ABB Ltd (Abkürzung für Asea Brown Boveri) ist ein Technologieunternehmen in den Bereichen Elektrifizierung und Automatisierung mit Hauptsitz in Zürich, das 1988 aus der Fusion der schwedischen ASEA und der schweizerischen BBC entstand. Der Konzern ist weltweit tätig und beschäftigt etwa 111'900 Mitarbeiter in 100 Ländern. Bis zum Verkauf der Stromsparte 2020 war ABB der grösste Industriearbeitgeber der Schweiz. Die Aktien sind an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange, an der Stockholmer Börse und an der New York Stock Exchange kotiert und im Swiss Market Index sowie im OMX Stockholm 30 gelistet.

Geschichte Vorgängerunternehmen und Gründung Die Wurzeln des Konzerns reichen bis in das späte 19. Jahrhundert zurück. Allmänna Svenska Elektriska Aktiebolaget (ASEA, deutsche Übersetzung: Allgemeine Schwedische Elektrizitätsgesellschaft Aktiengesellschaft) wurde 1883 in Västerås, Schweden, von Ludwig Fredholm als Hersteller von elektrischem Licht und Generatoren gegründet.

Brown, Boveri & Cie (BBC) wurde 1891 in Baden im Schweizer Kanton Aargau, von Charles Eugene Lancelot Brown und Walter Boveri als Schweizer Gruppe von Elektrotechnikunternehmen gegründet, die Wechselstrom- und Gleichstrommotoren, Generatoren, Dampfturbinen und Transformatoren herstellten.

ABB entstand am 8. Februar 1988 aus der Fusion der Allmänna Svenska Elektriska Aktiebolaget (ASEA) und der Brown, Boveri & Cie. (BBC) zur Asea Brown Boveri (ABB). Dabei bündelten ASEA und BBC ihr Geschäft in der ABB Asea Brown Boveri Ltd. mit Sitz in Zürich, an der sie jeweils 50 Prozent hielten. Der neu geschaffene Konzern beschäftigte weltweit 210'000 Mitarbeiter, davon 35'000 in Deutschland, 34'000 in Schweden und 16'000 in der Schweiz.Meldung Die Belegschaft von ABB in ZEV Glasers Annalen 114 (1990) Nr. 1/2, S. 38.

Im ersten Jahr tätigte ABB rund 15 Akquisitionen, darunter die Umweltkontrollgruppe Fläkt AB aus Schweden, die Vertragsgruppe Sadelmi/Cogepi aus Italien und den Eisenbahnhersteller Scandia-Randers A/S aus Dänemark. 1989 kaufte ABB weitere 40 Unternehmen, darunter die Übertragungs- und Verteilungsanlagen von Westinghouse Electric, und gab eine Vereinbarung zum Kauf des in Stamford, Connecticut, ansässigen Unternehmens Combustion Engineering (C-E) bekannt.

1996 wurde die ASEA AB in ABB AB und die BBC Brown Boveri AG in ABB AG umbenannt, blieben jedoch weiterhin eigenständige, börsennotierte Gesellschaften (Dual-listed Company). Im Jahr 1999 wurden die beiden Firmen schliesslich zur ABB Ltd. mit Sitz in Zürich vereinigt. Diese Fusion, durch die ABB zur weltweiten Nummer drei der Elektrotechnik wurde, galt damals als Meilenstein der Wirtschaftsgeschichte. Die wichtigsten Produkte des Konzerns waren Kraftwerke, insbesondere Gasturbinen-,Hans E. Wettstein: Gasturbinen und Kombinanlagen. In: Franz Betschon, Stefan Betschon, Jürg Lindecker, Willy Schlachter (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4, S. 82–102. Dampfturbinen-Walter Hossli: Die Energie des Wasserdampfes. In: Franz Betschon, Stefan Betschon, Jürg Lindecker, Willy Schlachter (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4, S. 72–82. und GuD-Kraftwerke, Lokomotiven, TurboladerMichael Jung: Mehr Leistung, weniger Treibstoff. Schweizer Turbolader In: Franz Betschon, Stefan Betschon, Willy Schlachter (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand. Band 2. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2014, ISBN 978-3-03823-912-3, S. 214–233. und elektrische Schaltanlagen.

1990er Jahre 1990 expandierte ABB nach Australien, als es das Werk von Commonwealth Engineering (Comeng) in Dandenong, Melbourne, übernahm.Here & There. In: Australian Railway Historical Society Bulletin. Nr. 633, Juli 1990, S. 176 (englisch).ASEA Brown Boveri. In: Continental Railway Journal. Nr. 84, Dezember 1990, S. 451 (englisch). ABB stellte in diesem Werk weiterhin die Strassenbahnen der B-Klasse von Comeng für Melbourne her. Die Herstellung der Triebwagen der Adelaide-3000-Klasse von Comeng, die stattdessen von Clyde Engineering hergestellt wurden, wurde jedoch nicht fortgesetzt.

Im Jahr 1995 vereinbarte ABB die Fusion seines Geschäftsbereichs Bahntechnik mit dem von Daimler-Benz. Ziel dieser Vereinbarung war es, den weltweit grössten Hersteller von Lokomotiven und Eisenbahnwagen zu schaffen. Das neue Unternehmen, ABB Daimler-Benz Transportation (Adtranz), hatte einen anfänglichen weltweiten Marktanteil von fast 12 Prozent.ABB joins forces with Daimler-Benz. In: Rail. Nr. 249, 29. März 1995, S. 6 (englisch).Rivals to merge. In: Railway Gazette International. Nr. 1, Januar 1996, S. 197 (englisch). Die Fusion trat am 1. Januar 1996 in Kraft.Merger approved. In: Railway Gazette International. Dezember 1995, S. 818 (englisch).

Der damalige Vorsitzende der Geschäftsleitung, Percy Barnevik kaufte in den nächsten Jahren in grossem Stil noch weitere Unternehmen zu. Im Februar 1996 wurde er in der Generalversammlung in den Verwaltungsrat gewählt und übte gleichzeitig die Funktion des Vorsitzenden der Geschäftsleitung von ABB aus. Eines der zugekauften Unternehmen, die amerikanische Combustion Engineering (CE), sah sich in den Neunzigerjahren in den USA mit riesigen Schadenersatzforderungen von Asbestopfern konfrontiert, was ABB als rechtliche Nachfolgerin 2002 an den Rand des Zusammenbruchs brachte, da sie schon durch die Folgekosten (Schadensersatz, Terminverzug, Vertragsrückkäufe, Reparaturkosten etc.) der massiv auf den Markt gebrachten, aber nicht völlig fertigentwickelten bzw. getesteten neuesten Gasturbinentypen GT24 bzw. GT26 finanziell stark belastet war und weitere Forderungen der Kunden ins Haus standen. Der mit den US-Klägern ausgehandelte Vergleich im CE-Fall wurde vom zuständigen US-Gericht am 1. April 2006 genehmigt.Asbest-Vergleich mit ABB unter Dach. In: NZZ Online, 2. April 2006 Barnevik trat im November 2001 aus dem Verwaltungsrat aus und erhielt eine Abfindung in Höhe von 148 Millionen Schweizer Franken, welche noch heute als die grösste Abfindung aller Zeiten gilt. Vorsitzender der Konzerngeschäftsleitung nach Barnevik wurde Ende 1996 der Schwede Göran Lindahl, dessen Geschäftsführung mehrheitlich von Desinvestitionen geprägt war.

Im Juni 1998 gab ABB bekannt, dass es den Automatisierungsbereich des schwedischen Unternehmens Alfa Laval übernehmen werde, das zu dieser Zeit einer der führenden europäischen Anbieter von Prozessleitsystemen und Automatisierungsausrüstung war.ABB kauft Hersteller von Prozeßleittechnik. In: Börsen-Zeitung. 20. Juni 1998, Nr. 115, S. 19.

Am 30. September 1999 wurde die Kraftwerkssparte von ABB, damals in der ABB Kraftwerke AG gebündelt, mit der von Alstom zusammengelegt. Das Joint Venture startete unter dem Namen ABB Alstom Power (Schweiz) AG und wurde Ende 2000 in Alstom (Schweiz) AG umbenannt. Im November 2015 wurde das Unternehmen in die General Electric (Switzerland) GmbH umgewandelt. Es wird oft mit dem im April 2022 gegründeten Schienenfahrzeughersteller Alstom Schweiz AG verwechselt, der seinen Namen ohne Klammern schreibt.

Im April 2000 wurde der Teilbereich Nuclear Systems an die British Nuclear Fuels (BNFL) veräussert, im Mai 2000 wurde dann die gesamte Geschäftssparte mit dem Verkauf des 50-Prozent-Anteils an Alstom aufgegeben, um einerseits die weiteren finanziellen Belastungen der GT24/26-Aufträge sowie die Nachentwicklung und Konstruktionsfehlerbeseitigung der beiden Gasturbinentypen abwälzen zu können. Der Verkaufserlös der Sparte wurde dringend u. a. für die Combustion-Engineering-Problematik benötigt. Der Verkauf der Kraftwerkssparte sicherte zwar das Überleben der ABB, wirkte sich jedoch auch auf die übrigen Bereiche des Konzerns negativ aus, von denen viele Zulieferer der Kraftwerksparte waren.

In dieser auf kurze Sicht ausgelegten Unternehmenspolitik bestärkt wurde Lindahl von Financiers wie Martin Ebner und Jacob Wallenberg, die – wie Lindahl selber auch – im März 1999 im Rahmen der Generalversammlung in den Verwaltungsrat gewählt wurden.

Zur Vergrösserung der Automationssparte wurde im Januar 1999 für rund 2,2 Mrd. US-Dollar die Elsag Bailey Process Automation N.V. zugekauft und in den Konzernbereich Automation Products integriert, darunter auch das Traditionsunternehmen Hartmann & Braun am Standort Alzenau. Mit der neu vorgegebenen Marschrichtung gab Lindahl Ende 2000 die Leitung des Unternehmens ab und trat zudem – ein Jahr vor Barnevik – aus dem Verwaltungsrat zurück.

Ebenfalls 1999 verkaufte das Unternehmen seine Anteile an Adtranz an DaimlerChrysler. Anstatt komplette Lokomotiven zu bauen, verlagerte sich der Schwerpunkt der Transportaktivitäten von ABB zunehmend auf Traktionsmotoren und elektrische Komponenten.

2000er Jahre Im Jahr 2000 feierte ABB, obwohl nur zwölf Jahre in dieser Form existent, aufgrund der Historie der vormaligen BBC, ihr 100-jähriges Bestehen. In Deutschland wurde dies mit der beginnenden Kampagne «Tour Futur», einem auf Zukunft ausgerichteten Umgestaltungsprozess der ABB zusammengelegt. Neuer Deutschlandchef wurde der Schwede Bengt Pihl. Erklärtes Ziel des Managements war es, im Vergleich zu Siemens in allen konkurrierenden Geschäftszweigen die Nummer 1 zu werden. Konsequent wurden Geschäftsbereiche der «alten Technologie» wie Kraftwerks- und Kläranlagentechnik sowie das Turbinengeschäft reduziert und Teile des Standorts Alzenau nach Minden verlegt.

Ab dem 1. Januar 2001 war der informatikorientierte Jörgen Centerman Vorsitzender der Geschäftsleitung, der den Umgestaltungsprozess konsequent fortsetzen wollte und dabei die Intention hatte, ABB müsse sich vorrangig den neuen Informationstechnologien und Dienstleistungen widmen. Eine Massnahme diesbezüglich war die totale Integration der zuvor für CSC Ploenzke tätigen Informatiker und PC-Dienstleister. Diese wurden nach dem Vorbild der Siemens Business Services (SBS) zunächst in die interne Business Unit «KIS» (Kommunikations- & Informations-Systeme) überführt, nach dem allgemeinen Niedergang des IT-Marktes nach 2001 jedoch später erst wieder ausgegliedert und schliesslich vollständig verkauft.

Aufgrund der insgesamt verfehlten Strategie musste Centerman kurz darauf seinen Sessel räumen. Die Aktien verloren in dieser Zeit zeitweise bis zu 70 Prozent ihres Wertes. Als Notmassnahme wurde der gesamte Konzern im Bereich Management umstrukturiert und die bisherigen Führungskräfte der einzelnen Geschäftsbereiche weitgehend entmachtet. Stattdessen wurden sieben sogenannte business area manager eingesetzt, die tageweise aus der Schweiz einflogen, um das lokale Management zu beraten und zu kontrollieren.

Vom 5. September 2002 bis zum 31. Dezember 2004 leitete Jürgen Dormann den Konzern als Vorsitzender der Geschäftsleitung und wurde am 1. Januar 2005 von Fred Kindle, bis dahin Vorsitzender der Geschäftsleitung der Sulzer AG, abgelöst. Dormann, der 1998 erstmals in den Verwaltungsrat gewählt wurde, war von 2002 bis zu seinem Rücktritt auf die Generalversammlung im Jahr 2007 hin auch Präsident desselben. Unter seiner Leitung wurden verschiedene nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Unternehmensbereiche veräussert, unter anderem Anfang 2004 der Geschäftsbereich ABB Gebäudetechnik Schweiz, aus dem in der Folge die ETAVIS-Gruppe hervorging. In der darauffolgenden GV neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde der Physiker Hubertus von Grünberg, der sogleich auch ins Amt des VR-Präsidenten gewählt wurde.

Im Jahr 2004 verkaufte ABB sein Upstream-Öl- und Gasgeschäft, ABB Vetco Gray, für einen Anfangspreis von 925 Millionen US-Dollar an ein Konsortium privater Kapitalinvestoren.

Im Jahr 2005 nahm ABB seine Aktien von der Londoner Börse und der Frankfurter Börse.Restructuring announced by ABB. In: Railway Gazette International. October 2005, S. 645 (englisch).