Der Artikel Geschichte der Lufthansa befasst sich mit dem Zeitraum seit Gründung der Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (LUFTAG) im Jahr 1953, die 1954 in Deutsche Lufthansa AG umbenannt wurde und ihren ersten Linienflug am 1. April 1955 durchführte. Die heutige Deutsche Lufthansa AG ist nicht Rechtsnachfolgerin der seit 1933 nationalsozialistisch geprägten „alten“ Deutschen Lufthansa AG.

Ungeachtet dessen stellt das heutige Unternehmen seinen ersten Linienflug am 1. April 1955 als „Neubeginn“ der unter dem Markennamen „Lufthansa“ operierenden Fluggesellschaft dar und macht sich in diesem Zusammenhang die technischen Fortschritte in der deutschen Verkehrsluftfahrt vor Gründung der heutigen Deutschen Lufthansa AG als Unternehmensgeschichte zu eigen. Mit Blick auf das NS-Regime ist dem heutigen Unternehmen bei seiner Selbstdarstellung eine bewusste Verdrängung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern in der NS-Zeit nachgewiesen worden.Lutz Budrass: Adler und Kranich, Die Lufthansa und ihre Geschichte 1926–1955, Blessing Verlag 2016 ISBN 978-3-641-11246-2Johannes Bähr: Rezension von Lutz Budrass, Adler und Kranich in: Sehepunkte Ausgabe 17 (2017), Nr. 10, abgerufen am 7. August 2018Sarah Hofmann: Geschichte der Lufthansa, Empörung über die fehlende Aufklärung in Deutschlandfunk vom 2. Mai 2016, abgerufen am 7. August 2018Nana Brink, Interview mit Johannes Bähr: Wie deutsche Unternehmen mit ihrer Geschichte umgehen in Deutschlandfunk Kultur vom 14. April 2016, abgerufen am 7. August 2018

In keinerlei rechtlicher Beziehung stand die „neue“ Deutsche Lufthansa AG mit der von der DDR am 1. Mai 1955 gegründeten Deutschen Lufthansa, die 1963 liquidiert und deren Flugbetrieb von der Interflug weitergeführt wurde.

Vorgeschichte Einzelne ehemalige Mitarbeiter der vormaligen „Lufthansa“ (sogenannte „Lufthanseaten“) versuchten bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder die Grundlage für zivilen Luftverkehr in Deutschland zu schaffen. Allerdings hatten die Siegermächte zunächst sowohl den Flugzeugbau als auch den Flugbetrieb verboten. Jedoch waren der Kalte Krieg und das sogenannte „Wirtschaftswunder“ Anfang der 1950er-Jahre mitursächlich dafür, dass bereits kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Deutschland geflogen werden durfte und – sowohl in finanzieller als auch in technischer Hinsicht – geflogen werden konnte. Im Zuge des rasanten Wiederaufbaus der Zivilluftfahrt in Deutschland erfolgte schnell die erstmalige Gründung einer westdeutschen Fluggesellschaft, wofür frühzeitig die Rechte am Firmennamen „Lufthansa“ käuflich erworben wurden. Im weiteren Verlauf entwickelte sich diese – offiziell schließlich als Deutsche Lufthansa AG firmierende – Fluggesellschaft zu einem profitablen, modernen und weltweit agierenden Flag-Carrier.

Vorstandsvorsitzender Zeitraum Hans M. Bongers 1954–1964 Die Vorstandsmitglieder waren gleichberechtigt.Herbert Culmann wurde 1970 „Vorstandssprecher“. 1965–1972 Herbert Culmann (1921–1998) 1972–1982 Heinz Ruhnau 1982–1991 Jürgen Weber 1991–2003 Wolfgang Mayrhuber 2003–2010 Christoph Franz 2011–2014 Carsten Spohr seit 2014

1951 richtete Bundesverkehrsminister Seebohm im Verkehrsministerium eine Luftfahrtabteilung ein und verpflichtete Hans M. Bongers, letzter Verkehrsleiter der „alten“ Lufthansa, mit einem „Beratungsauftrag für Luftfahrtangelegenheiten“. In Köln wurde kurz danach das „Büro Bongers“ gegründet, in dem ehemalige „Lufthanseaten“ Unterlagen erarbeiteten, welche für die Bundesrepublik Deutschland die Möglichkeit und Vorzüge einer deutschen Fluggesellschaft zeigen sollten. Es bezog am 15. April 1952 Räume im Gebäude der Alten Universität, Claudiusstraße, das 1907 für die Städtische Handelshochschule Köln erbaut worden war. Hier hatte die Lufthansa 18 Jahre lang ihren Sitz, bis sie 1969 ins Lufthansahochhaus in Deutz zog.Mathias Weber: Die alte Universität zu Köln. In: Rheinische Kunststätten. Heft 269, 1982, S. 29.

Am 26. Juni 1952 beschloss die Bundesregierung, dass für den geplanten Luftverkehr eine Vorbereitungsgesellschaft gegründet werden sollte. Am 26. September 1952 wurden von der Bundesregierung die Vorbereitungen zur Gründung einer Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (LUFTAG) beschlossen und mit sechs Mio. DM Stammkapital unterstützt. Für den Aufbau einer deutschen Luftverkehrsgesellschaft konnten somit alle Vorbereitungen getroffen werden. Wie schon 1926 war am Aufbau Kurt Weigelt von der Deutschen Bank maßgeblich beteiligt. Lukrative Maschinen, günstige Preise und guter Service bei hoher Zuverlässigkeit ließen die neue Fluggesellschaft schließlich unter dem käuflich erworbenen Firmennamen „Lufthansa“ schnell in die Gewinnzone fliegen.

Gründung 350px|mini|Aktuelles Logo der heutigen Deutschen Lufthansa AG seit dem 7. Februar 2018. Die Traditionsfarbe Gelb wird seitdem nur noch vereinzelt zur Hervorhebung (z. B. Hinweise) oder zur farblichen Auflockerung (z. B. Uniform-Halstuch) verwendet. mini|350px|Aktuelles Logo des Lufthansa-Konzerns Lufthansa Group seit dem 10. Dezember 2025. mini|Lufthansasitz 1952–1969, jetzt FH-Köln

Die heutige, am 6. Januar 1953 zunächst unter dem Firmennamen LUFTAG (Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf) gegründete „neue“ Deutsche Lufthansa AG war bis 1962 zu fast 100 Prozent in staatlichem Besitz. 1966 wurde die Lufthansa-Aktie erstmals an der Börse gehandelt. Bis 1994 war „die Lufthansa“ die offizielle nationale Fluggesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Dann reduzierte die öffentliche Hand ihren Anteil von über 50 Prozent auf nur noch 34 Prozent der Aktien. Seit 1997 ist die Deutsche Lufthansa AG vollständig privatisiert und leitet nunmehr den gesamten Lufthansa-Konzern (Lufthansa Group), wobei die Passagierbeförderung im Linienflugbetrieb weiterhin das Kerngeschäft des Konzerns ist. Zu diesem Geschäftsfeld „Passage“ gehören – über die durch die Deutsche Lufthansa AG in Alleinzuständigkeit geleitete Fluggesellschaft „Lufthansa“ (Lufthansa German Airlines) hinaus – noch zahlreiche weitere konzerneigene Fluggesellschaften im In- und Ausland mit jeweils eigener Geschäftsführung unter Aufsicht der Deutschen Lufthansa AG.

Ungeachtet der rechtlichen Zäsur (Neugründung) war die neue Deutsche Lufthansa AG aufgrund stellenweiser Personalkontinuität mit der NS-Vergangenheit der alten Lufthansa belastet. So war der wegen Verschweigung seiner SS-Fördermitgliedschaft und wegen Kriegsverbrechen In: Mittelbayerische Zeitung. 11. März 2016. mit zwei Jahren Gefängnis vorbestrafte Kurt Weigelt (Luft Hansa-Mitgründer 1926) sowohl der letzte stellvertretende AufsichtsratsvorsitzendeAus der „Chronik Flughafen Frankfurt am Main: Aus dem Nachlaß von Verkehrsdirektor Rudolf Lange der Flughafen Frankfurt AG“ von Rudolf Lange, International Advisory Group Air Navigation Services (ANSA), 1. Oktober 1975. der alten Lufthansa als auch Aufsichtsratsvorsitzender sowohl der Vorbereitungs- und Gründungsgesellschaft LUFTAGBildunterschrift auf der Website der Foto- und Nachrichtenagentur Nyhetsbyrån (1953–1954, s. o.) als auch der daraus hervorgegangen heutigen Deutschen Lufthansa AG.Christoph Weber, in „Fliegen heißt Siegen. Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa“, Dokumentation 2009, produziert vom WDR Kurt Knipfer war jeweils in seiner Funktion als Ministerialbeamter sowohl zu NS-Zeiten als auch in den 1950er Jahren Mitglied in den o.a. Aufsichtsräten., Aufzeichnung des Deutschlandfunks vom 12. März 2016.

1950er-Jahre mini|Das erste Flugzeug der Lufthansa, eine Convair CV-340, wurde im August 1954 ausgeliefert.

Am 6. Januar 1953 wurde zunächst die LUFTAG (Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf) unter Beteiligung von der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Bundesbahn und dem Land Nordrhein-Westfalen gegründet.Andreas Graf: Mittendrin - Flughafen Frankfurt : 100 Jahre Lufthansa – Propeller, Piloten und Pillbox (S16/E05). Hessischer Rundfunk, 19. April 2026. In: ARD Mediathek, Minute 18:29-19:27. Abgerufen am 24. April 2026. Im August bestellte die LUFTAG vier Lockheed L-1049G „Super Constellation“. Im November 1953 begann die Piloten- beziehungsweise Flugbegleiterausbildung des ersten Bordpersonals.

Am 6. August 1954 beschloss die ordentliche Hauptversammlung der LUFTAG den Namen LUFTAG in „Deutsche Lufthansa AG“ zu ändern und diese wurde mit einem Kapital von 50 Millionen Deutsche Mark (DM) ausgestattet (entspricht inflationsbereinigt Millionen Euro). Am 17. September 1954 erwarb die LUFTAG für 30.000 DM (inflationsbereinigt Euro) die Markenrechte der alten „Deutschen Lufthansa AG in Liquidation“ inklusive Kranich-Logo und Flagge. Das Stammkapital von sechs Millionen DM kam vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen. Ende 1954 waren bereits fast 600 Personen bei der „neuen“ Lufthansa beschäftigt.

mini|Briefmarke (1955) (Entwurf: Karl Oskar Blase) zum Betriebsbeginn

Im Jahr 1955 erteilten die Alliierten der neuen Deutschen Lufthansa die Genehmigung zum Kauf von vier Convair CV-340 und etwas später für vier Super-Constellation-Flugzeugen. Am 1. März 1955 konnte der Probeverkehr aufgenommen werden. Mit dem Beginn des planmäßigen Linienflugverkehrs innerhalb Westdeutschlands am 1. April 1955 wurden zunächst vier Convair CV-340 eingesetzt. Die ersten Verbindungen bestanden zwischen Hamburg, Düsseldorf, Köln/Bonn, Frankfurt und München. Kurze Zeit später lieferte Lockheed in einem Nonstopflug von New York nach Hamburg die erste Super-Constellation-Langstreckenmaschine aus. Laut Aussagen des ehemaligen Lockheed-Verkäufers Paul White erhielten der Vorstand der Deutschen Bank Hermann Josef Abs und der Bundesminister Franz Josef Strauß Gelder im Zusammenhang mit dem Verkauf von Flugzeugen des Typs Lockheed Constellation und Electra an die Lufthansa.

Am 15. Mai 1955 konnten die ersten Ziele im Ausland angeflogen werden. Am 8. Juli 1955 erfolgte die Aufnahme in die IATA und am selben Tag begann der planmäßige Nordatlantikdienst (zunächst noch mit US-amerikanischen Piloten der TWA). Bereits zwei Monate später wurde der Nordatlantik das hundertste Mal überflogen. Von der Bundesregierung wurden Anfang September 1955 zwei Super Constellation für die Reise Konrad Adenauers und seiner Delegation nach Moskau zu den Verhandlungen über die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen („Heimkehr der Zehntausend“) gechartert. Eine der beiden Maschinen ist in der Flugausstellung Hermeskeil ausgestellt.

Die Verkehrsfliegerschule in Hamburg wurde am 1. Oktober eröffnet. Anfang November kam als neues Ziel Stuttgart hinzu.

Am 21. Dezember 1955 wurde die Chartergesellschaft Deutscher Flugdienst als Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG und zugleich als Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Bundesbahn, dem Norddeutschen Lloyd, Hapag, Deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft-„Hansa“ und der Hamburg-Amerika-Linie gegründet, aus der später die Condor Flugdienst hervorging (Erstflug am 1. April 1956).

mini|Lockheed L-1049G Super Constellation in DLH-Farben

Sowohl die Deutsche Lufthansa AG als auch die 1955 von der Regierung der DDR gegründete Deutsche Lufthansa (DDR) verwendeten anfänglich Markenzeichen der „alten Lufthansa“. Allerdings hatte die DDR-Regierung es versäumt, für die Deutsche Lufthansa (DDR) zuvor die Namens- und Markenrechte zu sichern, so dass sie 1958 auf internationalen Druck in Interflug umbenannt wurde.

Ende März 1956 startete eine Super Constellation erstmals mit ausschließlich deutscher Besatzung in die Vereinigten Staaten. Einen Monat später wurden Montreal und Chicago als neue Ziele in Nordamerika angesteuert. Am 1. Mai 1956 wurde die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen eröffnet. Im August 1956 wurde der Südamerikadienst mit den Zielen Rio de Janeiro, São Paulo und Buenos Aires aufgenommen. Ab September 1956 flog die Lufthansa in den nahen und mittleren Osten mit den Zielen Istanbul, Beirut, Bagdad und Teheran. Spätestens seit diesen Auslandseinsätzen galt die Lufthansa als nationale Fluggesellschaft der Bundesrepublik Deutschland.