Taschkent ( „Steinstadt“, früher kyrillisch ; ) ist die Hauptstadt Usbekistans und mit über drei Millionen Einwohnern die größte Stadt in Zentralasien. Die Stadt liegt nördlich der großen Seidenstraße an der Grenze zu Kasachstan am westlichen Rand des Tian-Shan-Gebirges. Taschkent ist Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks Viloyat Taschkent, zählt jedoch selbst nicht dazu, sondern wird als eigenständige Stadt auf Viloyatniveau verwaltet.

Taschkent ist eine Industriestadt (Energiewirtschaft, Maschinen- und Flugzeugbau, Baumwollverarbeitung, Lebensmittelindustrie), ein Verkehrsknotenpunkt mit der U-Bahn und dem Flughafen sowie allgemein ein Kulturzentrum mit Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern, Museen, Observatorium und Zoo. Ein modernes Wahrzeichen von Taschkent ist der Fernsehturm.

Geographie Fläche, Lage, Grenzen mini|Satellitenbild von Taschkent Das Stadtgebiet von Taschkent hat eine Fläche von 334,8 Quadratkilometern. Dies entspricht etwas mehr als einem Drittel der Fläche Berlins. Die Stadt liegt in einer Höhe von etwa 455 Metern an den Westausläufern des Tianshangebirges. Der Fluss Ankhor durchfließt sie; an der südlichen Stadtgrenze verläuft von Nordosten kommend der Fluss Chirchiq.

Stadtgliederung Taschkent gliedert sich in 11 Distrikte (Tuman): Nr. Tuman Fläche(km²) Bevölkerung(01.01.2020) Dichte 1 Bektemir 21,91 34.829 1.590 2 Chilonzor 30,28 248.143 8.195 3 Yashnobod 37,40 241.812 6.466 4 Mirobod 16,72 138.009 8.254 5 Mirzo Ulugʻbek 37,49 275.531 7.349 6 Sirgʻali 51,87 195.760 3.774 7 Shoyhontohur 26,99 340.707 12.623 8 Olmazar 33,74 365.435 10.831 9 Uch Tepa 28,23 272.537 9.654 10 Yakkasaroy 14,09 118.854 8.435 11 Yunusobod 41,38 340.051 8.218 1–11 Taschkent 340,10 2.571.668 7.562mini|hochkant=1.6|Stadtgliederung von Taschkent

Klima Das Klima ist sehr kontinental geprägt mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern. Die Temperatur beträgt im Jahresmittel etwa 13,5 °C. Im Sommer steigen die Temperaturen auf über 35 °C (tagelange Hitzewellen von 44 °C wie im Juli 2022 sind auch möglich). Im Winter werden Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt erreicht. Die jährliche Niederschlagssumme beträgt etwa 418,8 mm. Die meisten Niederschläge fallen von November bis März.

Geschichte Namensherkunft Der alte Name der Stadt lautete Tschatsch (persisch Čāč oder Čāğ) – arabisiert Schāsch (Šāš) – und wird u. a. in sassanidischen Inschriften und im Schāhnāma Firdausis erwähnt; seine Etymologie ist nicht geklärt. Unter anderem wurde versucht, das Wort mit einem jenisseischen Wort für Stein in Verbindung zu bringen. Damit wäre der Name auf die Zeit der hunnischen Besetzung Sogdiens zurückzuführen; da er jedoch schon unter Schapur I. (240–272) nachweisbar ist, erscheint dieser Erklärungsversuch als falsch.J. N. Roy, B. B. Kumar: India and Central Asia: classical to contemporary periods. Concept Publishing Company, 2007, S. 15 ff. Auch die frühesten chinesischen Quellen transkribieren den Namen der Stadt mit dem Zeichen schih, also Stein. Eine mögliche tocharische Herkunft wird ebenfalls diskutiert.

Der moderne Name der Stadt, in der perso-arabischen Schrift als / Tāškand transkribiert, setzt sich zusammen aus Tasch und dem sogdischen Wort für Stadt (kand). Er ist frühestens im Tāriḫ al-Hind von al-Bīrūnī nachzuweisen, auf Münzprägungen erst in der Epoche der Mongolen. Tasch kann u. a. aus dem türkischen Wort für Stein (taş) entlehnt und somit eine Übersetzung früherer Namen sein. Damit wäre die moderne usbekische Bedeutung „Stadt aus Steinen“ gegeben. Der Orientalist D. Sinor sieht hingegen das türkische Wort Taz als Ursprung des Wortes, welcher selbst eine Umwandlung des arabischen Stammesnamens Tayy ist. Die Tayy gehörten zu den ersten arabischen Stämmen in Zentralasien, und im Laufe der Zeit wurde ihr Name in den türkischen Sprachen, zuerst als Taz und später als Tāt(sch), auf alle Muslime und anschließend spezifisch auf die islamisierte und sesshafte iranische Bevölkerung der Region übertragen, die zu dem Zeitpunkt die Mehrheit der Bevölkerung Zentralasiens bildeten. Er ist heute in den Ethnonymen der iranischsprachigen Tadschiken und Tat enthalten. Somit würde sich, dieser Definition zufolge, die Bedeutung „Stadt der (muslimischen) Iraner“ ergeben.D. Sinor, The Uralic and Altaic Series (Bd. 1–150), Bd. 26, Routledge Curzon, S. 82 Diese Herleitung findet aber kaum Befürwortung.Barthold und Bosworth in: Encyclopaedia of Islam. New Edition. s. v. TASHKENT

Der heutige tadschikische Name ist Toschkand (Тошканд). Andere, inzwischen nicht mehr verwendete Bezeichnungen der Stadt sind Schasch oder Binkent.

Antike und Mittelalter Taschkent wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. in chinesischen Quellen erstmals erwähnt.

Im Jahr 751 nahmen arabische Streitkräfte Taschkent ein und trafen auf die westlichen Vorposten des Kaiserreich Chinas. Damit stieß die arabische Expansion einstweilen an ihre Grenzen. Gleichzeitig breitete sich in dem Gebiet der Islam aus. Im 9. und 10. Jahrhundert fiel Taschkent an den Staat der Samaniden. In dieser Zeit waren die beiden islamischen Gelehrten al-Haitham ibn Kulaib asch-Schāschī (gest. 946) und Abū Bakr al-Qaffāl asch-Schāschī (gest. 976) hier tätig.Vgl. Muminov u. a.: Islamic education in Uzbekistan. 2010, S. 250. Im 11. Jahrhundert wurde Taschkent zum ersten Mal als Stadt genannt.

Im Jahr 1220 eroberte Dschingis Khan die Stadt und gliederte sie in sein Reich ein. Im 14. Jahrhundert kam Taschkent unter dem Krieger Timur Lenk und den Timuriden erneut zu Reichtum. Später war Taschkent zwischen bucharischen, usbekischen und kasachischen Khanaten umstritten.

Im 17. und 18. Jahrhundert brachten Händler auf dem Landweg, besonders von Taschkent aus, Handelsgüter mit Kamelkarawanen nach Norden. Vor allem unter dem Zaren Peter I. (1682–1725) festigten sich auch die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und den mittelasiatischen Khanaten. Häufig wurden Gesandtschaften ausgetauscht.

Russische Eroberung mini|Taschkent 1917 Im Jahre 1839 versuchte der russische Zar Nikolaus I., die Expansion der Briten in dem Gebiet zu verhindern. Taschkent wurde 1865 von russischen Streitkräften erobert und 1867 zum Zentrum des Generalgouvernements Turkestan gemacht.

Sowjetische Zeit Überblick Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde Taschkent am 18. April 1918 zur Hauptstadt der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik Turkestan innerhalb Russlands erklärt. Bei der Aufteilung der ASSR Turkestan im Jahre 1924 wurde Taschkent Hauptstadt der am 27. Oktober 1924 neu gegründeten Usbekischen SSR innerhalb der Sowjetunion.Vgl. Muminov u. a.: Islamic education in Uzbekistan. 2010, S. 247. Das unmittelbare nördliche Hinterland der Stadt kam jedoch zur Kasachischen SSR, sodass die Stadt zur Grenzstadt wurde.

Taschkent als Zentrum des zentralasiatischen Islams Während der sowjetischen Zeit entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Zentrum islamischer Aktivitäten. Der bedeutendste Vertreter des gelehrten Islams in Taschkent nach 1919 war Saʿīd ibn Muhammad al-ʿAsalī (gest. 1932), bekannt als Schami Damulla. Seine Lehraktivitäten führten zur Gründung einer Gruppe, die als die Ahl al-Hadīth von Taschkent bekannt waren. Sie hatten aber keinerlei Beziehungen zu den Ahl-i Hadīth in Indien. Als Shami Damullah 1932 aus Taschkent verbannt wurde, übernahm sein Schüler Jamal-Khwaja-Ishan von der Chuqur-Qishlaq-Moschee die Führung der Ahl al-Hadīth und behielt sie, bis er 1937 verhaftet und hingerichtet wurde.Vgl. Muminov u. a.: Islamic education in Uzbekistan. 2010, S. 248. Nach der Verhaftung von Jamal-Khwaja-Ishan wurde die Führung der Ahl al-Hadith Mulla Nafiq (Shah-Rasul), dem Imam der Rakat-Moschee in Taschkent, übertragen. Eine zweite Gruppe von islamischen Aktivisten waren Asketen, die von Sabircha-Damulla aus dem Dorf Qaunchi angeführt wurden.Vgl. Muminov u. a.: Islamic education in Uzbekistan. 2010, S. 249 f.

Nachdem 1943 die politischen Kreise um Stalin beschlossen hatten, die Beziehung des Staates zu den Religionsgemeinschaften zu verbessern, wurden vier Muftiate geschaffen, die fortan für die geistlichen Angelegenheiten der Muslime der Sowjetunion zuständig sein sollten. Eines dieser Muftiate war die im Juli 1943 gegründete Geistliche Verwaltung der Muslime Zentralasiens und Kasachstans (SADUM), die ihren Sitz in Taschkent nahm. Die SADUM beschloss, zwei Madrasas zu eröffnen, von denen eine mit 30 Studenten in Taschkent und die andere mit 60 Studenten in Buchara sein sollten, ein Plan, der im Oktober 1945 von der Sowjet-Führung gebilligt wurde. Die Baraq-Khan-Madrasa in Taschkent konnte allerdings erst 1956 ihre Arbeit aufnehmen und wurde 1961 schon wieder geschlossen. Dafür wurde 1971 in Taschkent das Islamische Institut Imam al-Buchārī gegründet, das bis heute weiterbesteht. Neben diesen offiziellen Lehrstätten bildeten sich in Taschkent verschiedene illegale islamische Lehrzirkel, die hujra genannt wurden und unterschiedlich (hanafitisch, schafiitisch, sufisch) ausgerichtet waren.Vgl. Muminov u. a.: Islamic education in Uzbekistan. 2010, S. 252–254.

In den Jahren der Zugehörigkeit zur Sowjetunion entstand in Taschkent ein Kultur-, Wissenschafts- und Bildungskomplex als Zentrum für Islamische Zivilisation. Es gehört mittlerweile zu den größten derartigen Einrichtungen in Usbekistan.Ben Aris: Der neue asiatische Tiger, Berliner Zeitung, Printausgabe vom 8. Juli 2026, S. 17.

Arbeitslager In der Stadt gab es zwei sowjetische Arbeitslager (Gulags). Von 1930 bis 1943 bestand hier das Zentralasiatische ITL, ein Straflager mit zeitweise über 36.000 Internierten. Sie leisteten Zwangsarbeit in der Baumwollproduktion, im Wasserbau, in der Konsumgüterproduktion und beim Warentransport. Von 1945 bis 1946 bestand das ANGREN-ITL mit bis zu 1.700 Inhaftierten, die überwiegend im Kohletagebau sowie im Industrie-, Straßen- und Wohnungsbau arbeiten mussten. Das Kriegsgefangenenlager 386 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs lag ebenfalls in Taschkent.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.

Stadtentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Planungsmodell des erneuerten Stadtzentrums von 1966, Ansicht von Osten Ein Erdbeben am 26. April 1966 zerstörte erhebliche Teile der Stadt. Dies gab den Stadtplanern die Möglichkeit, ihre Vision einer neuen Stadt als Symbol sowjetischer Modernität in Asien umzusetzen. Dabei wurden auch nur leicht beschädigte Gebäude der traditionellen Viertel abgerissen. Verkehrswege wurden neu organisiert, Straßen verbreitert, Parks erweitert sowie eine U-Bahn und höhere Gebäude als zuvor gebaut. Umfangreiche und schnelle Hilfe von Partei und Regierung in Moskau kam der Stadt dabei zugute. Durch vorfabrizierte Materialien sowjetischen Designs konnte der zerstörte Wohnraum bis 1970 ersetzt werden. In den 1980er Jahren setzte sich die Expansion von Wohngebieten fort und es entstanden Einkaufszentren in sowjetischem Stil und eine Veranstaltungshalle (Palast der Völkerfreundschaft).Stronski 2010, S. 271 ff.

Taschkent war für die Sowjetarmee während des Sowjetisch-Afghanischen Krieges der wichtigste Stützpunkt außerhalb Afghanistans. Die 40. Armee wurde 1979 mit Hauptquartier in Taschkent nach 34 Jahren neu aufgestellt; sie sollte die Grenzen zu Afghanistan sichern. Der Großteil der in Afghanistan verwundeten Soldaten wurde nach der Erstversorgung in eines der Krankenhäuser der Stadt gebracht.

Nach der Unabhängigkeit Usbekistans mini|Moderne Bürohäuser vor sowjetischen Plattenbauten Am 31. August 1991 wurde in Taschkent die Unabhängigkeit Usbekistans ausgerufen und Taschkent zur Hauptstadt des neuen Staates. Seither wird die Stadt renoviert und umgebaut, um das Bild eines mächtigen Regierungszentrums für einen modernen unabhängigen Staat zu schaffen.Stronski 2010, S. 279 f. Im Jahr 1999 kam es zu Bombenanschlägen auf den Präsidenten.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung