Erzhausen (im lokalen Dialekt: Erzhause)Günter Körner. In: Darmstädter Echo, Mittwoch, 5. Juni 2019, S. 13. ist eine Gemeinde im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg zwischen Darmstadt und Frankfurt am Main. Die Gemeinde besteht aus nur einem Ort.

Geografie Geografische Lage Die Wohnbebauung von Erzhausen erstreckt sich in Ost-West-Richtung über eine Länge von etwa 2,5 Kilometer und in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von rund einem Kilometer. Große Flächen der einzigen Gemarkung (Gmk.-Nr. 61073) insbesondere im Westen werden landwirtschaftlich genutzt. Im Nordwesten schließt sich ein ausgedehntes Waldgebiet an, das über Gemarkungsgrenzen hinaus bis nach Rüsselsheim reicht. Weitere Waldflächen auf Erzhäuser Gebiet befinden sich östlich der Bahnlinie.

Nachbargemeinden Erzhausen grenzt im Norden an die Stadt Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) und die Gemeinde Egelsbach (Kreis Offenbach), im Südosten an die kreisfreie Stadt Darmstadt, sowie im Südwesten an die Stadt Weiterstadt. Erzhausen ist etwa 3 km lang und rund 1 km breit und ist fast vollständig von Wald umgeben.

Klima Darmstadt und Erzhausen liegen in der gemäßigten Klimazone. Die Durchschnittstemperatur beträgt 10,1 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit 19,3 °C im Durchschnitt. Der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 0,9 °C.

Darmstadt, Erzhausen und das Rhein-Main-Gebiet liegen am nördlichen Ende der Oberrheinischen Tiefebene, die klimatisch zu den wärmsten Regionen in Deutschland zählt. Die Jahresmitteltemperatur liegt mit 10,1 °C (langjähriges Mittel für den Referenzzeitraum 1950–2010) über der anderer deutscher Metropolen (Berlin 9,0 °C, Hamburg 9,1 °C, München 7,7 °C).

Das Klima ist deshalb insgesamt recht mild. In der Zeit von November bis Januar gibt es tagsüber im Mittel nur ein bis zwei Sonnenstunden. Schnee liegt im Winter im Mittel an etwa 15 Tagen. Die Schneehöhe liegt nur selten über zehn Zentimeter und der Schnee bleibt meist nicht lange liegen.

Der Sommer ist mit Höchstwerten um 25 °C (an durchschnittlich elf Tagen im Jahr auch über 30 °C) recht warm; dazu ist es leicht wechselhaft mit gelegentlichen Schauern oder Gewittern, allerdings ist dies mit täglich sieben bis acht Stunden auch die sonnenreichste Zeit.

Die Extremwerte liegen bei ca. −21 °C im Winter und ca. +39 °C im Sommer. Die höchste je in Darmstadt gemessene Temperatur betrug 39,5 °C, gemessen am 7. August 2015. Die niedrigste je in Darmstadt gemessene Temperatur betrug −26,9 °C, gemessen am 19. Januar 1940. Die durchschnittliche Jahrestemperatur stieg im Mittel der Jahre 1950 bis 2010 um ca. 0,5 auf 10,1 °C.

Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge betrug ca. 600–700 mm. Der meiste Niederschlag fällt im Juli, der geringste im Februar im Mittel der Jahre 1950 bis 2010.

Die vorherrschende Windrichtung ist West.DWD – Deutscher Wetterdienst

Klimadiagramm Erzhausen

Erhebungen Die Binnendüne Heegberg wurde im kalten Tundrenklima durch Sandaufwehungen am Ende der Weichseleiszeit gebildet. Der Heegberg erreicht eine Höhe von 125 Metern über Normalhöhennull.

Gewässer Bach von Erzhausen (auch: Gänswiesengraben) Bensenseegraben Brühlwiesengraben Fischteich am Hahnwiesenbach Hahnwiesenbach Hegbach (auch: Heegbach) Schwarzwiesengraben Tagwiesengraben Wilder Graben

Naturschutzgebiet (NSG) Der Faulbruch (historisch auch: Das Faulbruch) ist ein Wald- und Wiesengelände (Fauna-Flora-Habitat) am Ostrand von Erzhausen.

Geschichte Historische Namensformen In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt: 10. Jahrhundert: Erhardeshusen um 1200: Erhardeshusen um 1250: Erharteshusen 1264: Erardishusen 1273: Erharthusen 1273: in villa Erharthusen 1282: Eradeshusen 1282: Erndeshusen; Ebrathshusen 1331: Erarshusen 1331: Irtzhusen 1413: Ebrichshusen; Erarthusen 1413: Ehartzhusen 1440: Eretzhusen 1446: Erhartzhusen 15. Jahrhundert: Erczhussen 1451: Erhartshusen 1452: Erhartshusen 1453: Erhartshusen 1454: Erhartßhussen 1454: Erhartßhußen 1497: Ertzhusen 1506: Erhartzhausen 1526: Ertzhusen 1541: Erhartshaussen 1549: Erhartshausen 1576: Ertzhaussen 1579: Ertzhausen heute: Erzhausen

Bis 1900 mini|hochkant|„Dankmal“ zur 750-Jahr-Feier der Gemeinde Erzhausen im Jahr 2014

Hügelgräber in der Gemarkung Erzhausen von etwa 1500 v. Chr. weisen bereits auf erste Siedlungen zum damaligen Zeitpunkt hin.

Um etwa 900 n. Chr. ist der Ort in wechselnden Schreibweisen wie beispielsweise Erardishusen, Erhartzhausen, Ebrichshusen oder Erndeshusen erstmals erwähnt. In der ältesten Urkunde aus dem Lorscher Codex trägt die Gemeinde den Namen Erhartshausen. Der Ortsname ist nicht wie oft irrtümlich angenommen von Erz abgeleitet, sondern von dem Vornamen Erhart (Häuser des Erhart).

Im Mittelalter gehörte Erzhausen den Ulnern von Dieburg. 1449 erhält Philipp der Jüngere von Katzenelnbogen die Hälfte von Erzhausen von seinem Vater. Diese fällt mit dem Erlöschen des Hauses Katzenelnbogen im Jahre 1479 an die Landgrafschaft Hessen. 1504 erwirbt der Landgraf von Hessen die andere Hälfte von Erzhausen. Die Bede von 30 Gulden steht aber weiter den Ulner von Dieburg zu. In diese Zeit fiel auch der Bau einer Kapelle (1565), später auch im Volksmund „Ulner Münster“ genannt, aus der am gleichen Platz später die heutige evangelische Kirche entstand. Der Dreißigjährige Krieg und die Pest löschten fast alles Leben aus dem Dorf. 1669 zählte man lediglich 73 Einwohner. Im Jahre 1771 verkauften die Ulner von Dieburg alle ihre verbliebenen Rechte an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt (Ludwig VI.). Zu dieser Zeit ging es wieder aufwärts, denn es wurden bereits wieder 559 Einwohner gezählt. Zur Jahrhundertwende betrug die Einwohnerzahl 1244.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Erzhausen:

Ab 1900 In der Zeit nach 1900 ist ein stetiger Anstieg der Einwohnerzahl zu verzeichnen. Von 1900 bis 1950 und von 1950 bis 2014 hat sich die Einwohnerzahl jeweils mehr als verdoppelt.

Am 14. Oktober 2016 um 18 Uhr 08 MESZ bebte bei Erzhausen die Erde mit dem Magnitudenwert von 3,0 auf der Richterskala. Über Schäden wurde nichts bekannt.Darmstädter Echo, Samstag, 15. Oktober 2016, S. 13

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Erzhausen angehört(e):

1420: Gerauer Mark vor 1449: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft der Ulner von Dieburg ab 1449: Heiliges Römisches Reich, : Ulner von Dieburg; : Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, : Ulner von Dieburg; : Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1504: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1783: zum Amt Darmstadt; 1787: Oberamt Darmstadt, Zent Arheiligen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1815: Großherzogtum Hessen,Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. Provinz Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk LangenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Langen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg

Gerichtszugehörigkeit Erzhausen gehörte zur Zent Arheilgen. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war das Amt Darmstadt zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Langen das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II (Landgerichte wurden durch funktionsgleiche Amtsgerichte ersetzt); zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Erzhausen 7481 Einwohner. Darunter waren 738 (9,9 %) Ausländer, von denen 303 aus dem EU-Ausland, 290 aus anderen europäischen Ländern und 145 aus anderen Staaten kamen. Die Einwohner lebten in 3202 Haushalten. Davon waren 840 Singlehaushalte, 985 Paare ohne Kinder und 1077 Paare mit Kindern, sowie 231 Alleinerziehende und 69 Wohngemeinschaften.

Einwohnerentwicklung • 1806: 345 Einwohner, 60 Häuser • 1829: 559 Einwohner, 75 Häuser • 1867: 800 Einwohner, 129 Häuser

Die Einwohnerzahlen mit ihren Quellen:Hessisches Statistisches Landesamt

Datum Einwohner 1618 ca. 250 1622 ca. 200 1629 29 Hausgesessene 1641 ca. 50 1648 praktisch ohne 1669 73 1791 246 1800 260 1829 559 1834 567 Datum Einwohner 1900 1.244 1933 2.258 1970 5.663 1976 5.733 1981 6.208 1984 6.224 1992 6.437 2000 6.600 2005 7.195 2010 7.460 Datum Einwohner 2011 7.481 2013 7.699 2014 7.716 2015 7.777 2016 8.126Information des Bürgermeisters Rainer Seibold in seiner wöchentlichen Kolumne im Erzhäuser Anzeiger vom 22. Dezember 2016

Die erste urkundlich bekannte Zählung erfolgte 1629. In diesem Jahr wurden 29 Hausgesessene gezählt. Gezählt wurden aber, wie bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, nur Männer mit Bürgerrecht. Sie hießen die „Hausgesessenen“, das entspricht in etwa der Anzahl der Haushaltungen. Die bei Hausgesessenen Einquartierten oder Bürger ohne volle Rechte, sogenannte „Beisassen“, wurden nicht gezählt.

Die Einwohnerzahl stieg im Mittelalter und der frühen Neuzeit nur langsam. Durch die zahlreichen Hungersnöte, Kriege und Seuchen ging sie immer wieder zurück. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, stieg die Einwohnerzahl stark an.

Religionszugehörigkeit • 1829: 536 lutheranische (= 95,89 %), 8 mennonitische (= 1,43 %), 6 jüdische (= 1,07 %) und 9 katholische (= 1,61 %) Einwohner • 1961: 3053 evangelische (= 74,50 %), 776 katholische (= 18,94 %) Einwohner • 2011: 2836 evangelische (= 37,9 %), 1419 katholische (= 19,0 %) Einwohner