Trebur (mundartlich: Trewwer) In: Darmstädter Echo. 11. August 2014. ist eine Gemeinde im südhessischen Kreis Groß-Gerau.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Rhein-Main-Gebiet und gehört zum Hessischen Ried. Die Entfernung zu den Städten Mainz, Wiesbaden, Frankfurt am Main und Darmstadt beträgt etwa 20 bis 30 Kilometer. Östlich verläuft die Rhein-Main-Bahn, nächstgelegener Bahnhof ist der Bahnhof Nauheim (b Groß Gerau).
Nachbargemeinden Trebur grenzt im Norden an die Stadt Ginsheim-Gustavsburg und die Stadt Rüsselsheim am Main, im Osten an die Gemeinde Nauheim und die Stadt Groß-Gerau, im Süden an die Stadt Riedstadt, sowie im Westen an die Städte Oppenheim und Nierstein und die Gemeinden Nackenheim und Bodenheim (alle Landkreis Mainz-Bingen).
Gemeindegliederung Trebur besteht aus den vier Ortsteilen Astheim, Geinsheim mit dem Wohnplatz Kornsand, Hessenaue und der Kerngemeinde Trebur und beherbergt in etwa 6.100 Haushalten rund 13.000 Einwohner.
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Geschichte mini|Altes Rathaus
Ortsgeschichte Der Ort Trebur wird 829 zum ersten Mal in einer Urkunde König Ludwigs des Frommen erwähnt. In historischen Unterlagen findet Trebur in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Triburen und Triburi fiscus im Lorscher Codex für die Zeit von 830 bis 850, Triburias in den Jahren 874 und 882, Triburium 1248, Dribure 1273, Trebure 1295, Tribor 1433, Tribber 1469, Trebornn 1516, Trebber 1550 und Trebur ab dem Jahr 1553.
Seit dem 9. Jahrhundert stand in Trebur eine Königspfalz. Sie ging aus einem Königshof mit ausgedehntem Fiskalbezirk hervor, zu dem unter anderem auch der heutige Ortsteil Astheim gehörte. Aus der Zeit zwischen 829 und 1077 sind 57 Königsaufenthalte, einige Reichstage und die Synode von Trebur bekannt, von denen einige reichsgeschichtliche Bedeutung hatten. König Heinrich IV. war besonders mit Trebur verbunden, hier wurde er 1053 zum König gewählt und heiratete er 1066. 1076 zwangen ihn oppositionelle Fürsten auf dem Fürstentag zu Trebur, seinen Konflikt mit dem Papst beizulegen, was den „Gang nach Canossa“ zur Folge hatte.
In der Folge verlor Trebur seine Bedeutung als Königshof. Außer dem Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden besuchte kein König mehr die Pfalz. Trebur wurde zusammen mit der Pfalz 1248 an die Grafschaft Katzenelnbogen verpfändet. Das Pfand wurde nie eingelöst, und die Grafen konnten 1422 weitere Hoheitsrechte erwerben. Das Katzenelnbogener Erbe fiel mit Trebur 1479 an die Landgrafschaft Hessen. 1527 tauschte Graf Philipp III. von Hanau-Lichtenberg seine Rechte in Trebur und andere Rechte mit Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz gegen die Hälfte des Dorfes Altheim, das dem Hanauer Amt Babenhausen zugeordnet wurde. 1599 verkaufte das Albanstift zu Mainz sein Hofgut dem Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt, der es 1601 an die Gemeinde Trebur weiterverkaufte. 1771 werden als Grundbesitzer in Trebur der Deutsche Orden, das Kloster Eberbach sowie weitere vor allem Mainzer Kirchenbesitzungen genannt. Im Jahr fiel der Besitz des 1781 aufgehobenen Klarissenklosters St. Klara an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Noch bis 1802 wird das Kloster Eberbach als Grundbesitzer genannt.
Mit der hessischen Herrschaft wurde Trebur zusammen mit Astheim und Geinsheim Teil des hessischen Amtes Dornberg. Verwaltungsmäßig gehörte Trebur dann bis 1820 zum Amt Dornberg, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 wurden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Trebur wurde dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Trebur:
1832 wurden die Verwaltungseinheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Trebur in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Trebur von 1848 bis 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen-Darmstadt von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ist seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.
Trebur war im 17. und 18. Jahrhundert neben dem Dreißigjährigen Krieg und Pestepidemien auch vielfach vom Hochwasser des nahen Rheins betroffen. Auch durch die Erb- und Thronfolgekriege und die anschließenden Napoleonischen Kriegen war die Bevölkerung vielfachen Repressalien ausgesetzt. Auch das 19. Jahrhundert war durch soziale und wirtschaftliche Missstände geprägt, was zwischen 1840 und 1890 zu einer Aus- und Abwanderungswelle führte. Erst der wirtschaftliche Aufschwung des Rhein-Main-Gebietes und die damit verbundenen neuen Arbeitsplätze ließen gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen bescheidenen Wohlstand zu.
Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert wurden durch die beiden Weltkriege und den NS-Staat diese Verbesserungen wieder zunichtegemacht. Der Widersinn von Krieg und Gewaltherrschaft wurde noch einmal am Ende des Zweiten Weltkrieges durch das Kornsandverbrechen demonstriert, als sechs politisch missliebige Zivilisten am 21. März 1945 am Kornsand misshandelt und hingerichtet wurden – zwei Tage bevor die amerikanischen Streitkräfte unter General Patton den rechtsrheinischen Brückenkopf eroberten (→ Rheinüberquerung bei Nierstein 1945).
Nach 1945 begannen der Wiederaufbau und die Eingliederung Hunderter von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen (→ Nachkriegszeit in Deutschland). In diesem Zuge erfolgte auch der Neubau der römisch-katholischen St. Alban-Kirche. Das Dorf verlor im Rahmen eines raschen Strukturwandels seinen vorwiegend ländlich geprägten Charakter und entwickelte sich zu einer modernen Wohnortgemeinde für Arbeiter und Angestellte. Die Lage des Ortes am Rande des Rhein-Main-Gebietes begünstigte diese Entwicklung vor allem durch die Arbeitsmöglichkeiten im nahe gelegenen Opel-Werk.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die Gemeinden Astheim, Geinsheim, Hessenaue und Trebur durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau zu einer Gemeinde mit dem Namen Trebur zusammengeschlossen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Trebur angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Rüsselsheim ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Rüsselsheim ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großgerau) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1871: Deutsches Reich,Infolge Bismarcks Politik. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-GerauIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Trebur 13.095 Einwohner. Darunter waren 642 (4,9 %) Ausländer, von denen 361 aus dem EU-Ausland, 179 aus anderen europäischen Ländern und 103 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 7,8 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 9,2 %.) Nach dem Lebensalter waren 2268 Einwohner unter 18 Jahren, 5721 zwischen 18 und 49, 2607 zwischen 50 und 64 und 2502 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 5745 Haushalten. Davon waren 1716 Singlehaushalte, 1845 Paare ohne Kinder und 1704 Paare mit Kindern, sowie 390 Alleinerziehende und 93 Wohngemeinschaften. In 1110 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 4023 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1629: 158 Hausgesesse • 1806: 1215 Einwohner, 220 Häuser • 1829: 1397 Einwohner, 244 Häuser • 1867: 1785 Einwohner, 293 Häuser
Religionszugehörigkeit • 1829: 1288 lutherische (= 92,20 %), 2 reformierte (= 0,14 %), 77 jüdische (= 5,51 %) und 30 katholische (= 2,15 %) Einwohner • 1961: 2982 (= 78,23 %) evangelische und 726 (= 19,05 %) katholische Einwohner • 1987: 5663 evangelische (= 56,2 %), 3496 katholische (= 34,7 %), 1618 sonstige (= 16,1 %) Einwohner • 2011: 5210 evangelische (= 39,8 %), 3200 katholische (= 24,4 %), 4680 sonstige (= 35,7 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 1.982 98.042 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 −6,2 % +5,4 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 72,8 % 75,9 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 27,2 % 24,1 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 550 13.048 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 +57,1 % −9,6 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenProduzierendes Gewerbe 2000 *) % 43,8 % 27,0 % 30,6 % 2017 26,7 % 33,2 % 20,4 % 24,3 %Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 38,0 % 27,6 % 26,4 % 25,1 % 2017 26,9 % 27,9 % 24,7 % 23,8 %Unternehmensdienstleistungen 2000 31,0 % 14,0 % 25,1 % 20,2 % 2017 21,1 % 19,9 % 31,6 % 26,1 %Sonstige Dienstleistungen 2000 14,8 % 13,7 % 20,1 % 22,5 % 2017 20,3 % 18,6 % 23,0 % 25,4 %Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 16,2 % 1,0 % 1,4 % 1,5 % 2017 5,0 % 0,5 % 0,3 % 0,4 % *) anonymisiert
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Trebur erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 20,2 6 21,2 7 (6*) 28,2 9 35,1 11 34,1 13 29,4 11 11,5 4 14,3 4 23,1 7 34,2 11 39,2 14 47,2 18 GLT Grüne Liste Trebur 13,3 4 15,3 5 (6*) 14,2 4 24,2 7 19,5 7 14,6 5 2,6 1 5,0 1 8,9 3 6,6 2 7,2 3 8,8 3 52,4 16 44,3 14 25,6 8 — — — — — — Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 59,1 56,1 49,5 46,3 47,1 55,6