Ebolafieber (auch: Ebolakrankheit) ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Orthoebolavirus (früher Ebolavirus) hervorgerufen wird. Die Bezeichnung geht auf den Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo zurück, in dessen Nähe diese Viren 1976 den ersten allgemein bekannten großen Ausbruch verursacht hatten. Von 2014 bis 2016 kam es zur bis dahin weltweit schwersten Ebolafieber-Epidemie in Westafrika. Ab Mai 2026 ist es zu einer erneuten Infektionswelle im Osten der Demokratische Republik Kongo mit dem Bundibugyo-Ebolavirus gekommen, mit derzeit 4.945 bestätigten Erkrankten und 2.325 Todesfällen (Stand 15. August 2026).

Das Ebolafieber ist eine Zoonose und verläuft je nach Virusart in etwa 25 bis 90 % aller Fälle tödlich, wobei die durchschnittliche Fallsterblichkeitsrate bei 50 % liegt. Als Therapie stehen bislang Maßnahmen zur Bekämpfung oder Linderung einzelner Krankheitssymptome zur Verfügung. Zur Prophylaxe werden Impfungen genutzt. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und in vielen anderen Ländern besteht eine Meldepflicht bei Verdacht auf Ebolafieber, bei direktem oder indirektem Erregernachweis, bei Ausbruch der Erkrankung, beim hämorrhagischen Krankheitsverlauf oder bei Tod durch die Ebola-Virus-Krankheit. Für die Erkrankung von Affen besteht in Deutschland Anzeigepflicht nach dem Tiergesundheitsgesetz (TierGesG).Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Juli 2011 (), geändert durch Artikel 3 der Verordnung vom 3. Mai 2016 () in Verbindung mit § 4 des Gesetzes zur Vorbeugung vor und Bekämpfung von Tierseuchen (Tiergesundheitsgesetz – TierGesG) vom 22. Mai 2013 (), zuletzt geändert durch Artikel 8 Absatz 12 des Gesetzes vom 3. Dezember 2015 ().

Ursache

Es werden fünf Arten in der Gattung Ebolavirus unterschieden: Zaire-Ebolavirus (EBOV), Sudan-Ebolavirus (SUDV), Reston-Ebolavirus (RESTV), Taï-Forest-Ebolavirus (TAFV, früher Elfenbeinküste- bzw. Côte-d’Ivoire-Ebolavirus) und Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV). Außer dem Reston-Ebolavirus lösen alle anderen vier Arten beim Menschen hohes Fieber über 38,5 °C in Verbindung mit Blutungen (hämorrhagisches Fieber) aus. Die Sterblichkeit (Letalität) der Erkrankten durch Ebolafieber liegt bei 50 bis 90 % im Falle von EBOV, bei 41 bis 65 % im Falle von SUDV sowie bei 25 und 36 % bei den beiden bekannten Ausbrüchen des BDBV. Im Falle des TAFV und RESTV ist kein Toter unter den wenigen nachgewiesenen Erkrankungsfällen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt eine case fatality rate (Letalitätsrate) von rund 50 % an, mit einer Spannweite von 25 bis 90 % bei den vergangenen Ausbrüchen. Das Robert Koch-Institut nennt eine Letalität je nach Virusspezies von 30 bis 90 %. Aufgrund der hohen Letalität und Infektionsgefahr wird der Erreger in die höchste Risikogruppe 4 nach der Biostoffverordnung eingeordnet (lediglich die Virusspezies RESTV ist der Risikogruppe 2 zugeordnet).

Das natürliche Erregerreservoir des Virus – der Reservoirwirt – ist bislang unbekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass als Hauptwirt Nilflughunde in Frage kommen. Forscher in Gabun konnten entweder Virusbruchstücke oder Virusantikörper in sechs selbst nicht erkrankten Flughundearten nachweisen. Es handelte sich dabei um die Flughundearten Epomops franqueti, Hammerkopf (Hypsignathus monstrosus), Schmalkragen-Flughund (Myonycteris torquata), Micropteropus pusillus und Nilflughund (Rousettus aegyptiacus) sowie die Fledermausart Angola-Bulldoggfledermaus Mops condylurus aus einer Gegend, in der zuvor Schimpansen und Gorillas an Ebolafieber verendet waren. In Teilen West- und Zentralafrikas werden diese Tiere als „Buschfleisch“ verzehrt. Es wird hinsichtlich dieses rohen Fleisches daher vom ungeschützten Kontakt und Verzehr abgeraten.

Der Subtyp Reston löst bei der Affengattung der Makaken die Krankheit aus. Eine Krankheitsauslösung beim Menschen wurde jedoch bislang nicht festgestellt.

Krankheitsentstehung Übertragung

Der Erreger kann von erkrankten Menschen (durch Körperflüssigkeiten), von Tieren (einschließlich des regional üblichen „Buschfleischs“) und von kontaminierten Gegenständen auf den Menschen übertragen werden. Grundsätzlich lassen sich diese Infektionswege primär durch Desinfektion von Gegenständen und Verzicht auf „Buschfleisch“, sekundär durch Isolierung der Erkrankten und Schutzkleidung für pflegende Angehörige und medizinisches Personal zuverlässig ausschalten. Nicht in allen Gegenden sind allerdings hierfür die nötigen Voraussetzungen erfüllt.

Ohne Schutzmaßnahmen besteht zudem ein hohes Risiko, sich bei Kontakt mit dem Leichnam eines an Ebola Verstorbenen zu infizieren. mini|400px|Lebenszyklen des Ebolavirus. Text in englischer Sprache

Faktoren der Pathogenese Im Rahmen der Ebolafieber-Epidemie 2014 bis 2016 in Westafrika wurde auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass eine infizierte Person beispielsweise nach Europa einreist und erst dort erkrankt. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat wichtige Faktoren genannt, die bei der Pathogenese von Bedeutung sind. Das dazu verwendete Flussschema soll dem medizinischen Personal als Hilfestellung dienen, einen begründeten Verdacht auf einen importierten Ebolafieber-Fall schnell zu erkennen. Ähnliche Zusammenfassungen wurden ebenso von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) angewendet.

Demnach handelt es sich um einen begründeten Verdachtsfall, wenn der Patient Fieber über 38,5 °C hat oder eine erhöhte Temperatur aufweist mit Begleitsymptomen wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen oder Hämorrhagien (vergleiche Symptome) und in den 21 Tagen vor dem Erkrankungsbeginn einer der folgenden drei Punkte zutrifft: Kontakt mit einer Person, die an Ebolafieber erkrankt, krankheitsverdächtig oder an der Infektion verstorben war, wobei der Kontakt zu der Person ein unterschiedliches Expositionsrisiko aufweisen kann, beruflich Kontakt mit Ebolaviren, erregerhaltigem Material oder infizierten Tieren hatte, der Kontakt kann im Inland oder Ausland erfolgt sein oder Kontakt zu bestimmten Tieren, die Ebolaviren übertragen können (Flughunde, Fledermäuse, Primaten), oder Kontakt zu deren Ausscheidungen in einem von Ebolafieber-Ausbrüchen betroffenen Gebiet in Afrika oder Kontakt zu „Bushmeat“ aus diesen Gebieten hatte. mini|300px|Immunreaktionen des Wirts auf das Ebola-Virus und den konkomitierenden Zellschäden aufgrund einer direkten Infektion von Monozyten und Makrophagen führen zur Freisetzung von Zytokinen, die mit Entzündungen und Fieber verbunden sind. Eine Infektion von Endothelzellen führt auch zu einer zytopathischen Wirkung und einer Schädigung der Endothelbarriere, die zusammen mit Zytokineffekten zum Verlust der Gefäßintegrität führt.

Inkubationszeit Hinsichtlich der Inkubationszeit wurden verschiedene Angaben veröffentlicht. Im Allgemeinen wird sie mit 2 bis 21 Tagen angegeben, am häufigsten beträgt sie 8 bis 10 Tage. In 3 % aller Fälle sind es 22 bis 42 Tage, in 2 % der Fälle macht die WHO keine Aussagen.

Klinische Erscheinungen Bei vielen Patienten lassen sich zwei klinische Phasen der Erkrankung unterscheiden, zwischen denen die Symptome über 24 bis 48 Stunden abklingen (Remission). In der ersten Phase treten Symptome wie bei einer beginnenden Grippe auf, die zweite Phase ist durch hämorrhagisches Fieber gekennzeichnet.

Nach Ablauf der Inkubationszeit treten zunächst grippeähnliche Symptome auf, mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen, hinzu kommen Übelkeit und Erbrechen oder auch Durchfall. Weitere Symptome, die während der Epidemie in Mosango (Demokratische Republik Kongo) 1995 dokumentiert wurden, sind Kraftlosigkeit, Schmerz im Unterleib, Appetitlosigkeit, Gelenkschmerz, Rötung der Schleimhäute in der Mundhöhle, Schluckstörung und Bindehautentzündung. Darüber hinaus wurden bei der Epidemie 2014 im Kenema-Staatskrankenhaus (Sierra Leone) noch Schwindelanfälle, Halsschmerzen und Ödeme als Symptome dokumentiert. Ein Hautausschlag entwickelt sich bei rund einem Viertel bis der Hälfte der Patienten. Nach wenigen Tagen der symptomatischen Erkrankung weisen einige Patienten Blutungen auf. Diese beschränken sich meist auf Hautblutungen wie Petechien, Ekchymosen, Konjunktivalblutungen (Blutungen in der Bindehaut des Auges) oder Blutungen nach Nadeleinstichen, wie bei Injektionen.

Die Dokumentation der Symptome von Ebolafieber-Patienten im Kenema-Staatskrankenhaus in Sierra Leone während der Epidemie 2014 ermöglicht Aussagen über die Häufigkeit der Symptome, dabei ist jedoch zu beachten, dass nur die Daten von 44 Patienten erfasst wurden. Hiernach weisen viele Erkrankte Fieber (89 % der Patienten), Kopfschmerz (80 %), Kraftlosigkeit (66 %), Schwindelanfälle (60 %) und Durchfall (51 %) auf. Weniger häufig auftretende Symptome sind Unterleibsschmerz (40 %), Halsschmerz (34 %), Erbrechen (34 %) und Konjunktivitis (31 %). Bei nur einem Patienten wurden Blutungen dokumentiert, so dass für die Epidemie 2014 hämorrhagische Symptome als selten angesehen werden. Allerdings können diese bei den verbleibenden 43 Patienten nicht ausgeschlossen werden, da eingeschränkt protokolliert wurde.

Die zweite Phase der Erkrankung ist durch hämorrhagisches Fieber gekennzeichnet, hohes Fieber mit mehr als 38,5 °C in Verbindung mit Blutungen. Die Patienten weisen in diesem späteren und schwereren Krankheitsverlauf Schleimhautblutungen vor allem aus dem Magen-Darm-Trakt auf, aber auch aus anderen Organen, z. B. der Niere, was sich durch blutigen Stuhl und Urin äußert. Bei den Patienten zeigen sich Schockzustände und Kreislaufzusammenbrüche. Die Beeinträchtigung der Nieren führt zu Oligurie und schließlich zum Nierenversagen. Auch über neuropsychiatrische Auffälligkeiten wurde berichtet, bei dem Ausbruch von 1995 wurden Krämpfe (Konvulsionen) und Delirium diagnostiziert. Während der Epidemie 2014 wurde außerdem von Verwirrtheit und Hörverlust berichtet. Bei tödlichen Verläufen wird der Tod durch eine Form des septischen Schocks mit multiplem Organversagen hervorgerufen. Durch Obduktionen lassen sich Schädigungen (Nekrosen) an verschiedenen Organsystemen nachweisen, ohne dass sich im Regelfall eine einzelne pathologische Veränderung als Todesursache bestimmen lässt.

Untersuchungsmethoden Klinisch ist eine Ebolainfektion in ihrem Erscheinungsbild nicht eindeutig von einer Infektion mit dem Marburg-Virus oder anderen Viren, die hämorrhagisches Fieber auslösen, unterscheidbar.

Diagnose Das Virus kann nur durch Labordiagnostik im Blut, im Urin oder im Speichel zweifelsfrei nachgewiesen werden. Als Standardverfahren hat sich die Reverse Transkriptase-PCR etabliert, bei der bereits sehr wenige Viruskopien für einen sicheren Nachweis ausreichen. Auch ein Nachweis der speziellen Antikörper ist möglich, allerdings werden diese häufig erst im späteren Verlauf der Erkrankung gebildet, ihre Abwesenheit kann daher nicht als Ausschlusskriterium einer akuten Infektion gelten. Der Umgang mit Ebolaviren darf nur in Hochsicherheitslaboren der Schutzstufe 4 erfolgen.

Differenzialdiagnose In der Differenzialdiagnose sind andere Tropenkrankheiten auszuschließen, die sich auch durch Fieber äußern können. Dies trifft häufig auf Malaria zu. Weiterhin muss abgeklärt werden, ob es sich nicht um einen Fall von viral hervorgerufenem hämorrhagischen Fieber jenseits von Ebolafieber handelt. Dies ist beispielsweise Denguefieber (verursacht durch das Dengue-Virus), Gelbfieber (verursacht durch das Gelbfieber-Virus), Krim-Kongo-Fieber (verursacht durch das Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus), Lassafieber (verursacht durch das Lassa-Virus), Marburgfieber (verursacht durch das Marburg-Virus) oder Infektionskrankheiten verursacht durch Hantaviren oder das Hepatitis-A-Virus. Ebenso müssen bakterielle Erkrankungen ausgeschlossen werden, wie beispielsweise Typhus abdominalis, Pest, Rickettsiose, Meningokokken-Sepsis oder andere Sepsisformen, Leptospirose, Bakterienruhr oder hämorrhagische Formen des Rückfallfiebers.

Behandlung