mini|Mammographie (1989) Mammographie oder Mammografie (von „Brust“ und -graphie) ist eine Methode zur Früherkennung von Brustkrebs (Mammakarzinom), der in den meisten Ländern häufigsten Krebserkrankung der Frau. Die Mammographie ist in erster Linie ein Verfahren der Radiologie zur Diagnostik der weiblichen, gegebenenfalls aber auch der männlichen Brust, und wird als Synonym für die Röntgenmammographie verwendet. Alternative bildgebende Verfahren sind die Mammasonographie, die Tomosynthese, die Magnetresonanz-Mammographie sowie die Brust-Computertomographie (Mamma-Computertomographie).

Die weltweit erste klinische Mammographie fertigte der Chirurg Otto Kleinschmidt 1927 am Leipziger Uniklinikum an.Mario Beck: Radiologie-Tagung mit Ausflug in die Geschichte. In: Leipziger Volkszeitung, 23. März 2012J. Gossner, C. Scherer: Leipzig und die Entwicklung der klinischen Mammografie. In: Ärzteblatt Sachsen, 06/2018; slaek.de (PDF) Ein weiterer Pionier war Ende der 1950er Jahre Robert Egan am University of Texas M.D. Anderson Cancer Center, der 1964 ein Buch über Mammographie veröffentlichte. Die Breitenanwendung der Mammographie setzte aber erst nach einer umfangreichen klinischen Studie in New York ein, die 1966 veröffentlicht wurde (Leiter Philip Strax).

Technik der Untersuchung Klassische 2D-Mammographie Die Untersuchung erfolgt an speziellen Röntgengeräten. Die angewendete Röntgenstrahlung ist eine weiche Strahlung mit einer Energie von ungefähr 25 bis 35 keV (Kiloelektronenvolt). In der Mammographie kommen praktisch kaum noch Film-Folien-Systeme, sondern hauptsächlich digitale Röntgengeräte zum Einsatz. Letztere teilen sich in Speicherfoliensysteme und Flachdetektorsysteme auf. Diese wiederum teilen sich auf in direkt digitale Detektoren, bei denen die Röntgenstrahlung direkt in ein elektrisches Signal umgewandelt wird und in indirekt digitale Detektoren, bei denen die Röntgenstrahlung erst in sichtbares Licht und dann in ein elektrisches Signal umgewandelt werden. Die Röntgenaufnahmen werden auf einer speziellen Mammographie-Befundstation betrachtet, welche sich im Wesentlichen durch zwei Graustufenmonitore mit jeweils 5 Megapixeln auszeichnet oder aber einen Graustufenmonitor mit mindestens 10 Megapixeln.

3D-Mammographie/Tomosynthese

Bei der klassischen 2D-Mammographie besteht das Problem, dass durch die Überlagerung verschiedener Gewebestrukturen mitunter krankhafte Veränderungen im Gewebe verdeckt werden, wodurch sie übersehen werden können. Dies versucht man auszugleichen, indem man aus zwei Winkeln die Brust aufnimmt, und zwar „craniocaudal“ und „mediolateral oblique“, d. h. einmal senkrecht und einmal im 45-Grad-Winkel. Dies hilft, löst das Problem jedoch nicht immer. Bei der Tomosynthese wird die Brust aus unterschiedlichen Winkeln aufgenommen, und zwar je nach Hersteller über einen Winkel von 15 bis 50 Grad (Röntgentomographie). Dabei werden zwischen 9 und 25 Aufnahmen mit niedriger Dosis und hoher Beschleunigungsspannung aufgenommen, sodass die Gesamtdosis in etwa der einer klassischen 2D-Aufnahme entspricht. Aus diesen Aufnahmen werden einzelne Schichten des Brustgewebes errechnet. Bei 1-mm-Schichten zum Beispiel werden für eine 5 cm dick komprimierte Brust 50 Schichten errechnet. Da nun die Schichten über und unter der jeweils zur Ansicht ausgewählten Schicht bei der Befundung ausgeblendet werden, sind Gewebeveränderungen leichter zu sehen. Da zur Befundung aber auch die konventionelle 2D-Aufnahme gebraucht wird, diese aber nicht zusätzlich zur Tomosynthese erstellt werden soll, da dann zusätzliche Röntgenstrahlung für die 2D-Aufnahme gebraucht wird (doppelte Dosis für einmal Tomosynthese und einmal 2D), wird bei einigen Herstellern inzwischen aus dem Datensatz der 3D-Tomosynhese auf ein 2D-Bild zurückgerechnet (synthetische 2D-Mammographie).

Die drei größten Studien zum Thema sind:

Die Oslo-Studie. Die vierjährige prospektive Studie mit dem Titel „Two-View Digital Breast Tomosynthesis Screening with Synthetically Reconstructed Projection Images: Comparison with Digital Breast Tomosynthesis with Full-Field Digital Mammographic Images [Digitale Zwei-Ebenen-Tomosynthese bei Vorsorgeuntersuchungen der Brust mit synthetisch rekonstruierten Projektionsdarstellungen: Vergleich mit digitaler Brust-Tomosynthese mit digitalen Vollfeld-Mammografiebildern]“, die anhand von 24.901 Vorsorgeuntersuchungen in einem großen Krankenhaus in Norwegen durchgeführt wurde, evaluierte die Verwendung von 2D-Bildern aus 3D-Mammografieschichtbildern anstelle der konventionellen 2D-Bilder, die als Teil der digitalen Tomosynthese der Brust erforderlich sind. Per Skaane vom Osloer Ullevål-Universitätsklinikum (Abteilung für Radiologie) und seine Kollegen stellten fest, dass die Verwendung von 3D-Bildern und daraus erstellter 2D-Bilder die Strahlendosis um durchschnittlich 45 % reduzierte und bei der diagnostischen Genauigkeit gegenüber 3D-Mammografiebildern und konventionellen 2D-Bildern keine bedeutsamen Unterschiede feststellbar waren. Die Studie wurde bereits vor der am 24. Januar 2014 in der Zeitschrift Radiology, einer wissenschaftlichen Zeitschrift der Radiological Society of North America (RSNA), erschienenen Druckausgabe online veröffentlicht. Die UPMC Studie. Die Reader-Studie, „Comparison of Two-dimensional Synthesized Mammograms versus Original Digital Mammograms Alone in Combination with Tomosynthesis Images [Vergleich zweidimensionaler synthetischer Mammogramme mit ursprünglichen digitalen Mammogrammen alleine in Kombination mit Tomosynthesebildern]“, untersuchte ebenfalls, ob erzeugte 2D-Bilder anstelle konventioneller 2D-Bilder bei einer 3D-Mammografie verwendet werden können. Die Autoren verglichen in dieser retrospektiven Studie die Ergebnisse von acht Fachleuten, die verschiedene Fälle auswerteten, welche die gesamte Bandbreite der Läsionen und der in der klinischen Praxis auftretenden, identifizierten Störfaktoren abdeckten. Margarita L. Zuley, Department of Radiology, Magee Women’s Hospital, University of Pittsburgh Medical Center, und ihre Kollegen kamen zu dem Schluss, dass die erzeugten 2D-Bilder zu keinen klinisch bedeutsamen Unterschieden bei der Diagnosegenauigkeit führten und daher verwendet werden könnten, um die konventionelle 2D-Mammografie als Teil der routinemäßigen 3D-Mammografieuntersuchung zu ersetzen. Die Studie wurde bereits vor der am 21. Januar 2014 in der Zeitschrift Radiology erschienenen Druckausgabe online veröffentlicht. Die Massachusetts General Hospital Studie. Die Multi-Reader-Studie, „Diagnostic Accuracy and Recall Rates for Digital Mammography and Digital Mammography Combined with One-view and Two-view Tomosynthesis: Results of an Enriched Reader Study [Diagnosegenauigkeit und Rückrufraten bei digitaler Mammographie sowie digitaler Mammographie, kombiniert mit Ein-Ebenen- und Zwei-Ebenen-Tomosynthese: Ergebnisse einer erweiterten Reader-Studie]“, stellte fest, dass die Verwendung der Ein-Ebenen-3D-Mammographie von Hologic zusätzlich zur konventionellen digitalen Mammographie die Diagnosegenauigkeit zwar nennenswert verbessert und die Rückrufrate reduziert, dass aber der zusätzliche Einsatz der Zwei-Ebenen-3D-Mammographie von Hologic die doppelte Leistungsverbesserung brachte und die Zahl der unnötigen Rückrufe von Patienten noch weiter verringerte. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass „ein Ansatz, der die Zwei-Ebenen-3D-Mammographie mit digitaler Mammografie kombiniert, in der klinischen Praxis verwendet werden sollte.“ Außerdem stellten die Forscher fest, dass die zusätzliche Verwendung der Zwei-Ebenen-3D-Mammografie im Vergleich zu konventioneller Mammografie die Diagnosegenauigkeit der Bildgebung bei Frauen mit dichtem Brustgewebe erheblich steigert.

Aufnahmetechniken Jede Brust wird aus zwei, gegebenenfalls auch mehreren Richtungen aufgenommen. Die beiden am häufigsten und üblicherweise angewendeten Projektionen sind die cranio-caudale Abbildung (Röntgenbild der Brust von oben) und die MLO-Aufnahme (mediolateral oblique, Röntgenbild der Brust von der Mitte nach außen). Während der Aufnahme wird die Brust zwischen dem Objekttisch und einer Plexiglasplatte moderat komprimiert. Dies ist notwendig, um die Strahlendosis gering zu halten und die zu untersuchende Brustregion bestmöglich abzubilden. Die Untersuchung wird von einem Teil der Patientinnen als unangenehm empfunden.

mini|Gesunde Brust (links) und Mammakarzinom (rechts) Die weiche Strahlung führt zu kontrastreicheren Aufnahmen, als sie bei anderen Röntgenuntersuchungen mit harter Strahlung möglich wären. Mit der Untersuchung können kleine, nicht tastbare Gewebeformationen sowie Mikrokalk erkannt werden. Die Röntgenbilder werden durch den untersuchenden Arzt ausgewertet, wobei in den europäischen Screeningprogrammen die Doppelbefundung durch zwei Ärzte erfolgt. Hierbei können CAD-Systeme (Computer-assisted Detection) die Radiologen bei der Auswertung von Röntgenaufnahmen unterstützen.S.M. McKinney, M. Sieniek, V. Godbole et al.: International evaluation of an AI system for breast cancer screening. In: Nature, 2020, 577, S. 89–94; doi:10.1038/s41586-019-1799-6 Sie sind in den USA und den Niederlanden abrechnungsfähig.

Mammographie als individuelle Untersuchung Die Mammographie kann zur weiteren Abklärung tumorverdächtiger Befunde eingesetzt werden, meist ein tastbarer Knoten oder eine Sekretion aus der Brustwarze. Unter Fachleuten ist dafür der Begriff kurative Mammographie gebräuchlich. Das Ergebnis der Untersuchung fließt in die Planung der weiteren Therapie ein.

Mammographie als Screening-Untersuchung mini|links|Mammobil in Eilenburg mini|hochkant|Mammographie eines Mammakarzinoms mini|hochkant|Mammographie Die Mammographie, laut Bundesamt für Strahlenschutz für Frauen ab 45 mit mehr Nutzen als Risiken verbunden,Mammografie. Screening für Frauen ab 45 sinnvoll. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 121, Heft 7, 5. April 2024, S. B 415. wird auch zur Früherkennung von Brustkrebs eingesetzt. Ziel dieser Screening-Maßnahme ist es, durch möglichst frühzeitiges Erkennen die Lebenserwartung an Brustkrebs erkrankter Frauen zu verlängern. Zu diesem Zweck führt man in einigen Staaten (Niederlande, Schweden, Finnland seit 1974; Großbritannien seit 1979) organisierte Röntgenreihenuntersuchung an Frauen ohne Symptome durch. Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse ließ den Schluss zu, dass die Sterblichkeit um 25–30 % gesenkt wurde.S. W. Duffy et al.: The impact of organized mammography service screening on breast carcinoma mortality in seven Swedish counties. In: Cancer, 1. August 2002, 95(3), S. 458–469; PMID 12209737L. G. Larsson et al.: Updated overview of the Swedish Randomized Trials on Breast Cancer Screening with Mammography: age group 40-49 at randomization. In: J Natl Cancer Inst Monogr., 1997, 22, S. 57–61, PMID 9709277A. H. Olsen et al.: Breast cancer mortality in Copenhagen after introduction of mammography screening: cohort study. In: BMJ, 2005 Jan 29,330(7485), S. 220 Neuere Studien relativieren jedoch den Nutzen der genannten Reihenuntersuchungen. Eine Metaanalyse aus dem Jahre 2013 führt den angeblich erzielten Effekt einer Verringerung der Sterblichkeit der Frauen, die an den Reihenuntersuchungen teilgenommen hatten, auf eine mangelhafte Randomisierung der Probandengruppen zurück. In neueren Studien hingegen wurde die Randomisierung korrekt durchgeführt; bei den Probandengruppen konnten keine signifikanten Unterschiede in der Brustkrebssterblichkeit nach 10 Jahren und der Gesamtsterblichkeit nach 13 Jahren festgestellt werden. Ein Review aus dem Jahr 2025 kam zu dem Ergebnis, dass Mammographie-Screenings die Brustkrebssterblichkeit bei Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren tendenziell reduzieren, wobei dieser Effekt in randomisierten Studien geringer ausfällt.