miniatur|Marschall: Darstellung auf einem Kartenspiel von 1455
Der Marschall, auch Feldmarschall, ist ein hoher militärischer Dienstgrad. Symbol des Ranges war in Deutschland der Marschallsstab, der formal mitverliehen wurde; der Ausdruck kann aber auch ein zeremonielles Hofamt bezeichnen. Dem Rang des Feldmarschalls entspricht in der Marine jener des Großadmirals. Siehe dazu auch
Geschichtliche Entwicklung Das Wort stammt von Althochdeutsch , zusammengesetzt aus , „Pferd, Mähre“ und „Knecht, Diener“. Es bezeichnet ursprünglich den „Roßknecht“. Mit dem Titel seines Herrn steigt jedoch – wie auch bei Mundschenk „Tafeldiener“, Kämmerer „Kammerdiener“ – auch seine Bedeutung, zu „Stallmeister“ (Marstaller) und später zu allgemeiner Bedeutung im Sinne „Kommandeur der Reiterei“.
Der Marschall war schon im Mittelalter eines der vier bzw. fünf alten Hofämter, vor allem von den merowingischen („Hausämter“) und karolingischen Frankenherrschern bekannt. Aus der Oberaufsicht über die Pferde und damit über das berittene Gefolge entstand einerseits mit dem Aufkommen der Ritterheere der Oberbefehl des Marschalls im Kriege und die Führung der Ritterschaft bzw. der Landstände, andererseits eine Oberaufsicht über das gesamte Hofwesen, was endlich dazu führte, dass der Marschall die Obliegenheiten des Truchsess, also des Küchenmeisters, und des Mundschenks übernahm.
Vor allem war er auch Reisemarschall und hatte für die Gäste zu sorgen. In den meisten deutschen Territorien wurden im späteren Mittelalter diese Funktionen auf verschiedene Beamte verteilt:
Oberbefehlshaber wurde der Feldmarschall, die Leitung der Hofgeschäfte und die Gerichtsbarkeit erhielt ein Hofmarschall. In dieser Funktion stand er auch dem Hofgericht vor. Die landesherrlichen Hofgerichte in Deutschland entstanden teils aus dem vom Landesherrn als Grafen persönlich geleiteten Landgericht, teils aus den Landtagen und Hoftagen. Sie hatten vielfach ständischen Charakter, waren mit adligen Schöffen besetzt und wurden vom Marschall präsidiert. Sie waren vor allem zuständig für Lehnssachen und für Personen ritterlichen Standes. die ursprüngl. Funktion ein besonderer Stallmeister.
Im Heiligen Römischen Reich gehörte das Amt des Erzmarschalls zu den vier Erzämtern, die mit der weltlichen Kurfürstenwürde verbunden waren. So war der Kurfürst von Sachsen der Erzmarschall des römisch-deutschen Kaisers. Der Titel Erzmarschall wurde durch die Goldene Bulle 1356 als Kurwürde an die Herzöge von Sachsen verliehen. Die Erzämter waren reine Ehrentitel. Die mit den Ämtern verbundenen, tatsächlichen Aufgaben nahmen stellvertretend für die Kurfürsten die Inhaber der sogenannten Reichserbämter wahr. Der Reichserbmarschall war zuständig für das Tragen des Reichsschwertes am Königshof.
Johann Wolfgang Goethe, der am 3. April 1764 Augenzeuge der Krönung Josephs II. zum römisch-deutschen König in Frankfurt war, erwähnt dazu:
Den Titel eines Marschalls erhielten auch die Leiter der Verwaltungen der ab 1500 im Zuge der Reichsreform Maximilians I. geschaffenen Reichskreise des Heiligen Römischen Reiches.Ernst Langwerth von Simmern: Die Kreisverfassung Maximilians I. und der schwäbische Reichskreis in ihrer rechtsgeschichtlichen Entwickelung bis zum Jahre 1648. Winter, Heidelberg 1896, S. 24. Der Inhaber dieses Amtes wurde daher gelegentlich auch als „Reichsmarschall“ bezeichnet.Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383–1806). Geschichte und Aktenedition. Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07146-6, S. 146.
Später wurde der Titel eines Marschalls fast nur noch als Ehrentitel für verschiedene Gelegenheiten verliehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Prinz Philip, der Mann der britischen Königin Elisabeth II. Er war – ehrenhalber – Marschall der , Feldmarschall der , Feldmarschall der und Marschall der . Mit diesem nicht unbedingt militärischen Titel wurden aber auch erfolgreiche militärische Führer für einen erfolgreich abgeschlossenen, selbständigen Feldzug geehrt. Am bekanntesten hierbei sind der Marschall von Frankreich und die Verleihung des Dienstgrades Reichsmarschall an Hermann Göring durch Adolf Hitler (aus Prestigegründen, nicht aufgrund militärischer Leistungen). Weitere Beispiele sind der folgenden Liste zu entnehmen.
Entwicklung in deutschsprachigen Streitkräften Heiliges Römisches Reich Der Reichs-Erzmarschall (Archimarescallus) sowie der Reichs-Erbmarschall (Vicemarescallus), Erzamt seit dem 12. Jahrhundert, außerdem der Reichs-General-Feldmarschall seit dem 17. Jahrhundert.
Deutschland und Preußen Rang als Generalfeldmarschall: Preußische Armee (vor 1871) Kaiserliche Armee (bis 1918) Reichswehr (1918–1935): keinen entsprechenden Rang Wehrmacht (1935–1945). Nationale Volksarmee der DDR (1956–1990): Marschall der DDR Dieser Dienstgrad wurde in der Nationalen Volksarmee mit Beschluss vom 25. März 1982 (ebenso wie der Dienstgrad Flottenadmiral parallel zum Dienstgrad Armeegeneral) eingeführt. Zur Ernennung zum Marschall der DDR sollte es aber nur im Verteidigungsfall oder bei besonderen militärischen Leistungen auf Beschluss des Staatsrats der DDR durch dessen Vorsitzenden kommen. Verteidigungsminister Theodor Hoffmann schaffte 1989 die Dienstgrade Flottenadmiral und Marschall der DDR wieder ab.
Bundeswehr (seit 1955): keinen entsprechenden Rang Weitere Einzelheiten siehe: Reichsmarschall und Generalfeldmarschall
Entwicklung in verschiedenen Ländern Im Laufe der Zeit hat sich der Titel des Marschalls von einem höfischen Amtstitel hin zu einem militärischen und Ehrentitel entwickelt, dessen Vergabe kaum mehr mit dessen ursprünglichem Inhalt zu tun hat. Die folgende Übersicht gibt einen Überblick darüber, wie dieser Titel in verschiedenen Ländern der Welt verwendet wird und wurde.
Brasilien In Brasilien war Marschall Manuel Deodoro da Fonseca 1889 Gründer der Republik, sein Nachfolger wurde Marschall Floriano Vieira Peixoto (* 1839; † 1895). Weitere Marschälle waren Verteidigungsminister Odílio Denys, die Präsidenten Eurico Gaspar Dutra und Humberto Castelo Branco (1964–1967) und der Oberbefehlshaber des Brasilianischen Expeditionskorps in Europa, João Baptista Mascarenhas de Morais. Brasilien kennt auch heute noch den Dienstgrad Marechal im Falle eines Krieges. Dieser ist am ehesten mit dem Dienstgrad General bei der Bundeswehr zu vergleichen, da Brasilien bei der Dienstgradgruppe Generale ebenfalls vier Dienstgrade kennt: Marechal, General de Exército, General de Divisão, General de Brigada.
Bolivien Andrés de Santa Cruz Bernardino Bilbao Rioja José Ballivián Otto Philipp Braun
Finnland
Oberbefehlshaber der Streitkräfte Finnlands, Gustaf Mannerheim wurde an seinem 75. Geburtstag im Fortsetzungskrieg am 4. Juni 1942 der Ehrentitel Marschall von Finnland () verliehen – am selben Tag, an dem ihm der Diktator des Nationalsozialistischen Deutschlands, Adolf Hitler, einen Glückwunschbesuch abstattete. Zuvor war Mannerheim am 19. Mai 1933 zum Feldmarschall, eigentlich Kriegsmarschall (finnisch sotamarsalkka) ernannt worden. Dies erfolgte im Zusammenhang mit den 15. Jahrestag des Endes des Finnischen Bürgerkriegs aus dem Jahr 1918.
Frankreich Der Rang Marschall von Frankreich, frz. , wurde um 1190 von Philipp II. für Albéric Clément geschaffen. Unter anderem trugen diesen Titel Ferdinand Foch und Henri Philippe Pétain.
Großbritannien Der Field Marshal war seit 1736 ein Ehrenrang für die verdientesten Generale der britischen und der Commonwealth-Armee, gelegentlich wurde er an ausländische Monarchen sowie an Mitglieder der königlichen Familie ehrenhalber verliehen. Von Anfang bis kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts war er außerdem in Krieg und Frieden fest mit dem Amt Chef des Imperialen Generalstabes bzw. Chief of the Defence Staff verbunden. Nach Ausscheiden von Field Marshal Peter Inge, Baron Inge, 1997 wurde der Titel seinem Nachfolger nicht mehr verliehen. Der Rang steht aber weiterhin zur Disposition. Bekannte britische Feldmarschälle (Jahr der Ernennung) waren:
George Hamilton, 1. Earl of Orkney (1736) John Campbell, 2. Duke of Argyll (1736) Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1813) Fitzroy Somerset, 1. Baron Raglan (1854) Colin Campbell, 1. Baron Clyde (1862) Robert Cornelis Napier, 1. Baron Napier of Magdala (1883) George Bingham, 3. Earl of Lucan (1867) Garnet Wolseley, 1. Viscount Wolseley (1894) Frederick Roberts, 1. Earl Roberts (1895) Evelyn Wood (1903) Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener of Khartoum (1909) John French, 1. Earl of Ypres (1913) Douglas Haig, 1. Earl Haig (1917) Edmund Allenby, 1. Viscount Allenby (1919) Frederick Rudolf Lambart, 10. Earl of Cavan (1932) Philip Walhouse Chetwode, 1. Baron Chetwode (1933) John Dill (1941) Jan Christiaan Smuts (1941) (auch südafrikanischer Staatsmann) John Vereker, 6. Viscount Gort (1943) Archibald Wavell, 1. Earl Wavell (1943) Alan Brooke, 1. Viscount Alanbrooke (1944) Harold Alexander, 1. Earl Alexander of Tunis (1944) Bernard Law Montgomery, 1. Viscount Montgomery of Alamein (1944) Claude Auchinleck (1946)
In Großbritannien, Australien und Neuseeland wird die Bezeichnung Air Marshal in den Luftstreitkräften anstelle der Bezeichnung General verwendet („Luftmarschall“). Die vier höchsten Dienstgrade der Royal Air Force lauten (wobei der erste und höchste in Friedenszeiten abgeschafft wurde):
(äquivalent zum Field Marshal) (äquivalent zum General)
Außerhalb des Militärs waren Earl Marshal von England und Earl Marischal von Schottland erbliche Hofämter mit zeremonieller Funktion am englischen und schottischen Königshof.
Irak Angesichts zahlreicher Militärputsche in der Geschichte des Irak seit den 1930er Jahren und rivalisierender Autoritätsansprüche erschien es Staatspräsident Abd ar-Rahman Arif bei seinem Machtantritt geboten, sich durch einen übergeordneten Dienstgrad der Loyalität des Militärs zu versichern. Er selbst hatte zusammen mit General Abd al-Karim Qasim 1958 geputscht, war von diesem zum Oberst ernannt worden und hatte dann aber als solcher zunächst vergeblich gegen Qasim geputscht.
1963 gelang schließlich der Sturz Qasims mit Hilfe anderer Militärs, z. B. des baathistischen Majors Ahmad Hasan al-Bakr, der nun ebenfalls zum Obersten bzw. General aufrückte. Arefs Marschallsrang sollte den Vorrang vor beiden herausstellen und wurde in dieser Tradition auch von Bakr übernommen, als er 1968 Aref stürzte. Diese Erhöhungen wurden von der irakischen Armee anerkannt, da beide Amtsinhaber tatsächlich die Militärakademie besucht hatten. Die Selbsternennung von Bakrs Nachfolger und Cousin Saddam Hussein, der keine Offiziersausbildung besaß, stieß jedoch auf Unmut in der Armee. Saddam Hussein ernannte deshalb seinen Cousin, den General Ali Hasan al-Madschid ebenfalls zum Feldmarschall und somit zum zweithöchsten Militär des Irak nach sich selbst als Oberbefehlshaber. Seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 gibt es keinen Marschall des Irak mehr.
Italien mini|150px|Marschall von Italien(Feldmütze) Der Rang Marschall von Italien, ital. , wurde im faschistischen Italien ab 1924 verwendet. Es gab auch den Rang eines (Luftmarschall) und den des (Großadmiral).
Diese höchsten Ränge wurden in der italienischen Armee 1946 abgeschafft. Auch der Dienstgrad Armeegeneral (OF-9) wurde gestrichen. Seine Funktionen übernahm bis 1997 der so genannte „Generalleutnant in besonderer Dienststellung“. Heute ist der höchste Dienstgrad in Italien der General bzw. Admiral (OF-9). Diese Dienstgradebene ist jedoch ausschließlich dem Generalstabschef der Streitkräfte vorbehalten.
Ein Maresciallo hingegen ist ein Dienstgrad im Range eines Unteroffiziers (OR-7).
Bekannte Träger des Ranges Marschalls waren: Benito Mussolini (1924) Pietro Badoglio (1926) Rodolfo Graziani (1936) Ugo Cavallero (1942) Ettore Bastico (1942) Giovanni Messe (1943)
Jugoslawien