstadt. Das Jugendfest erinnert an die Schlacht bei Murten im Jahr 1476. miniatur|Das Lichtfestival in Murten Seit 1933 findet am ersten Sonntag im Oktober der Murtenlauf statt. Dieser zählt zu den bekanntesten und traditionsreichsten Volksläufen der Schweiz, mit jeweils Tausenden von Teilnehmern. Die rund 17 Kilometer lange Strecke von Murten nach Freiburg wird ebenfalls zum Gedenken an die Schlacht bei Murten gelaufen.

Seit 2016 findet jeweils im Januar das Murten Licht-Festival in der gesamten Altstadt sowie entlang des Seeufers statt.

Tourismus mini|Monolith im Murtensee (Expo.02) Murten bildet ein wichtiges touristisches Zentrum der Dreiseenregion. Touristenattraktionen sind die gut erhaltene Altstadt mit Ringmauern und Türmen, das Historische Museum der Stadt (ausserhalb der Stadt in einer alten Mühle untergebracht)Hanni Schwab, Hermann Schöpfer, Hugo Schneider, Yvonne Lehnherr: Historisches Museum in der alten Stadtmühle Murten (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 274). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1979, ISBN 978-3-85782-274-2. und die Seeuferanlagen.

Einen wichtigen Aufschwung im Fremdenverkehr erlebte die Stadt im Jahr 2002 als Standort einer der fünf Arteplages der Schweizerischen Landesausstellung Expo.02. Die Arteplage von Murten stand unter dem Titel Augenblick und Ewigkeit. Die Ausstellungen waren über einen Grossteil der historischen Altstadt verteilt. Wahrzeichen von Murten war der begehbare Monolith, ein nach Plänen von Architekt Jean Nouvel im Murtensee rund 200 m vor dem Hafen errichteter rostiger Stahlwürfel von 34 m Kantenlänge, in dem unter anderem ein Panorama der Schlacht von Murten zu sehen war. Mittlerweile ist die Konstruktion wieder zurückgebaut worden. Jedoch musste die «Expo-Gesellschaft» der Stadt Murten eine Entschädigung leisten, da Fundamentstücke aus Beton nicht vollständig aus dem See entfernt werden konnten. Schon 1964 war Murten einmal ein Ausstellungsort der Expo.

Verkehr mini|Bahnhof Murten/Morat Die Gemeinde ist verkehrsmässig gut erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse 1 von Bern via Payerne nach Lausanne. Die Altstadt und Meyriez werden durch eine lokale Ortsumfahrung vom Transitverkehr entlastet. Im Dezember 1997 wurde das Autobahnteilstück der A1 zwischen Löwenberg und Greng mit dem 2,2 km langen Tunnel Les Vignes und einem rund 1 km langen Tagbautunnel eröffnet. Vorher endete die A1 während rund 15 Jahren von Bern her kommend bei Löwenberg.

Die Hauptstrasse 182 führt von Murten aus in südlicher Richtung nach Freiburg und gegen Nordwesten nach Ins im Kanton Bern. Die Hauptstrasse 177 verbindet Murten über den Schiffenen-Staudamm mit Düdingen und Schwarzsee.