Sechemib (auch Sechemib-Perenmaat) ist der Horusname eines altägyptischen Königs (Pharaos) der 2. Dynastie, dessen Regierungsdauer unbekannt istJürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. 2. Auflage, von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2591-6, S. 44–49.. Sein Name ist von nicht unerheblichem Interesse für die Ägyptologie, da er ein Epitheton enthält und womöglich auf religiöse Umwälzungen unter Sechemibs Herrschaft hinweist.
Zur Identität und historischen Position von Sechemib in der traditionellen Herrscherauflistung gibt es kontroverse Diskussionen und Ansichten innerhalb der Forschung, da zeitgenössische, archäologische Funde ebenso unklare und teils widersprüchliche Aussagen liefern. Insbesondere bezüglich einer möglichen Gleichsetzung von Sechemib mit seinem Vorgänger oder Nachfolger, König Peribsen, bestehen divergierende Thesen. Hinzu kommt das mögliche Fehlen von Sechemibs Namen in postumen Quellen und ramessidischen Königslisten. Ebenso ist unbekannt, wer während der 2. Dynastie Sechemibs Vorgänger und wer sein Nachfolger waren.
In der Regierungszeit von Sechemib lassen sich jedoch maßgebliche und umfangreiche, wirtschaftliche wie verwaltungstechnische Neuerungen im Staatssystem nachweisen.
Belege König Sechemib ist vor allem durch zahlreiche Tonsiegel, die seinen Namen tragen, bekannt geworden. Die Mehrzahl dieser Siegel wurde in fragmentarischem Zustand im Grabbezirk des Königs Peribsen zu Abydos gefunden.
Ein weiterer Teil der Funde aus Sechemibs Regierungszeit fand sich in den unterirdischen Grabgalerien des Djoser-Komplexes in Sakkara. Von beiden Fundorten stammen überdies mehrere Gefäße aus Brekzie und Kalzit-Alabaster, auf denen der Name des Sechemib eingraviert ist. Eine weitere Vielzahl an Tonsiegelfragmenten stammt von Elephantine.
Ausgrabungen am abydenischen Kultbezirk des Königs Chasechemui – als „Shunet El-Zebib“ bekannt – legten die Fundamentreste eines sehr kleinen Kultgebäudes frei, das aufgrund von Tonsiegelfunden Sechemib zugeschrieben wird. Der Name des Kultgebäudes ist verloren. Das Bauwerk wurde nie fertiggestellt, da Sechemib vermutlich vorzeitig verstarb. Der Fundlage nach zu schließen wurde das Kultgebäude von Chasechemui abgerissen und überbaut.
Name und Identität Bezüglich der Identität und chronologischen Position von Sechemib sind im Laufe der Forschung Probleme und Widersprüche aufgetreten. Ursache hierfür ist der Fund von Sechemibs Siegeln, welche im Grab des Peribsen deponiert waren und die den Namen „Hor-Sechemib“, beziehungsweise „Hor-Sechemib-Perenmaat“ tragen.William Matthew Flinders Petrie, Francis Llewellyn Griffith: The Royal tombs of the earliest dynasties: 1901. Part II (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 21). Egypt Exploration Fund u. a., London 1901 ( Digitalisierung), S. 7, 14, 19, 20 und 48. Die Fundposition sowie den Königsnamen umgebende Beischriften haben zu gegenteiligen Ansichten unter den Gelehrten geführt.
Walter Bryan Emery,Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. München 1964, S. 106. Kathryn A. BardKathryn A. Bard: The Emergence of the egyptian state. In: Ian Shaw u. a.: The Oxford history of ancient Egypt. Oxford University Press., Oxford 2000, ISBN 0-19-815034-2, S. 86. und Flinders Petrie glauben, dass Sechemib seinen Namen „Hor-sechem-ib“ in „Seth-per-ib-sen“ änderte und daher mit Letzterem identisch ist. Als Argument für eine Gleichstellung von Sechemib und Peribsen führen die Forscher an, dass so viele Tonsiegel mit Sechemibs Namen im Grabbezirk des Peribsen gefunden wurden, das Grab von Sechemib dagegen bis heute noch nicht lokalisiert werden konnte.
miniatur|150px|Siegelabdruck mit dem Horusnamen des Sechemib und dem Namen des hohen Beamten NebhetepPeter Kaplony: Inschriften der Ägyptischen Frühzeit. Wiesbaden 1963, Bildtafel X., Tondiegel Nr. 804.
Hermann A. Schlögl,Herman Alexander Schlögl: Das Alte Ägypten. ... München 2006. S. 78. Wolfgang Helck,Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 103–111. Peter Kaplony und Jochem Kahl sind dagegen überzeugt, dass Sechemib und Peribsen zwei individuelle Regenten waren und Sechemib Peribsen auf den Thron folgte. Grund dieser Annahme ist die Feststellung, dass Sechemibs Name nie zusammen mit dem von Peribsen auf ein und demselben Objekt erscheint. Den Fund von Sechemibs Tonsiegeln im Kultbezirk und im Eingangsbereich von Peribsens Grab vergleichen sie mit der Fundsituation der Elfenbeinetiketten von König Hetepsechemui (Begründer der 2. Dynastie) im Grabbezirk des Königs Qaa (vermutlich letzter Herrscher der 1. Dynastie). Für Schlögl, Helck, Kaplony und Kahl belegen die Tonsiegel daher, dass Sechemib seinen Vorgänger Peribsen bestatten ließ.
Toby Wilkinson postuliert, dass Sechemib zumindest mit Peribsen eng verwandt gewesen sein könnte. Von ihm angeführte Indizien dafür sind grammatikalische und typografische Gemeinsamkeiten, die in Gefäß- und Tonsiegelinschriften zutage treten: So ist unter Peribsen wiederholt die Inschrift Jnj-sṯt („Ini-setjet“; zu deutsch „Tribut von Sethroë“) zu finden, während die Inschriften unter Sechemib Inj-ḫ3s.t („Ini-chaset“; zu deutsch „Tribut der Fremdländer“) lauten. Ein weiteres Indiz für eine engere Verbindung zwischen Peribsen und Sechemib sind die Namenselemente pr und jb, die in beiden Königsnamen vertreten sind.Toby Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 90–91; siehe auch: Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. München 1964, S. 106.
Wolfgang Helck und Dietrich Wildung halten es für denkbar, dass Sechemib mit dem ramessidischen Kartuschennamen Wadjenes identisch ist. Dieser Darlegung liegt die Annahme zugrunde, dass die Weneg-Blume durch die hieratische Schrift fehlgedeutet und zu „Wadjenes“ umgeschrieben wurde. Weneg wäre demnach der Nisut-Biti-Name von Sechemib gewesen. Alternativ ziehen Helck und Wildung eine Gleichsetzung Wadjenes’ mit Peribsen in Betracht.Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil 1: Posthume Quellen über die Könige der ersten vier Dynastien (= Münchener Ägyptologische Studien. Band 17). Hessling, Berlin 1969 (Zugleich: Universität München, Dissertation, 1967), S. 45 & 46.Wolfgang Helck: Untersuchungen zu Manetho und den ägyptischen Königslisten (= Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Aegyptens. Band 18). Akademie-Verlag, Berlin 1956, S. 13 & 14.
Sechemib wird gemäß Jürgen von Beckerath als Gegenregent zu den Herrschern Seneferka, Ba und „Vogel“, nach Schlögl als Gegenkönig zu den Herrschern Neferkare/Aaka, Neferkasokar und Hudjefa angesehen.Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. München / Berlin 1984, S. 148, zu Seneferka siehe auch: Kim Ryholt: King Seneferka in the King-lists and His Position in the Early Dynastic Period. In: Journal of Egyptian History. Nr. 1, Brill, Leiden 2008, , S. 159–173.
Regierungszeit Zeitliche Einordnung von Sechemib miniatur|150px|Gefäßfragment aus Porphyr mit der figürlichen Darstellung des SethP. Lacau, J.-P. Lauer: La pyramide à degrés. Band 4: Inscriptions gravées sur les vases. Kairo 1936, S. 18 und 91, Bildtafel 39; Siehe auch Jeoffrey A. Spencer: Early Dynastic Objects (= Catalogue of Egyptian antiquities in the British Museum. Band 5). British Museum publications, London 1980, ISBN 0-7141-0927-4, Abbildung Nr. 278.
miniatur|150px|Alabastergefäß mit dem Namen Sechemib-Perenmaat (Detail)Jeffrey A. Spencer: Early Dynastic Objects. London 1980, Abbildung Nr. 277. mini|150px|Siegelfragment aus ElephantinePeter Kaplony: Inschriften der Ägyptischen Frühzeit. Wiesbaden 1963, Bildtafel X., Tonsiegel Nr. 466.
Herman A. Schlögl, Wolfgang Helck und Jürgen von Beckerath vermuten, dass Sechemib – ähnlich wie Peribsen – nur in Oberägypten regierte.Kenneth Anderson Kitchen: Ramesside Inscriptions. S. 234–235 mit Verweis auf Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. München / Berlin 1984, S. 171. Hintergrund dieser Ansicht ist eine vermutete Reichsteilung zum Zeitpunkt des Todes von König Ninetjer. Nach einer mehrjährigen Dürre soll Ninetjer Ägypten in zwei eigenständige Hälften gespalten und unter seinen Erben aufgeteilt haben, um den dürrebedingten, wirtschaftlichen Konflikten entgegenzuwirken.Barbara Bell: Oldest Records of the Nile Floods. In: Geographical Journal. Band 136, 1970, S. 569–573; vergl. Hans Goedike: King Ḥwḏf3? In: Journal of Egypt Archaeology. Bdand 42, 1998, S. 50. Zu Sechemibs Zeit hätte Ägypten somit aus zwei Landeshälften bestanden, von denen der südliche Teil von Königen wie ihm und Peribsen dominiert wurde, während im Norden Könige wie Neferkare/Aaka, Neferkasokar und Hudjefa herrschten. Beendet wurde die Reichsteilung unter König Chasechemui. Siegfried Schott verweist zusätzlich auf eine Mitregentschaft von Sechemib in den letzten Jahren von Peribsen, die sich aus Aufzeichnungen der Regierungskalender erschließen lassen.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz/Wiesbaden 1950, S. 55. Sechemibs chronologische Position wird daher vermehrt an das Ende der 2. Dynastie datiert, da Funde und Auswertungen von Steuerkalendern auf Sechemib als Nachfolger von Peribsen hinweisen. Funde von Tonsiegeln mit Sechemibs Namen im abydenischen Grab des Chasechemui, dem letzten Herrscher der 2. Dynastie, machen eine chronologische Position Sechemibs nahe am Ende der 2. Dynastie ebenso wahrscheinlicher.Gunter Dreyer et al.: Umm el-Qaab. Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof: 13./14./15. Vorbericht (= Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Band 59) Deutsches Archäologisches Institut, Orient-Abteilung (Hrsg.), de Gruyter, Berlin 2003, S. 115, Abbildung 42b. Die genaue Dauer seiner Regentschaft ist jedoch unbekannt, die moderne Forschung billigt ihm mehrheitlich sechs bis acht Jahre zu.
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